[berlin / 04.07.2025] zitadelle spandau: sex pistols feat. frank carter / the undertones / stiff little fingers / the meffs

die atempausen sind kurz und die legendenwochen noch nicht ganz vorbei. den beginn werde ich hier verpassen, aber hoffentlich 50% der bands mitbekommen.

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es waren am ende tatsächlich 50% der bands, jedoch leider nicht the undertones, dafür stiff little fingers, von denen „strummerville“ bei mir am ehesten hängengeblieben ist. und die ansage, dass mann sich ebenfalls um seine mentale gesundheit kümmern sollte, was auch im punkrock wohl nach wie vor thematisiert werden muss bzw. nicht häufig genug thematisiert werden kann.

visuals gehören auf konzerten mittlerweile zum guten ton, und da machten die sex pistols keine ausnahme. für die kleineren in den hinteren reihen gold wert, so dass mensch trotz eingeschränkter sicht etwas mitbekommt. bestand aus in animationen eingebetteten clips aus den 1970ern in schleife, aber eben auch alle bandmitglieder in aktion. von den ursprungsmitgliedern waren alle ziemlich gut in form, paul cook für mich am besten. frank carter brachte für mich genau die richtige mischung an respekt vor der „marke“ und rotziger haltung mit. bei „pretty vacant“ war er einfach mal im publikum mit am moshen. eine rampensau im besten sinne, damit frischzellenkur für steve, glen und paul – und das alles von gegenseitigem respekt geprägt.

also: sie können’s noch, sie wollen noch. mensch kann bedenkenlos ohne sorge vor selbstdemontage hingehen.

[berlin / 19.06.2025] zitadelle spandau: iggy pop / die verlierer

ich war soeben auf dem sekundärmarkt erfolgreich und werde in dieser saison noch wenigstens zwei male hier vorbeischauen. aber erstmal die legende erleben.

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die verlierer mit punk, der mit emo gekreuzt ist. hat sicherlich seine anhänger*innen, mich jedoch nicht dazu bewogen, mich auf streaming-diensten oder anderweitig mit ihnen zu befassen. aber für’s aufwärmprogramm definitiv eine passende wahl.

mit die erste amtshandlung von iggy pop bestand daraus, sich seiner weste zu entledigen und seine anderthalb stunden oberkörperfrei zu bestreiten. fast alle zutaten dabei, wie mensch sie von iggy kennt und beinahe erwartet, nur der selbstverletztende anteil blieb aus. sonst auch gerne mal am boden liegend. schön, dass er neben „the passenger“ und „now i wanna be your dog“ auch „real wild child“ im set hatte, was viele seiner fans aufgrund seiner anleihen beim synth-pop wahrscheinlich als halbverrat ansehen.

ich hab währenddessen überlegt, ob er sich mit diesem gestus alter schule einen gefallen tut. hab mich aber für’s wohlwollende entschieden. nach all dem, was er durch hat, mit beinahe 80 jahren noch so über die bühne zu fegen und mit seiner präsenz auch nicht ins leere zu laufen, sondern das publikum mitreißen zu können, verdient absoluten respekt. gerade bei ihm eine wandlung zu erwarten, der besagten rockstar-gestus entscheidend mitgeprägt hat, wäre komplett daneben. solange er kann und die leute es wollen, sollen sie iggy bekommen. ich hab das jetzt einmal mitgemacht und kann hinter ihm einen haken machen. nochmal würde ich nicht hin.

[berlin / 20.08.2024] zitadelle spandau: off days

ist nun wirklich nicht so, dass ich in den vergangenen tagen unter langeweile gelitten hätte. bei dem hiesigen überangebot hätte ich jedoch langsam gerne welche.

18:15 peaches
19:30 gossip
21:00 róisín murphy

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auch wenn ich peaches am liebsten als haupt-act zum schluss gesehen hätte: das wäre lediglich meine musikalische präferenz gewesen. am ende war die dramaturgie des abends in der form genau richtig.

peaches mit dem zu erwartenden feuerwerk an ausgelebter queerness und gleichzeitiger punk-attitüde, wonach mann einfach nur die klappe halten und seine privilegien bzw. verhaltensweisen gründlich gegenprüfen sollte. und mit „private dancer“ eine zugabe, die mir bis ans ende meiner tage gänsehaut bescheren wird. an sich ein stück, an dem sich viele sängerinnen verheben würden – peaches lieferte jedoch die blaupause dafür, wie das angemessen interpretiert werden sollte.

gossip zu erwartend hymnischer, dank beth ditto ohnehin mit der energie von (mindestens) zwei windkraftparks – da saß alles.

róisín murphy hat mich zwar nicht umgestimmt, mir ein ticket für eines ihrer solo-konzerte zu holen und im vergleich zu gossip war das musikalisch wieder zurückgenommener, ruhiger. aber auch sie mit wahnsinnig toller bühnenpräsenz und die dunkelheit mit einem zurückgenommenen arrangement bei „the time is now“ gut ausnutzend. wenn ich einen wunsch frei hätte: die perkussiv-version von „sing it back“ kann sie gerne im studio einspielen und so veröffentlichen.

ganz hohes niveau aller beteiligten, auch wenn mich wundert, dass das aus der wuhlheide in die zitadelle herunterverlegt worden ist. macht als konzept bzw. mini-festival jedoch lust auf wiederholung – dann vielleicht mit mehr werbung vorher. wobei das in dem kleineren rahmen der zitadelle mit mehr nähe zur bühne und damit zu den protagonist*innen seine vorteile hatte. und guten sound obendrauf.