[berlin / 14.03.2026] about blank: staub

zweiter samstag im monat – da ist klar, was das heißt. für mich dieses mal zwischenstation zwischen zwei besuchen am wriezener karree. werde eher früh da sein und auch früher gehen.

ablauf

lobby

15:00 nadine talakovics
18:00 caleb esc
21:00 x tin

zelt

12:00 moe
14:30 farhan
17:00 rapha.
19:30 kovvalsky

nachbetrachtung

da wird „laberstaub, daher weniger ausführlich“ zu meinem neuen evergreen. hab es in den ersten zwei stunden meiner anwesenheit (grob ab ca. 15:30 uhr) nicht weiter als zu der sitzfläche am lobby-eingang geschafft. stellt eine völlig neue dimension des ankommens und einen neuen rekord sowieso dar.

ansonsten flashback um zwölf jahre zurück, als ich die staub kennenlernte, die damals ausschließlich auf der lobby stattfand. das lichtpult links hinter der bar fiel mir bereits bei den winter holidays auf. sollte das permanent sein: ist aus zweierlei gründen eine gute idee. erstens, weil das licht dadurch mal nicht auf autopilot läuft und damit schön die musik akzentuiert. zweitens (völlig uneigennützig) entsteht dadurch eine nische zwischen licht- und dj-pult. war schon vorher eine gute ecke, um etwas ungestörter zu tanzen. das klappt jetzt noch besser, weil das lichtpult den publikumsverkehr dort minimiert.

im zelt war ich insgesamt vielleicht zwei minuten, also bleibt das aus der musikalischen bewertung raus. füllgrad- sowie stimmungstechnisch hat’s mich gefreut, dass beide floors richtig gut funktioniert haben.
nadine auf der lobby meine klare favoritin – dubbig, später melodisch, immer treibend, super auf den punkt. hab nichts shazamt oder erkannt, daher bleibt’s bei der kurz-nüchternen beschreibung. caleb nahm verständlicherweise etwas tempo heraus, aber auch bei ihm musste mensch sich wieder einmal um geschmacks- sowie technische sicherheit keine sorgen machen.

mich hat’s als üblicherweise erklärten lobby-skeptiker überzeugt, von daher schön, dass die entscheidung so getroffen worden ist. gerne wieder, insbesondere in den helleren monaten. wegen der berghain-kantine im anschluss blieb’s für mich bei „nur“ vier stunden. war jedoch auch eine gute entscheidung.

notierte tracks

caleb esc

function – disaffected
cirkle – machina
decka – under influence
o/v/r – interior

[berlin / 13.03.2026] berghain: sound metaphors

ein halbes jahr ist es her, dass sie ihr zehnjähriges an einem freitag auf drei komplett gefüllten floors mit einer hervorragenden kuration gefeiert haben und ich gehofft habe, dass daraus etwas regelmäßigeres entsteht. und jetzt das.

sound metaphors

berghain

19:30 diamin
21:00 dopplereffekt live
22:00 the sabres of paradise live
23:00 bill kouligas
01:00 dj stingray 313
03:00 skee mask
05:00 vlada b2b konduku

panorama bar

22:00 dennis bovell
00:00 adrian sherwood live
01:00 sound metaphors djs
03:00 chaos in the cbd
05:00 tornado wallace b2b yibing
07:00 jonathan kusuma

nachbetrachtung

rein: 19:45 uhr
raus: 5:30 uhr

fazit vorab:

anwärter auf die jahresbestenliste. ich bin samstagfrüh zwar erschöpft, aber völlig zufrieden raus. klar besteht immer die gefahr, dass auf dem papier gut aussehende line-ups die hoffnungen nicht erfüllen, aber die sorge war völlig unbegründet. in nuancen gibt’s zwar immer was zu kritisieren, aber ich fand’s musikalisch wenigstens sehr gut bis hervorragend. und darüber hinaus schön zu sehen, dass eine derartig exzellente kuration so gut angenommen wird.

ausführlicher:

diamin hätte die aufgabe des warm-ups für dopplereffekt nicht besser meistern können. das war zwischen ambient, abstraktem, dubstep, ein wenig technoidem alles völlig schlüssig und zum ankommen perfekt. kann / sollte sie gerne sonntags zum gleichen slot wiederholen, wenn’s nach mir geht.

bei dopplereffekt kann ich verstehen, warum sich daran die geister scheiden. hab sie jetzt zum dritten mal gesehen, und beim ersten mal ging’s mir genauso.
ich fand’s nach ihren ersten 10-15 ambient-minuten überraschend funktional. der abrupte halt auf freier strecke mit der handbremse (im klartext: einen sehr tanzbaren electro-track einfach stoppen, um das ganze wieder mit einer zaghaften fläche neu aufzubauen, das passierte mehrere male) bringt viele im clubkontext raus, wenn sie sets mit einem flow erwarten. mich fasziniert eher das zwischenmenschliche zwischen michaela no-than bertel und gerald donald. was oberflächlich den eindruck von ihr in der statistinnenrolle macht, ist für ihn wahrscheinlich elementar, um das durchstehen zu können. da kann die musik so steril oder das set so wirr sein wie es will – am ende freut’s mich, dass die beiden es durchgezogen haben.

diejenigen, die auf den flow warteten, bekamen ihn bei the sabres of paradise. sie standen lange auf meinem hausaufgabenzettel, so dass ich mir „haunted dancehall“ erst im laufe der letzten woche mal angehört habe. schwer, dem ganzen eine stilschublade zu geben. „leftfield“ passt führ ihre erste downbeat-geprägte hälfte wohl am besten. die fand ich auch besser, gerade weil die zweite sehr technoid-melodisch und damit so ausfiel, wie acts halt denken, dass sie im berghain spielen müssten. war jedoch toll anzusehen, wieviel spaß die beiden hatten. find’s daher auch legitim, funktional zu spielen und damit einfach mal abzuräumen.

bill kouligas hat’s mir nicht leicht gemacht, einen abstecher zu dennis bovell zu machen. schnittmenge aus breakbeats, electro, etwas technoideren sounds, stets mit einem auge richtung experimentierwillen. und das, ohne die tanzfläche dabei aus den augen zu verlieren.
oben zwar auch eine volle tanzfläche, aber mit wippendem oder interessiert lauschendem publikum. dennis bovell mit dub, reggae oder auch latin music und damit das, was mensch sich unter kenner*innen im plattenladen vorspielt. nur halt im club.

bei adrian sherwood hatte ich ein wenig sorge um die fenster der panorama bar – so sehr hat das vibriert. dub zwischen digital und roots in bestform – richtig, richtig gut.

an dj stingray hatte ich ehrlicherweise keine erwartungen, da er in den letzten jahren durchaus sets gespielt hat, bei denen er sich dem trend des härteren techno andiente. erneut hat sich gezeigt: richtiger ansatz (also der, ohne erwartungen ranzugehen). den haudrauf-techno gab es zwar, aber höchstens zu einem viertel und dann meistens mit exzellentem timing auf einen electro-track folgend. das hat richtig spaß gemacht.

skee mask hat danach (auch wieder: verständlich) etwas druck aus dem kessel genommen. mir neu, dass er größtenteils mit vinyl und dabei technisch so versiert wie eh und je spielt. ein „nur“ von techno und house mit ausflügen richtung ebm oder der bereits erwähnten raster-noton geprägtes set. das „nur“, weil’s im vergleich zu seinen stilistischen parforceritten vor acht, neun jahren an ort und stelle gemäßigter war, aber erstens: der kürze der zwei stunden angemessen. und zweitens mit blick auf die tracklist definitiv abwechslungsreicher als so mancher sonntag. mit der mischung würde er dort mittags / nachmittags super passen. wenn jemensch weiß, welche funk/jazz-nummer er so 30-40 minuten vor schluss gespielt hat, gerne melden.

notierte tracks*

diamin

david toop – boneless
biosphere – startoucher
monolake – alaska (substance remix 1)

bill kouligas

korzi – footslog (hedchef heat exhaustion mix)
kluentah – give up the gods

dennis bovell

winston sinclair – come on little girl
spahni’s dub dancers – skalude in minor c

dj stingray 313

drexciya – cascading celestial giants
client_03 & james shinra – decommission me
martyn bootyspoon – buss down
lurayana – tidal wave (manao remix)
cvnsumed – ethical autodafé
sanchez – amalgama
k-65 – catch me down
privacy – go
k-65 – matador
lockjaw – i am
mr. dé – shake it baby
detroit in effect – work it
clatterbox – storm drain

skee mask

robert armani – circus bells (armando’s mix) (erster track)
jeff mills – the resolution (direkt danach)
navario sauro – lancia delta integrale 16 v
afx – pwsteal.ldpinch.d
e-dancer – pump the move
the neon judgement – the fashion party
mu – paris hilton
surgeon – floorshow pt. 2-4 (direkt danach)
dj rush – loco
traktor – master traktor (direkt danach)
afx – a f x 2 (direkt danach)
x-101 – sonic destroyer (direkt danach)
hallucinator – goldcoast
dave clarke – zeno xero
container – radiator
aoki takamasa – rn2-09 pt1 + pt2
dj deeon – groove mode
der zyklus – elektronisches zeitecho (letzter track)

*: mit sehr tatkräftiger unterstützung aus der restrealitaet.

r.i.p. cgb-1

machte bereits anfang der woche die runde und ist jetzt bestätigt: christoph grote-beverborg hat sich mit seinen initialen in so mancher auslaufrille elektronischer schallplatten verewigt, die im hause dubplates & mastering geschnitten worden sind.
cgb-1 war sein dj-alias, mit dem er seine leidenschaft für dub und reggae auslebte. da dubplates & mastering ortstechnisch und auch inhaltlich fast synonym mit dem hardwax war, brachte ihn diese enge bindung diverse male auf das line-up der wax treatment. ich kann mich leider nur an eines seiner sets erinnern, und das dürfte sogar im garten des suicide gewesen sein. die details weiß ich nicht mehr, lediglich dass es gut war. alles andere hätte mich auch gewundert.

er ist bereits am 2. märz 2026 an den folgen eines schlaganfalls verstorben.

r.i.p.

[berlin / 26.02.2026] säule: reverse

ist auch schon drei jahre her, als ich sie als dj im ohm gesehen habe. bereits zuvor hat katatonic silentio als produzentin nachhaltigen eindruck bei mir hinterlassen. umso schöner, dass sie bei der gelegenheit live spielt.

reverse

22:00 pooja b
23:30 katatonic silentio live
00:30 ireen amnes
02:30 chloe lula

nachbetrachtung

rein: 23:10 uhr
raus: 02:00 uhr

war damit einer meiner kürzesten besuche dort, was aber nicht wertend gemeint sein soll. nach vorne raus hätte ich nur gerne mehr von pooja b anstelle ihrer letzten 20 minuten mitbekommen. die deuteten zwischen acid und basslinelastigem techno abwechslungsreichtum an. dann behalte ich sie der einfachheit halber einfach auf dem zettel.

was ich nicht auf eben selbigem hatte: es gibt keine separate schlange für inhaber*innen eines tickets. das ist seit ein paar monaten bei den donnerstagen möglich und wird scheinbar auch rege genutzt. jedoch stellt mensch sich ganz normal an die schlange an, lediglich diejenigen mit listenplatz können vorbei. erwähne ich deshalb, weil besagte schlange bis hinter das ende der gitter reichte, was der wartezeit einer halben stunde entsprach. ich hatte darauf spekuliert, mit dem ticket direkt über los gehen zu können – offensichtlich ging das daneben.
freut mich jedoch, dass das so angenommen wird. drinnen war’s zu der zeit schon mehr als halbvoll und es blieb auch in meiner kurzen anwesenheit angenehm. im schnitt zur klubnacht ein jüngeres publikum, aber auch das ist bekannt.

katatonic silentio ist den vorschusslorbeeren auch als live-act gerecht geworden. nach einem ambient-intro war das waschechter dubtechno, mit der 4/4-kick als kompromiss, den sie eingegangen ist. ich fremdelte zwar erst etwas mit der frühen uhrzeit, zu der sie angesetzt war – im nachhinein war das im dienste der dramaturgie des abends völlig richtig.

ireen amnes im anschluss mit dem tooltechno, wie er seit gut zwei jahren in mode ist. das war solide unterhaltung, aber hat mich nicht aus meiner müdigkeit reißen können.

notierte tracks

pooja b

tensic – no luck

ireen amnes

ocirala – the day i didn’t graduate from uni

[berlin / 14.02.2026] about blank: staub 13

die 13 soll glück bringen. in jedem fall trifft das mit dem monatlichen jour fixe in der autonomendiskothek auf mich zu, für den ich mir den terminkalender nach wie vor gerne freiräume. gratulation ist nach wie vor ehrensache und die feierlichkeiten opulent in dauer und umfang.

ablauf

mdf

15:00 kobzev
18:00 wesley
21:00 stanislav tolkachev
23:00 bertrand.
02:00 ly sas
05:00 irakli

zelt

13:00 cara carpaccio
16:00 sirs
19:00 john osborn
22:00 pause
10:00 anja zaube

lobby

22:00 modschi b2b dj detective
02:00 anna z.
05:00 wolle xdp

wellness-punk-floor

17:00 tensor
18:00 i.nez
19:00 mel
20:00 manfred tiek
21:30 stype
23:00 ryba
01:00 a:lyrisch live
02:00 corala
03:00 j.otam
04:30 dk dent
05:30 modschi
06:30 angels in bademantel

nachbetrachtung

rein: 18:45 uhr
raus: 5:45 uhr

eine geburtstagsfeier mit allen schikanen und vor allem vielen gratulant*innen – jedenfalls von samstagabend bis ca. 2 uhr, ab da entspannte sich die lage. klar, für blank und staub gleichermaßen toll, hochverdient, die beste und dem anlass mehr als angemessene mischung an leuten etc. – für mein zns jedoch zuviel. eskalation ist da momentan absolut keine priorität, sondern vielmehr das gegenteil. hinzu kam noch der bei mir vor auftritten übliche tunnel während der üblichen ankunftsrunde, insofern müssen „hitradio-gewitter von sirs“ und „house-charmeoffensive von john osborn im anschluss“ als grobe koordinaten herhalten.

über den gesamten verlauf gesehen habe ich selten so viel zeit in der hütte verbracht – meinen eigenen beitrag mal ausgeklammert. wenn es beweise für die detailverliebtheit braucht, die die staub so auszeichnet – auf den nicht mal 20 quadratmetern fand mensch sie. deko sowie licht waren stetig im wandel und die hütte jederzeit eine mehr als gut funktionierende oase, sobald die zitterpartie durch den garten absolviert war.
„viel zu tanzbar“ dachte (und sagte) ich hunderte male, bevor es für mich losging. manch langsamere platten von manfred tiek riefen mir dann aber doch in erinnerung, dass der floor als völlig freie spielwiese konzipiert war.
zur manöverselbstkritik, welche dezidiert zur transparenz und nicht als fischen nach komplimenten gedacht ist: in meiner ersten hälfte habe ich mich bei abnehmender fülle ob angewandter sturheit (wonach ich so untanzbar wie möglich spielen wollte) so weit gegeißelt, dass meine backup-festplatte mit der gesamten sammlung bereits am zweiten cdj baumelte und einsatzbereit war. die zweite hälfte kehrte das völlig und nachhaltig um – da waren neben dem loyalen anhang auch ein paar neutrale leute darunter, die das mitgemacht haben – vielen, vielen dank dafür! ein set, das mich am ende darin bestärkt hat, dass es sich lohnt, bei einer linie zu bleiben und es eben zu den nebenwirkungen gehört, dass leute ihre zeit brauchen, um bei experimentielleren dingen einzusteigen. ein dj für hymnische momente werde ich in diesem leben nicht mehr.
ich würd’s wieder tun, nächstes mal mit noch weniger kickdrums. bei der vorbereitung habe ich in bezug auf’s ineinandermischen von soundscapes und passenden tonarten abseits von beatgrids definitiv blut geleckt.
die tracklist steht am ende, falls sich wer aus der leser*innenschaft eine playlist zusammenstellen möchte. ohne etwas versprechen zu wollen: evtl. baue ich das noch aus und nehme das nachträglich daheim auf.

von a:lyrisch hätte ich gerne mehr mitbekommen, aber erstmal im kreise des harten kerns im zelt sitzen und plaudern war zu dem zeitpunkt gebotener. bei corala fand ich den ebenfalls langsamen, basslastig-breakbeatigen anfang sehr vielversprechend. erhöhte sie schnell auf techhouse-kompatibles tempo, hat aber über die gesamtstrecke u.a. mit dubstep-artigen tracks schöne kontraste gesetzt. dk dent später ebenfalls mit techhouse, der in richtung 2000er-minimal blinkte – und das war für die uhrzeit auch nicht verkehrt.

auf dem mdf habe ich’s versucht, kam aber musikalisch nicht so recht hinein. schlecht war’s keineswegs, aber anna z. in der lobby definitiv interessanter. wenn auch zum großteil mit geraden kicks unterwegs, freut’s mich immer, dass sie den einen oder anderen electro- oder gar dubstep-track zur auflockerung einbaut und dabei nie den flow aus den augen verliert. wolles trance-set habe ich nur sekundenweise beim durchgehen gehört, daher wäre jegliche einschätzung absolut unfundiert.

notierte tracks

sirs

bill medley & jennifer warnes – (i’ve had) the time of my life
lou rawls – you’ll never find another love like mine
whitney houston – i will always love you

john osborn

the mole people – break night

manfred tiek

jürgen paape – so weit wie noch nie (in der version von der kompakt 62, nicht von der „total 3“)

anna z.

hijinx – illusions
deluka – plastic funk

stype

itty minchesta – hamburg is nich schuld daran / city nord
pita – 4
coil / nine inch nails – closer (unrecalled)
anthony child – the chief
laurent garnier – la détente: la leçon
autechre – tbm2
massive attack v mad professor – weather storm (dub) & perila – ways & pita – ce3*
donato dozzy, sabla – forma 1
oval – do while & perila – lish & kim hiorthøy – yellow minute & sadie powers – right after**
kevin drumm – morning
superpitcher – tomorrow
ulla – both feelings
squarepusher – my sound

*: „weather storm“ geht 20 minuten, die zwei zusätzlichen passten harmonisch sowie zeitlich super, also ließen sie sich gut reinmogeln.
**: da gilt das gleiche, nur dass die oval 24 minuten lang ist.

[berlin / 07.02.2026] philharmonie berlin: strom – festival für elektronische musik

findet nach drei jahren endlich mal wieder statt. auch wieder freitag und samstag, wobei das samstagsangebot so weit herausstach, dass er als einziger besuchstag reicht.

20:00 – 21:00 polygonia (live) foyer
21:15 – 22:00 azu tiwaline & cinna peyghamy (live) saal
22:00 – 23:45 dj marfox foyer
00:00 – 01:00 alva noto (live a/v) saal
01:00 – 03:00 ben klock & fadi mohem foyer

installation: nevin aladağ – jamming

nachbetrachtung

war von anfang bis ende da, und auch wenn sich das ein wenig harsch liest, war es die musikalisch für mich bislang schwächste der drei ausgaben. allerdings jammern auf hohem niveau und meinen erwartungen geschuldet. es überwiegt bei weitem das wohlige gefühl, dass sich experimentierfreude und hochkultur einmal mehr in einem der besten rahmen beidseitig entfalten konnten. natürlich bleibt das festival für künftige ausgaben auf meiner liste an terminen, nach denen ich ausschau halte.

allem voran wurde an einer der für mich relevantesten stellschrauben gedreht: vierpunktbeschallung im foyer. nicht durch funktion one, stattdessen l acoustics. keine zwei massiven boxentürme, sondern vorne mittelgroße, hinten kleinere. das hat erstens völlig ausgereicht, um klimaanlage sowie lampen vibrieren zu lassen und zweitens dabei völlig klar zu bleiben. gleiches gilt für den saal: auch l acoustics in mittlerer ausstattung – alles bis ins detail hörbar. wenn ich einen wunsch frei hätte: die leinwand für die visuals müsste nicht so groß sein, dass das publikum dahinter verschwindet. da die visuals sich am samstag eh sehr in grenzen hielten (bei azu tiwaline und ceyna peghamy gab es keine, bei alva noto längst nicht in dem umfang wie im berghain), wären auch zwei mittelgroße led-arrays an den seiten der acts völlig ausreichend. alternativ: mehrere hochkant gestellte so wie im foyer, nur mit größeren lücken dazwischen. auf die weise wäre bspw. die nerd-fraktion ziemlich erfreut, den protagonist*innen während der sets auf die finger bzw. die bildschirme schauen zu können.

all das sind jedoch keine kritischen details, die mich vom erscheinen abhalten würden. der produktionsstandard war seit jeher verdammt hoch und wird im kleinen verfeinert. gleiches galt für die kuration, die für den samstag auf dem papier für mich interessanter als der freitag aussah (bis ich samstag so nebenher erfuhr, dass pete für ehua eingesprungen war, was mich jedoch mit als einziges – evtl. neben murcof – interessiert hätte).
am ende haben mich azu tiwaline und ceyna peghamy so richtig überzeugt. field recordings und ihre meditativ-zurückgenommene rhythmusstruktur, die ceyna mit live-percussion und modular-patch ergänzt hat. wie ich am tag danach bei radio eins in „elektricity“ erfuhr, ist ihr album quasi fertig. ansonsten hätte ich sehr darum gebeten, dass sie das in eine veröffentlichung gießen. beide auf teppichen sitzend, minimale beleuchtung, nichts von der musik ablenkendes, auf den punkt sitzendes timing – richtig gut.
polygonia hatte im foyer schon einen guten einstieg gegeben und über weite strecken improvisiert. das erklärt den für mich etwas ziellos wirkenden ambient-mittelteil, nachdem sie anfangs mit langsamen, zurückgenommenen breakbeats schon eine richtung vorgegeben hatte, die auf eine langsame steigerung schließen ließ. das hat sie jedoch gezielt durchbrochen, bis zum ende die kurve zu dem material bekommen, das einerseits tanzbar, andererseits anspruchsvoll war und über weite strecken teile ihrer stimme enthielt. alles andere als schlecht also, für mich jedoch nicht der große wurf. der muss es am anfang des abends allerdings auch nicht sein – ihr einfallsreichtum sowie sounddesign ist bereits jetzt alleinstellungsmerkmal und sie bei künftigen ausgaben hoffentlich wieder dabei.

dj marfox bzw. kuduro wird einfach nicht mein fall. auch wenn es aus perspektive des mit techno sozialisierten einen komischen beigeschmack hat: mir war der rhythmus in seinem set zu statisch / repetitiv. hielt das foyer zwar gut auf betriebstemperatur, aber „jamming“ als installation fand ich in dem zeitraum weitaus besser. drei parallel in endlosschleife laufende separate videos von diversen berliner orten (mauerpark, gleisdreieck, volkspark friedrichshain), in denen entweder die schwerkraft (mit der trommel) oder die luft (glockenspiele, auf dem dach eines autos montierte klarinette) die instrumentierung übernahm. eine weitere tolle idee, was sich mit field recordings erreichen lässt.

alva noto steht synonym für meine eingangs erwähnten erwartungen. mit dem set aus dem berghain sowie dem von labelkollegen ryoji ikeda bei der strom-erstausgabe vor sechs jahren im hinterkopf hatte ich mich schon darauf gefreut, die philharmonie zeitgleich vor bass vibrieren und die spitzen töne bis in die hinterste ecke reflektierend zu hören. stattdessen habe ich mich dabei ertappt, den vor set-ende gehenden leuten insgeheim recht zu geben, als sich nach einer halben stunde abzeichnete, dass kickdrums in seinem set höchstens zaghaft und in einem langsamen tempo eingesetzt werden.
kurzum: es war ein ambient-set, ich darauf nicht eingestellt und währenddessen sowie danach entsprechend enttäuscht. mit ein paar tagen abstand würde ich die erwartungen gerne völlig tilgen und das set nochmal von anfang an hören. objektiv hat er selbst mit seinen drones für vibrationen gesorgt und die hochtöne hatten aufgrund der abwesenheit von rhythmus im wahrsten sinne raum zur entfaltung. währenddessen dachte ich, dass er vor dem raum bzw. dem rahmen zu ehrfürchtig ist, im nachgang tue ich ihm damit unrecht. nach diversen veröffentlichungen ist bekannt, dass ambient für ihn nun wirklich kein unbekanntes terrain ist, ergo sollte es nicht überraschen, dass er es zu einer gelegenheit wie dieser auslebt. positiv gewendet: alles andere als eine wiederholung des berghain-sets. im vergleich dazu haben azu und ceyma dennoch bessere brücken zwischen unterhaltung und experimentierfreude gebaut.

von ben und fadi habe ich nichts erwartet und ein grundsolides techno-set bekommen, das am ende mit ein paar chicago-sprenkseln endete und zwischendrin schöne dubtechno-anteile hatte. wie mit marcel dettmann gewinnt ben klock für mich sehr dazu, wenn er einen sparringspartner zur seite hat. mir war’s ein fest, das foyer dazu bis zum schluss so gut in schwung zu sehen.

notierte tracks

ben klock & fadi mohem

benales – scoria
robert hood – untitled 1 (mark broom edit)
scion – emerge 1
dj plant texture – ripetitivo (stretch mix)
ben klock & fadi mohem – ultimately (amotik remix)
parris mitchell – follow me ghetto (feat. dj funk)

[berlin / 05.02.2026] zenner: 180 min

das geht in diesem jahr schon mal stark los.

180 min

lawrence live
margaux gazur live

tickets

nachbetrachtung

hier muss ich aufpassen, nicht zu überschwänglich zu werden. bis auf ein kleines detail hat einfach alles gepasst. ein früher musikalischer jahreshöhepunkt, der das format und das zenner gleichermaßen perfekt ausgefüllt hat.

das kleine detail war selbstverschuldet: auf dem lediglich mit teppich gepolsterten betonboden liegen geht nach einigen minuten ziemlich auf’s steißbein. bei künftigen ausgaben mit ähnlicher musikalischer stoßrichtung muss ich mir einfach ein kissen mitnehmen.
aber sonst einem ambient-abend von vorne bis hinten angemessen: margaux gazurs gerätschaften an der säule richtung bar, lawrence brauchte mehr platz und war daher im zentrum. dafür nicht die sonst übliche bühne am hinteren ende. drumherum entweder teppiche oder kleine podeste zum sitzen. lichter behutsam auf autopilot, alle andächtig lauschend, ohne störend dazwischenzuquatschen.

margaux gazur u.a. mit e-gitarre und klarinette, woraus sie loop über loop schichtete. von ihr habe ich leider nur die letzte dreiviertelstunde mitbekommen, bin aber definitiv auf ihre veröffentlichungen neugierig geworden.
lawrence auch mit klarinette, xylophon, diversen synths. „horses“ von „a day in the life“ habe ich erkannt und ansonsten in dem vertrauen herumgelegen, dass er schon weiß, was er tut – zurecht. mit disharmonischen abschnitten arbeitet er ja immer, löst die aber auch recht schnell wieder auf.
mein zeitgefühl hat mir einen ordentlichen streich gespielt, als ich mich zum schluss um kurz vor mitternacht schon empören wollte, dass er viel zu früh schluss macht. ich hatte so gegen 22:30 uhr das letzte mal auf die uhr geschaut und gedacht, dass gerade mal eine halbe stunde vorüber ist. ergo ging die letzte stunde wesentlich schneller vorüber als meine innere uhr es mir suggerieren wollte. das nehme ich als indikator für ein set, in dem sich die zeit schön aufgelöst hat.

da ambient eh gerade hohen stellenwert bei mir genießt: solche abende braucht es häufiger! das zenner hat sich für mich jedenfalls nachdrücklich für sowas empfohlen. der raum sowie das layout dafür war an dem donnerstag perfekt und die anlage so schön unaufdringlich transparent, dass ich bei einer wiederholung nicht mit dem ticketkauf zögern würde. das bisher bekannte angebot für 180 min in diesem jahr mit jakojako (mai) sowie polygonia (november) hält den bisherig hohen standard. hat damit potential, zu einer meiner stammreihen zu werden.