[berlin / 07.06.2026] zitadelle spandau: massive attack / 47soul – nachbetrachtung

eigentlich wollte ich das posting hierzu absetzen, sobald die herren die bühne betreten. es war eine ziemliche odyssee, bis es jetzt endlich geklappt hat. ihren anfang nahm sie mit tickets für das velodrom im märz 2020 – von der pandemie durchkreuzt. nachholtermin im jahr darauf in der hoffnung, dass die pandemie eingehegt sein könne – vergebens. 2022 schien es dann endlich möglich – aufgrund der erkrankung eines der bandmitglieder abgesagt, tickets wurden rückerstattet.
für 2025 waren sie erstmalig für die zitadelle angesetzt. ticket im regulären vorverkauf verpasst, jedoch über fansale eines bekommen – dann am gleichen tag abgesagt. wer nach erfahrungswerten bezüglich der rückerstattung in solchen fällen sucht: das geht automatisch.

vieles ist seit sonntag über das konzert geschrieben worden, ein paar der artikel verlinke ich unten. meine sichtweise ist durchaus von der euphorie geprägt, dass es endlich mal geklappt hat, sie zu sehen.

ich will mich weniger mit den musikalischen darbietungen aufhalten. 47soul mit einem hybrid aus electronica, reggae und dabke (wie ich anhand besagter artikel gelernt habe). massive attack starteten mit „risingson“ und brachten in der (exklusive intro) 16 stücke umfassenden setlist noch vier weitere von „mezzanine“ unter. darunter „inertia creeps“ sowie „group four“, was mich überrascht und gefreut hat. neben deborah miller und elizabeth frazer gab es auch horace andy als gastsänger.
eine menge angebot für das einzige deutschland-konzert dieses jahr. die rechnung ging für meine begriffe auch völlig auf – so gut griffen ensemble und sänger*innen ineinander. der sound war vor dem wellenbrecher mittig (ca. 15 meter rechts vom front of house) stehend wunderbar klar und an den richtigen stellen voluminös. ein bis zwei dezibel mehr hätten den gesangsstimmen nicht geschadet, aber das ist geschenkt.

vielen – auch rezensenten – verhagelte die politische schlagseite die stimmung. natürlich war das engagement von 47soul als vorband aus jordanien bereits symbolisch genug. wo sie ihre botschaften jedoch ausschließlich über die musik transportierten, setzten massive attack auf den multimedialen ansatz mit projektionen. häufig genug mit kritik an der politik israels, jedoch wurden trump und putin ebenfalls nicht ausgespart. zudem eine simulation dessen, was mit einer überwachungssoftware wie palantir in einem publikum möglich sein könnte. weltpolitik wird als wettspiel dargestellt und von der frage gekrönt, wer darauf wetten würde, dass 2026 noch eine atombombe hochgeht. k-pop als soundtrack zur widerstandsbewegung nach dem gwangju-aufstand in südkorea anno 1980, dessen niederschlagung durch die militärjunta von den usa stillschweigend unterstützt wurde. massive attack coverten hierzu „regret of the times“ von seo taiji and boys und stellten am ende die frage in den raum, welche neue musik den widerstand gegen die alten korrupten mächte (während trump, putin und netanjahu eingeblendet wurden) sein wird. und der aufruf an die europäische union, sanktionen gegen israel zu verhängen.

es ist schon richtig: das war alles keine leichte kost. wer nostalgisches schwelgen in erinnerungen an laue abende aus der jugend erwartet hatte, an denen „teardrop“ im hintergrund läuft, wurde nicht nur auf dem linken fuß erwischt. ich war durch erfahrungsberichte sowie ihre präsenz in sozialen medien bereits darauf vorbereitet, dass es durchaus politisch werden könnte und wäre bei einer hamas-glorifizierung sowie rechtfertigung der taten des 7. oktober vorzeitig gegangen.
das ist alles nicht passiert. stattdessen war es neben den coverversionen sowie den nicht so offensichtlichen stücken aus dem repertoire eine politische informationsveranstaltung – mit durchaus missionarischem ansatz, zugegeben. aber wer sich mit den israel- sowie konsumkritischen positionen der band auseinandergesetzt hatte, konnte das halbwegs erwarten. ihre musik war nie der hymnische stoff, bei dem eine menge aus tausenden inbrünstig mitsingt, sondern vielmehr introspektiv. vor dem hintergrund kann ich zwar nachvollziehen, dass einige mit der erwartungshaltung hingegangen sind, ein entsprechend mild inszeniertes konzert zu bekommen, ohne dabei belehrt werden zu wollen. mit den zwei punkrock-stücken haben sie jedoch gezeigt, dass sie auch wilder können, und – viel wichtiger – die bloße konsument*innenhaltung konsequent in frage gestellt. klar ist palantir manchen ein begriff, die qualitätsmedien lesen. vom gwangju-aufstand habe ich beim konzert jedoch das erste mal gehört und mir wäre nicht in den sinn gekommen, k-pop als politisch zu betrachten (vor dem hintergrund mal eine empfehlung, nach der englischen übersetzung des textes von „regret of the times“ zu suchen – lohnt sich). und obwohl ich eines tages gerne mal wieder nach israel reisen würde, ist das angesichts der von der aktuellen netanjahu-regierung mitverursachten lage einfach nicht geboten und kritik an der siedlungspolitik sowie dem vorgehen in gaza mehr als angebracht.

da das meiste an populärer musik heuer durch komplette abwesenheit politischer positionierungen gekennzeichnet ist, um es sich mit potentiellen käufer*innenschichten nicht zu verscherzen, tat es mir mal richtig gut, eine band zu sehen, die ihre popularität nutzt, um eindeutig stellung zu beziehen. klar, das muss nicht allen gefallen – insbesondere mit israelkritik ist mensch hierzulande zurecht vorsichtiger. aber die missionierung ist mir in der form allemal lieber als ein konzert zu erleben, in dem inhaltliche leere durch einen nichtssagenden visuellen überbau zugekleistert wird. massive attack haben erkannt, dass dieser zustand in so vielerlei hinsicht (weltpolitisch, aber auch was den konsumerismus angeht) nicht mehr zu halten ist und stellen daher die richtigen fragen zur richtigen zeit. auch wenn es so scheint, dass sie sich das aus ihrer position heraus erlauben können, ist das nicht frei von risiken. durch die klaren positionierungen werden sie eine menge leute vor den kopf stoßen; durch ihre entscheidung, ihre künftige musik durch ein eigenes label ohne spotify zu vermarkten, einiges an sichtbarkeit (gerade bei jüngeren generationen) verlieren. all das jedoch in dem idealismus, dass diejenigen übrig bleiben, die musik und inhalte generell bewusster genießen.

so sehr ich den groll derjenigen verstehen kann, die angesichts der polykrisen einfach mal einen entspannten abend haben wollten und nicht bekamen: für mich war’s gerade aufgrund der politischen weiterbildung und auch der musikalischen qualität eines der konzerte des jahres. acts mit der form an rückgrat braucht es viel mehr.

artikel

rbb24: konzertkritik zu massive attack in der zitadelle spandau
morgenpost: massive attack in berlin. belehrendes spektakel
radio eins: massive attack spaltet das publikum mit hochpolitischer show

beats per minute: live review. massive attack at zitadelle spandau, berlin, 7 june 2026

[berlin / 13.05.2026] lab.oratory: revolting

und wie so häufig im mai fällt mein monatlicher berghain-besuch auf den termin für alle geschlechter und orientierungen im lab.

revolting

23:00 nd_baumecker
01:00 ben gomori
04:00 luzie
07:00 roe deers

nachbetrachtung

rein: 23:45 uhr
raus: 6:15 uhr

eine revolting wie aus dem bilderbuch. ungestörtes tanzen war bereits ab 0:30 uhr nicht mehr möglich, was an den kompakten gegebenheiten des lab liegt. nichts neues, ein platz findet sich immer. mich freut der nach wie vor große zuspruch.

am rande noch erleichterung verspürt, weil sich ein jahrelanger workaround in wohlgefallen aufgelöst hat. kommt aber auch mit einer kehrseite der medaille.
die synchronisierung von shazam mit der icloud funktionierte zwischen einer apple watch 4 (also watchos 11 in der neuesten version) und dem iphone mit versionen ab ios 18 nicht mehr zuverlässig. ja, mir ist bekannt, dass maximal fünf titel synchronisiert werden können – das funktionierte bei den ersten fünf treffern eines abends problemlos. bei allem darauf war es eine reine zufallsfrage. manchmal klappte es, wenn ich shazam auf der watch und dem iphone zugleich geöffnet hatte und es einen treffer gab. brachte mich auf tanzflächen jedoch mehr aus dem fluss als mir lieb war. als workaround habe ich lieber die titel von der watch abgelesen und bei pausen in die notizen überführt. wirkt so überhaupt nicht wie der prokollar am rande der tanzfläche.
mit dem upgrade auf eine apple watch se 3 (und somit watchos 26) ist das problem behoben. titel bzw. tracks landen zuverlässig in der shazam-mediathek. mir bleibt nur, bis fünf zu zählen – und das ist manchmal herausfordernd genug.
die schattenseite daran ist: ältere, noch ganz okay funktionierende apple-hardware harmoniert nicht so gut mit iphones, die noch neue betriebssystemversionen abbekommen. auch eine möglichkeit, konsument*innen zu upgrades zu motivieren. gut, bei mir war die merklich geringere akkulaufzeit der ausschlaggebende punkt – das hat sich mit der se 3 spürbar gebessert.

dieser leicht nerdige exkurs kaschiert, dass ich musikalisch echt nicht viel zu berichten habe. nd hat das eben gekonnt mit vocallastigem house mit acid-einschlag und pop (zwei mal madonna) aufgewärmt, ben gomori durchaus in richtung techno geblinkt und luzie das mit waschechtem house für mich abgerundet. um 6:00 uhr war auf der tanzfläche jedenfalls noch hochbetrieb, meine batterien jedoch so gut wie leer. ändert nichts daran, die revolting nach wie vor als stammtermin im kalender zu lassen.

notierte tracks

nd_baumecker

madonna – up down suite
hercules & love affair – crossed lines (mr fingers acid mix)
decius – birth of a smirk (feat.lias saoudi) [12″ mix]
bangkok impact – masters of the universe pt. 1
dan electro – let them come (greg gauthier’s dance culture remix)
madonna – i feel so free
marcel dettmann – phase sequence
of norway – crowd goes mild

ben gomori

frankie knuckles – baby wants to ride
raven – it’s my pussy (erotic pussy mix)
hilit kolet – hot mess (even hotter mix)
slam – positive education
paranoid london with mutado pintado – suck a dick (instrumental)
the drill – the drill (radio edit)
underworld – cowgirl
stacey q – two of hearts

luzie

dj ali & tim fuller – show me right (dub remastered)
alexkid – don’t hide it
marcelo castelli – caveman
jyoel – the transition
quazar – isis

[berlin / 09.05.2026] about blank: staub

und das dritte wochenende in folge in der liebsten autonomendiskothek. bis zur für mich übernächsten staub wird es jedoch september – bei aller liebe geht reisen vor.

ablauf

garten

12:00 boyd schidt
14:30 bertrand.
17:00 alienata
19:00 eliott litrowski & irakli

mdf

15:00 objector trax
18:00 ksenia kamikaza
20:00 robert leiner

nachbetrachtung

rein: 15:00 uhr
raus: 23:30 uhr

das gleiche bild wie bei den vorherigen ausgaben: eine staub mit grundsolider musik und der gewohnt tollen mischung an besucher*innen. der garten gegen 15:00 uhr noch bestenfalls halbvoll, aber ab da setzte das exponentielle wachstum bei der publikumsanzahl ein, so dass es zwei stunden später schon mehr als ordentlich gefüllt war. einzig der frühling hätte langsam mal aus dem knick kommen können – aber das nur pro forma, weil das völlig außerhalb der kontrolle von irgendwem liegt.

klare arbeitsteilung: draußen diversität, drinnen bis zu robert leiner eher trocken, wobei mir objector trax wegen des zurückgenommenen tempos besser gefiel.
ich habe daher das einfache prinzip angewendet, wenn die musik allerorten stimmt: den floor wechseln, wenn ein track kommt, der nicht nach meinem gusto ist. bis abends war ich eher draußen und als bekennende frostbeule später auf dem mdf, aus dem ich nur nur mal kurz rausschaute. drinnen war’s nach gartenschließung zwar auch gut gefüllt, ungestörtes tanzen jedoch stets möglich.
klare favorit*innen: draußen alienata, weil stilistisch divers und rauh zugleich. drinnen robert leiner, der in den 1990ern auf r&s mit trance reüssierte. zunächst spielte er nach dem sehr vorwärts gehenden set von ksenia kamikaza (nennt mensch das heuer immer noch „hardgroove“?) sehr zeitgemäß – also trocken und perkussiv. in der zweiten hälfte seines sets bekam er mich mit psy-artigem trance der minimalistischeren sorte (wobei ich hier mangels expertise wahrscheinlich völlig die begriffe durcheinanderwürfle), der auch mal richtung acid geschielt hat. und hat mir damit einen stil angedreht, der sonst gar nicht meine baustelle ist.

notierte tracks

bertrand.

adam beyer – remainings (b1)
human league – all i ever wanted (alter ego remix)
inland – noisefields

objector trax

chlär – fortress of illusion

alienata

green velvet – technology’s out of control
oculus – trust (temudo remix)
grain – g3 (b1)
dj bone – the haunting
deadwalkman – rhythm 11
phuture – rise from your grave (wake da f___ up mix)

robert leiner

rvdmntl – eventualidad constante (adriana lopez remix)
ø [phase] – missing (remix)
franco rossi – orden impuesto
esilum – momentum
jala – resonant core
oton – minimal

eliott litrowski & irakli

cj bolland – angel’s knight
11schnull – ich und meine u-bahn (feat. newinfluenzer) (letzter track)

[berlin / 07.05.2026] zenner: 180 min

und es geht munter weiter. bei den beiden protagonist*innen habe ich auch keine weiteren fragen oder gar bedenken.

180 min

jakojako live
irakli

nachbetrachtung

wenn das so weitergeht, wird 180 min zu einem format, das ich abonniere. die bislang zwei ausgaben in diesem jahr haben gezeigt, dass ambient sowie experimente in einem mittelgroßen raum sehr wohl ihre anhänger*innenschaft finden und beide male mit flexiblem raumkonzept überrascht. macht das zenner für mich zu einer adresse, die für solche zwecke wie geschaffen ist.

einzig die stühle in der mitte erschlossen sich mir nicht. bei irakli standen die leute ohnehin am rand, jakojako fing mit dem detect ensemble und damit richtiggehend jazzig an. da wurden besagte stühle weggenommen, um das publikum näher an die bühne zu rücken. jedoch wurde der durch die stühle freigehaltene platz erst für die tanzperformance von ruumbln21 in der zweiten hälfte benötigt, da haben angestellte das publikum freundlich zur seite gebeten. kurzum: der stühle hätte es nicht bedurft.
etwas störend die kameras, die aber eher das geschehen auf der bühne einfingen. sonst war der abschnitt mit detect ensemble im rahmen der abstraktion richtiggehend einladend zum kopfnicken, die zweite hälfte von soundscapes und melodien geprägt. und somit beide male jeweils passend. auch wenn ihre veröffentlichungen mir melodisch meist zu ausufernd sind: in dem rahmen hat jakojako mich überzeugt. schön, dass das format künstler*innen soviel kreativen raum bietet.

[berlin / 03.05.2026] about blank: hoch auf dem roten wagen – rresthedonistische maienfahrrt

so viel vorweggenommen: das zweite von drei wochenenden in folge, in denen ich das about blank besuche (und dann eine gewisse zeit lang nicht, aber das ist ein anderes thema). auch die gesamte nächste woche wird sportlich. aber erstmal pünktlich nach dem mittagessen zu einer von der restrealitaet ausgerichteten festivität in den garten der allerliebsten autonomendiskothek.

hoch auf dem roten wagen – rresthedonistische maienfahrrt

garten

14:00 spiegeleule
16:00 chörrchen
16:15 judith van waterkant
18:30 der dritte raum live
20:00 hypnorex

[berlin / 24.-26.04.2026] about blank: sekt? zehn, blank!

hätte schon donnerstag hier stehen sollen, aber besser mit verspätung als nie und natürlich verbunden mit den besten wünschen.
ich werde am späteren samstagnachmittag für die konzerte vorbeischauen und ab sonntagmorgen künstler*innen betreuen. insofern wird die nachlese erst ab sonntagnachmittag fundierter, wenn ich mich nicht durch irgendetwas abbringen lasse.

sekt? zehn, blank!

garten

freitag, 24.04.2026

14:00 ://my heart is a kinderdisco
19:00 pause

samstag, 25.04.2026

17:30 die julias
18:15 der assistent
19:15 stefanie schrank
20:30 knarfmitte killrellöm

sonntag, 26.04.2026

10:00 alex.do
12:00 barbara hofmann
14:30 doudou md
16:30 jessamine
19:00 perel

zelt

freitag, 24.04.2026

20:00 sektempfang
20:30 rattenchor
20:50 fundsachenverlosung mit gisela sommer & inge borg
21:50 krawallkehlchen (://blanki chor)
22:30 upkar & jacopo

samstag, 25.04.2026

08:00 vy tran b2b mika siponen b2b ali e.
12:00 pause
23:00 disco destiny

sonntag, 26.04.2026

02:00 epedemi.c

mdf

freitag, 24.04.2026

21:30 ok nein
22:30 theilen
23:30 ponys auf pump
00:15 pause

samstag, 25.04.2026

02:00 rodmin
04:00 ogtrues
06:00 ponygirl
08:00 stasic

17:00 painzain
19:00 tactile
21:00 sima
23:00 cirkle live

sonntag, 26.04.2026

00:00 hang aoki
03:00 toscan haas
06:00 nina noir
09:00 a:tok b2b thnts
13:00 nadine talakovics
16:00 fr. jpla
19:00 ricardo garduno
22:00 irakli

lobby

freitag, 24.04.2026

23:00 stornoline b2b kluntje

samstag, 25.04.2026

02:00 dj buona sara
04:00 rosa kante

22:00 lena brumby

sonntag, 26.04.2026

01:00 josefina tapia
04:00 eva b2b marcel koar

22:00 hanna baertig b2b sedaction

montag, 27.04.2026

01:00 anja schneider

beach

samstag, 25.04.2026

12:00 menzel
14:00 goldie b2b multifun
16:00 toni pfad
18:00 schorli b2b choreophila
20:00 bbetriebswirt

hütte

sonntag, 26.04.2026

01:00 passiv aggressiv