[berlin / 04.01.2014] berghain: klubnacht

nicht, dass der laden über neujahr etwas reserven beansprucht hat, aber bei einem lokalen connaisseur (im warm-up) siegt mal wieder die neugierde, wie sich der herr bei seiner klubnacht-premiere schlägt und diese sich überhaupt nach dem ausnahmezustand und ohne panorama bar anfühlt.

klubnacht

berghain
00:00 erwan
04:00 jonsson / alter live
05:00 ryan crosson
08:00 i/y

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

ein abend, dem man anmerkte, dass einige sich noch von silvester erholen mussten. allerdings habe ich auch keine vergleichbare abfahrt erwartet. schade fand ich jedoch, dass die zu silvester an den vier außenseiten montierten scanner wieder abgeschraubt worden waren (mittlerweile – drei monate später – hängen sie wieder).

musikalisch kam es mir auch bereits beim line-up so vor, als ob eine schnittmenge aus berghain und panorama bar bedient werden sollte – finde ich auch richtig, um aus den gewohnten schemata auszubrechen.
erwan spielte auch entsprechend vielseitig. housig zu beginn (was sich über die funktion one eh wie techno anhört), vangelis, und die kurve zu techno fand er auch rechtzeitig („one night in nyc“ von the horrorist bspw. – auch wenn ich mit dem track nach wie vor nicht viel anfangen kann, passte er ins konzept). nicht hoch genug bewerten kann man, dass er sich nicht auf hits, sondern komplett auf den eigenen, genreübergreifenden geschmack verließ, damit nicht auf nummer sicher spielte und das publikum trotzdem für sich gewinnen konnte – toller einstand.
jonsson / alter dann eher deephousig mit dub-einflüssen, da war ich aber eher mit konversation betreiben beschäftigt. bei ryan crosson hatte ich schon mühe, ins set zu finden. ihn würde man eher in der panorama bar platzieren, und so merkte man während des sets, dass er im berghain nicht so ganz heimisch war. klar kann man das mit hits ausgleichen und sicher ist „magic through music“ von mathew jonson auch nach gut zehn jahren eine immer noch tolle nummer. aber ich hab so meine zweifel daran, ob der stil im berghain zwischen 6 und 7 uhr gefragt ist. trotz dichte an hits irgendwie daneben – während des sets wurde es merklich leerer.
i/y zogen hinterher wieder an, lagen hin und wieder beim mixing daneben (mit der zwei auf die eins), aber waren damit dennoch zwingender. somit endlich mal wieder die „upiter“ von t-quest an ort und stelle gehört, aber dennoch auf die ablösung von don williams gewartet.
das bild, was sich um 12 uhr im berghain bot, ließ jedoch schnell darauf schließen, dass man ihn rechtzeitig angerufen hatte, um ihm mitzuteilen, dass er nicht mehr anzutreten braucht. da waren bestenfalls noch 100 leute im laden, so dass man den beiden noch den schluss überließ. ich bin gegangen, nachdem ich die gute alte „solid session“ von herrn voorn noch mitgenommen hatte.

schade um den verlauf des abends. nach silvester war es aber auch nicht verkehrt, es schon wieder auf 12+x stunden ankommen zu lassen. erwan geht für mich als klarer gewinner des abends hervor, der gerne wieder spielen sollte.

[berlin / 01.01.2014] berghain: silvester 2013/2014

war doch klar, oder?
für die rundumversorgung hat nicht nur das lab.oratory geöffnet, sondern auch der wriezener bahnhof dahinter, in dem man sich bis zum 2. januar 2014 abends um 22 uhr kulinarisch stärken kann.
ansonsten sieht der plan so aus:

silvester 2013/2014

berghain
01.01.2014
01:00 kobosil
04:00 joel mull
08:00 norman nodge
12:00 fiedel
16:00 marcel fengler
20:00 function
02.01.2014
00:00 luke slater
04:00 pete
08:00 ed davenport
12:00 boris
16:00 len faki
20:00 ben klock
03.01.2014
00:00 marcel dettmann
04:00 answer code request

panorama bar
01.01.2014
01:00 nd_baumecker
05:00 radio slave
09:00 steffi
13:00 ryan elliott
17:00 virginia
21:00 waze & odyssey
02.01.2014
01:00 dinky
05:00 tama sumo
09:00 tim sweeney
13:00 margaret dygas
17:00 âme & âme live
22:00 nick höppner
03.01.2014
02:00 oskar offermann & edward

lab.oratory
01.01.2014
04:00 soundstream
08:00 mr cisco
12:00 virginia
15:00 steffi
18:00 tim sweeney
21:00 muallem
02.01.2014
00:00 tama sumo
04:00 discodromo
10:00 massimiliano pagliara & nd_baumecker

eintritt
29 euro

nachbetrachtung

an sich unmöglich, hier ohne superlative auszukommen, also versuche ich’s gar nicht erst.

ausnahmezustand mit ansage in vielerlei hinsicht, auch für berghain-verhältnisse. bei am ende gut 60 stunden wäre ich zwar neugierig, diejenigen zu sehen, die so gut wie alles mitgenommen haben, andererseits wären das solche extrema, für die mein bisschen verständnis für gebrauch irgendwelcher substanzen beim besten willen nicht mehr ausreicht.
für mich bedeutete der jahreswechsel sowieso eine menge an kompromissen. bei arbeitsverpflichtungen am 31. und am 1. um jeweils 9 uhr in der früh kommt bei mir sehr schnell die ratio ins spiel, den nächsten rekord doch bitte nicht bei dieser gelegenheit anzupeilen. zwar wanderten die am 1. januar geleisteten stunden direkt auf das überstundenkonto, was ich rein prophylaktisch dafür nutzte, mir den 2. komplett freizunehmen, aber mit dem gedanken im hinterkopf, am 3. wieder um 9 uhr einsatzbereit zu sein, musste irgendeine art von strategie her.
die war zwar nach normalen vernunftsmaßstäben auch ganz schön plemplem, ging aber am ende auf: ich saß am 3. pünktlich am arbeitsplatz.

lange umherschwadroniert: zwei schichten waren’s. den 1. januar habe ich komplett ausgelassen, stand gegen 00h30 am 2. januar vor und wenig später im laden. bereits von weitem fielen die draußen montierten lichter an jeder säule auf, die wechselnd die fensterfront abtasteten oder blitzten und das gebäude somit noch imposanter erscheinen ließen als ohnehin schon.
function hatte ich somit leider verpasst, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, ihn mitzukriegen, aber andererseits wollte ich noch etwas von nd und massimiliano im lab haben. hat auch geklappt, mehr dazu gleich.
schon vorab hatte ich mitbekommen, dass es so richtig voll sein würde und ein paar hatten deswegen auch das weite gesucht. um ehrlich zu sein, war das auch ein grund für mich, weshalb ich mir mit dem aufbruch zeit gelassen habe, weil (der leser erinnert sich vielleicht) mir zu volle parties zunehmend unangenehm werden. eventuell ist etwas auf dem weg passiert oder mein verstand hatte sich mit dieser tatsache arrangiert, aber erstmal angekommen, fand ich diesen statusbericht zwar bestätigt, aber erstaunlich unstressig. sogar die tür inklusive bodycheck war nicht sonderlich gestresst, obwohl das an einem tag wie diesem mehr als verständlich gewesen wäre. klar, wartezeit trotz zwei garderoben, obwohl die party bereits 24 stunden läuft, muss man schon erstmal verdauen, aber das gehört zum ankommen ja irgendwie dazu, finde ich.

sonst steht an silvester für mich dort erstmal rumgucken auf dem programm. in erster linie natürlich das lab.oratory, aber auf das improvisierte restaurant dahinter war ich auch gespannt. „dahinter“ war tatsächlich der kubus, in dem vor ein paar jahren die „worker’s pearls“-ausstellung stattfand. dort war eine art biergarten aufgebaut, ein bahnwagen zum futtern und ein stand, aus dem es verboten gut nach burgern roch. in nähe des wagens gab es noch die „herrenklappe“, die ich lieber der allgemeinen fantasie überlasse. tolle idee, das alles – auch für den normalen clubbetrieb, aber dauerhaft wäre es mir dort zu frisch geworden. falls aber mal wieder etwas größeres in den kälteren monaten ansteht, fände ich eine neuauflage ganz gut.
das lab blieb in der zeit, in der ich dort war, die permanente disco-festung. ich bleibe dabei (und wiederhole mich womöglich): den ort kriegt man als hetero-kerl (und frau sowieso) viel zu selten im jahr zu gesicht. wenn es sich einrichten und mit der gay-community arrangieren ließe: gerne öfter. einmal im quartal beispielsweise reicht völlig.

beim start des rundganges schallte mir vom berghain „the bells“ von herrn mills entgegen. als ich wieder aus dem lab kam, war „crispy bacon“ von herrn garnier an der reihe. luke slater setzte jedoch den rest des sets nicht auf so offensichtliche hits, bot aber dennoch abfahrt erster güte. richtig, die tanzfläche war prall gefüllt und man musste erstmal seinen platz finden (ging vor dem darkrooms ganz gut), aber alle waren mit leib und seele dabei. dazu die vier halbhoch an jeder ecke der tanzfläche installierten spots, die noch ihren teil zur willenlosen extase beitrugen. vielleicht war ich überwältigt, vielleicht hatte herr slater aber auch einfach einen verdammt guten tag. ja, es gab verschnaufpausen, die waren aber wohlkalkuliert eingeplant, ehe er die leute direkt weiter anpeitschte. doch, ich gehe so weit: bestes set, das ich von ihm dort bislang gehört habe und eines der zwei höhepunkte meiner besuche.
bei pete habe ich den fehler gemacht, so etwas wie das kompromisslos harte, treibende set wie vom september zu erhoffen. gab es so direkt nicht, stattdessen spielte er eher melodisch („drome“ von joey beltram beispielsweise). aber erstens war es nach mittlerweile 27 stunden party durchaus angemessen, mal wieder einen gang runterzuschalten, zweitens hat der herr eh berufsbedingt eine sammlung, bei der er aus dem vollen schöpfen und somit verschiedene facetten präsentieren kann (davon gehe ich bei den meisten djs aus, nur machen manche viel zu selten was daraus) und drittens gab es in der letzten halben stunde tanzflächenselektion. will heißen: wechsel auf zwei dubstep-tracks, somit nicht merklich angezogenes tempo und danach die techno-schule mit stolper-kickdrums, wie man sie von british murder boys und co. kennt. da war wieder genug platz auf der tanzfläche, so dass ich das ungestört genießen konnte. mit „nothing to prove“ von oscar mulero ein super finale.
ed davenport hatte ich zuvor immer nur mal am rande mitbekommen und trieb mich während seines sets auch lieber im lab herum. stilistisch ähnlich melodisch wie marcel fengler. das passt zwar zum raum und trifft auf ein dankbares publikum, ist aber nicht ganz meine welt, insofern maße ich mir bei ihm auch kein urteil an. die tanzfläche war zu drei vierteln gefüllt, den anwesenden gefiel’s – passt also, aus seiner sicht.

bei tama sumo im lab hatte ich auch den eindruck, dass sie es eher behutsam angehen lassen möchte. ich weiß natürlich nicht, was in den 20 stunden zuvor dort alles lief, fand es jetzt aber auch beileibe nicht deplatziert, was sie machte. discodromo haben mit ihrem 80s-revival bei mir gepunktet. „bizarre love triangle“ von new order, direkt gefolgt von „i.o.u.“ von freeez und einer maxi-version von bowies „let’s dance“ zum schluss. das fand ich klasse. nd und massimiliano schleppten mal eben (jeder!) eine große und zwei mittelgroße plattentaschen an und spielten disco-tracks, die ich mangels genre-kenntnis nicht kannte. der ästhetik nach auch 1980er-jahre, auch schön kurzweilig, dennoch hat es mir nach 12 stunden erstmal gereicht.
wer sich nach der panorama bar fragt: dort habe ich nur dinky und auch tama sumo kurz gesehen, kein ausreißer nach oben oder unten, soweit ich das beurteilen kann. für details bitte diejenigen fragen, die im gegensatz zu mir mehr als 15 minuten dort oben waren.

die rückkehr nach nicht ganz vier stunden schlaf und stärkung beim inder um 22h30, also zu ben klock. mir normalerweise meist zu trocken und kalkuliert, der herr, aber „radio“ von wishmountain und ich gerade mal fünf minuten wieder im laden – „das wird was,“ dachte ich so bei mir. er blieb zwar bei seinem markenzeichen-sound, aber irgendwie passte das (nach mittlerweile insgesamt 45 stunden party) auch dramaturgisch wieder. es war jedoch kein kickdrum-mit-white-noise-gewitter, sondern eher reserviert und stellenweise akzente setzend. für mich und die wieder proppenvolle tanzfläche war das schlüssig, aber dennoch wieder einmal von marcel dettmann überstrahlt, der zwischen gefühlvoll und brettern (ansatzpunkte? „forklift“ von jb3 im slater-remix und – endlich! – „rotary“ von damon wild) sowie front 242 wechselte. großes tennis, um dem phrasenschwein futter zu geben, und eine probe für die disziplin, da ich mir vorgenommen hatte, um 3h30 aus dem laden raus zu sein. aber auch das klappte, genauso wie der folgende arbeitstag nach erneuten vier stunden schlaf dank doppel-espresso auch erträglich war.

ganz lange vorrede, ganz kurzer sinn: war wahnsinnig gut. trotz erwartbarer fülle und großer touri-dichte war das die feierhölle, die ich wirklich ungerne verlassen habe. schlimmer noch: dieser ausnahmezustand legt die messlatte für normale klubnächte mal wieder unverschämt hoch. djs (insbesondere luke slater und marcel dettmann, die meine persönlichen höhepunkte waren), club, personal und auch die gäste zeigten sich echt von ihrer besten seite und ich kann jeden nur beneiden, der zeitlich mehr von dieser kombination mitbekommen konnte. wird schwierig, das zu wiederholen.

[berlin / 28.12.2013] griessmühle: back to basics

da der festsaal kreuzberg ja leider im juli ausgebrannt ist (die kampagne zum wiederaufbau bei startnext ist jedoch erfolgreich abgeschlossen), wird eben neukölln heimgesucht. neue orte abseits der bekannten pfade: immer spannend. der rest wird sich zeigen.

backtobasics2013

nachbetrachtung

die halle hinter der griessmühle war es. auf dem weg vom s-bahnhof sonnenallee dorthin hatte ich irgendwie das gefühl des entdeckergeistes wie zu meinen clubbing-anfängen: beispielsweise habe ich seinerzeit (1998) das glashaus hinter der arena auch gesucht. aber wie sich die szenarien ähneln: ein weg an dunklen gebäuden entlang, kleiner parkplatz, autos, wenige leute, dann ein licht, kassenhäuschen, gerade kickdrums aus dem gebäude – alles klar, muss wohl hier sein.

um mit dem (gleichzeitig gewichtigsten) kritikpunkt anzufangen: es war bereits um kurz nach 1 uhr eindeutig zu voll. ich hätte es auch mit fassung getragen, wenn man mir an der tür gesagt hätte, dass ich zu spät sei – die sorge hatte ich nämlich. drinnen erstmal ein blick auf den hauptfloor, der mir zu dem zeitpunkt nicht danach aussah, als ob der wesentlich größer als der im festsaal und dort irgendeine art durchkommen möglich wäre. garderobe, anstehen, „wir sind voll“, trotzdem kamen wir noch dazu, unsere habseligkeiten abzugeben. nachzügler mussten dann an die zweite garderobe im erdgeschoss, bis auch die überfüllt war. das hätte an sich schon anzeichen genug sein müssen.
noch dazu der gang zum zweiten floor (der eigentlichen griessmühle): warum dort die couch zwingend stehenbleiben musste, die wunderbar als nadelöhr diente, wenn dort jemand drauf saß (also ständig), ist mir auch schleierhaft. stolpern über gliedmaßen war da aufgrund des schummrigen lichts vorprogrammiert.
ein kompliment geht jedoch an die bar auf dem mainfloor: als ich dort war, ging zumindest alles unerwartet zügig – trotz dort herrschendem großandrang.

der zustand besserte sich gegen 6 uhr, dazu wird auch der viertelstündige stromausfall auf dem hauptfloor seinen teil beigetragen haben, als wolle xdp gerade gut in fahrt war. in der zwischenzeit hatte sich jedoch herausgestellt, dass man auf der tanzfläche doch ganz gut einen platz finden konnte. dort lichttechnisch das übliche: laser, roter strobo, wesentlich mehr braucht man wirklich nicht. gratis obendrauf gab es das tresor-leipziger-straße-feeling mit kondensiertem schweiß von der decke, die aber mal eben wenigstens fünf meter hoch war. wem es unten von den leuten her zu viel wurde, konnte immer noch oben auf der galerie feiern. schon toll, dass es die gibt, nur schade, dass die nicht um den gesamten floor geht. aber gut, das kann man niemandem ankreiden.
die idee mit dem zweiten floor als chillout-area wurde auch konsequent umgesetzt. das hieß nicht, dass es sich dort eher passiv herumsitzen und plaudern ließ – dies war eine option unter vielen, zum tanzen nutzten ihn ebenfalls einige. für mich war eher rumsitzen und plaudern die option.

von den djs habe ich nur wolle xdp und hanoben auf dem hauptfloor mitbekommen. wer auf dem chillout spielte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. ezh war zwar auch präsent, aber hinter den technics habe ich ihn nicht gesehen. sonst rotationsprinzip, jeder mal zwei stunden, schätzungsweise. wem hanoben nichts sagt: mir auch nicht. mit der back to basics trat ja die neuerung ein, dass sie auch djs buchen wollen, die in der zeit zwischen 1989-92 außerhalb berlins in ihren szenen tonangebend waren. und er machte das wirklich besser als ezh in den jahren, die ich so mitgemacht habe, muss ich sagen. keine statische spannung im set, sondern eine dynamik zwischen zügel anziehen und wieder lockerlassen. das war bei wolle zwar noch einen tick besser, aber das ist jammern auf hohem niveau.

was sonst? stimmung trotz (oder wegen) füllgrad wirklich gut, aber nicht so ekstatisch wie 2005/6 im festsaal. der schweißregen von der decke sprach jedoch dafür, dass es eine amtliche sause war. ich bin – glaube ich – seit tresor-tagen nicht mehr mit so versifften schuhen und unteren hosenbeinen aus einem club gekommen. der sound war dank (wen wundert’s?) kirsch-audio-anlage auch rund, auf die üblichen gassenhauer wurde nicht verzichtet und ab 6h30 konnte man sich auch freier als zuvor bewegen, so dass es für mich ab da so richtig angenehm wurde.
dennoch: falls ihr euch in 2014 wieder für die griessmühle entscheidet, traut euch ruhig, nach einer gewissen anzahl von gästen die tür einfach dichtzumachen. das hat auch im festsaal funktioniert und sollte eigentlich für rational denkende leute verständlich sein, ehe man drinnen allgemeine gereiztheit oder gefahrensituationen provoziert.

[berlin / 13.12.2013] berghain: leisure system / finest friday

tim exile mal wieder in der stadt? eine weitere resident-dj aus dem about blank feiert premiere? der rest könnte für überraschungen gut sein? klarer fall, würde ich sagen.

leisuresystem20131213

berghain: leisure system
00:00 n>e>d
02:00 visionist
03:00 tim exile live
04:00 special request
06:00 kommune1 live
07:00 barker

panorama bar: finest friday
00:00 resom
03:30 kassem mosse live
04:30 dj spider
07:00 dakini9
09:00 simian mobile disco

eintritt
12 euro

nachbetrachtung

versuche ich es mal etwas metaphorisch. ich hatte während der party das bild einer autofahrt im kopf. moderat ps-starkes auto mit sechs-gang-getriebe, wechselnde fahrer, freie strecke, und wie es bei überlandfahrten so ist: zur autobahn muss man erstmal kommen und rechtzeitig die ausfahrt zum ziel erwischen. das gefährt, das für die panorama bar an den start ging, habe ich nur zu beginn und wenig später bei kassem mosse noch gesehen, aber danach wollte das mit der kolonnenfahrt nicht mehr so recht klappen.
resom jedenfalls begleitete die passagiere in geschmeidigem tempo über sich langsam füllende straßen im nachtverkehr mit zunächst behutsamem tempo, dem stadtverkehr sehr angemessen und das limit nicht ausreizend. mir ist als einziger anhaltspunkt eine italojohnson-reklame in erinnerung geblieben, ansonsten war es sehr schön im dritten gang gehalten. kassem mosse fand später zu zeiten der autobahnfahrt durchaus den fünften gang. um den direkten vergleich mit seinem boiler-room-set von 2011 zu ziehen: beileibe nicht so trocken, ausflug zu breakbeats zwischendrin, leider mit 20 minuten zu kurz mitbekommen.

auto numero zwei, für das berghain im rennen, und da beeilte n>e>d sich im nächtlichen stadtverkehr. durchaus am limit im vierten gang, überreizte es jedoch nicht, so dass er kein ticket wegen zu schnell fahrens / leute überfordern bekommt. üblich stilistisch-flexibel, aber dabei nicht beliebig aneinandergeklatscht ohne roten faden. also eine flotte abwechslungsreiche fahrt. bei visionist kam mir das hier vermittelte bild erst in den kopf. grob einordnen kann man das set bei dubstep, bzw. den vielen abzweigungen, die der stil mittlerweile genommen hat, aber auf der stadtautobahn mit tempolimit lässt es sich bereits durchaus gut im vierten oder fünften gang fahren. er tändelte eher zwischen dem vierten und hin und wieder dem dritten herum oder anders gesagt: mir kam es so vor, als ob er seinen setaufbau irgendwie selbst sabotierte. gerade wenn es sich andeutete, dass es jetzt etwas flotter dem ziel entgegengeht, fand zwar keine vollbremsung statt, aber als passagier / gast fragte ich mich schon, warum er bei freier fahrt nicht mehr daraus macht.
das gilt für tim exile sogar noch mehr. die stadtgrenze längst passiert und somit frei von jeglichem tempolimit fing der herr eher im dritten gang an und fand erst in der letzten viertelstunde den fünften. statt halsbrecherischer tempi- und stilwechsel von früher war das (leider) ein set, das auf (techno-)nummer sicher ging. sicher, die live-manipulation von sounds beherrscht er im schlaf, aber der „was zur hölle stellt der da an?“-moment stellte sich leider nicht ein. schade – er hat wesentlich mehr drauf als das, was er an dem abend gezeigt hat.
special request hatte ich vorher im xlr8r-podcast gehört. dort war drum&bass sein motto und insgeheim hoffte ich, dass er das auch spielen würde, fing aber erstmal mit wüsten breakbeats (beispielsweise „null results“ von der neuen demdike stare auf modern love) an. das war mir auch sehr recht, bzw. um wieder zur ausgangs-metaphorik zurückzukehren: er hatte keine mühe, im vierten gang zu starten und gleich den fünften einzulegen. break nach einer dreiviertelstunde, und den rest der zeit über gab es tatsächlich drum&bass. zwar längst nicht so brachial und oldschool wie dillinja oder kenny ken ihrerzeit, aber das brachte die knochen echt wieder in schwung. stellenweise also der sechste gang – eine flotte autobahnfahrt nach maß.
während der abend schon langsam auf das ziel zusteuerte, machte kommune1 keine anstalten, bei der reise zeit schinden zu wollen und bot mit einem sample-reichen techno-set, bei dem man sich als techno-veteran schon am erkennen üben konnte, noch eine art von kurzsprint, bevor barker dann solide in richtung ausfahrt übernahm. das ende der reise bekam ich jedoch nicht mehr mit, da ich vorher ausgestiegen bin.

zusammenfassend für’s berghain also (die panorama bar erkläre ich mit den obigen details für abgehandelt): die fahrt mit n>e>d begann flott und zielstrebig, geriet auf der autobahn mit visionist und tim exile aus nicht-externen gründen ins stocken, bekam mit special request ihr tempo zurück und lag somit wieder im zeitplan, den kommune1 und barker auch ohne mühen einhielten.

oder für diejenigen, die nicht viel ruminterpretieren wollen: eine leisure system im guten mittelfeld. schön, dass drum&bass dieses mal auch dort eine bühne bekam. ist ja nicht das erste mal, wenn ich mich dafür stark mache, dass der stil freitags fester bestandteil wird.
schön auch – aber das war bestimmt bestandteil des berghain geburtstages – die discokugel auf der treppe über dem dj-pult: war ein toller lichteffekt.

[berlin / 06.12.2013] stattbad: grounded theory

meinte ich nicht neulich erst, dass ich das stattbad viel zu selten von innen sehe?
25. grounded theory, kesselraum und bunker offen, daher keine sorgen bezüglich gefälle auf der tanzfläche. toller flyer auch – wieder einmal.

gt20131206

reihenfolge
bunker
00:00 hound scales
03:00 dj bone
05:30 anthony parasole
08:00 milton bradley
boiler
02:00 subkutan

eintritt
12 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

wenn ich eine lektion dieses (sehr guten) abends mitnehmen sollte, dann die, dass sich vorschlafen einfach nicht lohnt, wenn es weniger als zwei stunden sind. geweckt zu werden, wenn ich gerade mal in der tiefschlafphase angekommen bin, ist wohl mit der grund, weshalb die in letzter zeit häufiger hier zu lesende lethargie mich daran hinderte, vor 2 oder 3 uhr (am vergangenen freitag letzteres) im club zu sein. also: deutlicher auf die körpersignale hören. wenn der erste impuls auf dem iphone-wecker zur „schlummern“-fläche geht und das für eine stunde so weitergeht, bis ich endlich den weg zur nahenden espresso-dosis in die küche geschafft habe, ist es besser, diese längere zeit gleich einzukalkulieren.
also: nächstes mal vier stunden daraus oder eben durchmachen. der durchhänger danach bleibt der gleiche, stelle ich jetzt als these in den raum. ein positives hatte es: ich hatte keine probleme, bis zum schluss zu bleiben. allerdings war der verstand eher koffeingesteuert. auch das lässt irgendwann nach.

das nur als notiz an mich, es nächstes wochenende zur leisure system anders anzugehen. vor ort war ich erstmal überrascht, dass der bunker zur hauptattraktion umfunktioniert und der boiler room (so wurde er auf dem ausliegenden plan genannt, passt ja auch im wörtlichen sinne) alleine subkutan vorbehalten war. ein gewolltes experiment, wurde mir von der organisation erzählt – und ein für meine begriffe auch echt gelungenes. von der kapazität her nehmen sich beide floors nicht viel, mit dem boiler room habe ich ohnehin das kleine problem, dass er mit seinen zwei ein- und ausgängen zum durchgehen einlädt. das ist drüben im bunker besser, zumal der floor mich gerade an dem abend sehr an den alten tresor erinnerte. dazu trug neben der alten turbosound-anlage sicher auch der strobo in der ecke bei. wahrscheinlich so ein dicker pluspunkt, dass musikalisch schon sehr viel hätte schiefgehen müssen, um mir den spaß zu verderben.
auch hier entwarnung: die gefahr war zwar gegeben, dass auf beiden floors mehr oder weniger der gleiche stil laufen könnte, aber bis 3 uhr kann ich das nicht beurteilen, da ich erst zu der zeit vor ort war und den rest der zeit über war das sehr ausgewogen.
dj bone steht ja eher dafür, verschiedene detroit-facetten sowie eher mit melodien und soul anstatt die ganze zeit hart und brachial zu spielen. das war schön und funky, dennoch bleibe ich doch lieber bei suburban knight (wann bucht den eigentlich mal wieder jemand?) oder rolando, auch wenn die längst nicht mehr in detroit wohnen. subkutan hatte sich im voraus durch diverse sets im about blank einige vorschusslorbeeren verdient und ich ihn nie gehört. er hat sich der industriellen seite von techno verschrieben und lotet die in aller tiefe aus. ich nahm auch an, dass er wenigstens fünf, sechs stunden spielen würde und war schon etwas erstaunt, dass er um 6h30 auf einem doch noch ganz gut gefüllten boiler room anfing, new wave zu spielen. auf einmal war dann auch schluss, eventuell zeichnete sich da auch drüben im bunker ab, dass bei manchen leuten nach bone als headliner die aufbruchstimmung überhand nahm. die fluktuation habe ich nicht so im blick, da ich doch mal hier und mal da war und mich auch gerne unterhielt. zurück bleibt von subkutan ein inhaltlich geschlossener, sehr konzentrierter eindruck, den ich beizeiten vertiefe. am besten im institut für zukunft, wenn es eröffnet.
auch die letzten beiden protagonisten des abends zeigten, dass ihnen mehr an einem langfristigen setaufbau gelegen war, anstatt nur funktional und eingleisig eine schiene zu bedienen. anthony parasole bot eine breite palette von alten sleeparchive bis hin zu acid, neuen sachen auf klockworks (rod) oder l.i.e.s., und milton bradley (komischerweise auch nie gehört, hat sich im berghain nie ergeben) hat zum schluss ein set gespielt, das für meine begriffe von vorne bis hinten als maßstab dafür genommen werden kann, wie der schluss einer party sich anhören sollte. stilistisch ebenfalls nicht auf eine schiene festgelegt, sehr behutsamer spannungsauf- und abbau, so dass die dreieinhalb stunden bis 11:30 echt sehr kurzweilig waren – auch wenn meine beine irgendwann nicht mehr wollten und ich das geschehen von der seite beobachtete.

ich habe somit im gegensatz zum letzten stattbad-besuch nichts auszusetzen. auch wenn wegen orkan „xaver“ ein paar leute weniger kamen, war mir das gerade recht, so blieb gerade im bunker immer genügend platz und alleine fühlte man sich nun wirklich nicht.
was nun noch die krönung wäre: die verlegung des dj-pults im bunker von hinten nach vorne (vom ein-/ausgang über die treppe her betrachtet) ist schon mal gut, so bleibt mehr tanzfläche. idealer wäre fast noch, es (wieder vom ein-/ausgang her) nach hinten links hinter die gitter zu verlegen. außerdem: macht aus einem bitte vier strobos, für jede ecke einen. da der schrei nach einem ersatz für die etwas in die jahre gekommene turbosound-anlage etwas dekadent ist (was ist denn mit der kirsch audio vom ex-rechenzentrum-dann-horst-krzbrg?), wünsche ich mir kurzfristig: nebel. da wird sich das barpersonal zwar schön bedanken, aber location und licht schrien an dem abend nach technohölle. ich bin mit dem gefühl im bauch nach hause, bei einer sehr guten alternative zum berghain gewesen zu sein, zumal beide clubs sich wegen der unterschiedlichen wochentage eh nicht in die quere kommen. daher sollte ich die grounded theory als feste größe für die kälteren, dunklen monate im hinterkopf behalten.

[berlin / 23.11.2013] berghain: klubnacht

dann reicht’s aber auch für den november.

klubnacht

berghain
00h00: silva rymd
04h00: the advent live
05h30: reeko
08h00: rolando
12h00: l.b. dub corp
16h00: function
20h00: len faki
24h00: marcel dettmann

panorama bar
00h00: tama sumo
04h00: innerspace halflife live
05h00: studio barnhus
12h00: jeremy greenspan
15h00: jamie xx
17h00: stefan goldmann
20h00: black madonna
24h00: oskar offermann & edward

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

kaum worte zur panorama bar, da ich kaum dort oben war. eine ausnahme gibt es: innerspace halflife, die ein zwar recht introvertiertes set spielten, das mich aber etwas an virgo four erinnerte. also etwas melodisch-melancholische chicago-schule mit anleihen an alte larry-heard-sachen, und das fand ich um einiges besser als das, was the advent unten fabrizierte. das hatte leider nichts mehr von der klasse anno 1998 im tresor (wo sie noch zu zweit waren). klar, eine 1:1-kopie erwarte ich nicht, aber schon etwas besseres als großraum-techno von der stange. ein remix von damon wilds „avion“ ist da noch als positives merkmal im gedächtnis geblieben, aber sonst hielt mich da nichts.

ansonsten keine ausfälle unten. wohl mit ein grund, dass ich mal wieder länger blieb als eigentlich geplant – um die 19 stunden am stück.
silva tut mir im nachhinein schon ein wenig leid, dass ihre sehr gute vorlage aus dem warm-up für mich durch the advent verpuffte. würde man das haar in der suppe finden wollen, dann höchstens, dass sie das ende mancher platte später eingeschätzt hatte, während die neue platte noch nicht vollständig bei den eqs angekommen war, aber das passierte auch nur am anfang und obendrein sitze ich damit eh im glashaus. hatte in der letzten stunde richtig fahrt aufgenommen und das publikum u.a. mit „on the edge“ von phase oder der guten alten „speak to me“ von regis gewonnen. hat hoffentlich nicht zum letzten mal dort gespielt.
the advent ist ja bereits abgehandelt, also zu reeko, von dem ich nichts erwartete, da mir seine tracks zu gleichförmig erscheinen. spielte mit ableton live und das wirklich sehr gut abgestimmt. zwar nicht der stil, der in mein beuteschema passt, aber eintönig war es auch nicht. rolando fackelte wie immer nicht lange und gab gut vier stunden vollgas. mir fällt kein anderer ein, der eh schon satten kickdrums noch von einem takt zum anderen etwas draufsetzen kann und dabei so funky bleibt. l.b. dub corp / luke slater erwischte ebenfalls einen guten tag, spielte aber weniger brachial, sondern der uhrzeit angemessen melodischer, deeper, wohingegen function mit vinyl und konstant über limit gefahrener anlage den einen oder anderen hit auspackte und damit auch goldrichtig lag. dennoch: 110 db wären im gegensatz zu 115 schon okay gewesen – gewollt bratzige klangästhetik hin oder her, aber wenn es um das gehör der gäste geht, kann man sich auch mal in rücksicht üben.

nichtsdestotrotz ein toller abschluss eines echt kurzweiligen berghain-besuchs mit musikalisch breitem spektrum (und stimmungslagen). das durchatmen von sonntagmittag bis -abend blieb auch weitestgehend aus, da das nachmittagsprogramm einfach zu gut war. dennoch zeigte sich sonntag abend erneut, dass manche montags dann doch etwas anderes vorzuhaben scheinen als der arbeit oder dem studium nachzugehen. es wurde in functions letzter stunde jedenfalls nochmal ordentlich voll. da ich aber nicht gefahr laufen wollte, erneut len faki zu kritisieren und weite teile der arbeitswoche in den seilen zu hängen, bin ich gegen 20h30 mehr als zufrieden heimgegangen.

[berlin / 22.11.2013] stattbad: x-mix – !k7 a/v night #2

das stattbad besuche ich viel zu selten. andererseits ist der boiler room erstens schlecht mit arbeits- und heimkehrzeiten vereinbar und zweitens ohnehin meistens zu voll. das wird sich am freitag auch nicht vermeiden lassen, aber ich kann bei dem line-up und der aussicht auf optischen genuss einfach nicht anders.
für die zukunft muss ich mir dann einfach nur vormerken, dass die grounded theory dort auch nicht zu vernachlässigen ist.

stattbad20131122

eintritt
13 euro

ablauf
00h00: marius reisser
01h30: objekt
03h30: dave clarke
05h30: fiedel
07h30: marius reisser

nachbetrachtung

mal wieder direkt am ende der party, dann habe ich einen punkt weniger auf der to-do-liste.

versuche ich es mit einem anderen aufbau…

nervig fand ich: (mal wieder) die feierstatisten. das maximum an bewegung ein angedeutetes wiegen nach links und rechts und überhaupt ist der tratsch mit dem anhang wichtiger. man könnte ja fast darüber nachdenken, areale am rand abzusperren, so dass sie ein zumindest theoretisches gespür dafür entwickeln, wie das mit der umsicht so gehen kann.
noch hinzu kamen die smartphone-kamera-power-user, sehr gerne auch mit blitz. die resultate waren bei dem nebel eher bescheiden, aber hey, die buddies müssen einfach in partypose verewigt werden. oder gerne auch das gruppenfoto vor dem boxenturm. da weiß ich läden mit striktem fotoverbot erst recht zu schätzen.

gewöhnungsbedürftig fand ich: den floor. fand tatsächlich im alten schwimmbecken statt. somit mehr möglichkeiten, große leinwände aufzuhängen. interessant, den dj hinter einer halbtransparenten leinwand auflegen zu lassen. die visuals verpufften für meine begriffe jedoch ziemlich. mag am nebel oder den zu schwachen beamern gelegen haben, sicherlich auch am zu hellen restlicht, das bei forderndem techno meistens recht statisch vor sich hinleuchtete, ohne dass es in kombination mit den visuals wirkliche akzente setzen konnte.
hinzu kam noch das gefälle im schwimmbecken, bei dem nicht nur ich damit beschäftigt war, die balance zu halten. so wirklich befreites tanzen ging für mich damit nicht, mag auch ein grund gewesen sein, weshalb manche nicht so recht aus dem knick kamen. tipp: weiter nach vorne richtung dj postieren, da ist das gefälle nicht so ausgeprägt.
atmosphäre hat der raum für mich auch so gut wie keine, wirkt alles etwas gewollt und damit nicht so authentisch wie unten.
das bisher aufgezählte sind auch die gründe dafür, weshalb ich bestenfalls semi-warm mit dem abend wurde. denn auch wenn dies alles sich bislang ernüchternd liest…

toll fand ich: alle sets, keine ausnahme. ich habe es erst leider zum ersten drittel von objekt geschafft, aber bei dem jungen herrn ist auf die risikofreude einfach verlass. mögen manche kombinationen sich zunächst komisch anhören, ergeben die nach einigen takten doch sehr viel sinn. breaks, electro, acid, techno – das sind so die koordinaten.
„it’s shit what he does“ meinte ein junger herr zu mir, als herr clarke gerade angefangen hatte. ich hatte mir insgeheim erhofft, dass er im stil der „electro boogie“ spielt und das hat er sowas von konsequent durchgezogen, dass es für mich eine echte freude war. egyptian lover, dj assault, ectomorph, prince („all the critics love you in new york“ – wann hört man das schon?), dopplereffekt – herrlich. pech für den jungen herrn, der die cds auch nicht kannte, wie sich herausstellte. andere seines alters hatten mit dem stil keine probleme.
fiedel knüpfte am electro-faden an und blieb gut eine dreiviertelstunde dabei. danach das, was er bei seiner berghain-residency wohl spielen dürfte. vom aufbau damit schlüssig, muss ihn mal wieder an der sonstigen wirkungsstätte hören.
zu einem schluss von marius scheint es hier nicht mehr zu kommen, was aufgrund des füllgrades (aktuell um 8:09) auch so klar geht.
heißt für mich: heimweg. morgen / nachher ist ja auch noch gelegenheit. das stattbad dann lieber wieder unten, das passt vom ambiente her einfach besser.

[berlin / 08.11.2013] berghain: raster-noton nacht / finest friday

als ob das vergangene wochenende nicht genug gewesen wäre, geht es direkt als wochenendauftakt weiter. am samstag ist drumcode-nacht – der termin, nach dem sich alle die finger lecken. ich lasse denen ihren spaß – experimentielle klänge und französische leidenschaft sind für mich attraktiver.

berghain: raster-noton nacht
22h00: cupca
23h00: senking live
00h10: frank bretschneider live
01h00: atom tm live
02h10: diamond version live
03h20: emptyset live
04h20: credit 00

panorama bar: finest friday
00h00: jo nathan
03h00: tom trago live
04h00: laurent garnier
09h00: sven von thülen

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

vor ort war ich erst um 00h30, obwohl ich doch frank bretschneider mitbekommen wollte. gesehen habe ich ihn jedoch den ganzen abend lang nicht, stattdessen überbrückte cupca die wartezeit auf atom tm. mit ihm, bzw. dessen alben, wurde ich bis dato nicht warm, das änderte er mit seinem set jedoch gründlich. mag mit den berlin music days an dem richtigen rahmen gelegen haben, dass der aufbau im berghain eher an ein konzert erinnerte, inklusive großer leinwände für visuals. und die wusste er tatsächlich für sich zu nutzen. das war so perfekt auf die musik abgestimmt, dass mich sein sound, der wie ein kraftwerk-update klang, gleich mit überzeugen konnte. im nachhinein hat er das „hd“-album quasi komplett vorgestellt, was mittlerweile in meine (zwar nur digitale, aber immerhin) sammlung gewandert ist.
wegen diamond version lagen an der garderobe die epilepsie-warnungen aufgrund der zu erwartenden blitzlichteffekte aus. die sind auch das, was mir vom set am ehesten in erinnerung geblieben sind. zwar erwartet man großes, wenn alva noto und byetone zusammenarbeiten und evtl. sind mir beim anhören ihrer veröffentlichungen auf mute oder während des sets produktionstechnische finessen entgangen. aber jeder für sich alleine gesehen ist mir dann doch lieber. vielleicht auch nur eine frage des beuteschemas.
emptyset fand ich hingegen mit ihrem wuchtigen industrial-gefärbten sound wieder goldrichtig, da kann man auch durchaus vergleiche zu dem ziehen, was mika vainio so macht, wenn er tracks mit knarziger bassline spielt.
ach ja, laurent garnier hat auch noch gespielt. das ist zwar stilistisch nicht mehr meine baustelle, aber der enthusiasmus, mit dem er jenseits der 40 immer noch hinter den cdjs (mit vinyl habe ich ihn jedenfalls nicht herumhantieren sehen) mitgeht und genau weiß, wie er die menge kontrollieren kann, verdient einfach respekt. der konstant hohe füllgrad gab ihm dabei recht. gut, den haben auch andere, mit deren stil ich weniger anzufangen weiß (len faki, ben klock), aber mit dem ihm eigenen groove, dem wechsel zwischen neu und etwas älteren sachen und der bereits erwähnten präsenz verkauft der mann sich einfach immer noch blendend.
abwechslungsreich jedoch auch credit 00 zum schluss unten. da konnte schon mal autechre (777), africans with mainframes (djibouti auf crème organization, auch wenig später gekauft) oder marcellus pittman auf fxhe laufen. das brachte dann die tanzbarkeit mit experimentierfreude, die ich ganz gerne auch an manchen samstagen hätte. hat bei mir jedenfalls einen extrem guten eindruck hinterlassen, der herr. sven von thülen machte in der restlichen zeit, die ich den abend oben noch ausklingen ließ, auch einen guten job.

da bleibt eigentlich nicht mehr, als das ganze als einen gelungenen freitag zu bezeichnen. ein laurent garnier, dessen leidenschaft nach mehr als 20 jahren im job immer noch brennt, atom tm als gesamtkonzept sowas von stimmig und credit 00 als entdeckung – das ist jedenfalls ein dreivierteljahr danach (ich schreibe diese zeilen am 14. september 2014) präsent.

[berlin / 02.11.2013] berghain: klubnacht

gleich zwei wochenenden hintereinander, jedenfalls sieht es auf dem ersten blick danach aus. letzte woche kam jedoch etwas dazwischen, so dass ich passen musste (und nein, es lag in keinster weise an der tür).
also, neuer anlauf an diesem wochenende mit dem live-act, der brachiale analoge sounds mit sportlichen tempi servieren wird (hoffentlich). der rest ist wesentlich mehr als schmückendes beiwerk.

klubnacht

berghain: sheworks at night
00h00: midland
04h00: karenn live
05h30: surgeon
08h30: blawan & pariah
11h00: sunil sharpe
14h00: pangaea
17h00: sigha
20h00: henning baer
24h00: fiedel

panorama bar
00h00: kresy
04h00: octo octa live
05h00: john daly
08h00: oliver deutschmann
12h00: dsan powell
15h00: andre galluzzi
18h00: todd bodine
21h00: josh wink
24h00: radio slave

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
hin und wieder setze ich mir lebensziele. eines davon war, mal 20 stunden am stück im berghain zu verbringen. hat zumindest brutto geklappt, mit dem anderthalbstündigen volksabstimmungs-intermezzo waren es 18einhalb.
bereut habe ich keine einzige davon. einer der seltenen abende ohne irgendeinen ausfall, und sogar mittelmaß habe ich vergeblich gesucht. mag aber auch an der rückkehr nach fünf wochen und der damit verbundenen euphorie liegen.

es hat pünktlich zu karenn geklappt, die genauso fordernd zu werke gingen wie im märz. ganz ohne leerlauf ging es in den anderthalb stunden nicht, aber das ist bei sets in der gangart dramaturgisch passend. in der hinsicht war surgeon auch mal wieder beispielhaft. zwar ging er stilistisch auf nummer sicher, daher für seine verhältnisse „nur“ gutes mittelfeld, aber dabei bitte im hinterkopf behalten, dass er selbst mit den vergangenen sets die maßstäbe ganz schön nach oben verrückt hat. im aufbau so oder so hervorragend, „set up 707“ zum finale war definitiv ein denkwürdiger schlusspunkt.
arbeitsteilung zwischen dem karenn-dj-duo: pariah spielt tracks mit wiedererkennungspotential oder melodien, blawan brettert. ging jeweils für drei, vier tracks im wechsel so und blieb schlüssig. sunil sharpe rackerte sich mit vinyl ähnlich hart durch mal mehr und mal mindernde acid-tracks. bei seinem set kam leider die pause dazwischen.
pangaea machte nachmittags dann das, was ich von surgeon erhofft hatte: rumexperimentieren mit versetzten kickdrums im 4/4-takt. zu der zeit tauscht sich das publikum eh aus, bedeutet also genügend platz auf der tanzfläche, und den habe ich sehr gerne genutzt. heimlicher gewinner für mich.
neuaufbau durch sigha, mal nach oben zu herrn galluzzi gegangen, von dem mir eine alte justus köhncke auf kompakt („2 after 909“) positiv im gedächtnis geblieben ist. trotzdem das übliche kino vor der couch bei den toiletten genossen. josh wink hat sein setup leicht geändert, spielt nun mit traktor scratch und timecode-cds. änderte an seiner form nichts, nur fiel es mir schwer, dazu spaß zu haben – zu hoher füllgrad, aber dafür ein schöner platz oben auf der der galerie zum zuschauen. habe den aber auch schnell aufgegeben, als er „age of love“, direkt gefolgt von „klang der familie“ spielte. fülle hin oder her, aber wenn die panorama bar so ausgelassen reagiert, will ich auch nicht passiv daneben stehen.
henning baer hatte unten ebenfalls keine mühe, aber da herr wink seltener zu gast ist, habe ich die zeit lieber oben verbracht.

musikalisch bin ich also auf ganzer linie großartig unterhalten worden. zu kritisieren wären nur die zaungäste, die sich so bis sonntag vormittag/mittag auf die tanzfläche schieben und denen man am liebsten einen zettel in die hand drücken möchte, dass sie sich doch lieber anderswo unterhalten sollten oder die vielgelobte berghain-atmosphäre nicht zwingend dadurch gewinnt, dass sie licht, anlage und beton staunend in der mitte der tanzfläche genießen. oder wenn sie es schon müssen, dann wenigstens nicht andere beim tanzen zu behindern.
solange allerdings darauf verlass ist, dass ab sonntag nachmittag eine viel gelöstere stimmung inklusive anwesenheit des stammpublikums herrscht, kann ich damit gut leben. wie aktuell im berghain-forum zu lesen ist, veranstaltet die tür mittlerweile ein kleines quiz an der tür, indem details zum line-up oder zum label abgefragt werden. mal schauen, wie sich das bewährt.

nächstes ziel sind dann übrigens die 24 stunden, aber nicht mehr in diesem jahr.

[berlin / 03.11.2013] volksabstimmung „neue energie für berlin“

im september konnten wir nochmal auffrischen, wie das mit den kreuzen auf einem wahlzettel so funktioniert. nun folgt die zugabe, wonach wir über den gesetzesentwurf des berliner energietisches abstimmen sollen. der fordert den rückkauf des stadtnetzes von vattenfall sowie die gründung eines stadtwerkes. daher jeder auch bitte nur ein kreuz ™.

zur webseite des energietisches geht es hier entlang, und den weg zum wahllokal solltet ihr sonntag alleine finden. das abstimmungsergebnis wird dann hier stehen.

nur als hinweis: der entscheid gilt erst dann als angenommen, wenn 25% der wahlberechtigten zustimmen. das bedeutet, dass 80% ja-stimmen nutzlos sind, wenn die beteiligung nur bei 19% liegt. außerdem: wahlen sind grundsätzlich wichtig, also nehmt euch sonntag die paar minuten.