[berlin / 08.09.2024] about blank: zehn jahre bewegungsfreiheit

jawohl, richtig gelesen. zehn jahre sind es bereits, und seit mehr als der hälfte darf ich hinter den kulissen mitmischen. das heißt in den letzten jahren immer mehr, agenturen hinterherzurennen bzw. nach namen zu schauen, die noch nicht so bekannt sind, damit sie noch erreichbar sind. oder auf vorhandene loyale langzeitgäste zu bauen.
es heißt auch, dass sich die gründe, weshalb die bewegungsfreiheit ins leben gerufen worden ist, nicht in wohlgefallen aufgelöst haben – vielmehr im gegenteil: die eh schon unhaltbaren umstände zeigen sich verschlechtert. eine menge anlass, das engagement fortzusetzen. jedoch zeigen sich auch bei uns verlagerte prioritäten, müdigkeit sowieso. wir müssen realistischerweise feststellen, dass die organisation längst nicht mehr so einfach ist wie vor der pandemie und auch der zulauf nicht auf dem niveau ist, das uns vor fünf, sechs jahren verwöhnt hat.
persönlich muss ich beim blick auf die szene feststellen, dass mir neuere namen immer seltener geläufig sind. ideen- und impulsgeber war ich seit jeher nicht, und gerade das braucht es, wenn hiesige partyreihen bestehen wollen.

ohne lange drumherum reden zu wollen: das zehnjährige der bewegungsfreiheit markiert auch das ende als alleinstehende partyreihe. wir werden jedoch nicht von der bildfläche verschwinden, sondern gemeinsam mit anderen kollektiven von uns hören bzw. sehen lassen. aber erstmal der ganz persönliche sommerausklang, tagsüber im lieblingsgarten.

garten
12:00 i.nez
15:00 andré dancekowski
18:00 karete bu
20:00 alex.do b2b hks97


beachfloor
15:00 tombola
15:30 eva
17:00 eterna_l
19:00 pete

zelt
22:00 stype

eintritt
von 12:00 uhr bis 14:00 uhr: 10 euro
ab 14:00 uhr: 18 euro

[berlin / 31.08.2024] berghain: klubnacht

der montag ist arbeitstechnisch freigeräumt, der ablauf verrät den grund.

klubnacht

berghain
00:00 etapp kyle
04:00 barker live
05:00 answer code request
09:00 nastia reigel
13:00 hemka
17:00 amoral
21:00 anika kunst
01:00 pete

panorama bar
00:00 binh
04:00 alinka
08:00 budino
12:00 pause, es geht im garten weiter
19:30 âme
00:00 alex kassian

garten
12:00 yamour
16:00 gerd janson

säule
21:00 rex the dog live

eintritt
26 euro

nachbetrachtung

ich war das erste mal seit ewigkeiten zwei mal da (premiere: den wiedereintritt gezahlt, passenderweise war der aufkleber mit „wo ist der ausgang?“ beschriftet).

erste schicht: 11:45 uhr bis kurz nach 15:00 uhr. da hatte sich die schlange von „quasi nicht existent“ bis „alle welt will zu gerd“ entwickelt.
zweite schicht: 22:15 uhr (somit leider rex the dog verpasst) bis 8:15 uhr.

in der ersten schicht nichts wirklich nennenswertes. nastia reigel melodisch mit tribal-elementen, hemka fand ich für die uhrzeit zu heftig. yamour machte das draußen wesentlich unaufgeregter, ich kann jedoch mein eh spärliches house-wissen nicht in die waagschale werfen und auch nicht mit erkenntniszuwachs dienen (vulgo: „nichts erkannt, nichts shazamt“).

den kommentaren auf reddit oder telegram zufolge scheint mein timing bei der rückkehr ganz gut gewesen zu sein. erneut: keine wirkliche schlange für neuankömmlinge, für wiederkehrende sehr überschaubar. sah (spät-)nachmittags mit einer schlange bis zum park wohl anders aus.

die sonntagabendliche fülle gab es, aber hielt sich im vergleich zu manch anderen gelegenheiten mit zugkräftigeren namen auf dem line-up wirklich im rahmen. auffallend viele queers, was an der slit-party nebenan im lab gelegen haben dürfte, die explizit für flinta*-personen gedacht war und wohl ziemlich gut ankam.

zur panorama bar kann ich nicht sonderlich viel sagen. bei âme überbevölkert und stickig, bei alex kassian gerade in den morgenstunden luftige abstände auf der tanzfläche, er zuweilen mit piano-house – die house-connaisseur*innen müssen beurteilen, ob das ein abschluss nach ihrem gusto war. meinem eindruck nach hatte er das alles sehr souverän im griff.

mein zweiteindruck von anika kunst war genauso überzeugend wie der erste bei ihrer premiere vor ort im februar. sie spielte zum dritten mal, und es würde mich wundern, wenn sich daraus keine regelmäßigkeit entwickelt. das war mal melodisch, mal dubbig-chordig, mal rauh, stets treibend – sprich: abwechslungsreich. immer noch komplett mit vinyl und technisch sowas von sauber, dass ich schon fast geneigt bin, sie als neuentdeckung des jahres zu sehen – zumindest als dj im techno-bereich. ich behalte sie weiterhin auf dem schirm.

pete wie immer eine bank, wobei ich sagen muss, dass mir sein set auf der staub drei wochen zuvor besser gefiel, da das spürbar abwechslungsreicher war. im berghain sehr treibend, stellenweise aber auch trocken bzw. manche loops etwas ausgedehnt. ist bei der langstrecke eines closings verständlich, mir hat leider etwas die dynamik gefehlt. dennoch: zwischendrin mal dubstep mit 4/4-kick unterlegen (shazam hat in fast allen fällen bei ihm kapituliert – irgendein track mit flowdan war es) und zu sehen, dass das auf der tanzfläche funktioniert, steht auf der haben-seite.
für seine verhältnisse solide, damit lässt er den durchschnitt nach wie vor hinter sich.
schluss war um ziemlich genau 8:11 uhr. kam für mich etwas abrupt, weil er bis zum schluss ordentlich fordernd spielte, wobei das immer noch zahlreich vorhandene publikum (in der panorama bar war gegen 7:30 uhr schluss, so dass weite teile vom rest noch runter kamen) hierbei noch extra motiviert haben dürfte.
wirklich angenehm wurde es auf der tanzfläche so ab 5:00 uhr, wo kein durchschlängeln mehr erforderlich war. auch das nehme ich als lerneffekt mit, sofern ich irgendwann mal vielleicht wieder den abschluss mitmache. zwar bereue ich es keinesfalls, mein überstundenkonto dafür halbiert zu haben. zugleich steht für mich jedoch sowas von fest, dass das weder ein dauerzustand werden soll, noch meine welt wird. als ausnahme ist es zwar ganz schön, dass ich mir ein quentchen eskapismus gönne – andererseits hatte ich davon in den bald zwei jahrzehnten an diesem ort genug. in der hinsicht sollen sich andere gerne ausleben.

trackauswahl

anika kunst
reeko – the woman of black glove

alex kassian
aril brikha – groove la chord

pete
source direct – black rose (blawan remix)
basic channel – octagon
monrella – shank
overmono – lockner union
joey beltram – the start it up (mit overmono gemixt)
joey beltram – tenfour
caustic window – the garden of linmiri
basic channel – phylyps trak
dj rush – give me a dollar
dj rush – playin‘ kinda rough
regis – surface
kryptic minds – 768

[berlin / 25.08.2024] flughafen tempelhof: die ärzte – omg lol

wetter passt, die spiellaune der drei herren auch. also mache ich mal das triple voll, wenn der sekundärmarkt mir gewogen ist.

16:30 cari cari
17:30 donots
19:00 die ärzte

nachbetrachtung

zwar weite teile von cari cari verpasst, war aber rechtzeitig genug dort, um ein bändchen für die zweite welle abzugreifen. und daran könnte ich mich gewöhnen – die sicht auf die bühne ist von dort definitiv nicht zu verachten und das publikum in puncto pogo auch sehr gemäßigt. das beste beider welten also.

die donots mit punkrock nach allen regeln der kunst (und „whatever happened to the 80s“ sowie „we’re not gonna take it“ als cover) und als aufwärmprogramm für die drei ging das auch komplett in ordnung. aber gezielt würde ich keines ihrer konzerte besuchen. dafür überwog mir zu sehr der rock-faktor, wie mensch ihn noch aus den 1980ern kennt, obwohl sie eigentlich alterskohortentechnisch näher an mir dran sind.
egal, sie haben das souverän gemeistert. klar, dass mensch auf so einer großen bühne alles geben möchte. es hat mit meinen präferenzen zu tun, dass ich mit den eher rockigeren klängen, obwohl mensch punk sein möchte, nicht warm werde.

belafarinrod waren auch an tag drei für überraschungen gut: erst zur eröffnung „nicht allein“ antäuschen und dann einfach mit „sommer, palmen, sonnenschein“ reingrätschen – ein signal an das stammpublikum, es auch an tag drei für sich selbst spannend halten zu wollen. „instrumente des orchesters“ leider nur angetäuscht, ging in „super drei“ auf. bei „nie wieder krieg, nie mehr las vegas!“ würde es mich nicht überraschen, wenn das spontan ins set genommen worden ist – so ungeprobt klang das. „alle auf brille“ kam ebenfalls unverhofft und auch mit texthängern, aber das funktioniert von den neuen stücken erstaunlich gut. „gehn wie ein ägypter“ sowie „bitte bitte“ waren vom freitag wieder drin. „zu spät“ kam mal nicht ganz zum schluss. stattdessen „teenager liebe“, nachdem farin festgestell hatte, dass sie noch vier minuten haben, die sie prompt damit gefüllt haben.
als krönung noch der pikachu-moment, der sich auf youtube nachschauen lässt (vor „anastasia“). platz für schabernack blieb also auch am letzten abend.

wenn auch (diese zeilen entstehen am 7. januar 2026) farins kooperation mit flakes weihnachtsalbum dazwischenkam und einen schalen beigeschmack hinterlassen hat: eines der besten wochenenden anno 2024 – und ich würd’s wieder tun.

[berlin / 24.08.2024] flughafen tempelhof: die ärzte – omg lol

der termin, für den ich eigentlich die tickets habe.

16:30 malts orchestra
17:30 panteón rococó
19:00 die ärzte

nachbetrachtung

ich war erst zu panteón rococó da und ärgere mich im nachhinein etwas, da ich über den auftritt von malts orchestra nur gutes gehört habe.
sonst war’s der härtetest – für publikum und infrastruktur gleichermaßen. es war der wärmste tag von allen, gleichzeitig windig, was der grund dafür war, dass die sonnenschirme an den bars nicht aufgespannt werden konnten. plätze im schatten waren entsprechend begehrt.

es ist jammern auf verdammt hohem niveau, aber von den drei tempelhof-tagen war’s der „schwächste“. was heißt: sie spielten wieder fast drei stunden, aber in anbetracht der auch abends noch vorhandenen hitze und des füllgrades war’s der publikumsfreundlichste auftritt von allen. dennoch: perlen aus dem frühwerk wie „der lustige astronaut“ und „zitroneneis“ gab es, „gehn wie ein ägypter“ blieb ebenfalls vom freitag im set, „heulerei“ kam ziemlich am anfang, was gerne mit „langweilig“ im letzten drittel hätte getauscht werden können.

hätte / wäre / wenn – komplett egal. ihre spielfreude war gesetzt und es ist verständlich, dass sie an so einem prestigeträchtigen tag abliefern wollen. haben sie nach ihren regeln gemacht, gutes mittelfeld nach den von ihnen gesetzten standards.

[berlin / 23.08.2024] flughafen tempelhof: die ärzte – omg lol

das kam jetzt unverhofft. aber der zufall will es so, dass ich sie schon einen tag vor dem eigentlichen termin sehe, für den die tickets seit wochen hier liegen. und nein, die nachlese zum astra kommt erst, wenn tempelhof absolviert ist. wer sich vorher schon ein stimmungsbild machen möchte, wird auf entsprechenden kanälen fündig.

16:30 shirley holmes
17:30 girlschool
19:00 die ärzte

nachbetrachtung

war kurz nach 17:30 uhr vor ort, aber erst nach dem ende von girlschool drinnen. schon wieder eine band, die mir bislang nichts sagte – ähnlich wie bei ruts dc in der wuhlheide vor zwei jahren. wäre mit waschechter punk-sozialisation seit den 1980er-jahren bzw. gründlich gemachten hausaufgaben meinerseits wohl anders. ist jedoch schön, dass die „super drei“ diese bildungslücke in so einem rahmen schließen. würde mir jedoch für girlschool als solo-band auf dem line-up kein ticket kaufen.

von den vier august-konzerten, die ich mitbekam, ist der tempelhof-freitag mein heimlicher favorit. der offizielle und auch irgendwie offensichtliche ist das astra-konzert.
was den freitag so gut machte: die nervosität der drei – war anfangs noch spürbar, legte sich ziemlich schnell. zeigt jedoch, dass sie die dimensionen nicht als selbstverständlich sehen.
mit wesentlich mehr gewicht (wofür mensch auch gerne mehrmals hintereinander zu ihnen geht): der diverse male auftretende überraschungseffekt, der gelegenheitsbesucher*innen nicht zu sehr vor den kopf stieß und selbst die ultra-fraktion überraschte. sie haben es selbst in einem rahmen von 50.000 leuten nicht gescheut, in ihrer diskographie nach lange nicht mehr gespielten liedern zu wühlen.
da wäre das bereits erwähnte „super drei“ direkt nach „nicht allein“ als intro. später ging’s „zum bäcker“, was anstelle des in den letzten jahren häufiger gespielten „zitroneneis“ kam. „motherfucker 666“ von „le frisur“ hört mensch auch nicht alle tage, „das letzte lied des sommers“ gab’s im festsaal und im astra und klang hier sehr rund – war nur leider an den restlichen tagen nicht mehr im set.
„westerland“ habe ich live von ihnen tatsächlich noch nie gehört. verleitet manche ultras vielleicht zum naserümpfen – ich habe mit dem stück keine probleme, mich daher lieber von der guten stimmung anstecken lassen und einfach mitgesungen. bei „leben vor dem tod“ hatte ich etwas im auge, bei „gehn wie ein ägypter“ erstmals ungläubig gestaunt, dass sie das tatsächlich mal spielen. und „bitte bitte“ in der originalversion als new-wave-band mit rod hinter einer synthie-burg sowie bela mit keytar und farin mit metropolis-artigem kopfschmuck hatte keine*r auf dem zettel. was auch die bdsm-setlist vervollständigte, in der zuvor schon „sweet sweet gwendoline“ und „mondo bondage“ aufgetaucht waren.

eine gute mischung aus raritäten und hits für die masse – die albernheiten inklusive. ich hätte mich geärgert, wenn ich die setlist im nachhinein nur gelesen hätte, ohne selbst vor ort zu sein. hat die messlatte für die folgetage sehr hochgelegt.

[berlin / 20.08.2024] zitadelle spandau: off days

ist nun wirklich nicht so, dass ich in den vergangenen tagen unter langeweile gelitten hätte. bei dem hiesigen überangebot hätte ich jedoch langsam gerne welche.

18:15 peaches
19:30 gossip
21:00 róisín murphy

nachbetrachtung

auch wenn ich peaches am liebsten als haupt-act zum schluss gesehen hätte: das wäre lediglich meine musikalische präferenz gewesen. am ende war die dramaturgie des abends in der form genau richtig.

peaches mit dem zu erwartenden feuerwerk an ausgelebter queerness und gleichzeitiger punk-attitüde, wonach mann einfach nur die klappe halten und seine privilegien bzw. verhaltensweisen gründlich gegenprüfen sollte. und mit „private dancer“ eine zugabe, die mir bis ans ende meiner tage gänsehaut bescheren wird. an sich ein stück, an dem sich viele sängerinnen verheben würden – peaches lieferte jedoch die blaupause dafür, wie das angemessen interpretiert werden sollte.

gossip zu erwartend hymnischer, dank beth ditto ohnehin mit der energie von (mindestens) zwei windkraftparks – da saß alles.

róisín murphy hat mich zwar nicht umgestimmt, mir ein ticket für eines ihrer solo-konzerte zu holen und im vergleich zu gossip war das musikalisch wieder zurückgenommener, ruhiger. aber auch sie mit wahnsinnig toller bühnenpräsenz und die dunkelheit mit einem zurückgenommenen arrangement bei „the time is now“ gut ausnutzend. wenn ich einen wunsch frei hätte: die perkussiv-version von „sing it back“ kann sie gerne im studio einspielen und so veröffentlichen.

ganz hohes niveau aller beteiligten, auch wenn mich wundert, dass das aus der wuhlheide in die zitadelle herunterverlegt worden ist. macht als konzept bzw. mini-festival jedoch lust auf wiederholung – dann vielleicht mit mehr werbung vorher. wobei das in dem kleineren rahmen der zitadelle mit mehr nähe zur bühne und damit zu den protagonist*innen seine vorteile hatte. und guten sound obendrauf.

[potsdam / 17.08.2024] waschhaus: team scheisse / leftovers / pigeon

hatte mir nach der columbiahalle schon die option offen gehalten, sie mir dieses jahr noch ein zweites mal anzuschauen. dank sekundärmarkt fiel die entscheidung noch leichter.

17:40 pigeon
18:50 leftovers
20:00 team scheisse

nachbetrachtung

dauert zwar ein wenig, ehe mensch vom potsdamer hauptbahnhof dort ist, aber als konzertlocation ist das echt empfehlenswert. vergleichbar mit der zitadelle, nur ohne schotterboden (pluspunkt), mit genügend essensständen drumherum und sitzgelegenheiten am hinteren ende. für den heimweg nach berlin am besten nüchtern sein – das geht mit carsharing in größerer gruppe ganz gut.

pigeon mit post-punk, die leftovers klar von grunge beeinflusst (ein stück hatte das riff von „smells like teen spirit“). alle so um die mitte 20 bis anfang 30, keine neuerfindung des rades, aber den staffelstab gut übernehmend.

bei team scheisse war’s insgesamt zweidrittelvoll und weitestgehend die gleiche setlist wie in der columbiahalle (leider immer noch ohne „käsesortiment“, dafür mit „ungeziefer“, und „20:15“ sauber auf die minute gesetzt). sonst ist meine präferenz nach mittlerweile vier malen (zwei mal in geschlossenen räumen, zwei mal unter offenem himmel), in denen ich sie sehen konnte, klar: sie wirken in innenräumen am besten. das trifft wahrscheinlich auf 99,x% aller punk-bands zu, aber manche schaffen den spagat besser. die sind jedoch auch schon jahrzehnte im geschäft, was team scheisse hoffentlich noch bevorsteht.

das nächste konzert in berlin ist anfang mai 2025, wieder in der columbiahalle. das ticket ist bereits gesichert. „mittelfinger“ wurde bereits als vorbote zum neuen album veröffentlicht, es gibt also mehrere dinge zur steigerung der vorfreude. sollte es neue daten für open airs geben, lasse ich anderen den vortritt – es sei denn, sie schaffen es ins vorprogramm der besten band der welt. aber das ist ein anderes thema.

[berlin / 16.08.2024] berghain: reef

das ist die zweite von drei ausgaben in diesem jahr.

reef

berghain
00:00 batu
03:00 verraco
06:00 darwin

panorama bar
22:00 dubrunner
01:00 succubass
03:00 oblig
05:00 dj storm
07:00 esposito

nachbetrachtung

fazit vorneweg: war für mich wesentlich (!) runder als die april-ausgabe, wobei ich mich zu sehr weiten teilen im berghain herumgetrieben habe.

ich handle das daher nach floors ab, mit der panorama bar zuerst. und die auch nur als schlaglichter, weil ich ab mitternacht für jeweils vielleicht fünf minuten am stück oben war. bis dahin hat es sich fast schon als ritual bei mir etabliert, dort gemütlich zu starten und wie manch andere*r kurz vor start an der tür zum berghain zu warten, um zeitig nach unten zu können. es sei denn, es ist oben so packend, dass ich das verpasse. ist bisher nicht passiert, so auch dieses mal.
jedenfalls: war kurz vor 23:30 uhr da. dubrunner mit dem, was ich wenig differenziert in der „oriental dubstep“-schublade ablege, dabei viele tracks mit ragga-vocals. ich werde damit leider nicht warm, somit ist das nicht sein problem.
succubass quasi komplett verpasst, oblig zwischen breakbeats und dubstep, dj storm mit dem, was sie seit jahrzehnten macht. esposito hätte ich mir gerne noch angehört, aber mit dem ausflug nach potsdam vor augen habe ich lieber auf meine kondition gehört.

das berghain quasi durchgängig ein genuss, somit start-ziel-sieg.
batu begann mit ambient auf 140er-tempo, musste sich damit jedoch nicht lange aufhalten. mit ein grund, weshalb ich das ritual mit dem heruntersteigen der treppe kurz nach mitternacht pflege: zu sehen, wie neugierig die leute auf den abend sind und sich das im wechselspiel mit den djs entwickelt. das hat im april länger gedauert, war bei batu jedoch ein warm-up im zeitraffer und die tanzfläche bereits 20 minuten nach toresöffnung so gut gefüllt, dass er mit dubstep alter schule loslegen und die leute damit begeistern konnte. das war die ausgangsbasis dafür, was ich als „full circle“-set bezeichne: um die 140 bpm zu starten, sich dann quasi unbemerkt bis 170 steigern, dann bei halftime nochmal von vorne beginnen, ohne die leute dabei zu verlieren und über techno wieder bei 140 bpm zu enden. eins mit sternchen für’s storytelling, war bei ihm aber irgendwie von vornherein klar.
verraco machte mit seinem „jajaja“ fast zu beginn klar, dass die nächsten drei stunden ernsthaftes raven angesagt ist. da ging das tempo kontinuierlich nach oben und war zwischenzeitlich so geradlinig, dass ich befürchtete, die reef könnte den weg der sub:stance gehen, die sich schnell beim sonntagspublikum angedient hat. jedoch waren die 4/4-kicks immer wieder gut durchbrochen. daher stand das set bei flottem tempo um die 150 bpm in der ersten hälfte prototypisch dafür, wie von den spurrinnen im techno an einem sonntag abgewichen werden könnte. hat er bereits im juni letzten jahres unter beweis gestellt, im märz diesen jahres hatte ich leider andere pläne. sollte das jedoch priorisieren – ich wäre sehr neugierig darauf, wie weit er mittlerweile in dem rahmen geht. bei der reef eskalierte er zum schluss jedenfalls komplett, indem er squarepusher (und dann auch noch „beep street“ als einem meiner lieblingstracks von ihm), aphex twin und venetian snares spielte. das publikum nahm es dankend an, für solche momente gehe ich hin.
darwin hatte (analog zu calibre im april) auf dem schirm, dass in der panorama bar drum & bass angesagt ist. daher konkurrierte sie gar nicht erst damit, sondern spielte in ihren zwei stunden strikt dubstep.

das konzept, „nur“ drei djs auf das berghain-line-up zu setzen und den beiden gast-djs gleich jeweils drei stunden einzuräumen, ging für mich komplett auf. es war bei deren breit gefächertem repertoire zuvor wenigstens auf dem papier schon klar, dass es keine monotonen sets werden, und glücklicherweise wurde diese hoffnung auf der tanzfläche mehr als nur erfüllt. der resonanz tat das keinen abbruch. es gab bis 3 uhr eine ordentliche schlange vor dem club und das berghain war bis zum beginn von darwins set reef-typisch gut, aber nicht überfüllt. also: bilderbuch-ausgabe, worunter die panorama bar zumindest für mich das nachsehen hatte.

trackauswahl

batu
hijak – nightmarez
peverelist – revival (feat. pinch)
mala – ancient memories (direkt danach)
muslimgauze – all the stolen land of palestine
forest drive west – creeper
chemical disco – sensual seduction (remix)
batu – for spirits

verraco
verraco – jajaja
benga & coki – night (lustigerweise auch oben bei oblig um 4:09 uhr)
holandês – rebolando
litlbird – teflon_exe
hojo – 16 o’s (feat. novelist)
doctor jeep – pika 2
verraco – 0∞
coki – goblin
mathew jonson – decompression (db’s raw edit)
deft – koover in ’92
squarepusher – beep street
head high – rave (dirt mix) (direkt danach, auf 160+ hochgepitcht)
3phaz – slomo strut (zuli’s dj ahmed remix)
halogenix – viper style
dillinja – silver blade
aphex twin – 54 cymru beats
venetian snares – dance like you’re selling nails

darwin
11th hour – mechanized

dj storm
calibre – drop it down

[berlin / 14.08.2024] astra kulturhaus: die ärzte – die konzerte vor den anderen konzerten

zweiter abendtermin diese woche. und meine vorfreude ist groß, dass ich sie noch einmal im kleineren rahmen sehen kann, bevor es zehn tage später nach tempelhof geht.

einlass ist ab 18 uhr, zwei stunden später fangen sie an.

nachbetrachtung

von den vier konzerten im august natürlich mein favorit. zwar haben sie mehrmals bewiesen, die großen bühnen bespielen zu können, jedoch gehen sie im kleineren rahmen mehr aus sich hinaus. auch wenn die albernheiten im festsaal kreuzberg am abend zuvor ausufernd waren und die location für mich besser als das astra ist, war ich vom sound positiv überrascht. für alle beteiligten schweißtreibend, insbesondere für rod, den ich noch nie so verschwitzt gesehen habe. und der auch nicht verlegen war, farin die pointe zu klauen (bei „quark“) oder beim „bullenstaat“-block hintereinander weg „bgs“, „punkbabies“ und (weil farin lust darauf hatte) „ihr helden“ zum besten zu geben. wenn’s nach mir geht, könnten sie gerne mehr aus dem album spielen (gerne die hälfte).
sonst noch hängengeblieben: eine „nothing else matters“-coverversion als intro für „1/2 lovesong“, „lady in black“ von uriah heep als intro für „deine schuld“ (und ja, das funktioniert), „rebell“ mit der ersten strophe von „monsterparty“, dann umgekehrt, dann „rebell“ richtig.

am ende standen 2 stunden und 45 minuten auf der uhr. steht nach wie vor außer frage, den ticketshop sekündlich zu aktualisieren, wenn es sowas wieder geben sollte.

[berlin / 13.08.2024] tresor: tresor and hard wax present ndagga rhythm force

auftakt einer intensiven woche, was das abendunterhaltungsprogramm angeht.

globus
19:30 arthur
21:00 ndagga rhythm force live
22:30 pete

tickets
ra

nachbetrachtung

das mache ich kurz:

arthur stilistisch zwischen allen stühlen. zwei stücke hat shazam erkannt, seitdem weiß ich, dass es das genre „amapiano“ gibt. war zum reinkommen super, tanzen wäre auch gegangen. sollte viel öfter in clubs laufen. hat einen guten grund dafür geliefert, wieder mal ins open ground zu fahren, wenn er auf dem line-up steht.

glücklicherweise hat sich der globus vor dem konzert noch rechtzeitig zur hälfte gefüllt, was meine befürchtungen, dass das vor vielleicht 30 leuten stattfindet, zerstreut hat. ndagga rhythm force boten das gewohnte feuerwerk an polyrhythmik, was mich bei dem vermeintlichen chaos (dem dennoch eine struktur innewohnt) und dem urplötzlichen, auf dem punkt genau sitzenden wieder-zusammenfinden immer wieder ungläubig dastehen lässt. und die europäische auffassung von rhythmusgefühl noch etwas alt dazu.

zu beginn von pete brach ich heimwärts auf, insofern kann ich leider nicht sagen, wie er den abend beendet hat.

notierte tracks

arthur
vigro deep – gran turismo
jayden lanii & dj sickoo – excellent (feat. mr jazziq & sizwe alakine)