crowdfunding für cristian vogel, zum zweiten

wir erinnern uns: zum ersten mal hat er vor zwei jahren auch via startnext dazu aufgerufen, um seine alten dat-tapes zu restaurieren. leider ist bis heute nichts aus den unveröffentlichten sachen geworden (bis auf den mix dazu), aber dafür gab es die alten alben auf tresor und mille plateaux, die man mittlerweile auch ganz offiziell wieder bei bandcamp bekommt.
sein aktuelles projekt ist „the ballad of agnete and the merman“. das ist eine audioinstallation, die im juni im rahmen des offiziellen programms der europäischen kulturhauptstadt 2017 (arhus) aufgeführt werden soll.
das soll filmisch dokumentiert werden, und genau darauf zielt der spendenaufruf ab. wurde gerade bis ende april verlängert und kann noch einige spender gebrauchen.

klick

r.i.p. ikutaro kakehashi

es scheint wohl in den letzten wochen diejenigen zu treffen, die steine ins rollen gebracht haben. zugegeben: bis zur meldung wusste ich nicht mal, wer der gründer von roland war, und deren hardware habe ich mit ausnahme der tr-8 auch noch nicht in augenschein genommen. aber fakt ist, dass sämtliche elektronisch produzierte tanzmusik ohne die firma nicht so geklungen hätte – auch wenn es ein paar jungs aus chicago bedurfte, die einen der flops des unternehmens soweit manipulierten, dass bis dato unerhörte klänge ein gesamtes genre prägen sollten.

87 jahre ist er alt geworden. r.i.p. ikutaro kakehashi.

retrospektive des rolling stone auf 30 jahre „sign o‘ the times“

sein tod ist nun auch fast ein jahr her. nun hat sein für meinen geschmack bestes album den rolling stone (über dessen schlagzeilenmeldungen im tagesgeschäft man ja gut und gerne diskutieren kann) zu einer rückschau veranlasst, die als muster für guten musikjournalismus betrachtet werden kann. kommt daher in die hiesigen lesezeichen, werde ich sicher noch diverse male lesen wollen.

30 jahre „sign o‘ the times“

[berlin / 31.03.2017] berghain: planet giegling

es gibt einen ganz profanen, aber doch nicht unwesentlichen grund, dem hype um die weimar-berliner hinterherzurennen: ich hoffe auf einen merchandising-stand, bei dem sich die 8-fach-lp vom prince of denmark kaufen lässt. die tour-ep würde ich bei der gelegenheit auch gleich mitnehmen. das konzept mit mehreren live-acts (gerade in der panorama bar) kommt dabei aber auch mehr als gut gelegen.
die säule werde ich mir als neuen floor aller wahrscheinlichkeit nach erst ende april anschauen können. keine ahnung, wieviel davon beim durchgehen zu sehen sein wird.

planet giegling

berghain
ateq live
vril live
sa pa
konstantin

panorama bar
edward live
dj dustin
kettenkarussell live
legov leafar live

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
da will lynch sinn und verlauf der gesamten tour überaus lesenswert bei residentadvisor zusammengefasst hat, gibt es hier lediglich die inhaltliche bewertung dessen, was für mich denn nun am hype dran ist oder war.

die panorama bar lasse ich bei dem ganzen mal aus, weil ich da vielleicht mal eine viertel- bis halbe stunde verbracht habe, in der dustin gewohnt sicher agierte. der rest also unten, wo der riesige lametta-leuchter an der rückseite ins auge fiel, was eine der optischen installationen des giegling-kollektivs war und für ein insgesamt helleres berghain sorgte. die podeste wichen bühnenaufbauten, was vor dem darkroom und beim rechten boxenturm zunächst ganz gute emporen für die exaltierten, später aber zusätzliche sitzgelegenheiten schuf. fand ich gar nicht mal so schlecht als anordnung und dachte, dass dies der normalzustand wäre. könnte man für manche sonntage mal im auge behalten.
ebenfalls zeichen der optischen wandlung: die „rituale des verschwindens“ von piotr nathan waren ebenfalls bereits abmontiert und versteigert, was bei 500 euro pro panel (171 an der zahl) wohl einen ordentlichen schnitt ergeben haben dürfte. nur eine maueraufschrift mit dem titel des abmontierten werks zeugte davon, dass da einst etwas hing. mehr zur entstehung, konzeption des werks sowie zur entscheidung, es zu demontieren und zu versteigern, lässt sich in diesem interview nachlesen. war für mich etwas ungewohnt, bzw. wirkte sehr kahl und in puncto raumtrennung mit den vorhängen links neben dem eingang, wo auch die panele mit den gesammelten plattencovern demontiert worden waren, auch etwas improvisiert.
die säule war nur von außen zu betrachten, aber das wirkte tatsächlich sehr durchdacht. man erinnert sich: wenn das berghain freitags geöffnet hatte, stand zur säulenhalle stets ein bauzaun zur abtrennung, um die leute daran zu hindern, sich bei der bar zu bedienen, die samstags geöffnet hatte. das ist nun durch die glasfront nicht mehr notwendig, die 1:1 dem entspricht, was man oben zwischen bar und tanzfläche sieht. es gibt nun auch ein stahltor, das sich durch drahtseile bedienen lässt und den zugang zur stahltreppe nach oben versperrt, weil an manchen freitagen nur die säule anstelle der panorama bar geöffnet hat und leute nicht nach oben sollen.

es waren also gleich mehrere änderungen auf einmal, die nach den in den vergangenen 12 jahren mehr oder weniger prägnanten umbauten (von denen der in der panorama bar anfang 2010 sicherlich hervorzuheben ist) verarbeitet werden mussten. das fiel aber durch das musikalische niveau leicht, wobei ich den an live-acts orientierten ansatz wirklich loben muss. es hat zwar leider nur für die letzte stunde von ateq (von insgesamt drei) gereicht, aber das war immer fordernder werdender dubtechno, an den sa pa stilistisch auch gut anknüpfen konnte. er spielte mit cdjs und darunter viel eigenes, aber technisch war das ziemlich holperig, so dass ich mich schon fragte, warum er das nicht gleich als dezidierter live-act auch mit ableton live hätte machen können. konstantin hingegen war so souverän, dass er für mich eines der dj-sets des jahres gespielt hat, in dem auch tracks wie „elastobabe“ von pantytec richtig technoid klangen. „marionette“ von mathew jonson höre ich auch immer noch gerne, das war alles mit dem richtigen gespür für stimmung und harmonien ineinandergemischt, dass es sich alleine für ihn gelohnt hätte.
vril durfte die letzten drei stunden als live-act bestreiten und hatte von 7 bis 10 auch keine mühe damit, die leute zu halten. für mein empfinden wäre es besser gewesen, das tempo etwas weniger merklich zu drosseln als in den letzten zehn minuten vor schluss, aber das ist als kritik geschenkt.

hab’s also alles andere als bereut. wenn man will lynchs artikel liest, scheint giegling das auf die gesamte tour betrachtet genauso zu empfinden, auch wenn ich verstehen kann, dass es so schnell keine wiederholung davon mehr geben wird. aber sie haben es geschafft, mir die acht stunden mit einem zwar klar definierten, aber sehr ausgefeilten stil im erbe von dubtechno, minimal und trance sehr kurzweilig zu gestalten. hype hin oder her: hin und wieder trifft es damit auch die richtigen.

[berlin / 25.03.2017] about blank: staub

ich nehme zwar nicht an, dass der zumindest kalendarische frühlingsanfang zur vorzeitigen eröffnung des gartens führen wird. aber wenigstens mit dem zelt und den üblichen variationen in puncto techno auf beiden innenfloors sollte man rechnen können.

ablauf

lobby
10h00 jamaica suk
13h00 michael wells
16h00 pineal navigation
19h00 stype

mdf
15h00 cem
18h00 diwa & caleb esc

zelt
14h00 kevin paschold
16h00 tom ass
18h00 vinilette
20h00 dj smut

nachbetrachtung

jetzt mit fast zwei jahren abstand ist es schon an der zeit, auch diese staub-ausgabe revue passieren zu lassen.

es war die ausgabe, zu der ich mit ziemlich weichen knien gegangen bin. da ist man jahrelang stammgast, äußert sich hier und da kritisch über einzelne leute auf dem line-up. und auf einmal darf man selbst an die regler. die persönliche bindung zur organisation machte es nicht gerade leichter, den perfektionismus in seine schranken zu weisen.
die anonymität half aus meiner sicht nur bedingt – zu groß die identifikation mit der reihe, (noch) zu gering das bewusstsein, dass ich nicht nur aufgrund persönlicher sympathie, sondern auch wegen vorhandener expertise gefragt worden bin. und dann auch noch gleich zu einer so prominenten zeit auf der lobby.

von den anderen bekam ich daher nicht viel mit. es war ein überaus warmer, sonniger frühlingstag, daher trieben sich draußen erstaunlich viele leute herum. auf dem mdf habe ich nur ganz kurz vorbeigeschaut und während des sehr funktionalen tribal-techno-sets von pineal navigation meinen kreislauf beobachtet. der aufbau war relativ problemlos – einzig das entwirren des spiralkabels beim hd25 ein bis zwei minuten vor beginn zog sich ewig hin (sonst mag ich das nicht mehr missen, aber wenn’s beim auseinanderwickeln schnell gehen soll, kommt hier gerne mal murphys gesetz zur anwendung).

nun ja, ich war rechtzeitig fertig. da pineal navigation noch eine breakbeatige platte um die 150 bpm zum schluss spielte, wollte ich daran nicht anknüpfen. es wurde stattdessen ein loop von perth drug legend („south inch posso“ auf resin), der aber trotz ordentlich gesetzter eqs merkwürdig dumpf klang. es gehört seitdem zu meiner routine, am xone:92 zu schauen, ob die filter eingeschaltet sind.
der rest des sets wurde für viele im publikum (im vergleich zu dem, was davor lief) zu einer belastungsprobe und bei mir stand permanent die stimme des perfektionisten im hintergrund. mein plan war, die leute erstmal kurz mit techno anzufüttern, um dann mit tracks fortzufahren, wie sie eva cazal bereits anno 2001 im tresor gespielt hat (so bspw. der cylob-remix von cristian vogels „whipaspank“ – ein track, der selbst bei leuten aus meinem bekanntenkreis im publikum fragende gesichter hinterließ). der schluss (die letzte halbe stunde) war sogar soweit durchgeplant, dass die tracks harmonisch super ineinander passten.
technisch lief alles. keine groben schnitzer, nirgends verklickt, aber ständig der eindruck, die bei pineal navigation noch gut gefüllte tanzfläche doch ordentlich halbiert zu haben. das nagte schon am bewusstsein, inhaltlich das richtige zu tun. es gab jedoch eine junge dame, die sich noch während des eher experimentellen teils aus dem publikum richtung pult beugte, um mir ein „you’re doing great.“ zuzurufen. auf meine antwort hin („but i’ve emptied half of the floor.“) erwiderte sie das einzig richtige, was mit ein, zwei tagen abstand auch bei mir ankam und bis heute meine meinung zum set in eine andere richtung drehte: „they’re all boring.“ an sie (und den jungen herrn, der sich nach dem ende auch nochmal bedankte, dass ich so unerwartet gespielt hätte) also ein dankeschön für die haltung, die ich als clubgänger eigentlich schon länger pflege. in dem augenblick hatte ich sie wegen des seitenwechsels aber zugunsten der hoffnung vernachlässigt, es allen rechtzumachen, was jedoch nicht nötig gewesen wäre.

die kurve zu techno bekam ich ab der zweiten hälfte. da kamen dinge gut an, von denen ich es nicht erwartet hätte: bspw. die zweite hälfte von „remnants of what once was“ von surgeon oder „birds on e“ von mike dearborn, wo ich es einfach mal darauf ankommen lassen wollte. bei „trance atlantic excess (part 3)“ von love inc. ging ich zum ersten mal über die tanzfläche und bekam auf diese weise mit, dass es sich über die anlage ziemlich breiig anhörte. hätte ich auch früher machen können.
war aber wohl nur für mich dramatisch. am ende durfte ich (nach „no good“ von the prodigy) noch für 15 bis 20 minuten weitermachen. da waren zwar nicht mehr sonderlich viele leute auf der tanzfläche , aber es war ein guter ausklang für ein set, das bei all dem kopfzerbrechen im vorfeld und währenddessen doch ziemlich gut über die bühne ging.

nachzuhören ist das für die allgemeinheit hier:

download

r.i.p. chuck berry

auch für legenden ist es leider irgendwann mal zeit, daher kein „2017 macht da weiter, wo 2016 aufgehört hat“, stattdessen danke für „roll over beethoven“ und dafür, damit die in den 1950ern herrschende biederkeit in der musik inklusive mitstreitern beseitigt zu haben. das erbe ist eh riesig und 90 muss man auch erstmal schaffen.

r.i.p. chuck.

[berlin / 11.03.2017] about blank: bodies

da das about blank mit der buttons und der sporadisch stattfindenden poly|motion bereits zwei körperbetonte reihen im repertoire und dj flush nach dem ende von killekill im suicide ein weiteres standbein hier hat, ist der umzug vom urban spree hierher nur folgerichtig.

musik

mdf
00h00 spooky alien
02h30 suka off performance
03h00 spooky alien
03h30 fallbeil live
04h30 kuno & spaceinvasion
07h00 ekman live
08h00 irakli

lobby
02h00 a/ona
04h00 stefano taiuti & danilo lvm performance
04h30 alec empire
06h30 frank & david

body performances
04h00-07h00 lan hungh

eintritt
12 euro

start
23 uhr

nachbetrachtung
vor ort war ich erst gegen 2 uhr, aber glücklicherweise rechtzeitig zur performance von „die puppe“ auf dem mdf, die so radikal und im positiven sinne verstörend war, dass es ärgerlich gewesen wäre, sie verpasst zu haben. auch zugleich eine gute gelegenheit, den mdf mal anders mit bühne inmitten der tanzfläche kennenzulernen. hinter „spooky alien“ verbargen sich übrigens niemand geringeres als alienata und dj flush, die electro (kraftwerk, the other people place) als einbettung für die performance nahmen.

allgemein: keinerlei schwachpunkte. einzig ekman fand ich in der frühe mit seinem acid etwas statisch, aber das kann auch meiner schwindenden kondition geschuldet gewesen sein. alec empire hatte zuvor in der lobby wie angekündigt ein set querbeet zwischen punk (iggy pop – african man, da hat westbam also gesamplet), ndw (palais schaumburg – gute luft), triphop und prototypischem drone (ja, tatsächlich „heroin“ von velvet underground zum schluss) gespielt, und dies unbeirrt der tatsache, dass die meisten dies nicht verstanden. das ging aber auch einigen mit der performance zuvor schon ähnlich, so dass a/ona wohl für einige mit der mischung aus industrial und ebm am eingängigsten gewesen sein müsste.

der mdf bot aber nach der „puppe“ jederzeit eine gute alternative für die partyfraktion. auch wenn fallbeil musikalisch nicht mein fall waren, glichen das kuno & spaceinvasion mit ihrem teilweise sehr an tube jerk erinnernden stil mehr als gut aus.

passte für mich also auch in der praxis sehr zu den anderen eingangs erwähnten partyreihen im about blank und wird als experiment hoffentlich keine einmalige sache gewesen sein.

[berlin / 04.03.2017] berghain: klubnacht

läuft unter dem motto „das habe ich mir verdient“. deadbeat hätte ich zwar gerne gehört, es wird jedoch für mich erst zum nachmittag mit dem erscheinen klappen.

klubnacht

berghain
00h00 boris
04h00 deadbeat live
05h00 héctor oaks
09h00 measure divide
12h00 daniel miller
15h00 moritz von oswald
17h00 ben klock
21h00 etapp kyle
02h00 pete

panorama bar
00h00 red d
02h00 fabrice lig
05h00 red d
08h00 san soda
12h00 toshiya kawasaki
16h00 muallem b2b nd_baumecker
21h00 paul woolford
00h00 italojohnson

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
es war mal wieder eine der gelegenheiten, bei denen ich der stimme der unvernunft nachgegeben habe. das lief allerdings auf zwei schichten hinaus: 15 bis 21 sowie 5 bis 9 uhr. hatte mich im vornherein zwar schon darauf eingestellt, wieder vorzeitig bei pete gehen zu müssen, aber pünktlich um 9 ging das putzlicht an. war zwar kurzzeitig irritierend, aber dann kam in der garderobenschlange der richtige hinweis: bauarbeiten in der säule. die war zu dem zeitpunkt noch zwei wochen vor ihrer eröffnung und bauarbeiter dürften nur ungerne gegen eine basswand anschreien.
wie auch immer: passte mir als aufwärmtraining für die arbeit gut in den kram.

und auch wenn ich es sonst besser finde, sich auch von anderen im line-up überraschen zu lassen: dieses mal verfuhr ich wirklich rein strategisch und enttäuscht hat mich niemand von denen, die ich hören wollte.
moritz von oswald wie immer geschmackssicher, ohne im set die wirklich ekstatischen momente kreieren zu wollen. dafür eben eine lehrstunde für den nachwuchs: die „m5“, „icon“ von rhythim is rhythim, „acid eiffel“ von choice / laurent garnier, „the rhythm of vision“ von robert hood, allerdings mit „black russian“ von dvs1 auch neueres.
nd und muallem harmonierten gut miteinander, so dass eine gemeinsame linie erkennbar war. in erinnerung ist mir noch „severed seven“ von joy orbison & boddika, den nd gegen schluss spielte.
pete dann wie im jahr zuvor zum schluss nicht zu hart, aber trotzdem eine bank. die „phylyps trak“ hat er wieder integriert und zum schluss noch eine toytronic zum besten gegeben: cultek – minds beyond.

alles in allem: guter standard.