[berlin / 25.02.2017] berghain: klubnacht

der hauptgrund, meine selbstauferlegte einmal-im-monat-regel zu durchbrechen, findet sich in dem herrn, der auf honest jon’s in letzter zeit die pfade verfolgt, die er vor sechs jahren mit dem doppelpack „music for the quiet hour / the drawbar organ“ betreten hat. er hat in der zwischenzeit vor zwei jahren bewiesen, dass das im berghain ganz gehörig in die hüfte gehen kann, von daher laufe ich gefahr, die erwartungen zu überhöhen. das weitere angebot sieht unten bis 17 uhr jedoch ebenfalls interessant aus.

klubnacht

berghain
00h00 phase fatale
05h00 shackleton live
06h30 kangding ray
10h00 nthng
14h00 daze.
17h00 silent servant
21h00 anthony parasole
01h00 fiedel

panorama bar
00h00 virginia
04h00 zozo
08h00 honey dijon
11h00 soundstream
14h00 tornado wallace
17h00 gerd janson
21h00 avalon emerson
01h00 jennifer cardini

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
wie war das noch gleich mit dem vorsatz, es nicht mehr zwingend auf 12+x stunden anzulegen? nun ja, es wurde jedenfalls von beginn shackleton bis ende von herrn janson.

bei shackleton muss ich mich nicht wiederholen, den lasse ich außer konkurrenz laufen. wiedererkannt habe ich nur teile aus „freezing opening thawing“ und „the prophet sequence“ vom album mit vengeance tenfold (das war das set-intro).
war letztes jahr leider nicht da, als er gespielt hat. aber im vergleich zu 2015 funktionierte das beim publikum erstaunlich gut, auch wenn er weniger fordernd spielte als damals und eher seine markenzeichen-sequenzen und auf die magengrube zielenden basslines einsetzte. es blieb trotzdem zu wenigstens drei vierteln gefüllt. wenn ich mir etwas wünschen dürfte: mehr strecken mit kickdrums, aber die phase hat er hinter sich, glaube ich.

bei kangding ray finde ich es einfach faszinierend, dass er melodiös, ohne dabei verkitscht zu klingen und fordernd genug, ohne zugleich zu platt zu werden, spielen kann. erkannt habe ich wenig, nur „mutual codes“ von johannes volk hat shazam mir dankenswerterweise identifiziert, sonst habe ich das tanzen priorisiert.

nthng kombinierte trance mit acid und auch electro. toll auch, gleich mit dem titeltrack aus „ghost in the shell“ anzufangen. ansonsten gut erprobte tracks wie „acid wiss’l“ von dj skull, erneut (wie in der griessmühle im september) „the final frontier“ auf ur und „black sea“ von drexciya sowie „invisible invasion“ vom zweiten scan 7-album auf tresor. da war für die anhänger der detroit-fraktion also einiges dabei.

daze. kann man nur den technisch unsicheren umgang mit breakbeat-tracks ankreiden. aber „heliosphan“ von aphex twin von einem der – so weit lehne ich mich mal aus dem fenster – nicht nur für mich essentiellsten alben elektronischer musikgeschichte (das ich – zugegeben – auch erst beim repress vor gut zehn jahren entdeckt habe) sorgte für einen ziemlich langen gänsehautmoment bei mir, da fällt ein mal hier und da unrunder mix auch nicht negativ ins gewicht.
sonst noch schön: die a1 von der „awakening the sentient“ von oliver ho auf blueprint fast zu beginn und darüber hinaus schien er die „consume iv“ von stenny auf ilian tape so sehr zu mögen, dass er gleich drei tracks im ganzen set spielte – alle, bis auf „westward“. zumindest, als ich unten war. es sei ihm verziehen – die ep ist schließlich auch eine perle im ilian tape-katalog.

tornado wallace war oben zur gleichen zeit für mich die überraschung. electro alter schule, house und disco, schön langsam unter 120 bpm nahtlos ineinandergemischt – den merke ich mir.
gerd hatte für mich einen tollen flow, auch wenn die puristen bemängeln können, dass er nicht in die tiefe gegangen ist. obwohl der vergleich zum set von konstantin sibold und leif müller letztens hinkt, weil’s nicht mal ansatzweise so poppig-hittig war: es hat einfach die party gerockt. da kann man durchaus auch mal „finally“ von ce ce peniston zum schluss spielen, wobei ich annehme, dass er das nicht zum ersten mal getan hat.

bei silent servant hatte ich nicht allzu viel erwartungen, aber das hat mit meinem geschmack zu tun. technisch ist der mann brillant, inhaltlich verharrte er mir meistens zu sehr im austauschbaren dystopisch-industriellen techno-dickicht. hatte mir also zum ziel gesetzt, eher gerd zuzuhören, aber wenn ich denn mal unten war, fand ich’s echt mehr als nur brauchbar.
gut, daran werden nummern wie „ball park“ von joey beltram, „desolate cities“ von 2am/fm oder „vamp“ von outlander ihren anteil gehabt haben. aber irgendwie fand ich das set exemplarisch für die gesamte zeit, in der ich da war: jeder dj hatte seine eigene handschrift und mut zum stilistischen blick über den tellerrand. reichte jedenfalls locker aus, um mich über die zeitspanne zu motivieren.

[berlin / 25.02.2017] about blank: 4 years of staub

vier jahre schon – und dabei bin ich erst seit etwas mehr als der hälfte. aber besser spät als nie, gratulieren ist ehrensache.

ablauf
lobby
00h00 larsson
03h00 daso live
04h00 talla
07h00 verboten
10h00 modschi b2b ahu
13h00 stojche
16h00 esther dujin
19h00 erwan
mdf
02h00 richard bredicz
06h00 knigi live
07h00 savas pascalidis
10h00 edoardo
13h00 caleb esc
17h00 i/y
zelt
02h00 heimlich
08h00 banu
10h00 ceo of novafuture
12h00 manfred tiek
15h00 princess i.nez
18h00 hornberg b2b frank heise

nachbetrachtung
muss mir den schuh anziehen, dass ich früher als um 18 uhr hätte auftauchen können / sollen. war ein anderer vibe als sonst, an den ich mich erstmal gewöhnen musste. normalerweise gibt’s ja zum schluss nochmal ordentlich aufwind, aber da ist die party ja auch (für die meisten jedenfalls) „erst“ zehn stunden am laufen anstatt 20. daher fällt das mit der mobilisierung der kräfte dann auch leichter.
konnte man auch, wenn man bei i/y auf dem mdf blieb. sonst war es ein allgemeines gemütliches ausklingen lassen bei erwan (u.a. mit der „frank sinatra“-version vom ersten miss kittin-album auf gigolo sowie northern lite – „my pain“ im remix von the hacker) und im zelt anstelle das kollektive gasgeben. fand erwans mischung aus electro und acid auch mit am besten, aber hornberg / frank heise verdienen auch eine extra-erwähnung für „new horizon“ vom letzten convextion-album sowie „sense of doubt“ von david bowie wenig später. bei letzterem kann ich zwar nicht verhindern, dass die junkies der frühen 1980er im u-bhf kurfürstendamm vor meinem inneren auge erscheinen, aber das ist uli edel geschuldet.

wieder mal eine staub, die nicht so war wie die zuvor und für mich angenehm wurde, als in der lobby eine menge platz war. ab abends also entspannter als sonst, was auch ein guter kontrast zum üblichen drehbuch war.

[berlin / 11.02.2017] about blank: klangbiotop x uvb-76

auch hier stand ein besuch schon länger auf meiner liste. nicht nur wegen ihrer immer gelungenen flyer, sondern auch aufgrund des offenen musikalischen konzepts. bin vor allem neugierig, wie sich drum & bass auf dem mdf macht.

lobby: uvb-76 label special
00h00 plasma & hns
03h00 pessimist
04h00 ruffhouse (vega)
05h00 overlook
06h00 b2b2b

mdf: techno
00h00 unknown user
02h00 devika
05h00 vsk
08h00 thnts

zelt: electronica
02h00-08h00 whø b2b ddm

toilet to heaven: punk / 80s / pop
02h00 mutti cool
04h30 dancing fists

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
gleich vorab: meinem empfinden nach blieb der drum&bass-floor unter seinen möglichkeiten. mag aber auch an der bereits ganz schön fordernden vorlage von plasma & hns gelegen haben, wonach der eher zurückhaltende sound von pessimist wie eine vollbremsung wirkte. hatte mir mit ruffhouse eine rückkehr zu mehr punch erwartet, aber auch da blieben die wirklich zündenden momente mangelware. versöhnlich war die „jeder gegen jeden“-runde, als die klassiker wie „ni ten ichi ryu“ von photek oder ed rush & nico ausgepackt wurden.

den größten teil der zeit verbrachte ich aber (nachvollziehbar) im zelt, wo whø und ddm das konzept verfolgten, sich von 1980 sukzessive bis 2017 vorzuarbeiten. das hatte eher salonatmosphäre, während sich beide die prägenden tracks vorspielten. war definitiv eine weiterbildung, bei der „zen-gun“ von ryuichi sakamoto sehr hängengeblieben ist. kurz vor schluss (da ja streng chronologisch) gab es noch „violence“ von andy stott, der mehr lautstärke verdient gehabt hätte. aber das ist draußen im blank-garten ja stets eine sache, bei der nicht aus dem vollen geschöpft werden kann.
der techno-floor bot gute unterhaltung, als ich dort war. das traf jedoch nur so richtig auf den schluss bei thnts zu. hatte mich aber schon vorab dazu entschieden, mich eher auf lobby und zelt zu konzentrieren, wobei noch der vorraum zu den toiletten neben der lobby mit dem besten der 1980er und 1990er gut ablenkte.

auch wenn ich mir in puncto drum&bass mehr erhofft hatte: die musikalische fortbildung im zelt war gold wert. definitiv nicht meine letzte klangbiotop.

[berlin / 10.02.2017] tresor: tresor.klubnacht

der tresor hat im keller neue toiletten und (wichtiger) eine nochmal generalüberholte anlage bekommen. es wird also zeit, wieder etwas regelmäßigkeit in die langzeitbeobachtung zu bringen, wohin der club sich so entwickelt.

tresor.klubnacht

tresor
00h00 bnjmn
03h00 jonas kopp
06h00 pete

globus
00h00 resom
02h30 basic soul unit
03h30 eric cloutier
05h30 johannes volk

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
auch wenn mich basic soul unit nach pete am meisten interessiert hat, haute das mit dem timing nicht so hin. war erst um 4 uhr dort und leicht erstaunt über die kleine schlange vor dem club.

geblieben bin ich dennoch bis zum schluss, was schon eine weiterentwicklung zu den früheren zeiten ist: feierabend oben gegen 8 uhr, unten zwei stunden später. das war selbst in der leipziger straße absolut utopisch.
bei den neuen toiletten unten im keller waren sie echt spendabel, was das platzangebot angeht. sie sind auch dunkler als diejenigen, die sich direkt unter dem globus befinden und setzen klar auf beton. auch beim upgrade der tresor-anlage wurde in bautechnischer sicht hand angelegt. die subwoofer sind jetzt vor dem dj-pult eingemauert, hinten links stehen auch nochmal welche, und man hat es jetzt mit (wenn ich richtig gezählt habe) sechspunkt-beschallung zu tun. zwei tops vorne und hinten sowie weitere zwei links und rechts, relativ in mitte der tanzfläche. für meine ohren hat sich das aber definitiv gelohnt. würde mich sogar so weit aus dem fenster lehnen, dass der sound im keller berlinweit im oberen drittel anzusiedeln ist. was also vorher wirklich gutes mittelfeld war, wurde jetzt auf ein niveau gehoben, das mich für den tresor wirklich freut.
mehr licht gibt es jetzt dort auch, was wohl ein kompromiss an diejenigen ist, die in nebel und dunkelheit gegen leute rennen. das kann man aber auch immer noch, permanent wird von den raumerhellenden strahlern kein gebrauch gemacht – ein glück.

akustisch würde ich beim globus als nächste baustelle weitermachen. zwar sind’s auch da sechs punkte bei den tops, aber der bass ist längst nicht so unmittelbar und raumfüllend wie im keller. der raum ist natürlich auch höher und weiter, aber auch da ließe sich mit holzpodesten eine menge machen. gut, vielleicht war es für einen satten sound auch nicht mehr voll genug. es hätte für meine begriffe wieder gereicht, tresor und +4bar zu öffnen, aber letztere scheint für den clubbetrieb erstmal nicht relevant zu sein.

vom publikum her habe ich es schon schlimmer, jedoch auch besser erlebt. einige kamen mir so übereuphorisiert vor, dass die vermeintlich friedliche stimmung auch schnell ins gegenteil hätte umschlagen können, wenn ein blick oder ein falsches wort auf den ungünstigen augenblick gefallen wären. aber aus meiner perspektive des notorisch nüchternen ist das eh schwer zu beurteilen und vor allem zu handhaben. positivbeispiele gab’s auch, das sollte nicht verschwiegen werden.

musikalisch im großen und ganzen guter durchschnitt (eric cloutier, zwischen techhouse und house wechselnd), stangenware (jonas kopp, strikt funktional, ohne dass tracktechnisch etwas für mich herausragte), positiv überraschend (johannes volk, der wenigstens zur hälfte electro spielte, u.a. „describe reality“ von anthony rother kurz vor schluss) und eben hart-herzliche ware (pete, der konstant um die 135 bpm bretterte). gerade bei letzterem hätte ich gedacht, dass die reaktionen im tresor etwas euphorischer ausfallen, aber vielleicht schlug bei manchen schon die samstagmorgen-lethargie durch.

mag sich ungewollt negativer lesen als es am ende war. alleine wegen des klangerlebnisses im tresor und eines durchgängig treibenden pete-sets hat es sich gelohnt, so dass der tresor nach wie vor als freitagsalternative vorne mitspielt.

[berlin / 04.02.2017] berghain: klubnacht

fünf wochen selbstverordnete pause sollen auch mal ihr ende haben. ein glück kommt der ablaufplan mir aber so sehr entgegen, dass ich beim modus des tagsüber ausgehens bleiben kann.

klubnacht

berghain
00h00 len faki
04h00 norman nodge
08h00 stenny live
09h00 skee mask
13h00 andrea
17h00 zenker brothers
21h00 johanna knutsson
01h00 etapp kyle

panorama bar
00h00 paramida
04h00 cleveland live
05h00 jacques renault
09h00 borrowed identity
13h00 konstantin sibold b2b leif müller
17h00 lauer
21h00 roman flügel
01h00 ryan elliott

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
die steht ja seit über einem jahr aus, dabei war das alleine wegen des stilistischen parforceritts von skee mask sowie dem hitgewitter von konstantin sibold und leif müller lohnenswert und damit musikalisch eine der besten klubnächte des jahres.

chronologisch:

– norman nodge: ravig, etwas trancig wie immer, schöne maschinengewehrsalven-kickdrum zum schluss.

– stenny: keine einzige gerade kickdrum, aufbau von eher hörbarem hin zu tanzbarem material. anfangs also eher melodiefixiert (frühe autechre, plaid), später rhythmischer. wäre auch etwas für das albumformat, wobei ich zugeben muss, dass hier der wunsch der vater des gedanken ist.

– skee mask: ich hatte ja gehofft, dass die radikalität des sets vom mai letzten jahres keine einmalige sache war und wurde in der hinsicht absolut nicht enttäuscht. natürlich kommt für meinen geschmack an dem set nichts vorbei, aber ich kann jeden verstehen, der damit seine müh und not hatte. für mich war’s ein permanent mit einem breiten grinsen ausgestreckter mittelfinger in richtung der berghain-geschmackspolizei, die zwar auch mit dem einen oder anderen bekannten track bedient worden ist. aber das eben nur als ausnahme, um die leute kurz anzufüttern und dann gleich wieder mit einem stilwechsel vor den kopf zu stoßen.
um ganz ehrlich zu sein: das klappte flowtechnisch im mai besser, weil er das mixing da weniger über das eq’ing und filtern, sondern über den rhythmus betrieb. andererseits war die zeit von 9 bis 13 uhr auch gut dafür gedacht, die leute zum zuhören zu zwingen.
genregrenzen: quasi nicht existent und damit wasser auf meine mühlen der aktuellen techno-sinnkrise. obwohl: techno gab’s, klar. house: check. electro: wenn man schon mal dabei ist… electronica: na logo. footwork, drum&bass und etwas hardcore zum schluss, dabei immer stilsicher, aber auch mit schalk im nacken.
es war zwar anhand der leereren tanzfläche offensichtlich, dass er polarisiert, aber bei so einem breiten spektrum wundert das nicht. meiner auffassung eines musikalisch interessanten clubabends kommt das momentan sowas von entgegen, dass ich auf dem besten weg zum nicht-objektiven fanboy bin.
trackauswahl:
zeigen

– andrea: wäre der slot mit skee mask getauscht worden, wäre ich schon mit dem set zufrieden gewesen. hier gab’s auch raum für experimente, aber dabei wurde das publikum mit rhythmischem unterbau immer ganz gut bei laune gehalten.
kleine trackauswahl:
zeigen

– konstantin sibold b2b leif müller: spielten das beste der 80er, 90er und … danach. das war weniger etwas für house- oder disco-feingeister, sondern vielmehr mit einem derben augenzwinkern zu verstehen, und vor allem: es schlug ein. warum auch nicht, wenn man sich mal ein bisschen von allem purismus befreit und sich daran erinnert, was man im radio seinerzeit schon gut fand (und ja, ich habe anno 1997 zur motte/westbam-nummer an der siegessäule getanzt – jetzt ist es raus).
war ungefähr so:
zeigen

– lauer: nach stenny mein vizevize-favorit. beim virtuellen decksharking hat shazam regelmäßig versagt, was für viele eigene edits oder gutes digging spricht. disco mit und mit ohne italo, acid-house. würde zwar fast nichts davon nachkaufen, aber es fing die stimmung sehr gut auf und hat die wahrscheinlich durch das sibold/müller-set vor den kopf gestoßene fraktion wieder mit dem sonntag versöhnt.

– zenker brothers: waren mir bislang immer zu funktional, wenn ich sie hörte, aber gerade die electro- oder breakbeat-ausflüge der letzten stunde fand ich sehr gelungen.

– johanna knutsson: anfangs zu trocken und auch gefühlte 20 db leiser als die zenkers. hörte sich aber vielversprechender an, als ich auf dem sprung richtung garderobe nochmal durchging (mit „stupid things i do (new school mix)“ von randomer auf clone basement series).

– roman flügel: habe ich bislang erschreckend selten als dj gehört, mag aber seine tiefenentspannte art, die er am pult ausstrahlt und wie er in aller ruhe ohne hast mit weitsicht sets aufbaut. es war mir aber nach der bereits absolvierten strecke mit der fülle etwas zuviel, so dass ich es beim zuhören beließ.
kleine auswahl:
zeigen

[berlin / 28.01.2017] about blank: staub

wie war das noch mit dem januar-vorsatz?
naja, das gewissen wird es verkraften, den nachmittag bis zum schluss dort zu verbringen, nachdem es am tag vor heiligabend schon nicht geklappt hat.

eintritt
10 euro

ablauf
lobby
10h00 haiku
13h00 franklin de costa
16h00 distant echoes
19h00 the noisemaker
mdf
15h00 cindy looper
18h00 the exaltics live
19h30 cassegrain
zelt
14h00 yac
16h00 princess i.nez
17h00 chris vieeo b2b pute acier

nachbetrachtung
vor ort war ich leider erst, als franklin de costa schon längst fertig war, dafür gab es auf dem mdf mit cindy looper gleich eine schöne überraschung in form eines electro-sets. dazu zählte auch der seit jahren gut etablierte standard, „i do because i couldn’t care less“ von i-f, aber auch mir unbekannte tracks wie „origins of a sound“ von scape one, „sentinel“ von clatterbox oder „tryst“ von helena hauff (deren album ich mir nun wohl nochmal genauer werde anhören müssen).
über the exaltics freute ich mich als überraschung im line-up richtig, da ich ihn im letzten jahr zur krake verpasst hatte. er war im nachhinein die brücke zwischen cindy looper (strikt electro) und cassegrain (so gut wie strikt techno). erste hälfte also eher ungerade, die zweite dafür mit acid. erkannt habe ich nur „coroded“ auf shipwrec vor ein paar jahren, aber auch er steht auf meiner liste derer, dessen diskographie ich noch durcharbeiten muss, sobald das zeitmanagement das erlaubt.
cassegrain fand ich solide, da gefielen mir die chicago-hits am besten (die so oder so immer gehen): „destination unknown“ von green velvet, was zu meinen club-anfangszeiten rauf und runter lief, damit für eine zeitlang totgespielt war. mittlerweile freue ich mich wieder drüber, sehr sogar. dann noch fast unmittelbar vor schluss: „shake what your mama gave ya“ von dj deeon.

in der lobby war ich insgesamt zu kurz, daher kann ich das noisemaker-set auch nicht beurteilen. im einen moment fand ich’s beim durchgehen gut, im anderen war’s zu plakativ verkracht. dafür bekommt das zelt wegen des wieder einmal musikalisch schön offenen konzepts einen dicken pluspunkt.

in summe also kein schlechtes gewissen aufgrund des boykotts des boykotts, eher das gegenteil.

christian vom record loft im interview mit thump

um den vorsatz, lesenswerte artikel / interviews zu posten, wieder aufzugreifen: es ging im dezember u.a. auf residentadvisor die nachricht herum, dass das record loft, das innerhalb kürzester zeit in kreuzberg von sich reden machen konnte, aus den gemäuern in der adalbertstraße ausziehen muss. was sich seinerzeit noch danach las, als ob die kisten am besten gestern gepackt werden sollten, wird nun etwas relativiert: im märz ist schluss, es soll weitergehen. der ort ist noch unklar, das konzept jedoch nicht.

alles im o-ton nachzulesen: bei thump.

r.i.p. jaki liebezeit

can – auch so eine band, der ich bislang viel zu wenig aufmerksamkeit geschenkt habe. alleine deswegen will ich nicht anfangen, von seinem einfluss zu schreiben, den er auf die elektronik ausgeübt hat, weil das nur einfaches nachplappern wäre. stattdessen wohl die nüchterne feststellung, dass sich 2017 damit ähnlich anlässt wie 2016 – erst recht, wenn jemand mit 78 verstirbt.

r.i.p.

[berlin / 20.01.2017] salon zur wilden renate: der wilde freitag

an sich wollte ich im januar nicht ausgehen, und abgesehen vom (gelungenen) antinationalen neujahrsempfang zur bingorunde im zelt des about blank gelang mir das bisher auch. die renate und felix k (spielt zur peaktime) sind es neben marcel (spielt danach zum schluss) aber wert, dem vorsatz untreu zu werden.

der wilde freitag

schwarzer raum
derek plaslaiko
felix k
marcel heese

grüner raum
johannes albert
tilman
jonny voyage

roter raum
heimlich knüller
chris hanke & kevin beyer
adam aalias

eintritt
12 euro

beginn
23:59 uhr

nachbetrachtung
kam erst zur letzten stunde von felix k, dessen produktionen und stilistisch offeneren sets immer besser gefallen als wenn er dezidiert techno spielt. da wirkt es leider immer etwas statisch, trotz guter tracks wie „syllable“ von surgeon.
marcel hatte den bogen für mich wesentlich besser raus und auch nicht mit dem harten publikumsschwund wie bei seiner premiere vor ort zu kämpfen. allerdings fing er auch dieses mal geradliniger (u.a. mit „consumer’s tool“ von stenny) an. das hitfeuerwerk („spastik“, „one finger“ bspw.) kam schon gegen 8, als sich andeutete, dass es nicht mehr lange gehen würde, aber tatsächlich war erst kurz vor 9 schluss. schön auch „signal 3“ von pev & kowton in der letzten halben stunde.

im grünen raum war’s nicht wesentlich weniger fordernd, wohingegen der rote raum eine der besten orte ist, an denen sich disco so hemmungslos zelebrieren lässt. zum nachholen von schlaf bin ich aber dennoch los, nachdem im schwarzen raum feierabend war.

[berlin / 01./02.01.2017] berghain: silvester 2016 / erste klubnacht 2017

liebgewonnene rituale pflege ich gerne. obwohl ich prurient sehr gerne gehört hätte, wird das wohl nichts. visiere stattdessen nachmittag bis nachmittag an. im ablauf erwähne ich daher gleich den 2. januar 2017 mit, nicht ohne zu erwähnen, dass man mit dem silvesterstempel am 2. nochmal eintritt zahlt, sobald man nach 23:59 uhr am 1. januar nochmal rausgeht, um später wiederzukommen.

silvester 2016 / erste klubnacht 2017

berghain
sonntag, 1. januar 2017
01h00 fiedel
05h00 ben klock
09h00 etapp kyle
12h30 dvs1
16h00 kobosil
21h00 somewhen
montag, 2. januar 2017
01h00 answer code request
05h00 anthony parasole
09h00 norman nodge
13h00 pete
17h00 len faki
21h00 boris
01h00 marcel dettmann

panorama bar
sonntag, 1. januar 2017
01h00 muallem
05h00 roi perez
09h00 nitam
13h00 margaret dygas
17h00 nick höppner
21h00 efdemin
montag, 2. januar 2017
01h00 honey dijon
04h00 virginia
08h30 tama sumo
13h00 gerd janson
17h00 ryan elliott
21h00 steffi
01h00 nd_baumecker

lab.oratory
sonntag, 1. januar 2017
05h00 chris cruse
09h00 soundstream
12h00 october
15h00 marcus marr
18h00 skatebård
22h00 discodromo

elektroakustischer salon
sonntag, 1. januar 2017
07h00 the orb
11h00 prurient
14h00 martyn
17h00 drama
22h00 massimiliano pagliara
montag, 2. januar 2017
02h00 barker & gonsher

eintritt an der abendkasse
silvester: 36 euro
erste klubnacht: 18 euro (für stempelinhaber von silvester: 15 euro)

nachbetrachtung

fazit vorab: das beste silvester seit dem letzten silvester, aber auch für mich anlass, das feierverhalten zu reflektieren.

gerade mit dem taktisch günstig auf den montag gelegten freien tag stand im voraus für mich fest, dass es überlänge geben kann. nicht unbedingt einstellung alter rekorde, aber 20 stunden hatte ich mir schon vorgenommen.
am ende waren es aufgerundete 24 stunden – brutto in jedem fall, da man gegen 16h45 sonntags in der ticketschlange fast anderthalb stunden warten musste, bis man drinnen war. auffällig: die lockerheit der tür. da bekam jeder mit stempel oder ticket locker-flockige, aber dennoch bestimmte fragen gestellt, und auch drinnen an der garderobe war zwar alles geschäftig, aber nicht unbedingt stressig. mag wohl die nach einem dutzend jahren trotz aufstockung und einzelner wechsel beim personal anerworbene routine sein.

eine gewisse routine stellt sich auch als silvestergast ein, zugegeben. das bereits vorab, indem ich mit der maxime hingegangen bin, nur zu schauen, was der abend so bringen kann und neugierig auf die halle zu sein. erster eindruck, als ich drinstand: hmmm, ziemlich minimalistisch im vergleich zum vorjahr, wo die projektion der pfadfinderei an der rückseite geradezu monumental wirkte. dieses mal laserprojektionen in klaren geometrischen rechteckigen formen. fand ich anfangs fast schon zu puristisch, aber das reifte im verstand schnell – erst recht, da diese vermeintliche kühle durch die zahlreichen beleuchteten blumenvasen zwischen den liegeflächen einen warmen kontrast bekam. das haar in der suppe war nur, dass die halle an sich etwas zu kühl war, um dort länger zu bleiben. fand ich insbesondere bei barker & gonsher schade (erkannt: „?“ von mark pritchard relativ zu beginn und „nine“ von „amber“ aus der feder von autechre relativ zum schluss – das war gegen 12 uhr montagmittag), aber auch massimiliano pagliara sammelte mit „falling“ von julee cruise (richtig, twin peaks) pluspunkte.

auch die panorama bar sah ich nur gelegentlich, wobei nick höppner dort beim ankommen einen gewohnt echt guten job machte.
efdemin war mir später auf dauer zu trocken, honey dijon konnte mich auch nicht so abholen, das klang für mich bei virginia nach mehr hand und fuß.

neben der halle immer der grund, zu neujahr hinzugehen: das lab. und das begeisterte dieses mal schon bei skatebård, aber erst recht bei discodromo. letztere hatten am ende mal eben 16 stunden absolviert und nutzten diese auch, um verschiedene stile zu durchstreifen, von denen italo-disco nur einer war. ein edit von „running up that hill“ am montagvormittag, bei dem zuvor noch oldschool-uk-breakbeats und in der nacht noch ziemlich technoide chicago-sachen liefen, und das alles schön logisch ineinander verwoben – da griff mal wieder die ausgelassene stimmung mit der spielfreude ineinander.

beim berghain gab’s für mich eine längere durststrecke. kobosil bretterte zwar nicht so erbarmungslos wie im jahr zuvor, hatte aber auch eine spielzeit, zu der das auch nicht so geboten gewesen wäre. stattdessen wavig und mit ebm-einschlag, womit er die leute (inklusive mir) richtig gut mitnehmen konnte. daher war der ausflug zu nick höppner auch eher kurz.
zu somewhen war ich schon eher im lab oder der halle zu finden, kehrte aber mit vorfreude kurz vor 1 zu answer code request zurück. dieser kam jedoch auch eine gute dreiviertelstunde nach anpfiff nicht so recht aus dem knick. das tempo eher gemächlich, was ja an sich kein fehler ist, aber um die zeit hätten die leute es wahrscheinlich gerne zwei gänge härter oder treibender gehabt. er deutete in der zeit nicht mal an, dass sich in puncto spannung in absehbarer zeit etwas ändern könnte, immerhin ein paar dickere kickdrums zwischendurch zum anfüttern wären ja schon in ordnung gewesen. schade, er kann es sonst besser.
das ganze lief (muss ich als nicht allzu großer fan zugeben) mit mehr groove und dynamik bei anthony parasole besser ineinander. norman nodge wie häufig gerne mal ravig, und dann gab es ja noch den herrn aus dem hardwax.
ich hatte mir ja vorab schon vorgenommen, einfach nur so lange zu bleiben, wie es die kondition zulässt und bei durchwachsener tagesform seinerseits auch mal vor ende seines sets zu gehen. am ende lief es darauf hinaus, dass ich die zweite hälfte auf der tanzfläche stand und mich zum weitertanzen zwang. nach fast 24 stunden im club und davon 16 auf den beinen kann es schon mal vorkommen, dass die knochen erholungsbedarf anmelden. durch das set wollte ich’s aber wissen, und er glücklicherweise auch wieder. klare zweiteilung: die erste hälfte von der ihm eigenen härte mit den endlich wieder durchdringenden bassdrums geprägt, in der zweiten nahm er druck heraus und setzte einzelne akzente (u.a. mit „british murder boys“ von surgeon, kombiniert mit „lyot“, auch die ersten takte von depeche modes „blasphemous rumours“ waren zu hören). das war zum ausklingen-lassen des besuchs zwar sehr gut, ich hatte aber zu beginn des sets gemerkt, dass gerade diese kompromisslose härte wohl das notwendige adrenalin freisetzt, das die lahmer werdenden beine vergessen lässt.
nichtsdestotrotz: bester mann, natürlich. ich will nicht unnötig übertreiben, aber inmitten der immer noch bei mir herrschenden techno-sinnkrise war das set ein heller lichtstrahl, nach dem ich gerne heimwärts gekrochen bin.

in kompaktform: die favoriten pro floor sind für mich klar – pete, discodromo, barker & gonsher, nick höppner, wobei auch kobosil noch gesondert erwähnt werden sollte.
neujahr bleibt damit an ort und stelle für mich immer noch ein pflichttermin, wobei es hier im nachhinein klüger gewesen wäre, erst zur klubnacht am 2. aufzutauchen. der größte teil des rummels ist dann bereits vorüber und die quote an stammgästen höher, so dass es für alle (inklusive personal) auch angenehmer wird. was jedoch (wie im jahr zuvor) hervorzuheben ist: ich empfand es zu keinem zeitpunkt als überfüllt. klar lag das an lab und halle und sicher war man auch nicht alleine im club. aber auch dies ist bei anlässen wie diesem schon vorher klar.

auch wenn es bei der in diesem jahr erreichten etappe ein ambitioniertes ziel wäre, nicht neujahr an sich, sondern den tag danach noch in vollen zügen mitzunehmen, muss ich mich (um den bogen zur einleitung mit der reflektion meines ausgehverhaltens zu schlagen) fragen, ob es mir der erholungsprozess wirklich wert ist.
als ich dienstag gegen 10 uhr auf dem weg zur arbeit mit der s-bahn vorbeifuhr, waren die jalousien bei der panorama bar noch unten, und nach dem, was man so hört, hat marcel dettmann unten bis 14 uhr gespielt. klar fuhr ich mit etwas wehmut vorbei, aber da gab es auf der anderen seite die erfahrung mit den beiden finalsets vom november / dezember (freddy k / ben klock) im hinterkopf. beide male stand ich montagfrüh im laden mit halb schlechtem gewissen, weil ich einen freien tag ausgerechnet dafür verwendet hatte, mit halb gutem gewissen, weil diese für’s berghain typischen schlussmomente schon aufblitzten. letzteres überwiegt für mich, wenn neben dem publikum auch noch die musik stimmt. über die publikumskonstellation mache ich mir keine sorgen, nach meinen beobachtungen gibt es schon einen harten kern an den gleichen leuten, die stets bis montagmittag dort zu finden sind. bei dem aktuellen zustand von techno bzw. der von mir empfundenen stagnation, in der sich vieles über diverse sets an einem abend wiederholt, ist es für mich mittlerweile eher dem zufall überlassen, tatsächlich ein set zum schluss abzubekommen, das mich überrascht bzw. über mehrere stunden auf dauer fesselt. dadurch hat es beispielsweise marcel dettmann zu meinem vize-lieblingsresident gebracht (auch in kombination mit ben), aber kaum ist man aus dem studium im arbeitsleben, fangen die taktischen überlegungen an. demnach muss sich das schon lohnen, den montag freizunehmen – das war früher noch einfacher, als sonntagnachmittag/-abend schluss war.

ich hätte dies gerne weniger taktisch und vor allem ist mir momentan nicht danach, die besuche stets über die 20-stunden-grenze kommen zu lassen. um das ende von 2016 war die kombination aus alldem auch anlass für den entschluss, das ausgehverhalten zu hinterfragen und anzupassen.
gut, der plan, die wochenenden im januar außerhalb von clubs zu verbringen, hat rückwirkend, wo ich diese zeilen am 28. januar schreibe, mit kurzbesuchen im blank, der renate und auch zur staub ja wirklich toll geklappt. was aber wichtiger ist: die marathonstrecken mit 16+x stunden sollen nicht zur regel werden. weniger ist in hinblick auf konzentrationsfähigkeit hier definitiv mehr, daher reicht es gut und gerne aus, das berghain lieber von sonntagfrüh bis -abend mitzunehmen und nach 12 stunden einen haken zu machen. weiterhin bin ich gespannt darauf, was die freitage an ort und stelle in 2017 zu bieten haben (u.a. giegling ende märz). das brächte zwar unter umständen wieder durchmachen nach einer arbeitswoche mit sich, lässt aber mehr raum zur erholung. ausschließen möchte ich das erneute herantasten an diese langstrecken nicht (im gegenteil: das wird schon wieder passieren), aber nach bald 20 jahren in clubs kann ich auch mal auf den müden kopf hören und einfach gehen. man verpasst sowieso immer irgendwas, genauso wiederholen sich tolle momente – da muss also nichts in die länge gezogen werden.