[berlin / 01.11.2014] berghain: klubnacht

keine atempause? scheint so, aber da die nächsten wochen im zeichen der erholung stehen, kommen erstmal keine weiteren termine dazwischen.
an diesem ist erstmal die tatsache ungewohnt, dass die reihenfolge offiziell nicht veröffentlicht wurde – also wie zu den anfangszeiten des clubs. aber das war ja noch ganz anders, damals. wenn das dem phänomen abhilfe schaffen soll, dass alle welt nur zum headliner vor der türe und drinnen vor der garderobe steht, unterstütze ich das gerne. außerdem bin ich noch neugierig, wie das mit den aufklebern auf die smartphone-kameras gehandhabt wird.

klubnacht

berghain
00h00 marcel dettmann
04h00 woo york live
05h00 luke slater
08h00 cassegrain live
09h00 ed davenport
13h00 pär grindvik
16h00 regal
19h00 marcel fengler
22h00 nina kraviz
01h00 norman nodge

panorama bar
00h00 matthew styles
04h00 martin buttrich live
06h00 roman flügel
09h00 losoul
12h00 margaret dygas
16h00 tini
19h00 partok
22h00 magda
01h00 nick höppner

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
da mich sowohl die acts vor sonnenauf- als auch -untergang interessierten, die dazwischen jedoch weniger, kam das bewährte zwei-schicht-system zum einsatz.
eingestempelt zur ersten schicht: 02:00 uhr, ausgestempelt: 11:30 uhr. die überstunden hielten sich bei der zweiten in grenzen – 21:30-01:30.

der vorab nicht veröffentlichte ablaufplan führte zumindest nachts nicht zu einer kürzeren schlange, aber das wird auch dem touristenansturm zuzuschreiben sein. das mit den aufklebern stimmt jedoch und ist meiner meinung nach auch völlig gerechtfertigt. so können es diejenigen von der tür, die durch den laden streifen und jemanden erwischen, der bei abgelöstem aufkleber filmt oder fotografiert, nicht wie bisher bei einer ermahnung belassen, sondern gleich die entsprechenden kandidaten nach draußen eskortieren. da können andere gerne über kleberrückstände auf ihren sündhaft teuren schlauen telefonen schimpfen, aber erstens können sie sich bei denjenigen bedanken, bei denen die einstige ansage beim durchchecken zum einen ohr rein und zum anderen wieder rausging und zweitens beseitigt ein tupfer nagellackentferner den rückstand ganz gut. wer gerne daheim eine pause einlegen möchte, spart bei der rückkehr sogar noch zeit, wenn die aufkleber einfach auf den kameras bleiben.
klar, schöner wäre es, wenn auf diese maßnahme hätte verzichtet werden können, aber wenn die unbelehrbaren es nicht anders haben wollen…

ansonsten: anhebung des eintrittspreises von 14 auf 15 euro. sollte angesichts der dauer der parties auch noch von preis-leistung her stimmen und ist obendrein leichter zu wechseln.

soviel zum prolog, was blieb hängen?

eine für mich wesentlich bessere erste schicht als die zweite. keine ahnung, ob marcel dettmann tatsächlich etwas härter war als die male zuvor, bei denen ich mir sowas erhofft hatte, oder ob ich das zum warm-up so nicht erwartet hätte. aber das war für die zeit schon mehr als ordentlich treibend. um seinen aufbau muss man sich ohnehin nie sorgen machen – an dem abend hat das gesamtpaket für mich einfach gut gepasst.
woo york aus der ukraine, bassdrum, melodietupfer bzw. chords und delay bzw. reverb obendrauf. das ist die rezeptur, die wie maßgeschneidert zum club passt, aber eben auch recht spannungsarm ist. martin buttrich gefiel mir mit seinen chicago-anleihen oben schon besser.
bei luke slater und roman flügel wurde es schwierig. nicht wegen der fülle oder unangenehmer rempler. beides hielt sich (dicker pluspunkt) die ganze zeit über im rahmen, obwohl die schlange bis 5:00 schon bis zu den taxen reichte. beide machten aber einen so guten job, dass ich von beiden möglichst viel mitbekommen wollte. habe dann herrn slater den vorzug gegeben und oben auf der galerie in der panorama bar herrn flügel zugesehen, der lässig aus der hüfte abwechslungsreiche tracks mal mit vocals, mal trocken, mal mit breakigen anleihen schüttelte und das technisch immer auf den punkt brachte, dass der flow sich automatisch ergab.
bei herrn slater gab es den einen oder anderen technischen patzer, und ich könnte jetzt auch keine einzelnen tracks benennen, an denen ich festmachen könnte, was das set so gut machte. er hatte das spiel mit verschiedenen intensitäten jedoch sehr gut drauf an diesem morgen.
cassegrain waren danach ziemlich trippig. fand ich für eine halbe stunde auch gut, danach hätte ich mir jedoch erhofft, dass sie es etwas fordernder angehen – trat leider nicht ein.
losoul hat mich oben noch positiv überrascht. oberflächlich betrachtet furztrocken, da er doch eher toolige tracks aneinanderreihte. aber auch das mit dem gewissen etwas und vor allem präsenten basslines, so dass ich gerne eine zeitlang zugehört habe. auch das, was ich nebenher von ed davenport mitbekommen habe, war vielversprechender als sonst (ein track von der unlängst wiederveröffentlichten „neptune’s lair“ von drexciya bspw.).

extra für nina kraviz kehrte ich zurück, nahm noch den erneut soliden schluss von marcel fengler mit und hoffte dann bei ihr zwei stunden auf die raketenzündung. für meine begriffe hat die gute es mit ihrer verzögerungstaktik etwas übertrieben. der füllgrad und auch die stimmung hätten es bereits ab 21:00 uhr gut hergegeben, dass sie den club mit mehr oder weniger alten chicago-sachen auseinandernimmt. aber abgesehen von einzelnen akzenten (einer davon die barcode population auf subvert, die ich seit 15 jahren gesucht hatte und wofür ich ihr ewig dankbar sein werde, dass die bildungslücke gestopft ist), nutzte sie den bassbereich kaum dazu, um die meute vor sich herzutreiben. vielleicht war es auch nur eine form von tiefe, die sich mir nicht erschloss. in der letzten stunde machte sie jedoch einiges wieder gut, bspw. mit dem „mental mix“ von mike dearborns „deviant behavior“ und anderen sachen aus windy city.
magda habe ich auch nur kurz mitbekommen, spielte daniel bell („superminimal“), war auch hier positiv überrascht, dass es keine überfüllung gab, sondern es rundherum angenehm war.

was bleibt unter dem strich?
eine tolle erste schicht, die zweite sticht nur durch ninas gute tat bzgl. der amtshilfe bei der track-identifizierung hervor. dafür hatte sich der weg schon irgendwie gelohnt, aber die steilvorlage bzgl. der spielzeit und dem damit erneut einsetzenden besucherandrang hätte sie besser nutzen können.
nichtsdestotrotz: ich ging sehr zufrieden heim, das gilt insbesondere für die erste schicht.

[berlin / 31.10.2014] about blank: paranoia

das passt auf dem papier schon so gut, dass es töricht wäre, wenn ich mir das entgehen lassen würde.

paranoia20141031

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
leider war ich erst ab 4:00 uhr vor ort, wobei schon vor dem betreten des ladens klar war, dass das line-up den erhofften erfolg gebracht hatte. vor dem blank warteten auch zu der zeit noch wenigstens 50 leute.

i-f habe ich leider verpasst und auch gesloten cirkel nur im hintergrund beim plaudern wahrgenommen. es gab bei ihm wohl ein paar technische probleme, weshalb er sich eher auf rhythmus-dominierte patterns konzentrierte. obwohl ich seine rauhe analoge soundästhetik schon charmant finde, war’s mir auf dauer doch etwas trocken. noch dazu wollte gefühlt jeder auf den mdf-floor, was an meiner position vor dem ein- und ausgang zu einem stetigen publikumsverkehr führte und auf dauer nervig werden kann.

drüben in der lobby hatte dj flush sichtlich viel spaß und auch wenn der floor normalerweise durchgangsstation zwischen bar und toilette ist, glich der vergleichsweise angenehme füllgrad und vor allem das echt gute set das locker wieder aus.
alienata legte ihren schwerpunkt klar auf acid, später waren auch ein paar ebm-sachen zu hören, bei denen mir die kenntnis fehlt, um sie benennen zu können. fand ich (auch aufgrund mancher technischer hänger) leider nicht zwingend genug, so dass ich bei meinen ausflügen zügig den weg zurück in die lobby antrat.
amnesie nahm nach flush das tempo spürbar heraus und spielte alte trax-sachen („no way back“ bspw.) nebst house. das war bei dem durch die fenster scheinenden sonnenlicht auch das richtige, für mich war’s jedoch noch richtiger, gegen 11 den heimweg anzutreten.

aus sicht eines gastes ohne einsicht in die bilanzen würde ich sagen: alles richtig gemacht. wie sich bei der anwesenheitsliste auf residentadvisor in den tagen zuvor andeutete, kamen hier wohl die dinge zusammen, auf die man als organisator eben so hofft: ein toller club mit dem richtigen line-up, das gelegenheits-partygänger und musiknerds gleichermaßen zu schätzen wissen. mich hat der große zuspruch jedenfalls echt gefreut.

r.i.p. peter radszuhn

schon die zweite todesmeldung innerhalb von sieben tagen, über die ich nur mit dem kopf schütteln kann, wobei herr radszuhn für einige mitleser, die nicht aus berlin und umgebung stammen, ein unbeschriebenes blatt sein dürfte.

es dürfte so 12, 13 jahre her gewesen sein, als ich das erste mal ausflüge von fritz zu radio eins machte. zur erklärung: beides sind programme des rundfunks berlin brandenburg, jedoch mit unterschiedlichen zielgruppen. fritz betreut die jugendlichen (teenager bis anfang/mitte zwanzig), radio eins wurde als „radio für erwachsene“ ins leben gerufen. der unterschied war deutlich: während es bei fritz dezidierten raum für gespräche gab (an den blue moon ab 22 uhr dürften sich noch einige erinnern), deckte zwischen 20 und 22 uhr der soundgarden verschiedene sparten ab und machte meistens kein großes federlesen, bis es musik zu hören gab. das war auch beim restlichen programm so.
die ersten erfahrungen mit radio eins dürfte ich bei abendlichen autofahrten oder beim duschen gemacht haben. und meistens hörte ich eine nicht allzu hohe, aber dennoch rauchige stimme. die empfand ich als irgendwie komisch und hab mich gefragt, wie lange derjenige noch monologisieren wird, bis denn mal wieder musik zu hören sei. restjugendlicher überschwang halt, wobei auch zu bemerken ist, dass ich bei marusha (die den samstags-soundgarden auf fritz gestaltete) auch gerne darauf wartete, dass sie fertig ist.
man kann es auf die formel bringen: mir war der gesprächsanteil bei radio eins zuviel des guten und ich wahrscheinlich nicht „erwachsen“ genug.

vorspulen ins jahr 2009/10. fritz konnte und wollte ich schon länger nicht mehr hören, was blieb dann also noch? motor fm, klar, gut, aber noch mehr nachrichten zur politischen willensbildung wären schon ganz nett.
so fand ich also wieder zur 95,8-frequenz zurück. da war auch diese komische stimme wieder, aber sei es das musikalisch gewachsene und erweiterte interesse in den jahren dazwischen oder eine gewisse altersreife – in jedem fall wurde mir schnell bewusst, den herrn radszuhn jahre vorher eindeutig zu oberflächlich und obendrein noch vorschnell beurteilt zu haben. der soundcheck am freitag abend ab 21 uhr entwickelte sich zu einer art stammsendung, in der er als musikchef mit einem fundamentalen wissen, breitgefächertem interesse und leidenschaft dermaßen glänzen konnte, dass es eindeutig an mir war, meine damalige haltung hinterfragen zu müssen.
in den letzten jahren geriet radio eins für mich wieder etwas ins hintertreffen – allerdings ist dies generell meinem medienkonsumverhalten geschuldet. außerhalb des frühstücks nehme ich mir selten die zeit, bzw. die bleibt dann nur für eigenständige entdeckungsreisen in den virtuellen plattenläden oder einfach nur den feierabend, der durch manche mediatheken garniert wird.
so ist es leider auch länger her, dass ich peter radszuhns stimme aus dem äther vernommen habe, und wie so häufig kann ich mich erneut ärgern, mir nicht gezielt die zeit für den soundcheck oder den mittwochabend mit seinen „prime cuts“ genommen zu haben.

peter radszuhn ist mit gerade mal 60 jahren in der nacht vom freitag auf samstag verstorben. ein anderer, der viel zu früh gehen musste.

radio eins ändert am mittwoch abend, den 22. oktober 2014, ab 21 uhr sein programm und sendet auf dem „prime cuts“-sendeplatz eine tributsendung. und auch wenn ich mir die frage nach einem gewissen opportunismus gefallen lassen müsste, erst jetzt wieder einzuschalten: ich bin dabei.

r.i.p.

r.i.p. mark bell

gerade vor drei wochen noch hat er zum 25-jährigen von warp in krakau gespielt. dem ifz habe ich an dem wochenende den vorzug gegeben, weil näher dran, somit weniger aufwand und lfo kann ich als einzigen act, der dort auf dem line-up stand und mich noch interessiert hätte, bestimmt noch nachholen – dachte ich mir jedenfalls.

daraus wird leider nichts mehr. komplikationen bei einer operation sind aufgetreten und der mann, der sowohl mit gez varley als auch solo für so manche sternstunden im techno-bereich verantwortlich zeichnet, muss nun im jenseits für massagen des zwerchfells durch tiefbassfrequenzen sorgen.

und das mit gerade mal 38. gerecht ist auch das mal wieder nicht.

r.i.p.

[berlin / 11.10.2014] about blank: staub

das wird mein ausgewähltes wochenenddatum, das line-up gibt es wie immer danach.

staub20141011

ablauf
12 kate
14 caleb esc
16 alpha cephei live
17 anja zaube
19 edoardo
21 invite

eintritt
5 euro

nachbetrachtung
wirklich pünktlich zum anfang war ich nicht, aber wenigstens für caleb escs zweite hälfte hat’s gereicht.
die war der uhrzeit, zu der noch das tageslicht durch die bunt abgeklebten fenster der blank-lobby schien, und dem noch recht moderaten füllgrad angemessen. techno mit industrial-ästhetik, für mich waren die nuancen eher subtil (soll heißen, dass ich keinen track oder label benennen könnte, weil der stil einfach eher weniger mein beuteschema ist), aber mit feinem gespür, was die anwesenden so mögen könnten. technisch fand ich ihn im duett mit anja zaube im april jedoch um einiges sicherer.

alpha cephei hat mich im positiven sinne überrascht. klang zu beginn sehr nach sleeparchive, was als vorbild oder referenz aber sicher nicht die schlechteste wahl ist. später dann rauher, fordernder, womit auch er zeigte, dass er sehr gut auf das publikum und den sich steigernden füllgrad reagierte. der junge herr hat ein soundcloud-profil zum nachhören. ich fand das für seine berlin-premiere schon richtig routiniert.

anja zaube: eines der beiden sets der party. da stimmte alles: technik, aufbau, auswahl, subtile tracks mit krachigen tools kombiniert – da waren die zwei stunden wie im flug vorbei.

kann ich von edoardo leider nicht behaupten. ich weiß, dass ich diese „big room“-vokabel hier in letzter zeit häufig überstrapaziere, aber das set war von diesen tracks dominiert, inklusive des schon bei veröffentlichung für mich eher fluchtreflexe auslösenden „dubfire planet terror remix“ von radio slaves „grindhouse“. naja, einigen anderen anwesenden hat’s gefallen, ich sammelte reserven, in der hoffnung, dass es danach besser wird.

invite machte es besser. und wie! viel luke slater, auch jeff mills (gleich als intro das interview von der tomorrow 001, schon mal sehr sympathisch) oder die gute alte sterac auf m-plant. er gab mir jedenfalls in seinen drei stunden keinen anlass, mal irgendwo sitzen zu wollen. zum schluss noch hitalarm mit „access“ von dj misjah & dj tim, da war ich selig, ich frage mich jedoch, ob nur noch die sets mit dem gewissen nostalgieanteil bei mir einen blumentopf gewinnen können und ich das neue nicht gebührend zu schätzen weiß oder ob die schiere masse an den veröffentlichten und sich derzeit in gebrauch befindlichen tools mich einfach überfordert.
andererseits: war schon bei dieser komischen richtung mit sch am anfang und minimal erst recht so. wahrscheinlich bleiben mir dann doch nur die rosinen im gedächtnis.

äh, ja, genug abgeschweift: anja zaube toll, invite toll, alpha cephei aller ehren wert, caleb esc solide, edoardo nicht meine tasse tee, tolle stimmung jederzeit, staub bleibt für mich damit der kandidat für den festen monatlichen termin.

[berlin / 17.10.2014] suicide: killekill family

meine beteiligung außen vor lassend ist das mal wieder eines der line-ups, die dem suicide super zu gesicht stehen. arad (der zusammen mit eomac als lakker die clubs oder festivals unsicher macht) bestreitet den anfang, mehr weiß ich noch nicht. wird aber hier aktualisiert, sobald alles feststeht.

killekill family
00h00 arad
02h00 dj flush
04h00 jerome hill
06h00 stype

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

eigentlich gibt es nur anderthalb so richtig negative punkte, die haften geblieben sind, und selbst der eine komplette hat noch seine positiven aspekte: dank lampenfieber geriet das vorschlafen etwas kurz, was aber im umkehrschluss dazu führte, dass ich kurz nach 4 im club sein und damit jerome in fast voller länge hören konnte. dies dank einer gewissen paranoia bezüglich abstellen des equipments hinter dem pult doch lieber mit rucksack im club sitzend, aber auch das reichte, um schnell mitzubekommen, dass er nichts von seinen qualitäten eingebüßt hat. spielte aufgrund des todes von mark bell auch einige lfo-sachen.
es gab nur einen offenen punkt: mir wurde gesagt, dass am xone:92 nur die zwei kanäle funktionieren würden, an denen die mk2s hingen. hätte also bedeutet, bei der letzten laufenden platte einzustöpseln, umzuschalten und kurz gegenzuchecken, ob alles läuft. bin aber das risiko eingegangen, hab mich auf einem dritten kanal angeschlossen und jerome hörte beim vorletzten track probe – alles klappte, und das auch für die restlichen gut drei stunden.

damit wäre ich beim halben negativen punkt: den spannungsaufbau bei warm-ups kriege ich mittlerweile ja ganz gut hin. sachte, experimentiell und wenn möglich mit einer gewissen tiefe anfangen, um am ende etwas, aber nicht zu treibend zu enden. für den schluss fehlt mir hingegen immer noch ein wenig die praxis: das publikum hat den größten teil der party schon hinter sich und durchaus noch lust, ein anderer teil möchte sowieso gehen (den aspekt habe ich bereits im hinterkopf, so dass ich den publikumsschwund weniger auf meine kappe nehme als früher) und ich selber möchte so viel wie möglich von der zeit nutzen. nur, wie stellt man das am besten an? hat man den übergang vom vorgänger zum eigenen set erstmal gut hinbekommen und treibt die meute mit einer angemessenen härte vor sich her, ist es natürlich verlockend, das noch etwas länger so zu betreiben. dabei kann es aber vorkommen, dass ein teil des publikums das so gar nicht unbedingt möchte und sich erst an die bar, nach draußen oder gleich nach hause begibt. und dann ist er wieder da – der gewissenskonflikt: soll ich in dem tempo und der härte weitermachen? noch etwas härter? mehr hits? oder doch besser sanfter? das patentrezept dafür gibt es wahrscheinlich nicht oder ich müsste für alle eventualitäten vorsorgen – in dem fall traf das zwar auf alle vier zu, aber eine längere phase an zwar noch treibenden, aber nicht zu harten tracks wäre in der ableton-matrix definitiv besser gewesen.

ansonsten war alles durchaus positiv: es lief aus meiner sicht den gesamten abend über sehr passabel. eine treue anhängerschaft blieb bis zum schluss um kurz nach 9 und drei stunden spieldauer sind nun wirklich nichts, wofür man sich schämen müsste. daher ist das set auch online, so dass ihr das hier (oder sogar bei mixcloud, da gibt’s auch eine trackliste) nachhören könnt. wie immer: sofern es was zu loben, kritisieren oder verreißen gibt, nutzt die kommentare.

download

[berlin / 04.10.2014] berghain: klubnacht

teil 2 von 2. mike dearborn war ende letzten jahres schon mal zu gast und hat wohl einen ziemlich guten job gemacht. ich hatte von ihm so ein paar mittelprächtige sachen auf majesty in erinnerung, die seine verdienste auf djax zwar nicht schmälern können, mich aber seinerzeit haben skeptisch sein lassen, ob er austauschbaren sound spielt. in dem rahmen kann ich aber schwer nein sagen. mich freut auch sehr, dass die drei jungs von livity sound nach dem freitags-showcase anfang des jahres die tagesschicht bestreiten dürfen, und generell lässt das programm eher auf musik- als auf hype-interessierte schließen. karenn nehme ich sowieso gern mit.

klubnacht

berghain
00h00 janina
04h00 karenn live
05h30 mike dearborn
08h30 pev
11h00 asusu
14h00 kowton
17h00 somewhen
20h00 echoplex live
21h30 thomas hessler
00h30 marcel fengler

panorama bar
00h00 dinky
04h00 generation next live
05h00 steffi
09h00 domenico & harri
13h00 the 2 bears
16h00 damon lamar
19h00 joe
22h00 soundstream
01h00 plo man

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
auch auf die gefahr hin, dass ab hier niemand mehr weiterliest, nehme ich das fazit dennoch vorweg, weil der eindruck auch nach sechs wochen (schreibe diese zeilen am 19. november 2014) der gleiche ist: das war mit einer der besten berghain-sonntage 2014.

eingestempelt: 4:00 uhr, ausgestempelt bzw. bei der tür verabschiedet: 21:00 uhr.

das lag nicht so sehr an karenn. die beiden waren zwar gut und wie immer recht flott unterwegs. noch dazu verdient ihr improvisationstalent mit hardware inkl. modularsynthesizer respekt, aber so richtig zwingend fand ich nur kurze phasen. können sie definitiv besser.
mike dearborn legte einen schönen trockenen anfang hin (erinnerte etwas an „spastik“), verkaufte sich auch ansonsten ordentlich. dazu muss ich jedoch sagen, dass ich schlimmsten tribal-techno erwartete, aber er bediente sich rege beim „big room dj tool techno“-fach. kann da keine tracks rausgreifen bzw. benennen, dazu hat mich zu wenig interessiert und nach einer stunde fand ich steffi oben wesentlich unterhaltsamer und abwechslungsreicher.

die lorbeeren gebühren ganz klar den drei livity-jungs, insbesondere pev und asusu. gerade bei den beiden zeigte sich, wie sich die spreu vom weizen trennen lässt (was sich direkt am montag danach auch im berghain-forum nachlesen ließ). dabei machten es beide für meine begriffe richtig: erstmal etwas nach dem gusto der stammkundschaft spielen und zeigen, dass man durchaus eine techno-grundausbildung genossen hat. pev spielte bspw. „quo vadis“ von g-man, asusu einiges von robert hood / the vision oder sandwell district, garniert mit ein paar tools von pris auf resin. das war schon als techno-set sehr brauchbar, aber dann kamen die so richtig spaßigen abschnitte mit den breakbeats, während denen ich nur fröhlich etwas wie „endlich mal ein hauch von sub:stance an einem sonntag!“ denken konnte. damit schufen sie platz auf der tanzfläche. poser oder zaungäste trollten sich, der rest auf der tanzfläche wusste dahingegen, weshalb er blieb. die entscheidung, jedem seinen eigenen slot zu geben und sie nicht wie im februar als team auflegen zu lassen, war im nachhinein auch goldrichtig. so hatte jeder genügend zeit für den eigenen aufbau und es wirkte alles wesentlich schlüssiger.
kowton war von den dreien noch der am ehesten massenkompatible, indem er nur den anfang mit breakbeats bestritt, danach jedoch strikt mit gerader bassdrum spielte, dabei jedoch auch viel geschmack bewies und mir mit dem zenker brothers-remix von stennys „eternal restriction“ auf ilian tape einen schönen floh ins ohr setzte (was für ein bass…).

derweil werden sich einige panorama bar-jünger oben gefragt haben, was das werden soll. als ich nachmittags oben war, lief jedenfalls strikt disco auf langsamem tempo. für die connaisseure wahrscheinlich ein genuss, aber ich habe die tanzfläche nachmittags selten so leer gesehen (ca. zur hälfte). das änderte sich auch abends gegen 19 uhr nicht wesentlich.
mein fall war es auch nicht ganz, dennoch ging ich mit einem gefühl durch den club, dass sonntag tagsüber endlich mal etwas raum für experimente geschaffen wurde – und zwar auf beiden floors.

somewhens berghain-debüt fand ich unterhaltsam – nicht mehr, nicht weniger. war eher melodisch, auch viel von ostgut ton oder mdr, somit im allgemeinen berghain-konsens. „born slippy“ fand ich zum abschluss schon sehr fein.
echoplex gab mir hingegen gar nichts. das lag auch nicht unbedingt an den bald 17 stunden auf den beinen, sondern auch an der zuweilen komischen art des cuttings, das nur selten wirklich im takt lag und auch an der big room-offensive. ja, mir ist das mittlerweile und insbesondere nach so einer zeitspanne im club einfach zu wenig – gerade nach dem, was so um den mittag herum im berghain passierte.

auch wenn sich die gelehrten, bzw. berghain-fanboys und musikliebhaber darüber streiten mögen: für vielfalt, anspruch und tanzbarkeit waren die sets von pev und asusu ein absoluter segen. das kann so gerne nochmal passieren und steht dem berghain besser zu gesicht als das, was abends bei echoplex so zu hören war. kann nur hoffen, dass der mut zum (vermeintlichen) risiko in der form weiter gepflegt wird.

[berlin / 03.10.2014] berghain: ctm presents the bug / get perlonized

ein verlängertes wochenende und schon wird das wieder einmal zum ausgiebigen musikhören unter größtenteils fremden mitmenschen an üblicher stelle genutzt. das ist teil 1 von 2.
the bug gefällt mir bislang nur bei einzelnen tracks („poison dart“ am meisten), daher soll er mal die chance kriegen, seine live-qualitäten unter beweis zu stellen. um ehrlich zu sein, bin ich aber wegen des rahmenprogramms da. mala ist an ort und stelle schon vier jahre her, daher wird es mal wieder zeit. generell: früh erscheinen und lang bleiben, auch um zu sehen, was fumiya tanaka mittlerweile so treibt, den ich bei perlon bisher immer verpasst habe. und ja, mir ist klar, dass ich keine alte schule wie auf seiner „mix up“ erwarten sollte.

berghain: ctm presents the bug
00h00 kahn
02h00 shapednoise live
03h00 the bug feat. flowdan, miss red & manga live
04h00 mala
06h30 opium hum

panorama bar: get perlonized
margaret dygas
fumiya tanaka
zip
sammy dee

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
ich war erst zu shapednoise da, bei dem der name programm ist. die frequenzen sind zwar nicht so schrill wie bei den japanischen oder auch britischen gegenspielern (hallo, russell haswell), stattdessen gehen sie eher in den tiefbereich, so dass eine art rhythmus entsteht und das alles auf seine art tanzbar wird. tempiwechsel gab es obendrein, so dass es auch dynamisch blieb. gefiel mir jedenfalls.
mit the bug werde ich auch nach dem auftritt leider nicht warm. an sich müsste ich das bei meinem faible für zornige, rauhe musik bei hohem tempo, vielleicht halten auch mittlerweile vorboten einer gewissen altersmilde einzug, aber irgendwie war das stets auf krawall und feuer aus allen rohren bedacht – jedenfalls in der zeit, in der ich unten war. sonst nutzte ich die gelegenheit, mich nach oben zu begeben, wo es (perlon-typisch) unaufgeregt, für manche etwas trocken, aber dennoch mit groove zuging.

uneingeschränkter höhepunkt ist und bleibt jedoch mala, der nach wie vor charismatisch den mit dmz ins leben gerufenen dubstep verfechtet. wenn das auch mittlerweile x aufgüsse davon gibt, versteht er es nach wie vor, seine sets mit so einer tiefe zu und klassikern (hat hier jemand „spongebob“ gesagt?) zu versehen, die zumindest in mir das bedürfnis weckte, ihn – wenn es nach mir ginge – eigentlich zu einer quartalsweisen residency verpflichten zu müssen. kurzum: es tat sehr gut, ihn wieder an ort und stelle hören zu dürfen.
opium hum rundete das geschehen unter anderem mit dem hybrid ab, der sich aus techno und dubstep entwickelt hat („strange dreams“ von untold wäre da zu nennen).

war alleine wegen mala ein definitiv schöner abend, wobei die verbindung zwischen industrial/noise (shapednoise) und dubstep schon besser hätte funktionieren können. aber dafür war the bug als headliner einfach zu groß. scorn wäre eine gute wahl gewesen, aber das ist auch wiederum wunschdenken meinerseits.

[berlin / 02.10.2014] ohm: abyssal with djrum

der freitag ist tatsächlich aufgrund nationaler feierlichkeiten frei. daher kann ich endlich mal in den kleinen club, der im gebäude des tresors bzw. des heizkraftwerks residiert, zuvor schon als „shift“ existierte und seit ein paar monaten mit genauso guten line-ups – nur eben als „ohm“ – weitermacht. bei abyssal ist das eh ehrensache, wobei ich nicht annehme, dass ich großartig vorher schlafen werde. der abend könnte daher für mich recht kurz werden.

abyssal with djrum
djrum
es.tereo
whø
ddm

adresse
köpenicker straße 70
u-bhf heinrich-heine-straße

beginn
24 uhr

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

obwohl der horst krzbrg immer noch ein bisschen fehlt und johnnie stieler klargemacht hat, dass er nicht mehr so schnell einen neuen club eröffnen wird, haben sich teile des horst-personals ein herz gefasst und mit dem ohm eine plattform geschaffen, die die clublandschaft berlins für meine begriffe sehr bereichert. ich gehe sogar so weit, es als kleine perle bezeichnen zu wollen.

schwer zu finden ist es tatsächlich nicht: einfach den tresor-eingang verpassen und weiterlaufen. gleich hinter der kasse steht man im club, der seinerzeit tatsächlich der batterieraum im heizkraftwerk war (ihr erinnert euch: zu beginn hieß der größere raum im neuen tresor so, bevor er wieder in „globus“ umbenannt wurde). den überblick hat man sofort, da es nicht mehr als 70 qm sein dürften, die sich bar und tanzfläche untereinander aufteilen. dj-pult ebenerdig, geradezu am anderen ende, wenn man reinkommt, daneben die tanzfläche, davor die bar mit sitzreihe an der wand. alles gekachelt, wirkt daher wie ein versuchslabor, was dem programm des clubs auch sehr entspricht. sonst: toiletten hinten rechts, die garderobe ist sogar ein kleiner teil des kraftwerks.
spärliches licht, erst beim ende von djrum wurden die led-reihen etwas gefordert – da geht also durchaus noch mehr. die anlage sticht jedoch richtig positiv hervor. bitte korrigieren, wenn ich falsch liege, aber das dürfte das gleiche fabrikat wie im raumklang sein. präzise, druckvoll, ausgewogen und sogar ohne gehörschutz sehr gut auszuhalten (obwohl djrum einen djm-800 bestellt hatte, den er aber nicht durch pausenloses clipping überstrapazierte). bin kurz nach 5:00 uhr ohne pfeifen im ohr raus.

kam pünktlich zu whø?s erster platte, er war (mal wieder) für mich im gesamten auch der höhepunkt an dem abend, indem er die lücke zwischen post-dubstep (so sagt man jetzt wohl dazu) und techno am besten traf.
bei djrum fand ich den aufbau seltsam. erst mit drum&bass anfangen, dann nach 10-15 minuten das tempo auf 110 bpm drosseln, um sich über house und oldschool-breakbeats wieder hochzuarbeiten. immerhin: „digeridoo“ von afx spielte er gegen schluss. sehr gute zweite hälfte, in die ich aufgrund der ersten jedoch erstmal hineinfinden musste.

kann aber einen rundum erfreulichen abend nicht trüben. ob es am bevorstehenden feiertag, dem line-up, am ruf des clubs bzw. von abyssal oder an allem zugleich lag: es war stets gut gefüllt, wobei das ohm auch mit 30 leuten nicht leer wirken würde. dennoch super, dass das angebot auf soviel gegenliebe stieß. hatte das gefühl, dass es rundum passen würde, was die abyssal-protagonisten auch im nachhinein noch bestätigten. wird daher nicht deren letztes mal dort gewesen sein.

generell sollte man das ohm auf dem zettel haben, wenn man am wochenende zwar lust auf weggehen, nicht aber auf exzess hat, sondern einfach nur gute musik etwas neben dem konsens erleben möchte. ein toller raum für experimente, der sich alleine durch sein musikalisches konzept das publikum aussucht – kompliment dafür.

[berlin / 26.09.2014] stattbad: grounded theory

die sommerpause ist beim stattbad schon länger vorüber, auch die grounded theory meldet sich mit ihrem fünfjährigen zurück, und da mich randomer mit seinen produktionen in den letzten jahren eh schon überzeugen konnte, fallen die überlegungen nicht schwer.

groundedtheory20140926

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
es scheint sich bei der grounded theory so einzuspielen, dass ich erst recht spät aufschlage, aber dafür länger bleibe. das ist im stattbad aber auch ganz gut so, da die grounded theory einer der publikumsmagneten ist und mir mit fortschreitender club-erfahrung nicht mehr der sinn nach menschenmengen auf tanzflächen steht. solange noch nicht jeder weiß, dass das beste eh immer zum schluss läuft, passt das ja.
henning und milton teilten sich den bunker auf, das so bis 8 uhr.

von acid maria bekam ich auf dem boiler noch den schluss mit („computer re-mix“ von parris mitchell – chicago geht einfach immer), von alan fitzpatrick zwar ein set, das sich im „big room“-hardwax-fach umhertrieb, aber auch mit der dub-version von surgeons „fixed action pattern“ schon perlen zu bieten hatte.
randomer war für mich der gewinner. klar mit so einigen eigenproduktionen und die hölzerne funkiness seiner tracks zog sich auch durch das gesamte set. aber gerade das fand ich erfrischend – und seine kurze drum&bass-phase zum ende, das er mit „shadowboxing“ von nasty habits krönte, erst recht. das hätte er gerne ausdehnen können.