[berlin / 23.11.2013] berghain: klubnacht

dann reicht’s aber auch für den november.

klubnacht

berghain
00h00: silva rymd
04h00: the advent live
05h30: reeko
08h00: rolando
12h00: l.b. dub corp
16h00: function
20h00: len faki
24h00: marcel dettmann

panorama bar
00h00: tama sumo
04h00: innerspace halflife live
05h00: studio barnhus
12h00: jeremy greenspan
15h00: jamie xx
17h00: stefan goldmann
20h00: black madonna
24h00: oskar offermann & edward

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

kaum worte zur panorama bar, da ich kaum dort oben war. eine ausnahme gibt es: innerspace halflife, die ein zwar recht introvertiertes set spielten, das mich aber etwas an virgo four erinnerte. also etwas melodisch-melancholische chicago-schule mit anleihen an alte larry-heard-sachen, und das fand ich um einiges besser als das, was the advent unten fabrizierte. das hatte leider nichts mehr von der klasse anno 1998 im tresor (wo sie noch zu zweit waren). klar, eine 1:1-kopie erwarte ich nicht, aber schon etwas besseres als großraum-techno von der stange. ein remix von damon wilds „avion“ ist da noch als positives merkmal im gedächtnis geblieben, aber sonst hielt mich da nichts.

ansonsten keine ausfälle unten. wohl mit ein grund, dass ich mal wieder länger blieb als eigentlich geplant – um die 19 stunden am stück.
silva tut mir im nachhinein schon ein wenig leid, dass ihre sehr gute vorlage aus dem warm-up für mich durch the advent verpuffte. würde man das haar in der suppe finden wollen, dann höchstens, dass sie das ende mancher platte später eingeschätzt hatte, während die neue platte noch nicht vollständig bei den eqs angekommen war, aber das passierte auch nur am anfang und obendrein sitze ich damit eh im glashaus. hatte in der letzten stunde richtig fahrt aufgenommen und das publikum u.a. mit „on the edge“ von phase oder der guten alten „speak to me“ von regis gewonnen. hat hoffentlich nicht zum letzten mal dort gespielt.
the advent ist ja bereits abgehandelt, also zu reeko, von dem ich nichts erwartete, da mir seine tracks zu gleichförmig erscheinen. spielte mit ableton live und das wirklich sehr gut abgestimmt. zwar nicht der stil, der in mein beuteschema passt, aber eintönig war es auch nicht. rolando fackelte wie immer nicht lange und gab gut vier stunden vollgas. mir fällt kein anderer ein, der eh schon satten kickdrums noch von einem takt zum anderen etwas draufsetzen kann und dabei so funky bleibt. l.b. dub corp / luke slater erwischte ebenfalls einen guten tag, spielte aber weniger brachial, sondern der uhrzeit angemessen melodischer, deeper, wohingegen function mit vinyl und konstant über limit gefahrener anlage den einen oder anderen hit auspackte und damit auch goldrichtig lag. dennoch: 110 db wären im gegensatz zu 115 schon okay gewesen – gewollt bratzige klangästhetik hin oder her, aber wenn es um das gehör der gäste geht, kann man sich auch mal in rücksicht üben.

nichtsdestotrotz ein toller abschluss eines echt kurzweiligen berghain-besuchs mit musikalisch breitem spektrum (und stimmungslagen). das durchatmen von sonntagmittag bis -abend blieb auch weitestgehend aus, da das nachmittagsprogramm einfach zu gut war. dennoch zeigte sich sonntag abend erneut, dass manche montags dann doch etwas anderes vorzuhaben scheinen als der arbeit oder dem studium nachzugehen. es wurde in functions letzter stunde jedenfalls nochmal ordentlich voll. da ich aber nicht gefahr laufen wollte, erneut len faki zu kritisieren und weite teile der arbeitswoche in den seilen zu hängen, bin ich gegen 20h30 mehr als zufrieden heimgegangen.

[berlin / 22.11.2013] stattbad: x-mix – !k7 a/v night #2

das stattbad besuche ich viel zu selten. andererseits ist der boiler room erstens schlecht mit arbeits- und heimkehrzeiten vereinbar und zweitens ohnehin meistens zu voll. das wird sich am freitag auch nicht vermeiden lassen, aber ich kann bei dem line-up und der aussicht auf optischen genuss einfach nicht anders.
für die zukunft muss ich mir dann einfach nur vormerken, dass die grounded theory dort auch nicht zu vernachlässigen ist.

stattbad20131122

eintritt
13 euro

ablauf
00h00: marius reisser
01h30: objekt
03h30: dave clarke
05h30: fiedel
07h30: marius reisser

nachbetrachtung

mal wieder direkt am ende der party, dann habe ich einen punkt weniger auf der to-do-liste.

versuche ich es mit einem anderen aufbau…

nervig fand ich: (mal wieder) die feierstatisten. das maximum an bewegung ein angedeutetes wiegen nach links und rechts und überhaupt ist der tratsch mit dem anhang wichtiger. man könnte ja fast darüber nachdenken, areale am rand abzusperren, so dass sie ein zumindest theoretisches gespür dafür entwickeln, wie das mit der umsicht so gehen kann.
noch hinzu kamen die smartphone-kamera-power-user, sehr gerne auch mit blitz. die resultate waren bei dem nebel eher bescheiden, aber hey, die buddies müssen einfach in partypose verewigt werden. oder gerne auch das gruppenfoto vor dem boxenturm. da weiß ich läden mit striktem fotoverbot erst recht zu schätzen.

gewöhnungsbedürftig fand ich: den floor. fand tatsächlich im alten schwimmbecken statt. somit mehr möglichkeiten, große leinwände aufzuhängen. interessant, den dj hinter einer halbtransparenten leinwand auflegen zu lassen. die visuals verpufften für meine begriffe jedoch ziemlich. mag am nebel oder den zu schwachen beamern gelegen haben, sicherlich auch am zu hellen restlicht, das bei forderndem techno meistens recht statisch vor sich hinleuchtete, ohne dass es in kombination mit den visuals wirkliche akzente setzen konnte.
hinzu kam noch das gefälle im schwimmbecken, bei dem nicht nur ich damit beschäftigt war, die balance zu halten. so wirklich befreites tanzen ging für mich damit nicht, mag auch ein grund gewesen sein, weshalb manche nicht so recht aus dem knick kamen. tipp: weiter nach vorne richtung dj postieren, da ist das gefälle nicht so ausgeprägt.
atmosphäre hat der raum für mich auch so gut wie keine, wirkt alles etwas gewollt und damit nicht so authentisch wie unten.
das bisher aufgezählte sind auch die gründe dafür, weshalb ich bestenfalls semi-warm mit dem abend wurde. denn auch wenn dies alles sich bislang ernüchternd liest…

toll fand ich: alle sets, keine ausnahme. ich habe es erst leider zum ersten drittel von objekt geschafft, aber bei dem jungen herrn ist auf die risikofreude einfach verlass. mögen manche kombinationen sich zunächst komisch anhören, ergeben die nach einigen takten doch sehr viel sinn. breaks, electro, acid, techno – das sind so die koordinaten.
„it’s shit what he does“ meinte ein junger herr zu mir, als herr clarke gerade angefangen hatte. ich hatte mir insgeheim erhofft, dass er im stil der „electro boogie“ spielt und das hat er sowas von konsequent durchgezogen, dass es für mich eine echte freude war. egyptian lover, dj assault, ectomorph, prince („all the critics love you in new york“ – wann hört man das schon?), dopplereffekt – herrlich. pech für den jungen herrn, der die cds auch nicht kannte, wie sich herausstellte. andere seines alters hatten mit dem stil keine probleme.
fiedel knüpfte am electro-faden an und blieb gut eine dreiviertelstunde dabei. danach das, was er bei seiner berghain-residency wohl spielen dürfte. vom aufbau damit schlüssig, muss ihn mal wieder an der sonstigen wirkungsstätte hören.
zu einem schluss von marius scheint es hier nicht mehr zu kommen, was aufgrund des füllgrades (aktuell um 8:09) auch so klar geht.
heißt für mich: heimweg. morgen / nachher ist ja auch noch gelegenheit. das stattbad dann lieber wieder unten, das passt vom ambiente her einfach besser.

[berlin / 08.11.2013] berghain: raster-noton nacht / finest friday

als ob das vergangene wochenende nicht genug gewesen wäre, geht es direkt als wochenendauftakt weiter. am samstag ist drumcode-nacht – der termin, nach dem sich alle die finger lecken. ich lasse denen ihren spaß – experimentielle klänge und französische leidenschaft sind für mich attraktiver.

berghain: raster-noton nacht
22h00: cupca
23h00: senking live
00h10: frank bretschneider live
01h00: atom tm live
02h10: diamond version live
03h20: emptyset live
04h20: credit 00

panorama bar: finest friday
00h00: jo nathan
03h00: tom trago live
04h00: laurent garnier
09h00: sven von thülen

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

vor ort war ich erst um 00h30, obwohl ich doch frank bretschneider mitbekommen wollte. gesehen habe ich ihn jedoch den ganzen abend lang nicht, stattdessen überbrückte cupca die wartezeit auf atom tm. mit ihm, bzw. dessen alben, wurde ich bis dato nicht warm, das änderte er mit seinem set jedoch gründlich. mag mit den berlin music days an dem richtigen rahmen gelegen haben, dass der aufbau im berghain eher an ein konzert erinnerte, inklusive großer leinwände für visuals. und die wusste er tatsächlich für sich zu nutzen. das war so perfekt auf die musik abgestimmt, dass mich sein sound, der wie ein kraftwerk-update klang, gleich mit überzeugen konnte. im nachhinein hat er das „hd“-album quasi komplett vorgestellt, was mittlerweile in meine (zwar nur digitale, aber immerhin) sammlung gewandert ist.
wegen diamond version lagen an der garderobe die epilepsie-warnungen aufgrund der zu erwartenden blitzlichteffekte aus. die sind auch das, was mir vom set am ehesten in erinnerung geblieben sind. zwar erwartet man großes, wenn alva noto und byetone zusammenarbeiten und evtl. sind mir beim anhören ihrer veröffentlichungen auf mute oder während des sets produktionstechnische finessen entgangen. aber jeder für sich alleine gesehen ist mir dann doch lieber. vielleicht auch nur eine frage des beuteschemas.
emptyset fand ich hingegen mit ihrem wuchtigen industrial-gefärbten sound wieder goldrichtig, da kann man auch durchaus vergleiche zu dem ziehen, was mika vainio so macht, wenn er tracks mit knarziger bassline spielt.
ach ja, laurent garnier hat auch noch gespielt. das ist zwar stilistisch nicht mehr meine baustelle, aber der enthusiasmus, mit dem er jenseits der 40 immer noch hinter den cdjs (mit vinyl habe ich ihn jedenfalls nicht herumhantieren sehen) mitgeht und genau weiß, wie er die menge kontrollieren kann, verdient einfach respekt. der konstant hohe füllgrad gab ihm dabei recht. gut, den haben auch andere, mit deren stil ich weniger anzufangen weiß (len faki, ben klock), aber mit dem ihm eigenen groove, dem wechsel zwischen neu und etwas älteren sachen und der bereits erwähnten präsenz verkauft der mann sich einfach immer noch blendend.
abwechslungsreich jedoch auch credit 00 zum schluss unten. da konnte schon mal autechre (777), africans with mainframes (djibouti auf crème organization, auch wenig später gekauft) oder marcellus pittman auf fxhe laufen. das brachte dann die tanzbarkeit mit experimentierfreude, die ich ganz gerne auch an manchen samstagen hätte. hat bei mir jedenfalls einen extrem guten eindruck hinterlassen, der herr. sven von thülen machte in der restlichen zeit, die ich den abend oben noch ausklingen ließ, auch einen guten job.

da bleibt eigentlich nicht mehr, als das ganze als einen gelungenen freitag zu bezeichnen. ein laurent garnier, dessen leidenschaft nach mehr als 20 jahren im job immer noch brennt, atom tm als gesamtkonzept sowas von stimmig und credit 00 als entdeckung – das ist jedenfalls ein dreivierteljahr danach (ich schreibe diese zeilen am 14. september 2014) präsent.

[berlin / 02.11.2013] berghain: klubnacht

gleich zwei wochenenden hintereinander, jedenfalls sieht es auf dem ersten blick danach aus. letzte woche kam jedoch etwas dazwischen, so dass ich passen musste (und nein, es lag in keinster weise an der tür).
also, neuer anlauf an diesem wochenende mit dem live-act, der brachiale analoge sounds mit sportlichen tempi servieren wird (hoffentlich). der rest ist wesentlich mehr als schmückendes beiwerk.

klubnacht

berghain: sheworks at night
00h00: midland
04h00: karenn live
05h30: surgeon
08h30: blawan & pariah
11h00: sunil sharpe
14h00: pangaea
17h00: sigha
20h00: henning baer
24h00: fiedel

panorama bar
00h00: kresy
04h00: octo octa live
05h00: john daly
08h00: oliver deutschmann
12h00: dsan powell
15h00: andre galluzzi
18h00: todd bodine
21h00: josh wink
24h00: radio slave

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
hin und wieder setze ich mir lebensziele. eines davon war, mal 20 stunden am stück im berghain zu verbringen. hat zumindest brutto geklappt, mit dem anderthalbstündigen volksabstimmungs-intermezzo waren es 18einhalb.
bereut habe ich keine einzige davon. einer der seltenen abende ohne irgendeinen ausfall, und sogar mittelmaß habe ich vergeblich gesucht. mag aber auch an der rückkehr nach fünf wochen und der damit verbundenen euphorie liegen.

es hat pünktlich zu karenn geklappt, die genauso fordernd zu werke gingen wie im märz. ganz ohne leerlauf ging es in den anderthalb stunden nicht, aber das ist bei sets in der gangart dramaturgisch passend. in der hinsicht war surgeon auch mal wieder beispielhaft. zwar ging er stilistisch auf nummer sicher, daher für seine verhältnisse „nur“ gutes mittelfeld, aber dabei bitte im hinterkopf behalten, dass er selbst mit den vergangenen sets die maßstäbe ganz schön nach oben verrückt hat. im aufbau so oder so hervorragend, „set up 707“ zum finale war definitiv ein denkwürdiger schlusspunkt.
arbeitsteilung zwischen dem karenn-dj-duo: pariah spielt tracks mit wiedererkennungspotential oder melodien, blawan brettert. ging jeweils für drei, vier tracks im wechsel so und blieb schlüssig. sunil sharpe rackerte sich mit vinyl ähnlich hart durch mal mehr und mal mindernde acid-tracks. bei seinem set kam leider die pause dazwischen.
pangaea machte nachmittags dann das, was ich von surgeon erhofft hatte: rumexperimentieren mit versetzten kickdrums im 4/4-takt. zu der zeit tauscht sich das publikum eh aus, bedeutet also genügend platz auf der tanzfläche, und den habe ich sehr gerne genutzt. heimlicher gewinner für mich.
neuaufbau durch sigha, mal nach oben zu herrn galluzzi gegangen, von dem mir eine alte justus köhncke auf kompakt („2 after 909“) positiv im gedächtnis geblieben ist. trotzdem das übliche kino vor der couch bei den toiletten genossen. josh wink hat sein setup leicht geändert, spielt nun mit traktor scratch und timecode-cds. änderte an seiner form nichts, nur fiel es mir schwer, dazu spaß zu haben – zu hoher füllgrad, aber dafür ein schöner platz oben auf der der galerie zum zuschauen. habe den aber auch schnell aufgegeben, als er „age of love“, direkt gefolgt von „klang der familie“ spielte. fülle hin oder her, aber wenn die panorama bar so ausgelassen reagiert, will ich auch nicht passiv daneben stehen.
henning baer hatte unten ebenfalls keine mühe, aber da herr wink seltener zu gast ist, habe ich die zeit lieber oben verbracht.

musikalisch bin ich also auf ganzer linie großartig unterhalten worden. zu kritisieren wären nur die zaungäste, die sich so bis sonntag vormittag/mittag auf die tanzfläche schieben und denen man am liebsten einen zettel in die hand drücken möchte, dass sie sich doch lieber anderswo unterhalten sollten oder die vielgelobte berghain-atmosphäre nicht zwingend dadurch gewinnt, dass sie licht, anlage und beton staunend in der mitte der tanzfläche genießen. oder wenn sie es schon müssen, dann wenigstens nicht andere beim tanzen zu behindern.
solange allerdings darauf verlass ist, dass ab sonntag nachmittag eine viel gelöstere stimmung inklusive anwesenheit des stammpublikums herrscht, kann ich damit gut leben. wie aktuell im berghain-forum zu lesen ist, veranstaltet die tür mittlerweile ein kleines quiz an der tür, indem details zum line-up oder zum label abgefragt werden. mal schauen, wie sich das bewährt.

nächstes ziel sind dann übrigens die 24 stunden, aber nicht mehr in diesem jahr.

[berlin / 03.11.2013] volksabstimmung „neue energie für berlin“

im september konnten wir nochmal auffrischen, wie das mit den kreuzen auf einem wahlzettel so funktioniert. nun folgt die zugabe, wonach wir über den gesetzesentwurf des berliner energietisches abstimmen sollen. der fordert den rückkauf des stadtnetzes von vattenfall sowie die gründung eines stadtwerkes. daher jeder auch bitte nur ein kreuz ™.

zur webseite des energietisches geht es hier entlang, und den weg zum wahllokal solltet ihr sonntag alleine finden. das abstimmungsergebnis wird dann hier stehen.

nur als hinweis: der entscheid gilt erst dann als angenommen, wenn 25% der wahlberechtigten zustimmen. das bedeutet, dass 80% ja-stimmen nutzlos sind, wenn die beteiligung nur bei 19% liegt. außerdem: wahlen sind grundsätzlich wichtig, also nehmt euch sonntag die paar minuten.

[berlin / 31.10.2013] salon zur wilden renate: seriously!?

ja, ernsthaft. unter der woche, vor einem arbeitstag, und ich gehe hin. die renate wollte ich mir schon gerne einmal anschauen, und da marcel zum anfang spielt, überlege ich nicht lange und freue mich dann darauf, dass der freitag möglichst schnell vorübergeht. den rest des line-ups werde ich leider verpassen.

seriously20131031

line-up
anfang: marcel heese
mitte: mørbeck
schluss: derek plaslaiko

eintritt
7 euro

nachbetrachtung

der renate eilt ja ein ähnlicher ruf voraus wie dem kater holzig oder ritter butzke – eine raumausstattung, die sich beim barock genauso bedient wie bei urdeutschen innenausstattungssünden wie dem hirschgeweih und alleine durch die überpräsenz an dekoration fast dazu beiträgt, dass die musik eher im hintergrund stehen kann (aber auch nicht muss). so ist der bevorzugte stil dort auch eher unaufgeregter techhouse, manchen hintergrundmusik für das ausleben des laberflashs, für andere wiederum der grund, sich stundenlang auf der tanzfläche aufzuhalten, manchmal auch schön zurechtgemacht und durch die helleren lichtverhältnisse auch schön inszeniert. kann auch etwas für sich haben, aber wo meine präferenzen liegen, dürfte dem stammleser klar sein.
ergo: ich ging nicht ohne die gängigen klischees und einigen offenen fragen im hinterkopf dahin. wie nimmt das renate-publikum eine techno-reihe überhaupt an? passt das dahin? könnte der schuss nicht nach hinten losgehen? und wie ist die location eigentlich?

auch wenn ich arbeitsbedingt nicht zu lange bleiben konnte, war ich am ende positiv angetan davon, dass alle klischees als das entlarvt wurden, was sie in den meisten fällen sind: unnötig. sicher pflegt die renate dekorationstechnisch ein ähnliches konzept wie die gängigen läden, daran ist aber auch nichts verwerflich. da es sich ja um ein altes wohnhaus handelt, führt es automatisch dazu, dass in dem gebäude eine menge zu entdecken ist. hinzu kam noch, dass nur der eine floor im 1. og bespielt wurde, normalerweise sind es wenigstens zwei. der kleine raum hinter der bar mit sitzgelegenheiten und diversen monitoren hat mich dabei auch beeindruckt.
noch beeindruckender jedoch: die publikumsreaktionen. ich hatte eigentlich eine gewisse reserviertheit gegenüber techno befürchtet, aber nichts dergleichen trat ein. lag sicher auch an der grundsoliden leistung von marcel, der den füllgrad konsequent so steigerte, dass es vom dj-pult bis zur bar schon etwas dauern konnte. nebel war auch vorhanden, einen strobo fände ich (man lese und staune) dort etwas deplatziert, ging auch so offensichtlich sehr gut. anlage dazu noch ausreichend dimensioniert, so dass man durchaus auch kurz mit tanznachbarn ins gespräch kommen konnte (was wiederum die these belegt, dass es solchen clubs sehr daran gelegen ist, viele orte möglicher kommunikation zu schaffen), und das publikum schien mir auch überaus aufgeschlossen.

bin also positiv angetan kurz nach mørbecks beginn gegangen, der sich ausgiebig im „big room dj tool techno“-fach bediente (danke an das hardwax für diese schublade – sonst widerstrebt mir ja dieses einsortieren, aber wenn mich ein set nicht mitreißt, werde ich gerne auf diese kurze, prägnante formel zurückgreifen) und mir damit den abschied gegen 3h30 auch nicht schwer machte. die renate hingegen werde ich zu solchen gelegenheiten gerne wieder besuchen, alleine weil ich auf die anderen räume neugierig bin, die es dort zu entdecken gibt.

r.i.p. lou reed

erst kürzlich bei meinem kreta-urlaub beim gang durch die engen gassen von chania aus einem geöffneten fenster „perfect day“ gehört, in dem er das braune pulver besingt, das seinen teil zu der lebertransplantation diesen mai beigetragen haben müsste.
gut, das stück war nicht meine erste begegnung mit ihm. dies war stattdessen „dirty boulevard“ um 1989 herum, als ich anfing, nachmittags mtv statt tele 5 zu gucken. später natürlich noch der „walk on the wild side“, der musikalisch nicht so weit entfernt liegt.
natürlich hat dies wenig mit dem zu tun, was er 1967 mit dem seinerzeit verkannten, im nachhinein aber monumentalen „the velvet underground & nico“ in die wege geleitet hatte, gemeinsam ist jedoch beidem eine mal mehr und mal minder offensichtlich hörbare unbequemlichkeit.

das album mit der banane bleibt, darüber hinaus sicher eine ganze andere menge, was bei mir unter „nachholbedarf“ eingeordnet ist. ganz sicher jedoch kein „perfect day“.

r.i.p.

[berlin / 26.10.2013] berghain: klubnacht

vier wochen pause, dazwischen liegen mittelmeersonne und einige tage müßiggang. genügend zeit, konditionsreserven aufzufüllen, möchte ich meinen. mit der munich machine ist die gelegenheit sehr günstig, das auf die probe zu stellen. dürfte auch mehr als zehn jahre her sein, dass ich herrn geier das letzte mal gehört habe.
achtung: zeitumstellung. in der nacht von samstag auf sonntag werden die uhren um 3 uhr um eine stunde zurückgestellt. der plan gilt bereits nach winterzeit, d.h. shed spielt vier und skizzo fünf stunden.

klubnacht

berghain
00h00: shed
03h00: answer code request live
04h00: dj hell
07h00: marcel dettmann
12h00: function
16h00: anthony parasole
20h00: danny tenaglia
24h00: ben klock

panorama bar
00h00: skizzo
04h00: point g live
05h00: danny tenaglia
10h00: ryan elliott
13h00: mike huckaby
16h00: volcov
19h00: sadar bahar
22h00: lakuti
24h00: tama sumo
02h00: tama sumo / lakuti

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

da mir ab freitag nachmittag mutmaßlicherweise ein käse-ei-sandwich vom bäcker um die ecke oder ein mir nicht wohlgesonnener virus das gesamte wochenende über die vorzüge der zwangsweisen vernunft durch magen-darm-grippe light nahe brachte, kommt die nachbetrachtung nicht von mir, sondern einmal mehr von gastautor spacecake. der legt dafür eine disziplin an den tag, die ich mir zu eigen machen könnte. das fazit zur letzten sub:stance kriege ich noch dieses jahr hin, versprochen.
mit vielem dank für die mühen und dabei nichts beschönigt zu haben, geht’s unter dem kursiven mit dem o-ton los.

da der hausherr spontan verhindert war, übernehme ich mal wieder die nachbetrachtung. ich war besonders gespannt auf den münchner gigolo-chef dj hell. nicht nur hatte ich ihn in meinen gut 15 jahren ravekarriere noch nie gehört, ich wollte auch wissen, wie sich sein sound im berghain so macht.

aus diesem grund war ich für meine verhältnisse auch schon ungewöhnlich früh am ort, pünktlich zum beginn von answer code request. sein live-set war abwechslungsreich, geprägt von schönen tempowechseln bei einem insgesamt eher düsteren sound. hat spaß gemacht und mich in meiner hohen meinung von diesem mann einmal mehr bestätigt.

danach dann hell. der anfang war vielversprechend mit harten, zwingenden bässen. dann aber folgte der typische hell-sound, der auf mich allerdings einen überladenen eindruck machte. schlimmer war allerdings die beliebigkeit, mit der er die tracks aneinanderreihte. kein konzept, inkonsistent, völlig inspirationslos. das wurde noch deutlicher und schlimmer, als er nach etwas mehr als einer halben stunde dazu überging, allseits bekannte techno-bretter abzuspielen. jeder für sich sehr geil und in einem gut aufgebauten set ein garantierter abfahrtskandidat, wie hell aber die tracks präsentierte, wirkten sie völlig belanglos. itunes auf autoplay mit einer gut sortierten library hätte das genauso gut gekonnt, einschließlich der übergänge. die hat sich der gute hell nämlich häufiger ebenfalls gespart oder auf ein minimum reduziert. nach zwei stunden, in denen ich mir das treiben von der seite angesehen und -gehört habe, zog ich es dann vor, die panorama bar aufzusuchen. sollte es in der letzten stunde des hellschen sets noch besser geworden sein – zu spät. meinetwegen braucht dieser mann nicht mehr gebucht werden, ich habe keinen bedarf, ihn noch einmal zu sehen.

danny tenaglia hat oben gefälligen tech-house gespielt, passend für die panorama bar und vor allem deutlich mehr im fluss als das, was unten so lief. zwingend war der sound für mich allerdings nicht. zugegeben, ich war müde und schlecht gelaunt, nicht die besten voraussetzungen fürs feiern. grund genug also, um kurz vor 7 uhr den ersten heimweg anzutreten.

die zweite runde begann um 13 uhr bei function. der spielte zurückgenommenen, vergleichsweise langsamen techno, der mich erstmal zum tanzen einlud. aber auch hier fehlte mir die letzte konsequenz, zumal das set nach 14 uhr wirkte, als seien function die ideen ausgegangen. zwar hat er in sachen tempo und härte drauf gelegt, aber dafür fügten sich die einzelnen tracks nicht mehr so gut ineinander wie zuvor. schade eigentlich, aber eine gute gelegenheit, mich auf dem sofa vom wie immer großartigen licht hypnotisieren zu lassen. dennoch, den besten moment auf der tanzfläche hatte ich bei ihm, als sich wie aus dem nichts ein fieses acid-brett angeschlichen und in meine hirnwindungen gebohrt hat.

ein kurzer ausflug nach oben hat gezeigt, dass mike huckaby eine gut gefüllte panorama bar bespielen durfte. von seinem set ist nicht viel bei mir hängen geblieben, aber das publikum hatte sichtlich spaß. wieder unten habe ich mir dann angesehen, was anthony parasole so veranstaltet. und wieder war ich nicht glücklich. er spielte treibenden, meditativen techno, der jedoch ohne jegliche höhen und tiefen auskommen musste und somit emotional eher flach wirkte. nach etwa der hälfte des sets war ich drauf und dran, die party für mich zu beenden, bin aber im nachhinein froh, es nicht getan zu haben. denn was für mich bis dahin schlicht langweilig klang, hat sich danach als gut geplantes set entpuppt, das nach zweieinhalb stunden ordentlich an fahrt gewonnen hatte – genug, um mich den rest der zeit auf der tanzfläche gefangen zu halten. ein wirklich großes finale dieses insgesamt toll aufgebauten sets und damit auch mein gewinner des tages.

danny tenaglias zweites set habe ich nur am anfang mitbekommen. danach zu urteilen hätte ich noch gut spaß haben können bei ihm. das wusste meine vernunft jedoch zu verhindern.

noch ein paar worte zum publikum, das den nachmittag über seltsam verhalten wirkte. kaum jemand wirklich am ausrasten, selten schreie auf der tanzfläche, das kenne ich so nicht vom berghain. schubweise war es sehr voll auf der tanzfläche, alles in allem waren die menschen aber sehr angenehm. ich habe verhältnismäßig oft in freundlich lächelnde gesichter geblickt.

als fazit bleibt festzuhalten, dass diese party zwei wochen nach einem der höhepunkte des jahres wohl den bisherigen tiefpunkt markiert. hell hat auf ganzer linie enttäuscht, aber auch der rest konnte mich nicht restlos überzeugen. bleibt zu hoffen, dass das dann wohl die ausnahme war, die die vielbeschworene regel bestätigt: in diesem fall, dass das berghain woche für woche eine (techno-)musikalische qualität aufweist, auf die die meisten anderen städte neidisch sein dürften.

einkäufe vom 27. september 2013

ein besuch im hardwax, um eine arbeitswoche aus- und das wochenende einzuläuten.

mix mup
after the job
[hinge finger hinf8675]
der titel passend zu den umständen des besuchs…
davon abgesehen hat hinge finger es mit zwei katalognummern geschafft, dass ich die neuveröffentlichungen stärker beachte. die joy orbison hat schon akzente gesetzt (spätestens mit dem shed-remix) und blawan mit seinen fugees-reminiszenzen ohnehin eines der bretter 2012 durch die pas der republik gejagt.
nun also mix mup, sonst im umkreis von kassem mosse zu finden. zwei funktionale tracks, die zwischen techno und house platz nehmen, dabei schön rauh und nicht zu kalkuliert wirken. und dreckige basslines nimmt man ja immer gerne mit.
die anderen beiden sind mehr oder minder ambient, wobei „bungalow“ für mich eher heraussticht. mir kamen assoziationen zur „selected ambient works 2“ von afx in den sinn, was per se nichts schlechtes heißt.
ergo: zum dritten mal überzeugt. mal sehen, was joy orbison und will bankhead sich als nächstes haben einfallen lassen. anhören werde ich’s mir sicher.
(hardwax-soundbeispiele)

//no
hhd sub 004
[sub hhd sub 004]
sublabel von hidden hawaii, das sonst drum&bass mit starkem ambient/drone-einschlag von felix k und co. veröffentlicht. limitiert auf 199.
felix k ist hier zur hälfte beteiligt. ambient dient hier lediglich als intro für zwei weitere tracks, die sich in dem bereich zwischen techno und dubstep ansiedeln, der erst von scuba (nun leider nicht mehr) und peverelist erarbeitet worden ist und nun stetig verfeinert wird. keine aufdringlichen oder gar zwingenden tracks (letzteres rein auf die funktionalität im set bezogen), aber dafür schon ausgefüllte soundscapes, die den tracks die tiefe verleihen, für die das label auch sonst ein garant ist.
der bassbereich klingt daheim außerdem vielversprechend, aber ich werde das gefühl nicht los, dass ich die tracks im club nicht wiedererkenne, da sie so massiv wirken. bis dahin auch in den eigenen vier wänden hervorragend.
(hardwax-soundbeispiele)

ricardo villalobos & max loderbauer
turbo semantic ep
[perlon perl 97]
ja, ich gebe es zu: ich habe alle vier teile der „dependent and happy“-reihe letztes / dieses jahr gekauft. das hat nichts damit zu tun, dass ich perlon lückenlos haben möchte – von dem vorhaben bin ich in den 30er-katalognummern abgekommen, zumal ich „thé au harem d’archimède“ beispielsweise immer noch unspannend finde. die alben-tetralogie (bzw. eher zwei alben und zwei eps) hat hingegen etwas.
nun also zusammen mit max loderbauer, mit dem er schon den ecm-katalog geremixt hat. auch etwas, das ich mir noch mit etwas mehr zeit zu gemüte führen muss. noch dazu mit sprechgesang – auf der a-seite von tea-time (spanisch), die b-seite mit aseez (englisch). vordergründig natürlich unspektakulär und nicht wenige werden sich fragen, wozu man das nach minimal überhaupt noch braucht. aber trotz der immer noch perfektionierten reduktion und der abwesenheit einer richtig dicken kickdrum haben beide tracks (die vocal-spur außen vor gelassen) etwas organisches an sich, das die tracks jeweils über 10 minuten trägt und mir das urteil abringt, dass auch das genre durchaus noch seine reize haben kann. wird aber – wie so vieles von ricardo – polarisieren, was ja auch nicht verkehrt ist.
netter tippfehler auf dem cover übrigens.
(hardwax-soundbeispiele)

[berlin / 28.09.2013] about blank: grizzly nation

wie praktisch, dass das gesamte line-up bereits auf dem flyer steht. das ist zum geburtstag des namenspatrons der party doch sehr üppig ausgefallen, insofern bleibt mir eine menge tipparbeit erspart – vorläufig jedenfalls. wenn der ablaufplan draußen ist, sieht das auch wieder anders aus.

grizzlynation20130928

ablauf

lobby
00h00: jessamine
03h00: map.ache
06h00: peter armster
09h00: nils ohrmann
11h00: (pause)
20h00: kieran behan
22h00: hypnorex
00h00: silva rymd
03h00: artemis

mdf
03h00: grizzly
05h00: c.love live
06h00: paul heimweh
08h00: aera live

zelt/garten
08h00: katovl menovsky
11h00: rampue live
12h00: des wahnsinns fette beute
15h00: pilocka krach live
16h00: the sorry entertainer
18h00: lake people live
19h00: the cheapers

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

vor ort war ich erst gegen 8h00, somit habe ich das set des geburtstagskindes leider verpasst und stieg mit aera ein, der mit recht treibendem dubtechno und chords den mdf gut im griff hatte. voller war es in der lobby, in der peter armster gut anzuhörenden house spielte. etwas mehr funk gab es später bei nils ohrmann, der mir mit einem track von shlomi aber („we don’t fit“) tatsächlich einen floh ins ohr setzen konnte.
draußen entschied man sich, das geschehen nach beginn im zelt auf die eigentlich freiliegende tanzfläche zu verlagern, das passte auch von den temperaturen her noch. musikalisch wurde ich jedoch nur noch mit zwei namen aus dem line-up warm: zum einen pilocka krach, die eine groovige, stellenweise kindlich albern-sympathische one-woman-show darbot, bei der sie sich die zwei zugaben auch redlich verdient hatte. zum anderen lake people, der es schaffte, mir melodiösen house so gut zu verkaufen, dass ich neugierig auf seine veröffentlichungen wurde („uneasy hiding places“ auf permanent vacation, nur so als tipp). sonst war mir gerade der minimale zeitlupen-house, den des wahnsinns fette beute so spielte, nicht gerade das, was mich dazu animiert hätte, die tanzfläche zu stürmen.
ist allerdings auch im about blank eine option unter vielen. eine der anderen ist das soziale miteinander oder nur das beobachten. das ging auch an diesem sonntag vortrefflich. bin dennoch gegen 21 uhr nach hause, was insofern schade war, dass ich silva verpasst habe, aber lohnerwerbspflichten gehen nun mal vor.

summa summarum hatte es sich wegen pilocka krach, lake people sowie nils ohrmann schon gelohnt, aber im direkten vergleich zur blank generation einen monat zuvor bin ich im august eher auf meine kosten gekommen, weil da neben dem sozialen aspekt auch der musikalische stimmte.