r.i.p. donna summer

schon wieder der krebs, sie wurde 63. muss zugeben, dass ich sie lange zeit unterschätzt habe, was aber an meinem nicht so vorhandenen disco-faible liegt. nichtsdestoweniger bleibt „i feel love“ ein song für die ewigkeit, und auch so einiges, was danach kam. die lady hatte bis zu den 1980ern wahrlich ein gespür, dem mainstream immer einen schritt voraus und zu sein und dabei dennoch sehr gute popmusik zu machen.

r.i.p., mrs summer.

franz schulz vs. berliner linie

was ich nicht alles verpasse, wenn das wochenende wieder einmal dem techno-marathon geopfert wird…

in kreuzberg wurde am wochenende tatsächlich mal wieder ein zur hälfte leerstehendes haus besetzt, ein entsprechender einsatz der polizei ließ nicht lange auf sich warten, ging aber scheinbar unspektakulär über die bühne. nun besinnt sich der bezirksbürgermeister von friedrichshain-kreuzberg franz schulz auf die wurzeln der grünen, die sich anno 1981 als alternative liste in kreuzberg unter anderem mit der solidarisierung mit der hausbesetzer-szene profilieren konnten. damit kommt er nicht ungelegen: wer aktuell im inneren bereich des s-bahn-ringes in den entsprechenden bezirken eine wohnung sucht, kann ein lied von maklerprovisionen und nettokaltmieten über 10 euro pro quadratmeter singen.
franz schulz möchte daher nun die berliner linie, ihrerzeit unter dem senat von hans-jochen vogel eingeführt, durch die holländische linie ersetzen. erstere schreibt besetzungen den straftatbestand zu, die nicht länger als 24 stunden geduldet werden sollen, sofern der eigentümer die räumung beantragt. in holland wird (bzw. wurde) eine besetzung bei längerem leerstand geduldet.

für mich in zweierlei hinsicht erstaunlich: der ganze sachverhalt ähnelt vom spekulativen charakter frappierend den vorgängen, die zur west-berliner besetzungswelle ab 1980 geführt haben. und natürlich ist es gut, wenn auf diese missstände, die zur verdrängung der angestammten szenen und bewohnern führen, in dieser form hingewiesen wird. ich hatte schon fast angenommen, dass nach der erfolgreichen mietenstopp-demonstration im letzten september wieder ruhe eingekehrt wäre. insofern gut zu wissen, dass das engagement immer noch vorhanden ist und die aktion an sich genau wie vor gut 30 jahren dazu beiträgt, das thema aktuell zu halten.
erstaunlich auch, dass franz schulz in die fußstapfen seiner vorgänger wie werner orlowsky oder volker härtig tritt (wobei letzterer der farbe grün abgeschworen hat und zur roten seite der macht gewechselt ist), die besetzungen bei leerstand als legitim erachteten und daher deren kriminalisierung ablehnten. so weit, so schön. angesichts von spekulationsobjekten wie in der mittlerweile zwei mal besetzten schlesischen straße 25 mit entsprechenden polizeieinsätzen, die dazu führten, dass das haus mit immer noch zwei verbliebenen mietparteien zum großteil leersteht, muss schon die frage erlaubt sein, ob herr schulz nicht einen kampf gegen windmühlen führt und mit seinem schachzug versucht, die wähler zu beruhigen.
mein immer noch vorhandener glaube an das gute im menschen lässt mich aber zu dem schluss kommen, dass der beitrag für die längst überfällige wohnungspolitische debatte im großen rahmen ein schritt in die richtige richtung ist. schöner wäre es jedoch, wenn den besetzern in spe nicht die rolle der seismographen für ramponierte objekte in sehr toller lage zukäme, die nach getaner arbeit gegenüber investoren den kürzeren ziehen dürfen.

via tagesspiegel.

[berlin / 17.05.2012] about blank: impulse

das about blank ist einer der clubs, bei denen ich es bereue, nicht öfter hinzugehen. darum packe ich die gelegenheit beim schopfe und schlage fast drei fliegen mit einer klappe: erstens steht mir mal wieder der sinn nach dubstep, zweitens kriege ich den club nach anderthalb jahren wieder zu gesicht und kann mir dessen veränderungen anschauen, was drittens auch angebracht wäre – ich spiele am 9. juni dort. hoffe nur, dass das wetter mitspielt, so dass auch der garten geöffnet ist.

alle relevanten informationen stehen auf dem flyer, das ganze findet auf zwei floors statt.

der ablaufplan
dubmarine-floor
00h00-03h00: dubmarine (infra / el ninho / tom battery)
03h00-04h30: tmsv
04h30-06h00: dubmarine (infra / el ninho / tom battery)
small but hard floor
01h00-01h40: oilworks
01h40-02h40: wasteman
02h40-03h20: himuro yoshiteru
03h20-03h50: sofus horsberg
03h50-04h30: hitomi
04h30-05h10: dead fader
05h10-06h00: dj die soon

[berlin / 12.05.2012] berghain: klubnacht

eigentlich sollte ron trent spielen, nur fällt dieser aus „familiären gründen“ aus. ein adäquater ersatz ist mit stacey pullen gefunden worden, ich werde so gegen 4 uhr hingehen.

klubnacht

berghain
00h00-04h30: fiedel
04h30-05h30: voices from the lake live
05h30-09h00: rod
09h00-12h00: marcel dettmann
12h00-15h00: marcel dettmann & ben klock
15h00-ende: ben klock

panorama bar
00h00-04h00: youandme
04h00-05h00: the analog roland orchestra live
05h00-08h00: stacey pullen
08h00-09h00: marko fürstenberg live
09h00-12h00: sven tasnadi
12h00-16h00: margaret dygas
16h00-19h00: andre galluzzi
19h00-23h00: shonky
23h00-ende: ewan pearson

eintritt
12 euro

[berlin / 18.05.2012] suicide: killekill 008 record release party

und schon die achte veröffentlichung. für die sammler unter uns in rotem vinyl, die darüber hinaus noch grund zum jubeln haben, wenn ihr herz für analogen acid unter 130 bpm schlägt. das genre scheint beileibe noch nicht ausgereizt zu sein, aber ehe das ganze in marktschreierei ausartet, kann man sich am besten bei soundcloud überzeugen.

für mich die premiere mit neuer festplatte im laptop. warpen und kurze jams sind in ableton bislang überhaupt kein problem, nur steht der langzeittest noch aus. da kann also seagate mal zeigen, was die momentus-xt-reihe so auf dem kasten hat.

start
24 uhr

eintritt
10 euro

reihenfolge
club
anfang: stype ableton-set
live-act numero 1: tin man
live-act numero 2: cassegrain
schluss: dj flush
garten
adam weishaupt & axiom

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mitschnitt

download

r.i.p. mca

zugegeben, hiphop ist nicht ganz meine baustelle. andererseits würde man den beastie boys unrecht tun, sie auf das genre zu beschränken. ich erinnere mich noch daran, wie ich als 14-jähriger mit der zweiten hälfte von „check your head“ überfordert war, heute hingegen ist es eines meiner lieblingsalben.

2009 wurde bei adam yauch ein tumor in der linken ohrspeicheldrüse diagnostiziert. der souveräne umgang und die ausgestrahlte zuversicht ließen darauf hoffen, dass er bald wieder mit seinen zwei mitstreitern konzerte geben kann. ich hatte darauf gehofft, weil ich es als konzertmuffel nie zu ihnen geschafft habe, obwohl es nur die überwindung und das geld für die eintrittskarte gekostet hätte. ihre qualitäten als live-band kann man sich mit „awesome! i fuckin‘ shot that!“ auf dvd anschauen – auch so eine idee, die er hatte.

alle zuversicht hat nichts genutzt: adam yauch ist mit 47 jahren verstorben. zeigt einmal mehr die ungerechtigkeit, mit der es manchmal im leben zugehen kann und mahnt einmal mehr, dass man mit gewissen vorhaben einfach nicht zögern sollte – und sei es nur ein konzertbesuch.

r.i.p., adam!

[berlin / 20.04.2012] berghain: leisure system / cabin fever

und ich dachte schon, dass auch sie sich zurückgezogen hätten, nachdem es die sub:stance auch nur noch zwei mal jährlich gibt. dafür kommen sie jetzt mit einem schön ausgesuchten line-up zurück. oben ein special des disco-labels von radio slave, aber davon interessiert mich dj deep ehrlich gesagt am meisten. nur werde ich von ihm nicht so viel mitkriegen, da ich relativ früh aufbreche.

berghain: leisure system
00h00-02h30: n>e>d
02h30-03h30: arpanet live
03h30-05h30: rob hall
05h30-06h30: gesaffelstein live
06h30-ende: barker

panorama bar: cabin fever
00h00-04h00: radio slave
04h00-06h30: matt tolfrey
06h30-09h00: dj deep
09h00-ende: spencer parker

eintritt
12 euro

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review: felix denk / sven von thülen: der klang der familie

es ist ja nicht so, dass techno und berlin als thematische konstellation neu für den suhrkamp-verlag wäre. tobias rapp hat mit „lost and sound“ vor drei jahren bereits ein werk vorgelegt, welches den status quo der stadt anschaulich geschildert hat. leider kam mir für eine rezension immer etwas dazwischen, bis das vorhaben irgendwann obsolet war. innerhalb der szene provozierte die abhandlung über den easyjetset vorwiegend die frage, ob das wirklich nötig gewesen wäre, den allgegenwärtigen berlin-hype feuilletongerecht aufzubereiten und somit noch mehr anzufachen. dazu gesellte sich das berlin-typisch arrogante gähnen, weil es eh omnipräsente fakten rekapitulierte.
die einwände mögen ja alle berechtigt gewesen sein, aber die berliner arroganz übersieht auch gerne mal, dass einige außerhalb der stadtmauern und der party-generation etwas mehr über das wissen möchten, was in den easyjet-broschüren so drin steht. mit anderen worten: das buch war ideal als lektüre für die eltern geeignet, damit auch sie die gründe nachvollziehen können, weshalb sich ihre sprösslinge pünktlich zum wochenende ins auto oder in den flieger setzen und eine woche später mit schatten unter den augen wieder zurückkehren.
darin liegt für meine begriffe der (mehr-)wert von rapps zusammenfassung des wasserstandes von 2009. in ungefähr zehn jahren wird man aufgrund der schnelllebigen entwicklung der szene sicherlich gerne darauf zurückgreifen wollen – darin bin ich mir ziemlich sicher (und irgendwie erleichtert, doch noch so etwas wie eine halb-rezension zustande gebracht zu haben).

nun also felix denk und sven von thülen, beides gestandene de:bug-redakteure, fest in der szene verwurzelt. sie machen das, wovor einem als historiker eigentlich immer graust: sie führen interviews mit namhaften protagonisten und zumindest nicht ganz so prominenten szenegängern aus der blütezeit und kreieren auf diese weise ein riesig anmutendes interview, bei dem alleine die anzahl der beteiligten erschlagend wirkt. die oral history birgt ja stets die gefahr, dass die autobiographische perspektive – gerade nach einigen jahren – zur schönfärberei neigt und wichtige details vergessen oder verschwiegen werden.
kein leichtes unterfangen also: um die 150 interviews führen, 240 stunden audiomaterial auswerten und systematisieren, dann noch eine zusammenhängende geschichte erzählen (lassen), ohne den leser mit details zu langweilen? kann das gutgehen? interessiert das überhaupt jemanden (gerade außerhalb berlins)? ist das nicht eher eine selbstbeweihräucherung aller beteiligten, die ihre überheblichkeit angesichts ihrer verdienste spielen lassen?

da kommt es wohl darauf an, welche fragen man stellt und welche gedanken man sich darüber macht, wie der leser an die thematik herangeführt werden soll. dieser wird daher nicht mit der ersten loveparade anno 1989 ins kalte wasser geworfen, sondern gleitet ab beginn der 1980er-jahre aus zwei perspektiven hinein ins geschehen. da wären zum einen die westberliner, die sich nach abebben der hausbesetzer-bewegung und fehlenden musikalischen glanzlichtern in punk, industrial und new wave in lethargie erging, die als „berliner krankheit“ bekannt wurde. zum anderen die ostberliner um wolle xdp und johnnie stieler, entweder im breakdance oder im punk verwurzelt, was gleichermaßen ungern gesehen war.
anschließend der grundstein mit acid house im westteil mit der turbine und dem ufo, bevor man zur ersten loveparade und der gründung des hardwax kommt. ostberlin wird via radio vom neuen sound infiziert, zeigt sich zwar bei der maueröffnung ernüchtert vom einheitstaumel, jedoch umso begeisterter von den ersten zarten blüten, die das neue nachtleben so treibt.
von da an reicht es, den rest in schlagworte zu fassen: tekknozid, dt64, die loveparade 1991, mayday, planet, frontpage, somewhere over the rainbow usw. usf.

sämtliche beteiligte lassen es nicht an detailreichtum fehlen. so wird man die entdeckung und herrichtung des tresors in der leipziger straße nirgendwo sonst so ausführlich dargestellt bekommen (nicht mal in der subberlin-dokumentation). die querelen zwischen wolle xdp / tekknozid und low spirit / mayday werden ebenfalls skizziert, jedoch leider nicht die hintergründe, weshalb monika dietl bei der umstrukturierung des programms von radio 4u gegenüber marusha die kürzere ziehen musste (was jedoch bei tanith einerseits hier und andererseits da nachzulesen ist).
dazu die geschichten um das e-werk, einerseits faszinierend (wenn man bedenkt, dass bereits 1991 dort unter bedingungen gefeiert wurde, die der bauaufsicht mehr als ein dorn im auge gewesen wären), andererseits erschreckend, was dessen attraktivität für das organisierte verbrechen angeht. auch der bunker kommt als gegenpol – und keimzelle des späteren ostguts und heutigen berghains – nicht zu kurz. was die kudamm-zeiten der frontpage angeht, sind die stories um jl ein gutes beispiel dessen, was im techno richtig und schief zugleich gelaufen ist.

das große verdienst des buches ist zweierlei:
erstens hat es die gefahr der nachträglichen verklärung der geschichte wunderbar umschifft. alleine die anzahl der beteiligten fördert so eine vielzahl an perspektiven zutage, dass dem leser keine in stein gemeißelte version der geschehnisse vorgesetzt wird. der wird sich stattdessen denken, dass die wahrheit irgendwo dazwischen liegen wird oder (naheliegender) noch mehr stimmen dazu hören wollen. äußerst lobenswert ist, wie ungeschönt die aussagen in bezug auf den eigenen drogenkonsum oder die schattenseiten des zur oberflächlichkeit neigenden nachtlebens sind. so ist eine authentische darstellung techno-berlins bis zur mitte der 1990er-jahre zustande gekommen, die erzählungen derjenigen vereint, auf die man auch heute noch hier und dort treffen kann. aber ehe diese in die missliche lage kommen, ihre geschichten von früher wieder und wieder erzählen zu müssen, können sie jetzt einfach auf das buch verweisen.
zweitens ist die einbettung der entwicklung der szene in den (musik-)historischen zusammenhang des noch getrennten berlins und überhaupt der gesamte dramaturgische aufbau (inklusive des exkurses zu den detroitern) nicht weniger als beispielhaft. dabei kommt den autoren auch zugute, dass die szene zumindest in den anfangsjahren noch äußerst überschaubar war und erst die kommerzialisierung ihren teil dazu beitrug, dass sich absplitterungen bildeten, die nachträglich nur schwer zu rekonstruieren sind. als kritikpunkte fielen mir ein, weshalb das wmf eigentlich nirgendwo erwähnt wird, da dies trotz mehrmaligem umzugs eine der ersten adressen war. ebenso das elektro, welches sich zwischen tresor und e-werk befand. apropos e-werk: da fehlt woody als einer der residents. allerdings kann man auch die frage stellen, wieviele clubs und protagonisten man ins boot holen kann, so dass der lesefluss nicht leidet.

wird das buch dem aktuellen hype darum gerecht? eindeutig mehr als das. mal abgesehen von den geschilderten kleinen makeln hat man es meiner meinung nach schon jetzt mit einem standardwerk zu tun, welches die grundlagen dessen, was tobias rapp beschreibt, in äußerst lebendiger form präsentiert. während bei ihm viele fragen zum stand der dinge beantwortet werden, ist „der klang der familie“ die gebündelte form von dessen ursprüngen, die man eines tages den (enkel-)kindern in die hand drücken kann.
spannender kann techno-geschichte nicht sein. ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal ein buch dermaßen verschlungen habe. den beiden autoren gebührt für ihre mühe höchster respekt und dank, ich hoffe stark auf eine fortsetzung.

[berlin / 14.04.2012] berghain: klubnacht

die dj-premiere von adam x, dazu noch orphx über die funktion one, und marcel dettmann habe ich eine halbe ewigkeit nicht mehr gehört. vielleicht funken auch die damen und herren von moustache in der panorama bar dazwischen. ich werde jedenfalls so gegen 3 uhr hingehen.

klubnacht

berghain
00h00-04h00: fiedel
04h00-05h00: orphx live
05h00-08h00: adam x
08h00-11h00: marcel dettmann
11h00-ende: mike parker

panorama bar
00h00-03h30: pametex dj
03h30-04h30: gesloten cirkel live
04h30-07h00: david vunk
07h00-11h00: steffi
11h00-15h00: dinky
15h00-19h00: prosumer
19h00-ende: shonky & dan ghenacia

eintritt
12 euro

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killekill podcast #5

snuff crew, neil landstrumm, carl a. finlow, bill youngman, und nun ich. gute gesellschaft, will ich meinen.
grundlage ist ein mitschnitt des sets der acid ist fertig aus dem suicide vom 4. november 2011 vor woody mcbride. dabei handelt es sich um den für meine begriffe am besten gelungenen teil, bei dem ich – jetzt kann ich’s ja sagen – im nachhinein noch etwas herumeditiert und umgestellt habe (beispielsweise kam der rude-66-track vor herrn villalobos). so wie es jetzt ist, passt es weitaus besser.
acid tritt an sich erst ab der zweiten hälfte in erscheinung. aber wer hier regelmäßig mitliest, wird eh wissen, dass ich den anfang (sprich: sich noch füllende tanzflächen) für ausflüge zu den tracks nutze, die ich daheim nie so laut hören könnte. deshalb ist auch dank loefah einer der dmz-referenztracks dabei.
bevor jemand hier die katze im sack kauft: die tracklist steht bei soundcloud und ein (ehrenwort!) nicht von mir geschriebener intro-text dazu.