[berlin / 16.07.2022] berghain: klubnacht

dies ist ein teil von nachbetrachtungen, die ich in der restrealitaet verfasst habe und nun hier herüberkopiere. das datum des postings datiere ich auf den jeweiligen clubbesuch zurück.

klubnacht

berghain
00h00 rifts
04h00 boston 168 live
05h30 daria kolosova
09h30 marrøn
13h30 fadi mohem
17h30 jakojako
21h30 lag
01h30 fiedel

panorama bar
00h00 stathis
04h00 naty seres
08h00 i. jordan
12h00 tijana t
16h00 gerd janson
20h00 fred p
00h00 cromby

nachbetrachtung

marrøn war echt gut bzw. hat meinen ersteindruck vom märz bestätigt. bin irgendwie erleichtert, dass leute noch schnell spielen können (hab gegen set-ende mal aus neugierde getappt und war wegen der 147 bpm schon überrascht), ohne dass sie dabei in die verlegenheit kommen, das mit den derzeit gängigen überbordenden rave-elementen zu garnieren. er hingegen schnörkellos, trocken, arbeiten mit tools und perkussion. passte damit blendend zu meiner tresor-sozialisation. shazam hat leider in einer tour versagt (übrigens auch später bei fadi mohem, als es abwechselnd „better off alone“ von alice deejay und „cafe del mar“ von energy 52 vorgeschlagen hat – ja nee, is‘ klar. lief nicht mal ironisch.), so dass ich die paar fundstücke gerade nicht erfolgreich verifizieren konnte.
für ort und uhrzeit schon sehr fordernd, aber die volle tanzfläche hat ihm recht gegeben.

fadi mohem hatte mich am pfingstmontag nicht so abholen können und im direkten vergleich zu marrøn kann ich jetzt wenigstens auch den finger darauf legen, wenn auch jammern auf hohem niveau. anhand seiner hör-sets habe ich mich schon als fan deklariert und dabei die tatsache vernachlässigt, dass die eine stunde jeweils immer nur einen ausschnitt repräsentiert. in der kurzen zeit ist es verständlich, sich auf einen stil festzulegen, ehe das zu wirr bzw. zu unkohärent wirkt.
sowohl bei hör als auch im berghain: seine technik ist grandios. ähnlich wie bei marrøn auch: ein tool reicht sich ans nächste, aber mit minutenlangem tadellosen mixing. weshalb ich marrøn jedoch eine nasenlänge voraus sehe: selbst in der auswahl trockener tracks lassen sich variationen finden: andere perkussive patterns, andere kickdrums, damit mehr dynamik.
bei fadi mohem wirkten die tracks in der ersten hälfte für mich so, als ob (wie bei ben klock auch) eine 909 mit einem programmierten pattern eingeschaltet wird, das nur geringfügig variiert und konstant das tempo hält. sprich: die hör-sets in ausgedehnter form. wie gesagt: müssen djs technisch erstmal hinkriegen, dass das über stunden so wie aus einem guss wirkt und die sounds der tracks im mixing auch super ineinandergreifen. aber mir fehlte in der ersten hälfte etwas unterhalb der trockenen kicks, was die funktion one ohne probleme transportieren könnte: basslines, subbass – irgendetwas, das die dynamik noch anheizt oder auch wieder herausnimmt, um später wieder zurückzukehren. bin da wahrscheinlich durch das, was von der insel in den letzten zweieinhalb jahrzehnten herüberschwappte, zu verwöhnt.
wie auch immer: ist sein stil bzw. markenzeichen. daran kann mensch sich auch anpassen bzw. alternativ auch einfach mal eine etage höher gehen. die zweite hälfte seines sets fand ich richtig gut, so als ob er auf das finale hingearbeitet hat (das wunderbare „transition“ von underground resistance).

jakojako fordernd-dubbig, längst nicht so melodisch, wie es ihre produktionen vermuten lassen. gerd janson melodisch-housig, aber auch mit dem breakbeat-sommerhit 2021: „so u kno“ von overmono.

apropos „breakbeats“ und „jammern auf hohem niveau“: nach gut zehn stunden gefühltem durchmarschieren im berghain dachte ich mir schon, dass es jetzt doch mal ganz nett wäre, wenn jemensch wenigstens etwas mit unterbrochener 4/4-kick spielt. da lag auf mord für mich in der hinsicht bisher meistens positiv herausstach (sonst zitiere ich das gerne als beispiel eines labels mit zuweilen zu stumpfen tracks), war ich neugierig. der beginn seines sets verhieß mit electro auch etwas in dieser art und bei dem ctrls-track (siehe unten) ließen meine endorphine mich denken, dass das in der form auch gerne bis mitternacht weitergehen könnte. es blieb jedoch nur bei dieser verheißung – der wechsel ins 4/4-fach folgte prompt. zwar mit schönen brettern wie „death before surrender“ von surgeon (normalerweise ein signature-track von pete, den ich im line-up der letzten monate allerdings ziemlich vermisse – wohlwissend, dass er im juni gemeinsam mit soundstream im garten spielte), „dungeon“ von luke slater (als p.a.s.) oder (angeteasert) „pride (it’s time)“ von jay denham. gab auch noch eine 140-bpm-bootleg-version von „dub be good to me“ von beats international.
wie so häufig hätte ich mir mehr mut zum risiko gewünscht. hatte nicht den eindruck, dass er das publikum anfangs überfordert hat. andererseits war’s auch das dilemma des prestigeträchtigen slots, wonach mensch der*m letzten dj nicht unbedingt eine halbleere tanzfläche übergeben möchte.

fred p erst vocal-, dann bassline-lastig. da machte das zuhören laune. liegt an mir bzw. der schwindenden kondition, dass es andere kaliber gebraucht hätte, um mich zu der zeit noch nachhaltig auf die tanzfläche zu schicken.

trotz gelebter geradlinigkeit unten: ein echt guter sonntag. trotz stets hohem füllgrad unten gute vibes, endlich prominent platzierte „take care of yourself and your friends“-plakate (vorschlag zur wortwahl: „… and the people around you“ statt der „friends“ – gibt immer noch genügend leute, die entweder alleine hingehen oder ihre peer-group nicht immer um sich haben). immer noch keine direkte ansprache seitens des personals, wohin mensch sich nach unangenehmen situationen wenden kann.

trackauswahl (*: shazam)

fadi mohem
rene wise – tizer*
surgeon – magneze
diego amura – femmena part.4*
dj deeon – r u sure* (shazamed, obwohl ich die nummer habe – hallo beginnende senilität…)
heiko laux – re-televised (original 1998 version)*
ur – transition (das finale)

jakojako
arthur robert – relentless*
rove ranger – the star masters*

lag
ctrls – concept 7*
planetary assault systems – dungeon
surgeon – death before surrender
jay denham – pride (it’s time)

[berlin / 05.03.2022] berghain: klubnacht

dies ist ein teil von nachbetrachtungen, die ich in der restrealitaet verfasst habe und nun hier herüberkopiere. das datum des postings datiere ich auf den jeweiligen clubbesuch zurück.

klubnacht

berghain
00h00 luigi di venere
04h30 tobias. live
05h30 jakojako
09h00 marrøn
13h00 naty seres
17h00 dr. rubinstein
21h00 ellen allien
01h00 fiedel

panorama bar
00h00 gwenan
04h00 fantastic man
08h00 dj fart in the club
12h00 idjut boys
16h00 david elimelech
20h00 lakuti
00h00 cromby

nachbetrachtung (aus verschiedenen restrealitaets-postings zusammengesetzt – daher inklusive zeitstempel)

10h39
musikalisch tatsächlich jetzt schon schwierig, sich entscheiden zu müssen. fart in the club wie immer souverän zwischen breaks und acid house, aber vor halbvoller tanzfläche. marrøn schnörkellos-trocken, arbeitet jedoch sehr gut mit sehr tooligen tracks – gefällt mir. unten ist’s in jedem fall gut gefüllt und die toilettensituation eines sonntags bereits jetzt angemessen. wenn die alle mal den weg nach oben fänden…

14h31
naty seres stellenweise ravig („kisloty people“ von schacke, aber auch shadowax), die idjut boys fühlten sich nach fart in the club (die zum schluss glücklicherweise eine gut gefüllte tanzfläche vor sich hatte) wie das herunterschalten vom fünften in den dritten gang an, geht aber beides angesichts der uhrzeit klar. kommt mir etwas wie das durchatmen vor dem abend vor.

16h40
status berghain: „camera’s ready, prepare the flash“

21h44
berghain heute klarer publikumsfavorit, ging aber auch schnurstracks nach vorne. dr. rubinstein stellenweise erstaunlich flott jenseits der 135 unterwegs. meine, einige der tracks aus ihrem letzten hör-set wiedererkannt zu haben.
gibt auch dicke bonuspunkte für mobys „thousand“ als letzten track. die kann ich ellen direkt wieder abziehen, die wohl ihre gründe dafür hatte, dieses monstrum, dem ich auf der funktion one immer mal begegnen wollte, vorzeitig auszufaden. ohne not übrigens – es war gegen 20:57 uhr. wie auch immer: die meute wird bei jetzt sonntagabendüblicher fülle wohl ihre freude an ihrem set haben. mein fall ist das in den ersten zügen weniger.

überraschung für mich oben: lakuti. vor jahren das letzte mal gehört, damals noch mit vinyl und interessanter auswahl, leider technisch ziemlich ins schwimmen geratend. nun mit cdjs auf sync gesetzt, rotary-mixer mit richtig schön gesetzten akzenten dazwischen – schon passt der flow und der vibe.

david elimelech wie die letzten male, die ich ihn hörte, mit klarer chicago-tendenz – also trax und konsorten. musste nach den idjut boys etwas wiederaufbauarbeit leisten, die sich in der zeit, in der ich bei ihnen war, mehr auf das kuratieren von einzelnen tracks als auf’s mixen konzentrierten.

unter’m strich eine für mich voll runde sache heute. stemple mich damit aus.