[berlin / 17.04.2026] berghain: reef – 10 years

und der nächste stammtermin, von dem aber jetzt schon die endlichkeit klar ist. nach zehn jahren hat darwin entschieden, sich mit der abyss lieber der soundsystem-kultur zu widmen. was einerseits ein weinendes auge bei mir bedeutet, das den vibe der reef gerne noch mindestens genauso lange genossen hätte. andererseits finde ich es sehr konsequent, dieses jubiläum als schlusspunkt zu nehmen, während sich die reihe noch auf dem höhenflug befindet. behält mensch so in guter erinnerung und ist eventuell ausgangspunkt für die jüngeren, daran anzuknüpfen. ich kann mir zudem durchaus vorstellen, dass die organisation von drei partys (plus wenigstens zwei, was die abyss angeht) pro jahr neben dj-gigs, labelarbeit und vielleicht etwas leben abseits von dem ganzen clubtrubel auf dauer an die substanz gegangen wäre.

damit endgültig zum lachenden auge: die feierlichkeiten bzw. der countdown starten mit einem angebot aus dem bilderbuch.

reef

berghain

23:30 marylou
02:00 skee mask
04:00 carrier
06:00 esposito

panorama bar

22:00 calibre
01:00 darwin
03:00 siete catorce
05:00 rp boo
07:00 dangermami

fazit

natürlich die beste reef seit der letzten. mit dem wermutstropfen, dass es zwischendurch (1:30 uhr bis 4:30 uhr) so voll wie an einem waschechten sonntagabend war. die schlangensituation hätte besser gehandhabt werden müssen.
musikalisch nichts zu meckern. hierbei ist das berghain für mich klarer gewinner mit wenigstens sehr guten bis hervorragenden sets. skee mask hat dort einfach mal abgerissen, alle anderen landen im foto-finish auf platz zwei, jede*r auf seine*ihre art und weise super.

nachbetrachtung

rein: 22:45 uhr
raus: 9:15 uhr

hauptkritikpunkt

der umgang mit der schlangensituation sowie füllgrad.

mag sein, dass dieser andrang eine ausnahme anlässlich des zehnjährigen reef-jubiläums und dem nahenden ende der reihe war. mit zwei weiteren ausgaben vor augen mache ich mir keine illusionen, dass es dabei entspannt zugehen wird. bei der zwischen 1:30 uhr und 4:30 herrschenden fülle, die mit sonntagabenden inklusive begleiterscheinungen vergleichbar war, ist eines der hauptqualitätsmerkmale der reihe etwas in schieflage geraten. hierbei bin ich mir nicht sicher, ob das veranstalter*innenseitig so beabsichtigt war. relativierend und in erster linie auf das berghain bezogen, weil ich da wieder mal zu 90% meine zeit verbracht habe: waren die zwei, drei stunden unangenehmen füllgrads überstanden, wurde mensch mit dem gewohnt schönen standard belohnt.

meine kritik am umgang mit der schlangensituation richtet sich in erster linie ans berghain: die reef war seit gut einer woche ausverkauft, insofern bestand klarheit über die anzahl an verkauften tickets. zudem war schon länger bekannt, dass calibre als einer der headliner zu beginn gesetzt ist, ergo war ein frühes besucher*innenaufkommen zu erwarten.
es wurde mit zwei schlangen gearbeitet. von deren aufteilung wusste mensch aber auch nur, sobald mensch vom wriezener karree aus ankam, weil das entsprechende schild nur auf höhe der gitter stand. diejenigen, die sich vom park aus näherten (zwar nicht der großteil, aber auch nicht wenige) rieten erstmal drauflos, welche schlange wozu gehörte oder nahmen an, dass die übliche prozedur greift: die schlange zum kiosk für abendkasse / tickets, die schlange zum garten / park für gästeliste.
der ansatz war dieses mal jedoch umgekehrt zu sonst: die schlange richtung kiosk war ticketinhaber*innen vorbehalten, rechts von der tür am club entlang richtung park eine schlange für abendkasse und gästeliste zugleich. manche vom park aus kommenden (und somit unwissenden über die aufteilung) stellten sich mit tickets einfach in die kombischlange für abendkasse und gästeliste.
nach öffnung der tore wurden zunächst die tickets abgearbeitet und leute mit gästelistenplatz wohl unruhig. also bildete sich parallel zur abendkassen- noch die gästelistenschlange. alle jetzt drei schlangen wurden reihum proportional abgearbeitet. hat den vorgang nicht unbedingt beschleunigt, so dass ticketinhaber*innen, die sich gegen 23 uhr bei der dafür vorgesehenen schlange auf höhe des kiosk angestellt haben, eine stunde wartezeit einplanen durften. auf reddit las ich sogar von mehr.
mit den im laufe von mehr als 20 jahren bei clubgeburtstagen, labelnächten, snax und nicht zuletzt silvester gesammelten erfahrungen bin ich erstaunt darüber, dass dem nicht systematischer begegnet worden ist bzw. wird. manch klubnacht-sonntag der letzten jahre hatte einen ähnlichen andrang und die saison läuft nach dem winter jetzt wieder an. es wäre also höchste zeit für eine nachhaltige lösung, welche freitags ticketinhaber*innen und sonntags die leute beim wiedereinlass nicht benachteiligt. wohlwissend, dass die finanzielle situation für keinen club momentan die rosigste ist und es daher auf der hand liegt, dass leute bevorzugt werden, die frisch ankommend den vollen eintritt zahlen: es nagt gewaltig an der positiven erfahrung, sobald mensch sich drinnen nur herumzuschieben beginnt. an mir ist zwar absolut kein betriebswirt verloren gegangen, aber evtl. wäre es ein gangbarer weg, den eintrittspreis wieder auf 25 euro zu reduzieren und dafür den für den wiedereintritt auf 10 euro zu erhöhen. dafür aber auch sonntags klare priorität auf die schlange beim wiedereinlass zu legen. wenn leute schon auf ihre innere uhr achten anstatt sie mit hilfsmittelchen zu umgehen, sollte das belohnt werden.

der versuch eines konstruktiven vorschlags, inklusive utopie-bonustrack: wenn sich bei den vorzeichen im ticketverkauf so ein andrang abzeichnet und nur der haupteingang zur verfügung steht, kann gerne mit dem ist-zustand der drei schlangen gearbeitet werden – nur verfeinert. also weiterhin: hauptschlange richtung kiosk für tickets, am berghain entlang richtung park die für die abendkasse, davor eine für die gästeliste (mit entsprechenden schlängelnd aufgestellten gittern, idealerweise stehen da zumeist die wenigsten). schilder an mehreren punkten aufstellen: vorne am kiosk und nochmal entlang des weges sowie an der rechten ecke des clubs auf höhe der skulptur. macht das ganze für alle etwas transparenter und organisierter.
dazu bei ähnlichem andrang erstmal ausschließlich die ticket- sowie gästelistenschlange abarbeiten. letzteres lief trotz spontan entstandener separater gästelistenschlange gut, weil eine person von der tür abgestellt war, welche die namen abhakte. und so darwinistisch und damit unfair es auch ist: die abendkassenschlange erst dann drankommen lassen, wenn alle anderen schlangen (oder zumindest eine der beiden anderen) abgearbeitet worden sind. die staute sich bereits bis zum park, als ich fast drin war.
die utopie-variante, womit ich aber beim allseits präsenten personalmangel und den damit verbundenen kosten als begrenzendem faktor lande: den eingang links vom haupteingang (mittlerweile die option für die donnerstage in der säule) hinzunehmen. zunächst ausschließlich für die gästeliste, nachrangig als entlastungseingang für ticketinhaber*innen, sofern niemensch an der listenschlange steht. benötigt jedoch zwei zusätzliche leute für den bodycheck, die sich wiederum mit denen am haupteingang abwechseln können, sobald der große ansturm vorbei ist und der linke eingang geschlossen werden kann.
noch eine alternative, bekannt aus den niederlanden: tickets für zeitfensterbasierten einlass verkaufen, dann aber auch sicherstellen, dass das pünktlich genug abgearbeitet werden kann.

bei allen bekannten negativen begleiterscheinungen (wenig platz auf der tanzfläche bei skee mask, inklusive sich über weiß-der-geier-was unterhaltende leute im umkreis des hinteren rechten boxenturms, damit die mir bekannte reizüberflutung, genervtheit auf teile der menschheit etc.) gab es allerdings auch positives:
erstens gönne ich der reef diesen ansturm – zeigt es doch, dass der bedarf für partys mit schwerpunkt auf bass music gegeben ist (was nachfolgende veranstalter*innen hoffentlich motiviert). die zaungäste hätte es nicht gebraucht, allerdings waren die ab 4:30 uhr weg.
zweitens: die vorherig für einen freitag bzw. die reef überproportionale fülle führte dazu, dass der von manchen ausgaben im letzten und vorletzten jahr bekannte abwärtsknick bei der besucher*innenanzahl wesentlich milder ausfiel. für mich herrschte danach der für mich ideale füllgrad und die großartige stimmung tat ihr übriges.
heißt: rp boo konnte nach 6:00 uhr oben eine immer noch gut dreiviertelvolle tanzfläche bestens unterhalten und esposito unten um kurz nach 9:00 uhr feierabend machen. selbst da war das berghain noch halbvoll und ich bereits ansatzweise sentimental, weil standesgemäß zum ende nochmal mit das beste des abends läuft und mir an dem morgen klar wurde, dass das im rahmen der reef nicht mehr sonderlich häufig gehen wird (sprich: sie beginnt schon jetzt, mir zu fehlen).

musikalisches

aufgrund des (erwartbaren) ansturms hielt calibre sich oben bereits um 23 uhr nicht mit ambient auf, wobei ich neugierig auf die tracks seines neuen albums gewesen wäre. sein set war zu dem zeitpunkt richtiggehend housig und er eine halbe stunde später bereits bei breakbeats angelangt.

kurz nach 23:30 uhr mein blick vom hinteren ende der tanzfläche der panorama bar richtung gang zum berghain. feststellen, dass leute von dort nicht zurückkommen. um die ecke schauen, gewissheit haben, dass bereits eine halbe stunde früher geöffnet worden ist. also ab nach unten und aus gründen musikalischen hochgenusses erst vier stunden später kurz zu siete catorce hochschauen (womit ich leider darwin verpasst habe).

marylou hat für mich gefühlt calibre etwas die butter vom brot genommen, indem sie die hoffnung auf ambient und einen gemächlichen start in den abend eingelöst hat. sie hatte bei mir bereits bei der abyss im mahalla letzten september einen sehr guten eindruck hinterlassen und den nochmal gefestigt. da fand vieles abseits bekannter stilistischer pfade statt – mit einer menge drones zu beginn, auch dubstep über weite strecken, techno der langsameren sorte, wie er auch anno 2010 sonntags gepasst hätte. bewusst provozierte brüche für tempiwechsel, in der letzten stunde nicht immer technisch sicher. aber das ist bei der auswahl zu verschmerzen. inhaltlich durchgängig anspruchsvoll, tolle besetzung für den slot.
skee mask betrieb stilistische anarchie und hat damit so gespielt, wie er mich seinerzeit im sturm erobert hat. in der ersten halben stunde schon mal garage, dubstep, techno und grime durchkonjugiert, dabei keine sekunde den flow aus den augen verloren. auch er mit gewollten brüchen durch abstraktion, die er aber umgehend mit brachialität kombinierte, was die tanzfläche im handumdrehen wieder in schwung brachte. ja, beinhaltete auch techno, aber das als eine option unter vielen. da ich mich gerne wiederhole: schlicht und ergreifend einer der besten, die mensch sich aktuell zu gemüte führen kann.
carrier zweigeteilt: erste hälfte im technoiden tempo, dabei stets mit anderthalb beinen in der abstraktion, genügend raum für nachhall (und damit perfekt für die raumakustik), noch mehr für bass, dabei dennoch minimal. ich dachte zunächst, dass das nach dem feuern aus allen rohren bei skee mask einen ganz schönen dämpfer beim publikum verursachen würde. aber dabei blieben halt diejenigen geduldig, die das reef-publikum so auszeichnen. in meinem überschwang (bin großer fan seiner produktionen) würde ich sowas zu gerne sonntags für vier stunden hören – alleine weil dieser hybrid aus techno, electronica, bass und minimalismus sich für mich nie abnutzt und im dschungel an austauschbaren big-room-tracks zeigt, wie techno heuer wieder frisch klingen kann. kurz nach 5:00 uhr dann „ufo“ von photek, womit die drum&bass-phase des abends eingeläutet war, was (wie zu erwarten) seine wirkung nicht verfehlt hat.

meine abstecher zur panorama bar fielen entsprechend kurz aus. zu siete catorce kann ich daher leider nichts fundiertes sagen. wenn es kuduro war, hat es mir in dem kurzen abschnitt besser gefallen als dj marfox beim strom festival neulich.
rp boo mit dem, was mich an footwork mitreißt (dick komprimierte 808-bassdrums und repetitive, zum teil gegen das taktmaß gebürstete raps), aber auch nervt (tracks mit viel melodien und vocals). war aber eine große freude, das publikum dabei abgehen zu sehen. dangermami hat im anschluss gleich mal in dem tempo um die 160 bpm weitergemacht und konnte die leute damit auch halten. nur war ich nach 9:00 uhr dafür einfach nicht mehr fit genug.

womit ich esposito nicht unter den tisch fallen lassen möchte. dabei kann ich vorherigen nachlesen aber nichts substantielles hinzufügen: er braucht seine fähigkeiten als reef-resident nicht weiter unter beweis stellen – mensch weiß einfach, dass es gut wird. bis auf den schluss konsequent mit drum&bass, stellenweise härter als bei ihm üblich, aber das stand ihm erstens gut und hat zweitens auch einfach mal bestens funktioniert.

notierte tracks

calibre

calibre – run tun

marylou

the mount fuji doomjazz corporation – space
mai mai mai – grief (feat. maya al khaldi)
king vision ultra – please leave (nu surveillance state gentrifier tears)
trois-quarts taxi system – rat’s coat
the oo-ray – floe
moor mother – the myth hold weight
sentient – swsl
new.com – nanno
sentient – downcast (feat. nightlife)
caïn و muchi – maqlab
winsome – tab
low end activist – hope trilogy (feat. lloyd fears)
draamakuu – pitti
shackleton – the past awakening
deadbeat – brick stick blick blade (anger ii)
feral – totem
em + stav – signal glint
tmsv – dimensional
simo cell & abdullah miniawy – the dala effect
gyrofield – bolete
devon rexi & john t. gast – mashrub
le motel – raving crew
t5umut5umu – fireball
atsushi izumi & fatwires – ga
dbridge – digital dread
daboor – fi ta5 (nakano blu edit)
delta – potion delight
goth-trad – babylon fall (feat. max romeo)
substrada – shade’s form
hojo – dojo
re:ni – playplax
moor mother – south sea (feat. sistazz of the nitty gritty) (zum schluss)

skee mask

regina leather – comunicazione uno
terror danjah – green street
rian treanor & cara tolmie – out of
mystry – impulse
darqwan – disaster
skee mask – slow music
dizzee rascal – i luv you
mala – explorer
logos – zoned in
michael fakesch – rand va
schulverweis – hollywood
sophie – unisil
drexciya – digital tsunami
we – magnesium flares

carrier

seph – ráfagas
yogg – don’t you
photek – ufo
yogg – it’s always seven
emily jeanne – count me out (d.k. remix)
marco shuttle – sumud
boymerang – lazarus

rp boo

dj clent – back seat hoe
dj slugo – godzilla

esposito

future prophecies – fire
loxy & resound – tyranny
q project – champion sound (bad company remix)
mako – a break from ritual
roni size / reprazent – brown paper bag
goldie – hyena 1
everything but the girl – single (photek remix)
massive attack & mos def – i against i
my favorite robot – barricade (photek remix) (abschlusstrack)

dangermami

false persona – cradled
toma kami – immature cheddar

[wuppertal / 05.04.2025] open ground: extended clubnight

auf den termin habe ich seit januar geschielt und mache nägel mit köpfen – unter der bedingung, dass mit dem flug aus barcelona alles klappt.

extended clubnight

freifeld
19:00 elke
20:30 calibre
22:00 klaus
23:30 sp:mc
01:30 calibre*
03:30 doc scott*
*: mit sp:mc als mc

annex
23:00 elke
01:00 klaus

nachbetrachtung

(die zeiten sind etwas glattgezogen)
rein: 19:30 uhr
raus: 2:30 uhr

und obwohl mein früher aufbruch anderes vermuten lässt: das war hervorragend und hat für die im ersten quartal nicht stattfindende reef mehr als entschädigt.

mein nach berlin-standards früher aufbruch lag mitnichten an mangelnder stimmung oder enttäuschten musikalischen hoffnungen. das wurde alles übererfüllt. viemehr lag es daran, dass mein flug von barcelona nach düsseldorf am samstagmorgen um 9:30 uhr ging. auf reisen bin ich lieber pünktlich an bahnhöfen oder flughäfen und deshalb in der nacht zuvor so unruhig, dass es nur zu etappenweisem schlaf reicht. heißt im klartext, dass ich zur zeit meines aufbruchs aus dem open ground fast 22 stunden wach war, nachdem ich in der nacht zuvor vielleicht drei, vier stunden und nachmittags im hotel eine halbe bis eine stunde schlaf abbekommen hatte. da mir selbst im wachen zustand nicht so der sinn nach menschenmassen steht und ich auch keine lust auf taktieren habe, an welchem ende der tanzfläche ich am ungestörtesten bin, war der aufbruch für mich nach sieben stunden im club völlig vertretbar. das flemings hotel in fußläufiger nähe bietet den standardmäßigen check-out um 12 uhr an, insofern war schlaf die beste alternative bis zur zugabfahrt gegen 11:15 uhr.

zu dem einen haar in der suppe: musikalisch hätte es für mich mehr sinn ergeben, die slots von elke und calibre im freifeld zu tauschen, weil er in der ersten stunde seines ersten sets konsequent ambient spielte (und das sehr gekonnt), elke jedoch durchaus abstrakt und dabei tanzbar. das hätte mit klaus im anschluss besser gepasst, der mit tracks aus seiner feder hin zu freejazz, dub, dancehall, hip hop und post-dubstep eine beispielhafte dramaturgie hingelegt hat. zwar war calibre in der letzten halben stunde seines ersten sets auch beinahe housig mit bass-schlagseite unterwegs, passte also auch. aber so blieb der eindruck, dass sowohl elke als auch calibre den abend für sich jeweils neu aufgebaut haben.
das ist jedoch jammern auf verdammt hohem niveau. ich war vielmehr erstaunt über die geduld des publikums, das wahrscheinlich weitestgehend den beipackzettel zur party gelesen hatte. das freifeld war jedenfalls beim ersten calibre-set schon gut halbvoll, ohne dass irgendwer dort anstalten machte, mehr partytaugliches fordern zu wollen.
das konzept ging an dem abend ergo völlig auf. bereits bei sp:mc war’s auf dem freifeld schon ordentlich voll. noch dazu setzte er konsequent auf garage, was nur was für mich ist, wenn die tracks etwas rauher sind. den leuten gefiel’s, also liegt’s eher an meinen präferenzen. ich fand mich in der zeit bei elke besser aufgehoben und ihn als mc bei calibre im anschluss super. da brannte die hütte mit drum&bass und nur in der hintersten ecke auf der bühne war noch platz, ohne dass ich mich vom durchgangsverkehr genervt gefühlt hätte. auch am eingang zum freifeld standen ein paar leute herum, die sich den hochbetrieb auf der tanzfläche nicht antun wollten. das tat der ausgelassenen, positiven stimmung jedoch keinen abbruch – leute forderten rewinds und bekamen sie. für mich haben anlage und raum im einklang mit der musik auf dem freifeld völlig ihre qualitäten ausgespielt. die räumlichkeit wurde mir insbesondere in den ersten vier stunden einmal mehr deutlich, die transparenz kam noch obendrauf und die bassfrequenzen hallen an unterschiedlichen stellen im körper wider.
den annex habe ich mir nach den beschreibungen als floor kleiner vorgestellt, aber der schlauch zieht sich bis ans ende der lobby und bietet locker platz für 200 leute. sowohl elke als auch klaus dort mit dubstep, wenn mensch das großzügig definiert. hätte ich auch schön gefunden, wenn das auf dem freifeld gelaufen wäre, aber das ergibt sich irgendwann mal sicherlich. das licht dort jedenfalls sehr spärlich, die bar kann durchaus zum nadelöhr werden, und obwohl der floor soundtechnisch nicht so üppig wie das freifeld ausgestattet ist, wirkt er nicht stiefmütterlich. die für’s open ground typischen absorber sind auch dort an den wänden verbaut und die zu beschallende fläche um einiges kleiner als im freifeld, so dass auch schon weniger viel hilft.

womit ich bei der betrachtung des open ground als club an sich angekommen wäre, wo es bei mir aufgrund der distanz (und zugegebenermaßen: auch bequemlichkeit) nur zu seltenen momentaufnahmen kommt. ich habe mir nach dem samstag jedoch vorgenommen, mir den club wenigstens halbjährlich mal anzuschauen und ertappe mich auch dabei, wie ich deren website quasi täglich auf neue termine aktualisiere.
um etwas selbstreferentiell zu werden: in der nachbetrachtung meines ersten besuchs hatte ich bemängelt, dass die termine zu kurzfristig bekannt gegeben werden (mitte märz 2024 wusste mensch nur für die nächsten fünf wochen bescheid). das hat sich stark verbessert: am heutigen 7. april 2025 kann mensch bis ende mai 2025 planen. und sogar zwei juni-dates stehen fest: darunter am 14. juni mit der abyss als reef-ableger ein weiteres gefundenes fressen für bassliebhaber*innen, wo ich aller voraussicht nach leider nicht kann. und das wird der erste weekender bis in den sonntag hinein, was eine sehr mutige ansage ist. auch der calibre-termin stand seit januar fest und machte den connaisseur*innen den mund wässrig. da wird die social-media-präsenz sowie die vorarbeit von ihm und künstlerisch artverwandten acts auch hineingespielt haben. diese kombination hat offensichtlich sehr gut funktioniert und auch ein internationales publikum angesprochen – ich habe jedenfalls einige leute englisch und holländisch reden hören.
bei techno-bookings wird ähnlich verfahren: kaliber wie dvs1 oder freddy k sind auch im ruhrgebiet sichere treffer, wurden mehrere wochen im voraus als headliner bekannt gegeben und haben den club im vergangenen jahr laut reddit-postings sehr gut gefüllt. letzterer bestreitet ende mai sein erstes marathon-set im freifeld – zugleich gibt’s 20 jahre tectonic im annex. das steht seit wenigstens mitte märz auf der website und erleichtert die vorausplanung über zwei monate ungemein. die techno-bookings als sichere bank an den meisten der wochenenden spülen die leute in den club – mit einer bass-music nacht im direkten vergleich merkt mensch, wofür ort und anlage eigentlich ausgelegt sind. beides folgt nach wie vor hohen standards, die ich vor einem guten jahr als etwas schulmeisterisch bezeichnet habe, jedoch im positiven sinne für eine gewisse sturheit der macher*innen spricht: erstmal das angebot mit hoher qualität zu machen und darauf vertrauen, dass sich die einlösung dieser versprechen auch herumspricht.
ein weiterer punkt, der für die klare linie beim gleichzeitigen fahren auf lange sicht spricht: residents. die sind zwar zur hälfte aus berlin, jedoch im wechsel alle zwei monate im line-up zu finden und teilen allesamt die über techno hinausgehende musikalische vision. dazu ergänzend mittlerweile: die donnerstage, die bereits um 20 uhr beginnen, um mitternacht vorbei sind und keinen eintritt kosten. das freifeld bleibt da geschlossen, es wird die lobby mit musik aus dem annex beschallt, wo sich zwei djs aus dem lokalen umfeld ausprobieren können. ergo nachwuchsförderung, was im idealfall auch in örtliche residents münden kann. und zugleich auch eine niedrigschwellige möglichkeit für leute aus dem umland bietet, sich den club unter der woche mal anzuschauen.
apropos lobby: dort wurde nachverdichtet. neben den holzbänken und den betonquadern stehen jetzt auch ledercouches an den fenstern zum hof (also dem raucherbereich). macht das alles gleich viel gemütlicher. zusätzlich hat das open ground durch vereinzelte tags und aufkleber mittlerweile sowas wie eine club-patina angesetzt, die led-röhren leuchten nicht mehr ausschließlich orange, sondern wechseln die farben. und wenn mehr als 500 leute dort sind, stimmt auch die atmosphäre.
auch am organisatorischen wurde gedreht: die auswahl der gäste findet jetzt früher, am oberen ende der treppe statt. selekteurin sowie security stehen unter einer überdachung, sie erklärt einem die awareness-regeln, die auch nochmal an der garderobe stehen. die security ist gründlich, aber dabei auch kommunikativ. das alles hat den vorteil, dass mensch nach absolviertem abtasten einfach nur runtergehen muss. dort ist die kasse jetzt vor der (nach wie vor kostenlosen) garderobe, selbige ist zum kiosk aufgestockt. dazwischen noch das telefon abkleben lassen. hat zwar einen beim zweiten calibre-set auch nicht vom filmen abgehalten, aber die unverbesserlichen gibt es immer. des einen freud, des anderen leid: abgesehen von der lobby hat mensch im open ground keinen empfang. freud, weil die leute auf den tanzflächen nicht damit beschäftigt sind, ihre social-media-kanäle zu aktualisieren und somit eher im augenblick sind. leid, weil shazam dazu verdammt ist, im offline-modus schnipsel zu sammeln, und mensch selbst auf die hoffnung setzen muss, dass darunter was identifizierbares ist.
das personal: nach wie vor ungemein freundlich, zwischen generation x und z alles vertreten, beim publikum kam ich mir als mittvierziger nicht zu alt vor. das alles auch bodenständiger und nicht so elitär, wie es die berliner*innen gerne mal vor sich hertragen, was auch mal erfrischend ist.

wie beim berghain, das auch auf die langzeitperspektive gesetzt und damit gewonnen hat: so ein abend wird definitiv dazu beitragen, dass die mund-zu-mund-propaganda auch um das open ground herum gedeiht – und auch hoffentlich dazu, dass calibre öfter einen abend kuratieren darf. ich würde bei einem ähnlichen programm definitiv wieder auf der matte stehen.

wenn sich solche nächte wiederholen, hat das open ground absolut potential, was großes und zu einer aus europäischer perspektive etwas zentraler gelegenen alternative zum berghain zu werden. diesem ist der eskapismus nach wie vor nicht zu nehmen. aber wenn ein anspruchsvolles booking auf solch offene ohren und quasi ideale technische gegebenheiten trifft, kann das für die connaisseur*innen, die nicht mehr party um jeden preis haben möchten, zu einer der ersten adressen werden.

notierte tracks (die horizontalen striche markieren die grenze zwischen dem ersten und dem zweiten set)

elke
emissive – resounding yes
iya shillelagh – regenaration

pearson sound – slingshot
pearson sound – hornet
arma – clap trak

calibre
calibre – colby park
calibre – a river alone

calibre – i don’t care wot u say

klaus
mount kimbie – adriatic (klaus remix)
john surman & jack dejohnette – mysterium
mobb deep – reach

mala – conference

[berlin / 26.04.2024] berghain: reef

besagter zweiter besuch in einem monat, sogar innerhalb einer woche.

reef

berghain
00:00 sim
02:00 dj lag
04:00 neffa-t
06:00 darwin b2b esposito

panorama bar
22:00 yushh
02:00 greg
04:00 msjy
07:00 calibre

nachbetrachtung

vorneweg: für mich war’s nicht die herausragendste reef-ausgabe, aber immer noch echt guter durchschnitt. es wäre aber auch vermessen, maßstäbe wie beim letzten mal und der lektion eines abschluss-sets von djrum anzulegen.
auch hier gab es jedoch gerade zum ende im berghain mal wieder tolle momente, in denen mir klar wurde, dass hip hop im passenden kontext so richtig gut sein kann, um einen der floors zu schließen. beim dauerkartenabo stellt sich die frage nach wie vor nicht – das bleibt selbstredend bestehen, wenn musikalisch mehr als an den sonntagen passiert.

anwesend war ich von 23:00 bis kurz nach 9:00 uhr. so gerne ich calibre noch bis zum schluss mitgenommen hätte: anderweitige verpflichtungen und meine kondition gaben mir sehr deutlich zu verstehen, dass es an der zeit für den aufbruch ist. zumal mich die nachricht von mikes tod via instagram von marcel dettmann in der panorama bar sitzend ereilte und das ein ziemlicher dämpfer für meine stimmung war.

generell hat auch diese reef dinge auf den kopf gestellt, und das ist für mich per se schon mal gut. konkret: die panorama bar fand ich durchgängig musikalisch stabiler und fordernder als das berghain. die ausnahme davon bildet calibres erste stunde, in der er nach einem sich stetig steigernden set von msjy (von gefühlten 110 bis 170 bpm alles dabei, was in drei stunden so geht – wird hoffentlich nicht ihr letztes mal gewesen sein) dub, dubstep, generell sehr zurückgenommen gespielt hat, weil darwin und esposito eine etage tiefer mit drum & bass zugange waren. und selbst das: völlig in ordnung so. mensch mag meinen, dass sich die uhr nach drum&bass zum finale unten stellen lässt und die dramaturgie in der hinsicht auch bei der reef berechenbar ist. aber erstens hat es sich bewährt, zweitens klingt das unten nach wie vor grandios und drittens war das nach dem verlauf des abends im berghain nur folgerichtig.
sim hat zu beginn musikalisch schwer verdaubare tracks gespielt. schwer kategorisierbar – drone-ambient zu beginn, danach meistens downbeat. shazam hat häufig kapituliert.
grundsätzlich finde ich sowas erstmal gut. aber die technischen probleme fuhren ihm dann doch ziemlich in die parade: gerade noch okayes mixing, stellenweise kam es mir so vor, dass nur die (mit 25db-gehörschutz neben dem dj-pult stehend immer noch ganz schön lauten) monitorboxen anstelle der pa zu hören waren. keine ahnung, ob es die nervosität war, aber ich hätte mir von der hauseigenen technikabteilung etwas hilfestellung gewünscht, ehe der dj völlig demotiviert dasteht.
dj lag mit gqom, was nicht meine baustelle wird. aus dem stand technisch besser, wenn auch mit gefühlten 120 bpm über den mehr oder minder gesamten zeitraum etwas zu verhalten. dachte mir, dass das sonntagmittag eine etage weiter höher gut funktionieren könnte. im berghain tat es das eine gute stunde, dann gingen die leute entweder an die bar oder nach oben, so dass eine gut zur hälfte gefüllte tanzfläche blieb. ohnehin erneut erfrischend, zu keiner zeit einen überfüllten club zu haben. auch wenn die schlange von mitternacht bis 2 uhr durchaus vorhanden war: ausmaße von manch letztem mal hatte sie nicht, wenn ich mal durch die fenster schaute. dennoch fand sich eine gute publikumsmischung zusammen – im schnitt jünger und mit ausgewogenerem geschlechterverhältnis als manch sonntag. in jedem fall aufnahmebereit für die stile abseits des 4/4-kick-dogmas.

bis 4 uhr fiel die wahl zwischen beiden floors für mich also leicht. yushh hatte in ihren vier stunden mit einem richtig gut erzählten set vorgelegt. das war vor mitternacht kantiger, minimaler techhouse, der so durchaus auch auf einer get perlonized hätte laufen können. ich war jetzt länger nicht mehr freitags dort, wenn „nur“ die panorama bar geöffnet hat. aber so wie ich sie in erinnerung habe, waren ihre ersten zwei stunden ein ziemlich guter köder für das freitagspublikum, das house im weitesten sinne erwartet. danach zunehmend breakig mit etwas electro-einschlag. auch richtig gut, wie msjy gerne wieder zur reef. sonntags fände ich sie auch passend.
greg ebenfalls electro-lastig, in seiner auswahl rauher, dreckiger und damit für meine begriffe die lücke füllend, die stimmungstechnisch im berghain klaffte. auch ihn behalte ich auf dem zettel.

neffa-t, bis dato für mich unbeschriebenes blatt. hab mir zwar sagen lassen, dass er für seine verhältnisse auf nummer sicher spielte. aber wenn dabei ein set herauskommt, das zwischen techno, dubstep und grime vermittelt, soll mir das recht sein. nach gefühlt vier stunden warm-up (also einem für sonntag üblichen zeitrahmen) war das die nötige initialzündung, in der er sich auch bis footwork steigerte. darwin und esposito haben bei mir flashbacks zu den zeiten ab anno 2007 ausgelöst, wo sich sonntags herauskristallisierte, dass die residents einfach mal am besten wissen, wie das stammpublikum so tickt. start-ziel-sieg, mit kendrick lamar (womit esposito sich als wiederholungstäter erwies, auch wenn es seinerzeit das großartige „count me out“ war) sowie missy elliott als rausschmeißer bei eingeschaltetem putzlicht und nochmal freidrehenden, grinsenden leuten um mich herum. nach ziemlich holprigem start und verhaltener fahrweise bis in die prime-time war das der zeitpunkt, an dem die reef für mich auch unten endgültig die kurve gekriegt hatte.

nachdem im berghain kurz nach 8 schluss war, schaltete calibre zeitnah in den drum&bass-modus – größtenteils mit eigenproduktionen, wenn ich auf meinen shazam-verlauf schaue. auch dort gelernt: die anlage kann mit drum&bass erstaunlich gut bzw. calibre selbst hatte auch stets ein auge auf die pegelanzeige, die nur punktuell rote ziffern anzeigte. er selbst gab den tracks viel raum, betrieb zugleich unaufgeregtes mixing – einfach die routine desjenigen, der schon jahrzehnte dabei ist.

trackauswahl

yushh
dj dying – headless
thomas garcia – el carpintero
zenker brothers – intense incense
yaleesa hall – second cullen
k-65 – lock off
rhyw – engine track
re:ni – bursttrap

sim
dave nadazero – be happy
tsvi – disturbo
kunley mccarthy – cosa nostra
josi devil – breathe easy

dj lag
funky qla & dlala thukzin – dark or durban
dj lag – something different
novaboy – inkinga ye trouble

greg
noroi – heart under blade
greg & king doudou – dembow tronico (simo cell rhythm & clicks remix)
xupid – fractal keel (p.e.a.r.l. remix)

neffa-t
matty g – turf w*rz
nickname – ra-ta-ta
heavee – make it work

darwin b2b esposito
tech noir – bamboo
marcus intalex – roller 170
leftfield – inspection (check one)
goldie – kemistry
kendrick lamar – swimming pools (drank)
missy elliott – lick shots

calibre
calibre – say enough
calibre – venus & mars
calibre – instant