gerade noch im watergate und schon wieder in der heimstätte.
ablauf
lobby 10h00 sven ost 14h00 stojche 18h00 esther duijn
mdf 14h00 spencer parker 17h30 kimmy misto 20h30 the chairman
zelt 13h00 philipp grosser 16h00 anna steffens 18h30 mayashiba
nachbetrachtung summa summarum solide, habe allerdings auch stojche verpasst und kam erst kurz nach 18 uhr an.
im zelt fiel mayashiba mit sicherer 1990er-auswahl („tone“ von emmanuel top, „do da doo“ von robotman, „substance abuse“ von f.u.s.e. oder „technarchy“ von cybersonik) bei zugleich ausbaufähigen beatmatching-fähigkeiten auf. klar sprangen die nadeln hin und wieder und sicher bringt einen das aus dem konzept, so dass ich verstehen kann, dass mensch da nicht so in den fluss kommt. andererseits war das auch bei stabilen nadeln nicht besser.
the chairman machte das zum schluss auf dem mdf richtig gut. klar, funktional, aber schön daran waren die neueren techno tracks wie „nine o‘ three“ von donato dozzy, „kalosi“ von blawan, aber auch die älteren wie „the end“ von quazar und „harlequin – the beauty and the beast“ von sven väth. fühlte mich davon sehr gut unterhalten.
da man danach noch dankenswerterweise bei der oscillate bleiben konnte, bekam ich dort noch yu su in der lobby zu hören, die eine sehr originelle auswahl unter 110 bpm zum beginn spielte und sich damit nachdrücklich bei mir empfohlen hat.
lobby 00h00 sunset motherfucker 03h00 whitney weiss 06h00 the neighbourhood character
mdf 01h00 madalba 04h00 juana 07h00 lsdxoxo 10h00 the lady machine
zelt 02h00 stanley schmidt 06h00 i$a b2b dj minus minus 10h00 jacob meehan 14h00 akirahawks 18h00 paolo di nola
eintritt 15 euro
nachbetrachtung verdient einen gesonderten beitrag, weil wir uns noch nach helena hauff im tresor entschieden hatten, uns die buttons anzuschauen. da gab’s für mich aus mehrerlei gründen nicht lange zu überlegen: erstens hatte ich es nie zu einer homopatik geschafft, als es die noch gab. das gleiche galt für die buttons. wie sich eine dezidiert schwule veranstaltung im about blank macht, war also numero eins. numero zwei war the lady machine, die bereits auf der bewegungsfreiheit im letzten jahr, bei manchen staub-ausgaben sowie letztens auf der pornceptual überzeugen konnte.
es hängt in jedem fall wesentlich mehr dekoration als üblich im club. räumliche veränderungen wie bei der poly|motion finden nicht statt. weiterer (dicker) pluspunkt war der stand von mancheck im zelt mit aufklärungsmaterialien rund um safer sex und safer use. und klar: deutlicher männerüberschuss. aber da das about blank mit seiner dezidierten politischen ausrichtung eh ein sicherer hafen ist, war das im vergleich zum staub-stammpublikum auch nichts, wo man sich hätte groß umgewöhnen müssen.
vom sound her auch nicht wirklich, auch wenn die lobby dezidiert housig war. dort war auch relativ pünktlich kurz nach 9 feierabend. für die klos dahinter (und damit auch den darkroom) ebenfalls. the lady machine hatte bei beginn des sets das erwachen, nicht ihre platten in der tasche vorzufinden. die hatte juana stattdessen mitgenommen, weil es äußerlich die exakt gleiche war. sie spielte also mit fremden platten und musste improvisieren. habe ich allerdings auch erst mitbekommen, als mir davon erzählt wurde. bemerkt hat man das als partygänger nicht und auch sie meisterte die situation mehr als nur souverän, sondern technisch versiert wie üblich. nach zwei stunden kam die reserve und nach einer weiteren die eigentliche plattentasche. die buttons-organisatoren hatten alle hebel in bewegung gesetzt, dass die platten nicht nach new york unterwegs sind. auf dem immer noch gut gefüllten mdf war dann mit „my sound“ von joey beltram auch recht pünktlich nach 14 uhr schluss. in anbetracht des vorprogramms habe ich mir noch eine stunde akirahawks angehört, bin dann aber gegangen. nicht, weil er schlecht gewesen wäre (ganz im gegenteil!), aber die kondition verlangte dann doch nach etwas ruhe.
fest steht: die buttons geht schon gerne mal wieder, aber die staub bleibt für mich der blank-pflichttermin. beide partyreihen zeichnet aber eine leidenschaftliche crew aus, die alles unternehmen wird, damit die künstler*innen ihr bestes geben können. passt also super zum club.
und als ob es der feierlichkeiten für das wochenende nicht genug wäre: der tresor lässt sich für den freitag von niemand geringerem als dj stingray das line-up kuratieren und landet damit für mich vor dem samstag. in anbetracht des sonntagstermins aber auch gut so.
tresor 00h00 marcus 03h00 dj stingray 05h30 helena hauff 08h00 shyboi
globus 00h00 cem 04h00 detroit in effect live 05h30 nazira
eintritt 15 euro
nachbetrachtung war erst zu detroit in effect da, was kein live-act im eigentlichen sinne, sondern eher ein dj-showcase war, in dem er die älteren und jüngeren durch die techno-geschichte detroits geführt hat. da fehlten also gestandene sachen von juan atkins („no ufos“) nicht, wurde aber auch mit eigenem material verwoben. hatte mit seinen ansagen und dem scratching etwas, was man auf block-parties auf us-amerikanischen straßen vermutet und zeigte damit, wie das in motor city so laufen könnte. das war schon okay so, aber es mag an meiner erwartungshaltung gelegen haben, dass ich das eher als geschichtsstunde empfand, obwohl ich mit dem „live“-attribut eher die präsentation von eigenmaterial verbinde.
dj stingray sowie helena hauff mit gewohnter klasse. letztere zog in der letzten viertelstunde das tempo deutlich an, so dass sie bei acid um die 160 bpm landete. bei shyboi deutete sich danach ein grundsolides techno-set an. bin dann aber wieder los.
ich bin bei diesen namen und der aussicht auf den komprimierteren rahmen der säule doch nochmal schwach geworden
ablauf 22h00 gian 00h00 traxman 02h00 christopher joseph (der für den krankheitsbedingt fehlenden textasy einspringt)
eintritt 12 euro
nachbetrachtung schön unaufgeregte angelegenheit, das alles. hingehen, nirgends warten, sich ungestört bewegen können, dabei den jährlichen status in puncto footwork / ghettotech / booty (oder wie auch immer das mittlerweile genannt wird) mitbekommen und dabei feststellen, dass da alles beim alten ist. nichtsdestotrotz war diese leichtigkeit, mit der traxman die tricks aus dem arm schüttelte, beneidenswert. spielte mit serato und benötigte nur einen technics, was der trainierten seite entgegenkam. gians warm-up mit schön kuratiertem und präsentiertem electro sollte auch lobend erwähnt werden, christopher joseph war in meinen ohren ziemlicher standard-techno, wobei „infra red spectrum“ von suburban knight positiv herausstach. führte andererseits auch dazu, dass ich relativ zeitig wieder daheim war.
gian: posatronix – danz hardfloor – the trill acid theme (e.r.p. remix) random xs – give your body (delta funktionen 3 am mix)
traxman: dj slugo – fifty news eric martin – emergency (steve poindexter re-edit) green velvet – fake & phony dj deeon – yo mouf dj funk – pump it / i’m so hi dj rush – giant jock’e / rain dance (einer seiner am meisten unterschätzten tracks. noch nie im club gehört, war endlich mal zeit.) robert armani – road tour (dave clarke remix) traxman – computer getto nightcrawlers – push the feeling on (ja, tatsächlich. aber wahnsinnig hochgepitcht.)
die neuauflage vom letzten jahr, wobei das mit dem vorgezogenen frühlingswetter eher nichts wird. wir hoffen trotzdem darauf, dass genügend leute den weg zur oberbaumbrücke finden.
ablauf
waterfloor 15h00 i.nez 17h00 the mony 19h00 sven von thülen 21h00 irakli 23h00 derek plaslaiko 01h00 blake baxter 03h00 alex.do 05h00 miriam schulte
visuals projektionen der fotos aus dem buch „niemandsland“ von katharina behling
eintritt bis 17 uhr: 5 euro (+ spende) nach 17 uhr: 10 euro (+ spende)
nachbetrachtung ein ganz schönes wechselbad ab dem frühen abend. klar sind wir vom idealzustand des vorjahres ausgegangen, bei dem frühlingshaftes wetter und die staub-premiere im watergate sowie das erste set von disko seit ewigkeiten so einige gäste mobilisieren konnte.
das grauere wetter hatte wenigstens für die visuals seine vorteile. gleiche stelle unten am waterfloor bei den toiletten, dafür nicht den gesamten abend bzw. die nacht durch, sondern nur zu gewissen zeiten für eine halbe stunde. auch hier mussten wir improvisieren, da die beamerhalterung nicht vorhanden war. den job übernahmen dann bierkisten und die trapezkorrektur. ein glück hatte der beamer den usb-slot gleich integriert, so dass das unabhängig vom laptop funktionierte.
das war auch (vorerst) die einzige technische hürde, die es zu nehmen galt. es blieb also die hoffnung, dass der andrang ähnlich ausfällt wie in der 2018er-ausgabe. da mussten wir allerdings gegen 20 uhr realistisch sein: würden wir noch den hauptfloor eröffnen, hätte es nirgends richtig voll ausgesehen und ein sogeffekt der vorhandenen gäste, die noch ihre freund*innen mobilisieren, auf ein bis zwei cola im watergate vorbeizuschauen, hätte sich ins gegenteil verkehrt. kurzum: wir entschieden uns, erstens den floor nicht zu eröffnen und zweitens sabine hoffmann und diwa abzusagen. immerhin passte dies beiden ganz gut in den wochenendausklang, da beide auswärtsspiele hatten und sich extra noch deswegen hätten auf den weg machen müssen. für die selbstgesetzte erfüllung des geschlechtsparitätischen bookings war das natürlich eine bittere pille, die wir schlucken mussten. blake baxter wurde dann nach unten verlegt. nächste sorge: er hatte sich den djm gewünscht, der oben auch bereitstand, nur war am pult unten dafür beim besten willen kein platz mehr. erwies sich auch als unbegründet – er gab auch an, mit dem xone:92 klarzukommen.
also zähneknirschen auf der einen seite. auf der anderen entwickelte sich das ganze in den nächsten stunden jedoch zu einer der stimmungsvollsten ausgaben. eine sichtlich selige miriam schulte drehte sich kurz vor schluss um 7 uhr zu mir mit den worten „ihr seid total wahnsinnig“ um. sie hatte nach einem auch sehr divers spielenden alex.do (inklusive drum&bass-intermezzo) breakig weitergemacht, was so gut ankam, dass auch noch raum bis nach 7 uhr geblieben wäre (dabei notiert: facta – poliwhirl auf wisdom teeth). es hätte aber auch bedeutet, dass dies uns stundenweise beim personal berechnet worden wäre – sprich: der zu verspendende betrag wäre geringer ausgefallen – und daher musste auch nichts mehr in die länge gezogen werden.
so schwer diese entscheidung sich auch lesen mag: sie war schnell getroffen, für den verlauf der party die goldrichtige und auch nachhaltig. im nachgang waren wir uns zügig einig, im watergate künftig lieber mit einem floor zu planen. sollte sich herausstellen, dass der andrang so groß ist, kann man den oberen floor immer noch öffnen. aber mit dem sonntag als eh ziemlich schwierigem pflaster ist es etwas vielversprechender, das ganze etwas kleiner anzusetzen. wir waren von 2018 einfach etwas verwöhnt.
musikalisch gab es wenig zu meckern: solide techno-kost mit the mony und irakli, quer durch den gemüsegarten mit i.nez (dabei positiv aufgefallen: „shaolin satellite“ von thievery corporation), alte schule mit sven von thülen und derek plaslaiko (der sein set mit „game one“ von infiniti beendete und auch sichtlich viel spaß hatte). einzig mit dem vocal- und discohouse von blake baxter wurde ich nicht warm, aber das überlasse ich den geschmacksfragen. es hat definitiv nicht dazu geführt, dass das publikum das weite gesucht hat, und auch er hatte einen überaus positiven eindruck von der veranstaltung als solches.
den umständen entsprechend also stimmungstechnisch das maximum herausgeholt. als spendenbetrag blieben 5800 euro übrig – summa summarum: ein ziemlicher erfolg in jeglicher hinsicht.
zwar hat mich „who else?“ noch nicht gänzlich überzeugt, was aber vielleicht an meinem überzogenen anspruch liegt. von der spiellänge sind manche eps genauso lang. „who“ ist jedoch richtig gut, und alleine aus gründen der kompletten discographie und unterstützung für die beiden mit dem herz am richtigen fleck wird das noch in meiner sammlung landen. das konzert ist eigentlich ausverkauft, es gab aber montag nochmal ein restkontingent. man kann sein glück auch noch über ticketswap probieren, aber zahlt dann bitte nicht mehr als 35 euro.
support catnapp pfadfinderei visuals
start 18 uhr
nachbetrachtung war gegen 18h30 da, der eingang war an der seite des bierhofs, wie auch bei den ausstellungen in der halle. die bar, die man von neujahr kennt, ist geblieben, aber zwei treppen nach oben, was das ganze gut entzerrt. die garderobe rechts vom eingang ist ok, wenn die leute immer schubweise ankommen. nach konzertende staut es sich da etwas. da ich mir etwas zeit ließ, ging das aber noch. interessant auch: die berghain-toiletten waren geöffnet, nicht die vom lab. so gab es mal eine andere perspektive auf den club: der weg zur tanzfläche abgesperrt, man musste über die von den scannern im hellen weiß angestrahlte brücke. und leise war’s.
es hat sich ansonsten positiv bemerkbar gemacht, dass das konzert alles andere als überfüllt war. keine ahnung, ob viele ihr ticket haben verfallen lassen, restkontingent gab es jedenfalls schon später am montag nicht mehr. was ich für eher wahrscheinlich halte: lieber weniger tickets in den vorverkauf geben und den leuten somit eine angenehme erfahrung bereiten. das führte zu einem sehr gut besuchten konzert, bei dem es sich beim haupt-act aber immer noch vorzüglich tanzen ließ.
aber erstmal catnapp, die sich mit ihrem warm-up für weitere besuche empfohlen hat und (auch wenn der vergleich vorne und hinten hinkt) eine wesentlich bessere figur als og keemo bei dendemann eine woche zuvor. mag aber auch an den gehaltvolleren texten gelegen haben.
als zwischenprogramm lief die „tri repetae“ von autechre, was einmal mehr unterstrich, dass die beiden herren aus dem berliner umland in den vergangenen fast 30 jahren eine mehr als ordentliche grundausbildung in elektronischer musik genossen haben. sie ließen auch sonst nichts anbrennen, spielten (sofern ich mich nicht irre) das gesamte neue album, hits wie „evil twin“ nur an oder gar nicht („kill bill“), dafür andere („the black block“) oder unerwartetes („blue clouds“) komplett. ungewöhnlich wenig interaktion mit dem publikum, und wenn, dann war es szary, der das publikum mit minimalgesten animierte. berührender moment das „no good“-intermezzo mit „thank you keith flint“-projektion, wobei auch erneut die pfadfinderei für die gesamtleistung gelobt werden muss.
zwei zugaben gab es, mit „hasir“ zum schluss nach brutto gut 100 minuten, netto waren’s um die 90. zwar wollte das publikum mehr, aber als billie holiday über die (übrigens überraschend gut auf die räumlichen verhältnisse eingestellte) anlage erklang, war klar, dass hier nichts weiter passiert. ein definitiv mehr als nur solides heimspiel. und das neue album machte live um einiges mehr spaß als beim fragmentarischen hören über kopfhörer
the prodigy gehörten bei der ersten welle dessen, was ich unter dance-music mitbekam, zu dem, was ich angenehm unpoppig fand. natürlich war mtv damals mit „out of space“ in der heavy rotation daran beteiligt, nur die differenzierung zwischen dem und 2 unlimited sowie culture beat bekam ich noch nicht hin. mit den jahren und der akzeptanz von techno (als metal-hörer zu zeiten segregierter stilghettos damals ein großer schritt) sowie steigenden kenntnissen bekam ich erst mit, dass sie im underground fest verankert waren und auch spätere charterfolge dem nicht schadeten.
„music for the jilted generation“ ist für mich immer noch ihr bestes werk. „no good“ war die erste single-auskoppelung daraus, die erneut in der heavy rotation bei mtv landete und mir einen kleinen vorgeschmack auf die clubumgebung gab, die ich wenige jahre später kennen- und liebenlernen sollte. keith flint tanzte dort wie ein derwisch, obwohl er als sänger bei den tracks noch nicht sonderlich in erscheinung getreten war.
das änderte sich aber prompt mit „the fat of the land“ als nachfolger. für mich das letzte album von ihnen, mit dem ich wirklich was anfangen konnte. danach verlor ich zugegeben das interesse an ihnen und besuchte auch keines ihrer konzerte, obwohl man ihnen sehr viel gutes nachsagte.
wie man instagram entnehmen kann, hat keith flint am wochenende selbstmord begangen. das zeigt einmal mehr, dass die exponiertesten im rampenlicht von zeit zu zeit gefragt werden sollten, wie es wirklich um sie bestellt ist. das ist überhaupt die lehre, die ich aus dem wochenende ziehe.
der letzte akt bis april. von den bisherigen war aber tatsächlich jeder auf seine weise anders und gut. bei diesem ist der primäre grund leon vynehall, der mit „nothing is still“ eines der besten alben des letzten jahres und gleich nebenbei auch eine stilübergreifende, zugleich nicht zerfasernde dj-kicks veröffentlicht hat. auch eine sternstunde der reihe. ist schon jahre her, dass ich ihn an ort und stelle gehört habe, da passt das mit dem restlichen angebot sehr gut.
berghain 00h00 marcel dettmann 04h00 mathew jonson live 05h00 anetha 09h00 juho kusti 13h00 joel mull 17h00 kangding ray 21h00 blawan 01h00 dasha rush
panorama bar 00h00 richard zepezauer 04h00 davis 07h00 dinky 11h00 l.b. dub corp 14h00 leon vynehall 18h00 gonno 22h00 oracy 02h00 nick höppner
eintritt 18 euro
nachbetrachtung und nachruf diese klubnacht stand ab samstagabend unter ganz schlechten vorzeichen und dies wird sich erst im laufe der zeit umkehren. unter objektiven gesichtspunkten war der sonntag eine woche zuvor aber einen tick besser, glaube ich. aber der reihe nach.
m. lernte ich aus restrealen zusammenhängen vor ein paar jahren in der panorama bar kennen, nachdem man sich im forumzusammenhang gegenseitig bereits gelesen hatte. er war glühender anhänger von house sowie disco und bei klubnächten nur im berghain zu sehen, um eine etage höher zu gelangen – so seine eigenaussage. ein mann mit scharfsinn, praktisch veranlagt obendrein und stets seine einladung zum gemeinsamen essen oder grillen erneuernd, was aber nie geklappt hat. im gegenzug war er ein paar male zu besuch, als wir wg-technisch zum stelldichein geladen hatten. konsequent in seiner wahl der t-shirts mit wolfgang petry, baywatch oder alf als motiv. meistens in der panorama bar vorne auf der tanzfläche beim dj-pult durchgeschwitzt mit einer flasche wasser in der hand zu sehen, die er bereitwilligst teilte. kein nerd in puncto trackanalysen (das prädikat behielt er leuten wie meiner wenigkeit vor), aber geschmackssicher. immer auf der matte, wenn gerd janson spielte, auf ihn gehen die tipps mit rahaan und josh cheon zurück. privates deutete er lediglich an, ließ aber keine zweifel daran, dass party und wochenende für ihn mit abstand vom alltags- und sonstigen stress nun priorität haben. ich beneidete ihn ein wenig für seine unkomplizierte art, mit leuten ins gespräch zu kommen.
am samstagabend erfuhr ich nun in diesen restrealen zusammenhängen, dass er nicht mehr unter uns weilt. bevor ich am sonntag losging, bestätigte sich das, was ich bereits bei den letzten malen vermutete, wo wir uns gesehen hatten. er hinterlässt eine tochter. und bei mir den vorsatz, bei dem es mir umso mehr ein bedürfnis ist, ihn weiterzugeben: wenn euch anzeichen von depressionen bei leuten in eurem umfeld auffallen (egal, wie nahe man sich steht), fragt lieber ein-, besser zweimal zuviel nach. bietet an, gegebenenfalls da zu sein. definiert zugleich auch grenzen. zeigt möglichkeiten auf und übt sanften druck auf die betroffenen aus, dass diesen auch nachgegangen wird. all das habe ich in seinem fall nicht getan. zu stark war der eindruck desjenigen, der alles im griff hat. dabei hätte ich wahrscheinlich nur einmal so scharfsinnig nachhaken sollen wie er es beim auseinandernehmen politischer argumentationen tat. es ist umso trauriger (aber zugegeben auch für mich beruhigender) zu wissen, dass selbst leute, die ihm näher standen als ich, in diesem fall auch nichts verhindern konnten. was eine eventuelle lücke in den vorderen reihen beim dj-pult in der panorama bar angeht: um die wird man sich wegen des standard-füllgrades am sonntag keine sorgen machen müssen. aber das wissen, dass die discofaust aus einer dieser lücken von nun an nicht nur mal nicht da ist, sondern permanent fehlen wird, hat mir zum zweiten mal in meinem clubleben die tränen in die augen getrieben (zum ersten mal bei der tresor-schließung anno 2005). es war bei oracy, der letztes jahr mit das für ihn beste set in der panorama bar gespielt hatte und dieses mal mit romanthonys „wanderer“ als erstem track für mich intuitiv goldrichtig lag. habe mich in dem augenblick einfach für’s loslassen entschieden und war auch erleichtert, dass ich es zulassen konnte. die discofaust reckte ich später stellvertretend in die luft. werde ich auch zukünftig, ist für mich ein schönes gedenken.
r.i.p. m.
und sonst so? leon vynehall war nicht so wagemutig wie auf seiner dj-kicks, dennoch stilübergreifend aktiv, gerne auf breakbeats zurückgreifend und für die spielzeit sehr angemessen. trackauswahl: zeigen
sir e.u. & dolo percussion – ocean dj plead – liquify (unter der woche bereits bei den hardwax-neuheiten gehört und nun sicher, dass die im warenkorb landen wird.) textasy – i’m the needle bjarki – opalocka acid groove 12 bit mix yak – mido lemonick – monza shedbug – you think?
gleiches (also was das angemessene betrifft) gilt auch für joel mull eine etage tiefer. nur so richtig die letzte halbe stunde mitbekommen, zuvor blieb „the myth“ von jay denham positiv in erinnerung. sonst trieb ich mich im berghain kaum herum. kangding ray war zwar aus einem guss wie immer, aber mir war irgendwie nicht danach. und bei blawan stellte sich die für das berghain übliche sonntagabendfülle ein. hab’s zwar kurz versucht, dann aber aufgegeben. oben war das weniger ein problem.
gonnos letzter track eines ziemlich discohouse-lastigen sets war „believing“ von portable. oracy begann nach ihm ganz schön fordernd, schloss mit pianolastigem vocalhouse. die kombination aus „controversy“ von prince mit „da funk“ von daft punk muss ich mir mal merken. restliche trackauswahl: zeigen
romanthony – wanderer herbert – move it (direkt danach) dj sneak – operation sneak trus’me – somebody (direkt danach) john tejada – timebomb cajmere feat. dajae – brighter days (underground goodie mix)
nachbetrachtung eine überaus angenehme begebenheit war das. beim publikum traf die 1990er-generation auf die neue und alle feierten neues sowie altes material gleichermaßen.
aber zunächst og keemo, der bei mir zumindest den eindruck hinterließ, wegen ihm kein konzert gezielt zu besuchen. ja, ich weiß, bei warm-up-acts ist der sound schwächer. aber im vergleich zu dendemann verstand ich tatsächlich weniger und wenn, dann waren’s die klischees aus gras und frauen. interessant, dass sowas anno 2019 noch inhaltlich angeboten werden kann. aber ich bin auch nicht vom fach.
das inhaltliche angebot dendemanns fand ich bei „da nich für“ ziemlich ambivalent. textlich braucht man nicht darüber zu reden – da überzeugt er nach wie vor. aber ich fand es bei den meisten songs schade, dass er sich trap andiente. noch bedauerlicher, weil manche dieser songs für die tour und damit die freie digitale als band umarrangiert worden sind, wobei ich mir nur dachte, dass er das album bitte nochmal unter den bedingungen aufnehmen sollte. das klang dann nicht so überproduziert, sondern authentischer, so wie es ihm auch zu gesicht steht.
start mit „wo ich wech bin“, „keine parolen“ folgte zwei, drei songs später (in jedem fall nach der jetzt schon legendären ansage „ich habe den entscheidenden vorteil, dass ich bereits weiß, was passiert. und ich habe weiterhin den entscheidenden vorteil, leicht einen im tee zu haben.“). überraschend gut kam das neue material an – inklusive „littbarski“, was für mich zwar der schwächste song des albums war, aber live will ich mich nicht beschweren. sogar ein bisschen was von „vintage“ war dabei: 0 robota, papierkrieg und eine unwiderstehliche version von „stumpf ist trumpf“ in scooter-rave-ästhetik. am besten aber natürlich das frühmaterial (hörnichauf, endlich nichtschwimmer, das erste mal, danke, gut), und das nicht nur über die zwei zugaben verteilt, sondern auch mittendrin. das alles in schwerstarbeit abgeliefert, alle mit sichtbarem spaß dabei (kein wunder – es war auch das letzte tourdatum, da kann man nochmal alles mobilisieren – inklusive gastauftritten wie arnim von den beatsteaks und casper) und nach fast zwei stunden fertig. das war mehr als nur ordentlich und hat meinem eindruck von ihm als (verzeihung für meine wortwahl) rampensau einmal mehr bestätigt. würde also wieder hingehen.
mag nicht so offensichtlich sein, wer das jetzt ist. aber wer in den 1980ern aufgewachsen ist und / oder radiosender hört, die sich u.a. dem jahrzehnt verschrieben haben, hat entweder „it’s my life“ oder „such a shame“ (und ihn somit auch singen) gehört.
talk talk hieß die band, bereits seit anfang der 1990er nicht mehr aktiv. er selbst zog sich vor der jahrtausendwende aus dem musikgeschäft zurück. nun ist er mit 64 jahren viel zu früh verstorben.
r.i.p.
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