[leipzig / 11.09.2015] dr. seltsam: all night long

im noch kleineren rahmen als im staubsauger, wurde mir gesagt. house, acid, techno als grobe koordinaten – eventuell mit etwas pop, mal schauen.

drseltsam20150911

all night long
holger s. (electronic nights)
saša sora (drs)
stype (killekill)

start
22 uhr

nachbetrachtung
mehrfache premiere: mit dem fernbus fahren, so gut wie neues macbook pro retina im clubbetrieb nebst neuer soundkarte austesten, und das ohne netzteil. letzteres war zwar dabei, aber ich wollte mal sehen, wie weit ich komme.

der fernbus hatte schon mal anderthalb stunden verspätung, was aber reichte, um gegen 21 uhr in leipzig zu sein. daher waren wir auch pünktlich im dr. seltsam, das schlicht und einfach nur urig ist. tagsüber eine fahrradwerkstatt, abends eine bar mit kleiner tanzfläche. für eine geburtstagsparty im kleinen rahmen (in dem fall für holger) definitiv eine gute wahl.
saša sora sehr vielfältig, disco, house, krudes auf berceuse heroique. holger konsequent housig mit melodie, war gut im fluss, fand ich. meine wenigkeit hat ab 2h30 innerhalb von einer halben stunde mal wieder einmal gut die leute dezimiert, was aber wohl auch eh die zeit ist, in der man sich von der bar aus entweder auf den weg nach hause oder in den club macht. davon abgesehen war das set jetzt auch nicht so meine sternstunde. eröffnet habe ich mit „ocean“ von mole people und versuchte dann, ähnlich weiterzumachen. ich war aber auch nicht unglücklich drüber, als holger nach einer guten stunde ankam und fragte, ob wir nicht gemeinsam spielen wollen. noch eine premiere: vinyl und ableton live – auch das ging, genauso wie der akku die ganze zeit hielt.

feierabend gemacht haben wir dann gegen 5 uhr, was für barverhältnisse meinem eindruck nach auch voll in ordnung geht. randnotiz: die rückfahrt mit dem fernbus am sonntag verlief absolut reibungslos.

tf member mix 036

tfmembermixcover_web

das technoforum gehört ja schon zu den institutionen, die mich seit meinen internet-anfangszeiten begleiten. es hat über mittlerweile mehr als 15 jahre allen technischen und finanziellen widrigkeiten getrotzt und ist einfach noch da. auch wenn es nicht zu bestreiten ist, dass sich die kommunikation oder diskussion auf andere kanäle verlagert hat und sich die software auf dem stand von 2003 befindet, ist gerade diese art von konservatismus (keine sorge, musste selber nachschauen, ob ich den begriff richtig verwende) irgendwie charmant.

wie auch immer: es gibt dort seit drei jahren die tf-member-mix-reihe. einmal monatlich darf ein mitglied, das gewissermaßen regelmäßig etwas gepostet hat, einen mix beisteuern. das hatte ich nur am rande mitbekommen, weil ich – zugegeben – abseits vom hochladen und ankündigen eigener mixe in der dortigen set-sektion selten zu finden bin. typischer fall von überfrachtung auf allen kanälen, was dennoch schade ist – so geht bestimmt einiges verloren, was hörenswert wäre. insofern war ich schon überrascht, als ich mitte juni gefragt worden bin, ob ich den mix für den juli machen möchte.
da ich eh wieder von mir hören lassen wollte, kam mir die gelegenheit ganz günstig. alleine die nahende fusion und die arbeit führten zu einem gewissen druck, ein resultat abliefern zu müssen (im arbeitsleben-sprech nennt man das wohl „deadline“). dazu kam (wieder einmal) eine gewisse techno-sinnkrise, da mich diese ganzen stereotypen veröffentlichungen mit industrial-anleihen nicht unbedingt überforderten, aber doch daran zweifeln ließen, ob mich etwas richtig mitzureißen vermag. andererseits fiel auch in diversen unterhaltungen auf, dass sich die tracks so gleichen, dass es schwierig wird, überhaupt etwas davon im kopf behalten zu können.
aber ich schweife ab. da mein interesse ja noch in andere gefilde ausstrahlt, dachte ich mir, mich über den stil anzunähern, der den hype schon so hinter sich hat, dass niemand heute mehr zugeben möchte, es zu hören: die rede ist von dubstep, bzw. dem, was aus dessen affäre mit techno hervorgegangen ist. das intro stand bereits fest, als ich das album gehört hatte, der schluss auch und zwischendrin auch so ein bis zwei tracks. den rest habe ich drumherum gebastelt und mich dabei lustigerweise auch wieder irgendwie mit (auch aktuellem) techno versöhnt.
entstanden ist das ganze am mittwoch abend vor der abfahrt zur fusion. ein anlauf, dann war’s im kasten. gemessen an den sonstigen längen ist das hier eine kurze angelegenheit, die sich durchaus sogar auf cd brennen lässt (wer das flac dazu haben möchte, kann mir per mail bescheid geben). es gibt das unvermeidliche aufwärmen, einen kleinen höhepunkt ca. in der mitte und das trommelfeuer kurz vor schluss, bevor es mit shackletons hang zur finsternis ausklingt.

die tracklist spare ich mir hier aus bequemlichkeit, da die zum teil auf dem cover nachzulesen ist. nachhören lässt sich das alles jedenfalls hier:

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lob, kritik, verrisse bitte gerne auch hier hinterlassen – viel spaß dabei.

[berlin / 05.04.2015] about blank: bewegungsfreiheit #5

flüchtlinge polarisieren in berlin und bundesweit sowieso. ich mache mich selbst nicht frei davon, angesichts der vorkommnisse rund um den görlitzer park bzw. jetzt der revaler straße zu pauschalisierungen zu greifen. das camp auf dem oranienplatz und die gerhart-hauptmann-schule sowie diverse sitz- und hungerstreiks lassen die ordnungsliebende bevölkerung schnell die frage aufwerfen, was die sich eigentlich herausnehmen.
nun bin ich aber – trotz mangelnder beschäftigung mit den politischen zusammenhängen, die aufgrund der vielzahl an ländern mit verschiedenen ausgangssituationen eh so komplex sind, dass ich das nicht mal eben in der mittagspause aufarbeiten kann (und zu feierabend mache ich zumeist anderes, asche über mein haupt) – kein freund von monokausalitäten und erst recht nicht davon, leute unter generalverdacht zu stellen. gerade zu ostern (als kleinem bruder von weihnachten) kann man sich als wohlstandsgesellschaft schon wieder mal fragen, auf wessem rücken dies eigentlich beruht. das soll keine allgemeine amnestie sein, die flüchtlingen den freibrief gibt, von unserem wohlfahrtsstaat so weit es geht zu profitieren. diese misere, die sich jedoch seit monaten nicht nur in der berliner innenstadt, sondern u.a. auch im mittelmeer abspielt, zeigt jedoch in erster linie die nicht nur deutsche, sondern europäische hilflosigkeit vor dieser situation, sich akut bedrohten menschen anzunehmen und ihnen wenigstens ein gefahrloseres und somit menschenwürdigeres leben als in ihrer heimat zu bieten. wenn flüchtlinge hier proteste oder besetzungen durchführen, ist das für mich eine erstmal legitime form, darauf hinzuweisen, dass auch ihnen eine menschliche behandlung zusteht und sie nicht von vornherein als wirtschaftsflüchtlinge gesehen werden sollten.

die bewegungsfreiheit ist also eine soli-party für flüchtlingsprojekte, noch dazu in dem club, der den dafür am besten geeigneten politischen rahmen vorgibt – und ich darf einen teil dazu beitragen.

bewegungsfreiheit20150405

ablauf

mdf
20h00 einlass
20h30 film: vol spécial / spezialflug
22h30 señor marküsen live
23h30 pause
02h00 wide awake live
03h00 ahu
05h00 rampue live
06h00 kate miller
08h00 leaves dj-team

lobby
23h30 stype ableton-set
02h00 erik jäähalli live
03h00 lenny posso
06h00 erwan

zelt
01h00 jochen discomeyer
03h00 stylo & fred
04h00 juliago
06h00 mental carnival
08h00 kaletta
10h00 spule bywerk

specials
soli-tombola für sofra
fingerfood von der gerüchteküche
smoothies

eintritt
bis 23 uhr: spende
23-1 uhr: 7 euro
ab 1 uhr: 10 euro

nachbetrachtung
eigentlich hatte ich ja vor, bereits zur dokumentation im mdf da zu sein und das konzert noch mitzunehmen. aber wie das an feiertagen nun mal so ist, verschob sich das alles ein wenig nach hinten. blieb aber noch mehr als genügend zeit für den aufbau, was erwähnenswert ist, da erik jäähalli weite teile des dj-pults mit seiner hardware (darunter müsste sich die 303 und eine 707 befunden haben) okkupiert hatte und die tontechnikerin des abends schon etwas am fluchen war, warum denn niemand vorher den extra-tisch bestellt hätte, der sonst immer in der lobby steht.
war am ende aber auch nicht dramatisch. platz für meine siebensachen war noch und während des live-acts blieb noch zeit, einen cdj aufzubauen, so dass bei lennys erstem track noch der rest folgen konnte.

etwas ungewöhnlich war für mich beim warm-up der bereits gefüllte club. auch wenn die lobby für die dauer des konzerts von señor marküsen noch abgesperrt war – nach dessen ende fanden die leute über die toiletten oder dann auch über die bar den weg auf den floor und begannen, mich nach der party zu fragen und wann es denn losginge. es mag ja meiner disziplin geschuldet sein, das grüne licht abzuwarten, aber das folgte auch recht pünktlich innerhalb des akademischen viertels. entschieden hatte ich mich für einen beginn, den ich schon länger im hinterkopf hatte: „zerstörte zelle“ von den einstürzenden neubauten, mit einer kickdrum von kerridges „gofd“ unterlegt (die mir in kombination mit dem simple delay in live auch weite teile des sets über gute dienste leisten sollte).
einen kleinen fehler beging ich jedoch zu anfang: da vorab kein soundcheck möglich war, dachte ich mir, dass der master 2 am xone aufgedreht werden müsse. tatsächlich hörten die leute in den ersten anderthalb bis zwei minuten nur das, was aus den monitorboxen kam. relativ geistesgegenwärtig den master 1 aufgedreht, dann klappte das auch mit den leuten abseits des dj-pults.
weiterhin ungewohnt (wenn auch erhofft): innerhalb von zehn minuten eine volle tanzfläche zu haben, auf der die leute auch wirklich lust haben. nachvollziehbar, wenn die aufwärmrunde schon zuvor mit dem konzert stattfand. ist aber auch eine stolperfalle, es gleich zu übertreiben. hatte bereits bei der vorbereitung darauf spekuliert und blieb bei dem plan, zwar warm-up-material zu spielen, das aber tanzbar mit gar keinen ambient-ausflügen, sondern vielmehr mit einzelnen markanten tracks, die man auch als „nadelstiche“ bezeichnen könnte („unknown dialect“ von si begg / neil landstrumm auf mosquito bspw. – spiele ich eh viel zu selten). sonst eher die neue analoge schule (basic soul unit, stl, tb arthur, container) gemischt mit der alten (robert armani, damon wild, dj skull). zu meiner erleichterung ging das auch auf, so dass ich wirklich kurzweilige knappe zweieinhalb stunden hatte. das extra installierte licht mit wenigstens einem dutzend extra-glühbirnen trug dazu nicht unwesentlich bei.

den rest der feier verbrachte ich eher plaudernd, zumal ich mich wegen potentieller arbeitsverpflichtungen auf den ostermontag (die dann doch nicht notwendig waren) eh nicht so wirklich in der laune befand. das lag jedoch – muss ausdrücklich betont werden – an mir. alleine die tatsache, dass es sowohl in der lobby als auch im mdf und draußen im zelt zur besten zeit richtig schön voll war und man sich seinen weg durch die lobby gerade während der sets von erik (der mir mit seinem analogen acid-sound in der zeit, die ich von ihm mitbekam, auch sehr gut gefiel: nachzuhören bei soundcloud) sowie lenny schon bahnen musste, sollte alleine objektiver beweis dafür sein, dass das ganze ein großer erfolg war.

gegangen bin ich während erwans set und habe somit eine kleine private afterhour im blank-garten am mittag verpasst. insofern ärgerlich, weil der schlaf wegen meiner potentiell gefragten expertise kurz ausfiel und der ostermontag daher eher von latent fehlender motivation geprägt war. aber das steht alles auf einem anderen blatt. spaß hatte ich während meines sets in jedem fall und danach freute ich mich über schöne gespräche und den füllgrad, den man sich als organisator so erhofft.

da es so schön war, hier noch mein set. wie immer: rückmeldungen jeglicher art sind willkommen.


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[berlin / 31.01.2015] about blank: transition(s)

erstes gastspiel dieses jahr, und dann gleich noch im vize-lieblingsclub, wo ich nach der impulse vom letzten jahr doch etwas gutzumachen habe.
mehr details zum ablauf gibt’s, wenn ich sie weiß.

transition(s)
00h00 stype
02h00 laura
04h00 jason lanox
06h00 richard zepezauer
08h00 akmê

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

die vorbereitung fand dieses mal auf eher verschlungenen wegen statt und an deren ende stand ein zwar recht solides, aber dennoch unspektakuläres set, das es nicht zwingend wert ist, für die nachwelt bei den gängigen portalen oder hier hochgeladen werden zu müssen.
da spielten auch mehrere faktoren hinein. abgesehen von kurzbesuchen im hardwax (das ich mittlerweile für die vinyl-exklusiven neuveröffentlichungen besuche) oder einem etwas längeren im record loft im dezember (zur abarbeitung der discogs-wunschliste) fand mein letzter größerer digitaler einkauf tatsächlich vor dem killekill-gig im oktober 2014 statt. dazwischen lag ein längerer urlaub, weihnachten, arbeit und die fehlende motivation zum feierabend, sich durch (empfundene oder tatsächliche) mittelmäßige techno-veröffentlichungen zu wühlen. das gipfelte jedoch in einem ziemlichen großeinkauf bei boomkat gut eine woche vor der transition(s), ohne wirklich zu wissen, was sich davon überhaupt im blank einsetzen ließe, da ich die spielzeiten noch nicht wusste. insofern war die vorbereitung bis zum mittwoch vor der party auch eher auf mdf-verhältnisse ausgelegt.
als ich am donnerstag (dem 29.) bescheid bekam, dass es nur die blank-lobby gibt und ich sie eröffnen darf, hieß das also, wenigstens die hälfte der tracks wieder aussortieren zu müssen und durch neue zu ergänzen. aus zeitgründen blieb auch nur der feierabend am donnerstag sowie teile des samstagnachmittags. das war für den auf tanzbarkeit ausgerichteten teil des sets auch weniger ein problem, wohl aber für den übergang von einem ambient-geprägten intro zu den tracks, die leute auf die tanzfläche locken. dazu wollten mir auf gedeih und verderb keine passenden tracks einfallen, so dass ich für mich die kompromisslösung fand, es nur beim ersten track der „liumin reduced“ von deepchord zu belassen und quasi direkt danach mit 4/4-kick anzufangen. die restlichen 110 minuten waren dann eher kost, bei der ich auf nummer sicher ging, aber auch mit uk-sachen wie hodge / facta auf tempa brüche provozierte, die manche in der letzten halben stunde doch in richtung bar gehen ließen. hits vermied ich, bis auf den schluss mit levon vincents „djsf 2“, wovon es im nachhinein wahrscheinlich etwas mehr hätte geben können. aber ich dachte mir, dass das bei dem noch nicht so üppigen füllgrad und vor laura noch nicht passend gewesen wäre. immerhin: ein paar leute auf der tanzfläche konnte ich ihr hinterlassen.

laura selbst war mit ihrem set sehr unzufrieden, ich empfand’s auch als trocken. jason lanox konnte danach zwar mit vielseitigkeit punkten, machte das aber (zumindest wie ich es auf der couch bei den toiletten so mitbekam) durch exzessive spielereien am lowpass-filter des xone:92 wieder zunichte. das geht zwischendurch mal klar, aber nicht, wenn man den bass nur für vier bis acht takte genießen darf, um dann wieder zwei gefühlte minuten darauf warten zu müssen.
richard zepezauer machte danach jedoch alles richtig – spielte fordernd, fing als anschluss an jason mit techhouse an und arbeitete sich bis zu techno vor, so dass auch wieder die gute alte „drama“ der herren hood und mills lief. denke, dass es auch genau das war, was die leute bereits zwei stunden zuvor hätten hören wollen.

vom füllgrad her blieb es den gesamten abend über bei vielleicht zwei dritteln. wirklicher exzess war damit nicht drin, aber das soll auch nicht abwertend oder gar negativ gemeint sein. da auch das blank bei überfüllung für mich auf dauer nicht wirklich genießbar bleibt, empfand ich den abend insgesamt als angenehm unaufgeregt, da ich ohne weiteres am bevorzugten platz meiner wahl die hüften schwingen oder (an dem abend wichtiger) einen platz in der couchecke bei den toiletten finden konnte.

wenn ich’s auf einen punkt bringen sollte: zur wiedergutmachung meines sets zur impulse letztes jahr passte das, und auch sonst war’s blank-typisch angenehm – unspektakulär zwar, aber angenehm.

[berlin / 17.10.2014] suicide: killekill family

meine beteiligung außen vor lassend ist das mal wieder eines der line-ups, die dem suicide super zu gesicht stehen. arad (der zusammen mit eomac als lakker die clubs oder festivals unsicher macht) bestreitet den anfang, mehr weiß ich noch nicht. wird aber hier aktualisiert, sobald alles feststeht.

killekill family
00h00 arad
02h00 dj flush
04h00 jerome hill
06h00 stype

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

eigentlich gibt es nur anderthalb so richtig negative punkte, die haften geblieben sind, und selbst der eine komplette hat noch seine positiven aspekte: dank lampenfieber geriet das vorschlafen etwas kurz, was aber im umkehrschluss dazu führte, dass ich kurz nach 4 im club sein und damit jerome in fast voller länge hören konnte. dies dank einer gewissen paranoia bezüglich abstellen des equipments hinter dem pult doch lieber mit rucksack im club sitzend, aber auch das reichte, um schnell mitzubekommen, dass er nichts von seinen qualitäten eingebüßt hat. spielte aufgrund des todes von mark bell auch einige lfo-sachen.
es gab nur einen offenen punkt: mir wurde gesagt, dass am xone:92 nur die zwei kanäle funktionieren würden, an denen die mk2s hingen. hätte also bedeutet, bei der letzten laufenden platte einzustöpseln, umzuschalten und kurz gegenzuchecken, ob alles läuft. bin aber das risiko eingegangen, hab mich auf einem dritten kanal angeschlossen und jerome hörte beim vorletzten track probe – alles klappte, und das auch für die restlichen gut drei stunden.

damit wäre ich beim halben negativen punkt: den spannungsaufbau bei warm-ups kriege ich mittlerweile ja ganz gut hin. sachte, experimentiell und wenn möglich mit einer gewissen tiefe anfangen, um am ende etwas, aber nicht zu treibend zu enden. für den schluss fehlt mir hingegen immer noch ein wenig die praxis: das publikum hat den größten teil der party schon hinter sich und durchaus noch lust, ein anderer teil möchte sowieso gehen (den aspekt habe ich bereits im hinterkopf, so dass ich den publikumsschwund weniger auf meine kappe nehme als früher) und ich selber möchte so viel wie möglich von der zeit nutzen. nur, wie stellt man das am besten an? hat man den übergang vom vorgänger zum eigenen set erstmal gut hinbekommen und treibt die meute mit einer angemessenen härte vor sich her, ist es natürlich verlockend, das noch etwas länger so zu betreiben. dabei kann es aber vorkommen, dass ein teil des publikums das so gar nicht unbedingt möchte und sich erst an die bar, nach draußen oder gleich nach hause begibt. und dann ist er wieder da – der gewissenskonflikt: soll ich in dem tempo und der härte weitermachen? noch etwas härter? mehr hits? oder doch besser sanfter? das patentrezept dafür gibt es wahrscheinlich nicht oder ich müsste für alle eventualitäten vorsorgen – in dem fall traf das zwar auf alle vier zu, aber eine längere phase an zwar noch treibenden, aber nicht zu harten tracks wäre in der ableton-matrix definitiv besser gewesen.

ansonsten war alles durchaus positiv: es lief aus meiner sicht den gesamten abend über sehr passabel. eine treue anhängerschaft blieb bis zum schluss um kurz nach 9 und drei stunden spieldauer sind nun wirklich nichts, wofür man sich schämen müsste. daher ist das set auch online, so dass ihr das hier (oder sogar bei mixcloud, da gibt’s auch eine trackliste) nachhören könnt. wie immer: sofern es was zu loben, kritisieren oder verreißen gibt, nutzt die kommentare.

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[berlin / 04.09.2014] salon zur wilden renate: seriously presents finitude music

die premiere des designierten techno-donnerstags in der renate habe ich ja seinerzeit mitbekommen und für gelungen befunden. nun darf ich sogar selber dazu beitragen.

seriously20140904

seriously presents finitude music
anfang: marcel heese
mitte: d_func.
ende: stype ableton-set

eintritt
7 euro

nachbetrachtung

wenn mir das set / der abend, bzw. morgen, eines verdeutlicht hat, dann ist es die tatsache, dass ein bevorstehender acht-stunden-arbeitstag trotz einer fast vollendeten arbeitswoche nicht wirklich dazu beiträgt, mit der konzentration voll bei der sache zu sein. der restliche zeitmangel, sich intensiver mit neuerwerbungen auseinanderzusetzen und dann ein drittel des sets mit neuheiten zu bestücken, die ich nicht so wirklich kenne, kommt dann noch als sahnehaube obendrauf.
in anbetracht der bevorstehenden uhrzeit (mein beginn war für 5:30 uhr angesetzt) war vorschlafen auch notwendig, was auch für grobe vier stunden klappte. das geht als notlösung, aber selbst bei guter kondition fehlt noch so ein wenig der elan. das lässt sich mit wohldosiertem espresso zwar übertünchen, aber so wirklich auf den punkt fühlte ich mich nicht, als ich gegen 4 uhr zur renate aufbrach.
den set-beginn habe ich dann auch gekonnt verstolpert. wollte ganz normal mit einem loop anfangen, der in ableton auch lief. alexander kowalski hatte (nach einem echt gut aufgebauten dj-set mit traktor) auch zuvor alles notwendige am mixer freigelegt, ein signal lag beim kurzen check auch an – es herrschte trotzdem stille. das so für ca. 20 sekunden, in denen ich zunächst am midi-controller (vergeblich) und anschließend mit dem trackpad herumhantierte, um etwas klang aus der maschine zu bekommen. das klappte dann auch mit einer ottodox auf semper idem, so dass nach weiteren 20 sekunden auch wenigstens eq-technisch und von der lautstärke beim kanal her alles in gewohnter null-position war. dem klischee des verplanten laptop-djs werde ich dennoch auftrieb gegeben haben – zu recht, wie sich im nachhinein herausstellte. am midi-controller war nichts kaputt, aber auch wenn man am dortigen fünften kanal rumschraubt wie besessen, damit es funktioniert, hilft das wenig, wenn der loop zum einstieg auf dem sechsten kanal läuft. da kann man noch so sehr auf die technik schimpfen, es ist und bleibt ein anfängerfehler.
vor sieben, acht jahren hätte ich mich wahrscheinlich noch maßlos darüber aufgeregt, aber nach dem anfang war ich froh, dass alles so funktionierte wie es soll. das ging auch bis zum schluss so, aber zwischendrin brachte ich es fertig, die tanzfläche etwas zu leeren. nicht so vollständig wie im about blank im mai, aber waren zu beginn noch gut 30 leute drauf, war es zwischendurch einstellig. als der nachtmanager mir zu verstehen gab, dass um 7 uhr schluss sein sollte, fiel mir dann ein, doch noch ein paar hits zu spielen. „spartacus“ von g-man und „loop“ von f.u.s.e. vs. lfo, das war so eine kombination, die gut funktionierte und den rest der anwesenden nochmal auf die tanzfläche brachte.
trotzdem, unter’m strich bleibt für mich das fazit, das marge simpson über die polizeiarbeit in springfield zieht: „irgendwie befriedigend“. heißt: besonders gut war’s für mich nicht, aber dank des versöhnlichen endes auch nicht so schlecht. es wäre bestimmt besser gewesen, sich gleich von anfang etwas auf die bekannteren tracks zu verlassen. das geht zwar auf nummer sicher, ist aber besser, als wenn so die ersten zwei drittel spannungstechnisch auf einem niveau bleiben, weil ich gerade neuigkeiten ausprobiere. das ist ein schuh, den ich mir durchaus anziehen sollte.
das set bleibt daher, wo es ist: als .als-datei auf meiner festplatte.

absolut positiv zu erwähnen: der umgang der renate mit den angestellten, also auch den djs des abends. bereits montag hatte ich eine mail im postfach mit dem ablaufplan, dem technischen equipment vor ort, der bitte, die rechnung sowie die gästeliste vorab zu mailen und die kontaktdaten des nachtmanagers. das noch tollere daran ist, dass sie sich 1:1 daran halten und mit getränkekarten absolut nicht geizen. es hat alles seine bürokratische richtigkeit, aber die bringt der nachtmanager mit einer mischung aus autorität und lockerheit rüber, dass das alles nicht unangenehm ist. ganz im gegenteil: ich bin vielmehr dankbar, wenn es für alle transparent abläuft und keine plötzlichen nachverhandlungen anstehen oder dergleichen. das sowie die anlage verdienen ein dickes plus. nächstes mal (sofern es eins geben sollte) nehme ich dann lieber zwei tage frei, so dass auch meine qualität stimmt.

[berlin / 08.08.2014] griessmühle: mechatronica / talking machines

die griessmühle wird seit geraumer zeit regulär auf zwei floors bespielt, ergo so wie man sie zur back to basics erleben konnte. purer zufall, dass das diesjährige datum zur huldigung einer der besten drummachines auf mutter erden auf einen freitag und dieser noch auf mein nächstes gastspiel fällt.
die zwei veranstaltungen sind teil eines langen wochenendes, das vom 8. bis zum 11. august andauern wird. ich beschränke mich mal nur auf die nennung des freitags. den zeitplan kenne ich nur für den mechatronica-floor.

mechatronica20140808

griessmühle

mechatronica
23h00 snk
01h00 naks
03h00 lazercat live
04h00 stype
06h00 electrodon

talking machines
claus bachor
solaris
philipp melon
lenzian kowski

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

eine halbe stunde vor set-beginn an der griessmühle, das reichte auch gerade noch so für einen nicht überhasteten aufbau, während lazercat zugange war, bei deren set mal eben jemand die soundkarte abzog und sie den laptop neu starten musste, ohne dass ich ansatzweise fertig war. ein glück hatte electrodon noch seine platten hinter dem pult zu stehen, so dass sich das alles überbrücken ließ und so konnte sie ihre letzte viertelstunde auch noch absolvieren. etwas wortkarg war sie – keine ansage, dass das jetzt der letzte track wäre oder dergleichen, auch keine richtige verabschiedung. aber gut, vielleicht war sie auch wegen der unfreiwilligen pause etwas verstimmt.
technisch klappte bei mir alles auf anhieb, nur wurde während des sets meine große befürchtung wahr. schnell zur vorgeschichte: akku des macbooks lud sich im februar nicht mehr auf, verdacht auf den battery connector, als ersatz bei ebay bestellt, vergeblicher versuch, den selbst einzubauen. bei dem versuch das topcase etwas zu harsch angefasst, so dass das kabel, das das topcase (heißt: trackpad und tastatur) mit dem logic-board verbindet, einen wackelkontakt abbekommen hat. es fiel also privat sporadisch hin und wieder mal aus. lösung: alles aufschrauben, topcase ab, kabel ab, wieder dran, zusammenschrauben – läuft auf unbestimmte zeit.
in der griessmühle passierte es eben bei der hälfte des sets, dass tastatur und trackpad nicht mehr wollten. vorausschauend hatte ich jedoch eine usb-maus dabei, den rest machten der midi-controller und touchable – ging alles.

musikalisch ging auch alles. sicher, der floor ist klein, insofern macht es sich nicht schnell bemerkbar, falls einige leute gehen sollten. klar, der beginn mit mumdance auf rinse mag einige gefiltert haben, aber beim rest verließ ich mich eher auf acid house, (leider zu wenig) electro, aber generell vieles aus holland (eher neueres von delsin, älteres auf bunker) und halt chicago. da trafen tronco traxx auf unit moebius – die leute blieben. meat beat manifesto zuvor, test dept. danach – auch das vergraulte niemanden. es mag sein, dass das publikum dort so aufgeschlossen ist, mag sein, dass es generell ein guter abend war, mag auch sein, dass ich es richtig angepackt und trotz des technischen malheurs spaß hatte, es weiter auf die spitze zu treiben. aber ich fand’s irre erleichternd, besonders in der zweiten hälfte einfach mal ausprobieren zu können, ohne dass das mit publikumsstreik belegt wird – eher im gegenteil. kleines manko: auch wenn auf dem floor eine kirsch audio steht, kann die noch etwas volumen im tieftonbereich vertragen – zumindest aus publikumssicht, am dj-pult selber klang es ganz gut.
doch, ich war danach sehr zufrieden, daher gibt es das set auch unten zum nachhören. electrodon machte danach noch weiter (bis 18 uhr abends, wie er mir mitteilte), aber als ich um 9 uhr ging, waren die reihen auf dem mechatronica-floor (ergo dem kleineren) schon gelichtet. in der großen halle, in der damals auch die back to basics ihren hauptfloor hatte, schien der abend die gesamte zeit über nicht so recht in schwung kommen zu wollen. als ich ankam, waren da vielleicht zehn leute, beim gehen niemand mehr, aber die musik lief.
sonst: schöner außenbereich, tatsächlich eine gute alternative zum about blank, wobei dort einfach der feinschliff stimmt. dafür lässt es sich in der griessmühle ganz gut am kanal sitzen, der bestimmt noch etwas romantischer wäre, wenn das wasser nicht so getrübt daherkäme. aber schön, dafür kann die griessmühle ja nichts. vielleicht schaffe ich es ja 2015 endlich mal häufiger dahin. diese wochenenden von freitag bis montag mit mehreren veranstaltern unter einem dach fanden ja in den letzten monaten regelmäßig statt, also sollte ich besser mal die augen offenhalten, ob da auch für mich etwas dabei ist.

hier erstmal das set:

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und der epilog:
es war beim macbook übrigens nicht der battery connector, sondern der originalakku, der nach sechs jahren tatsächlich mal den geist aufgegeben und sich bereits verformt hatte. insofern war meine aktion, den austauschen zu wollen, für die katz. imazing hatte noch ersatz-nachbau-akkus auf lager, davon verrichtet jetzt einer seine dienste. aber das problem mit dem topcase haben sie sich nur kurzzeitig angeschaut und nichts weiter gemacht, als sie nach dem zusammenbau festgestellt haben, dass es funktioniert.
da es sich bei meinem kleinen schwarzen um ein modell handelt, für das apple keine ersatzteile mehr verkauft, kann imazing da auch nichts mehr reparieren, solange man nicht das ersatzteil bei ebay oder sonstwoher bekommt. der freakinmacstore in der fehrbelliner straße hatte ende august jedoch noch das notwendige kabel und selbiges innerhalb von zehn minuten (inklusive zwei tests) getauscht. das funktioniert seitdem wieder blendend. trotzdem vergeht kein tag, an dem ich nicht mehr oder minder intensiv an ein 13″-retina denken muss. aber gut, das kleine schwarze muss erstmal noch halten, da hab ich aber momentan keine bedenken.

[berlin / 11.07.2014] suicide: killekill & friends

ich kehre nach fast genau einem jahr und vier monaten an den tatort zurück.

killekill & friends

club
00h00 daniele antezza
02h30 evirgen (cassegrain)
05h00 the marx trukker live
06h00 stype

garten
01h00 dj atact (cassegrain)
04h00 dj flush
07h00 hks97

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
eine woche vorher war ich noch auf dem stand, dass ich im hof spielen soll, aber durch den wegfall von tin man hatte sich der wind scheinbar gedreht, so dass mein wunsch, nach zwei jahren mal wieder drinnen zu spielen, in erfüllung ging.
um erstmal etwas weiter auszuholen: auf einer doppelgeburtstagsparty letztens (die zur hälfte auf mein konto ging) hatte ich die erfahrung gemacht, dass ich mit vinyl, das innerhalb von einer viertelstunde zusammengesucht wird und in eine plattentasche passt, fast drei stunden ganz passabel spielen kann. führte mir vor augen, dass die ableton-sets meistens in ihrer dramaturgie schon durch die anordnung der clips vorgegeben sein können, wenn ich nur stur von reihe zu reihe vertikal nach unten vorwärts arbeite. das mag am anfang des abends funktionieren, wenn die richtung eh vorgegeben ist, aber bei allem, was danach kommt, ist flexibilität gefragt. kann auch einer der gründe sein, weshalb es bei der impulse im mai nicht so lief.

also: schluss-slot und somit die tatsache im hinterkopf, dass manche leute eh gehen wollen und es nicht unbedingt an mir selbst liegt – das übliche halt. also gab es meinerseits nur den anspruch, es dem rest möglichst angenehm zu gestalten und das meiste daraus zu machen. entsprechend auch die vorbereitung mit der privatparty-erfahrung: fünf, sechs tracks für den anfang festlegen und den rest, den ich gerne spielen möchte, irgendwo in den spuren von live ablegen. zwei der sechs spuren noch für loops reservieren, so dass sich immer irgendwie etwas überbrücken lässt, aber sonst durch die matrix scrollen (was mit touchable ja sehr gut geht) und schauen, was dort so schlummert. es waren dennoch über 100 tracks, das sähe in einer plattentasche durchaus ähnlich aus.
zweiter teil der vorbereitung: vorschlafen. daher habe ich erst den rest von evirgen mitbekommen (techno, amtlich) und das komplette set vom trukker, der mit einem minimalen hardware-setup aus dem hause elektron eine große palette hin von dubbigen sounds bis zu acid bot und dabei so viel spaß hatte, dass ich ihn gerne 20 minuten länger machen ließ. bleibt ja noch genug vom morgen übrig, dachte ich so beim blick auf die tanzfläche.
ich fing wie geplant mit „procrastination“ von demdike stare an – ein track, der den normalen partygänger normalerweise unruhig mit den füßen scharren lässt, weil wenige elemente erst im langsamen aufbau zueinander finden. obendrein sind es auch noch breakbeats, das klappt ja nicht immer. vorteil war aber, dass sich das schön mit einem drumloop aus head highs „power seat“ untermalen ließ. und da mr trukker eh um die 130 bpm aufhörte, so dass das meine gewählte anfangsgeschwindigkeit war, konnte ich recht schnell ins set finden und das publikum glücklicherweise ebenfalls. auch der plan mit der eher auf improvisation ausgelegten anordnung der tracks ging auf. da blieb zwar kaum zeit für irgendwelche effektspielereien, aber dafür eher für’s mixen. einziger nennenswerter fehler: head highs „hex factor“ in der mitte versehentlich neu zu starten, obwohl ich mir nur den stand in der wellenform ansehen wollte. klappt in touchable normalerweise durch längeres antippen des tracks, aber da muss ich wohl noch etwas mehr routine entwickeln. war dann so etwas wie ein unfreiwilliger rewind und (ganz improvisiert) schnell wieder an der ursprünglichen stelle. auch wieder beweis für die these, dass das publikum sowas in der regel nicht merkt und man sich als dj am ehesten über so etwas ärgert. komischerweise nahm auch ich das eher mit einem „passiert halt“ hin.
ärgerlicher war hingegen, dass der nachtmanager des suicide gegen 6h45 bei mir ankam, um mir mitzuteilen, dass um 7h00 schluss sein soll. mit halb-entgeistertem und halb-entnervtem gesicht gab ich ihm zu verstehen, dass ich gerade mal seit 20 minuten am spielen bin und das nicht ganz sein ernst sein könnte. er kam nach rücksprache mit dj flush mit einer neuen deadline wieder: 7h30. flush selber kam wenig später selbst auch noch an: 7h45. zwar immer noch unter meiner mindestwohlfühldauer von zwei stunden, aber doch wesentlich besser als die erste ansage. die tanzfläche hielt ich über die zeit auch konstant gefüllt, selbst als ich den druck etwas rausnahm und pünktlich um viertel vor acht mit „little green apples“ von christian morgenstern endete. am ende noch meine ansage ins publikum, dass sie schon etwas lauter klatschen müssten, wenn sie eine zugabe haben wollen und somit auch ein gutes argument gegenüber dem nachtmanager, wenigstens noch einen track spielen zu können. das war dann „dleep off“ von ghostleigh und somit kurz vor acht schluss.
summa summarum: ein set, das die bei mir im mai geschürten zweifel, ob ich überhaupt noch auf die besucher eingehen kann, gründlich zerstreute. hätte trotzdem gerne mehr von dem abend gehabt. aber gut, besser als überhaupt nicht gespielt.

draußen war hks97 mit langsamen, reduzierten house-sachen zugange. gefiel mir stilistisch schon ziemlich, aber man hörte ihm deutlich an, dass es sein erstes set mit vinyl im club war. sprich: hörte sich an wie meine clubpremiere mit vinyl – da konnte man die passenden übergänge auch an einer hand abzählen. wir sprachen im anschluss bei der staub im about blank nochmal kurz darüber, womit ich hoffentlich ein paar lesern den wind aus den segeln nehme, welche die kommentare hier mit „immer schön hintenrum kritisieren, aber persönlich keinen mumm haben, ihm das ins gesicht zu sagen.“ sprengen wollen. schluss war im garten jedenfalls auch gegen 9h30 und ich bin mit zufriedenem gefühl aus dem club, in der hoffnung, dass bis zum nächsten mal nicht wieder mehr als ein jahr vergeht.

[berlin / 08.05.2014] about blank: impulse – final abyssal night + gegenkultur

ja, richtig gelesen. ich darf wieder einmal vor publikum spielen. die umstände könnten jedoch glücklichere sein: die impulse hatte bis auf nächte mit headlinern wie goth-trad in bezug auf zahlreiches publikum stets einen schwierigen stand. da war zum einen das konzept, das mit „dubstep“ nur sehr grob umschrieben ist und an einem abend ganz viele basslastige sparten abdecken konnte. zum anderen (ganz simpel) der wochentag. beides zusammen ergab eine mischung, wonach der durchschnittliche partygänger das risiko zur entdeckung von neuartigem lieber nicht einging. so ist diese abyssal-nacht also die letzte, die mit dem start der bereits jahrelang im golden gate erfolgreich erprobten gegenkultur zusammenfällt. daher nochmal offiziell: danke an die impulse für die courage und die wirklich mit viel feingefühl ausgesuchten bookings, die im ganzen dickicht der neuen bassbetonten schule immer wieder neuen namen ein forum gab und als dachverband für die verschiedenen crews sicherstellen konnte, dass es nicht jede woche das gleiche zu hören gab. ich will doch mal stark hoffen, dass es anderswo weitergeht. zu dem anlass könnte es also etwas werden mit ordentlicher fülle. hier gibt es erstmal nur das line-up – die spielzeiten dann, wenn ich sie weiß.

nachtrag, 08. mai 2014, 12:58 uhr: spielzeiten für die gegenkultur ergänzt, die nimmt in der lobby platz, abyssal auf dem mdf-floor. für dort erstmal nur die abfolge, geplant ist von 0 bis 6 uhr, mein startplatz liegt zwischen 2:30 und 3:00 uhr für eine kurze und heftige stunde, potschappel underground fällt aus.
die gute nachricht noch obendrein: die impulse bleibt dem about blank dann doch erhalten, findet fortan jeden ersten donnerstag im monat zusammen mit der gegenkultur statt, dann mit allen impulse-crews zugleich. das ist besser als nichts.

impulse20140508

impulse-floor
warm-up: ddm b2b whø
live-act danach: hatti vatti
peaktime-slot numero uno: stype
peaktime-slot numero due: es.tereo b2b turrican
ende: abyssal allstars
und die ganze zeit über: effekthasch vj

gegenkultur-floor
00h00: dieter polen
02h30: patrick chardronnet live
04h00: mary jane
06h00: brian cares
08h00: gulp
10h00: uerp le cram
12h00: klangsucht allstars

eintritt
8 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

fange ich mal mit den für mich positiven aspekten des abends an: da mein kleines schwarzes (die rede ist vom macbook) bereits sechs jahre auf dem buckel hat und sich anfang des jahres kleine verschleißerscheinungen zeigten, stand die sorge im raum, ob es das erste set wird, bei dem ich auf ein backup würde zurückgreifen müssen. eigentlich hatte sich die batterie verabschiedet, was weiter kein problem ist: es gibt recht brauchbare nachbau-akkus, von denen jetzt einer seine dienste verrichtet. war insofern wesentlich, als dass es vor dem wechsel ärgerlich gewesen wäre, wenn jemand unglücklich ans netzteil gekommen wäre, ist aber nun schnee von gestern. ärgerlicher ist hingegen die verbindung vom topcase zum logic-board mit ihrem kleinen kabel, das selten aus einer laune heraus die signale vom trackpad und der tastatur nicht weiterleitet. heißt: aufschrauben, kabel abziehen, wieder aufstecken – läuft. musste ich letzte woche in angriff nehmen, ist aber ein denkbar unkomplizierter eingriff, den ich mir im club jedoch gerne schenke.
und dann noch das backup: es hieß im voraus, dass es keine cdjs geben wird, aber turrican und es.tereo mit serato spielen. daher hatte ich nur zwei usb-sticks eingepackt. stellte sich am ende beides als falsch heraus: es standen die einfachen cdjs ohne usb- oder sd-slot da und die beiden spielten mit traktor-control-vinyls. das mit dem backup hätte also etwas gedauert, bis der andere laptop einsatzbereit gewesen wäre. die cds hatte ich ja nachvollziehbarerweise daheim gelassen.
umso schöner war, dass technisch wirklich alles auf anhieb funktionierte. die soundkarte spielte mit, der midi-controller wie gewohnt ebenfalls und auch die adhoc-verbindung zwischen macbook und ipad für den einsatz von touchable klappte im zweiten anlauf und blieb dann absolut stabil.

dummerweise war es das auch schon, was die positiven meldungen angeht. nachdem ddm und whø zeigten, dass man mit ambient, electronica und auch technoiderem dubstep eine tanzfläche ganz gut füllen kann und hatti vatti mit seinem introvertierten drum&bass das publikum ebenfalls gut unterhielt, wurde mir in der ersten viertelstunde schnell klar, dass ich für den abend auf das falsche pferd gesetzt habe. momentan hat es mir das jungle-revival mit amen-breaks und entsprechenden signalen richtig angetan und ich dachte mir, dass diese brachialen tracks das richtige für den dunkleren mdf-floor und vor allem für den anlass sind. das war jedoch ein irrglaube und ein großteil der leute wechselte zu patrick chardronnet (bei dem es wohl drüben in der lobby am vollsten gewesen sein muss) oder gleich in richtung heimat. dazu wird auch eine etwas laxe vorbereitung ihren teil beigetragen haben, nachdem klar wurde, dass es eine stunde wird, die ich gerne dazu nutzen wollte, es im dunkeln krachen zu lassen. an sich auch sinnvoll nach dem hatti-vatti-set, nach dem ich mit ‚“freezing opening thawing“ von shackleton einstieg. das war auch noch okay, aber direkt danach die untold-distortion-keule („strange dreams“) zu bemühen und in dem stil fortzufahren, war vom kontrast her wohl etwas zu heftig. so wurde die stunde für mich dann doch relativ lang, als ich mitbekam, dass die lücken auf der tanzfläche sukzessive größer wurden. führte bei mir wiederum zu temporärer sinnkrise (warum das ganze eigentlich noch machen? bin ich dem publikum entwachsen, so dass die verbindung zwischen ihm und mir nicht mehr funktioniert? ist es der anspruch?) und auch aktionismus. denn trotz allem war ich vorbereitet genug, notfalls die stoßrichtung zu ändern, was mit prototypen-dubstep à la cyrus (random trio) ganz gut klappte und komischerweise führte auch die neue objekt auf power vacuum nicht dazu, dass sich die noch wenigen verbliebenen lauthals beschwerten. aber summa summarum machte das set auf mich den eindruck, sich in eile auf dem weg zum ziel verfahren zu haben, eine weile in einsamen gegenden umherzuirren, und gerade rechtzeitig kurz vor toresschluss noch irgendwie zufällig angekommen zu sein.
klar, das mag an der kurzen spielzeit und dem von mir falsch gewählten ansatz bzw. aufbau gelegen haben, aber auch sicherlich daran, dass mein kopf aktuell mit anderen dingen als mit musik und allem, was so drumherum geschieht, beschäftigt ist. es fehlt momentan einfach die zeit, in die notwendige tiefe zu gehen, weshalb ich die (stilistische) breite für den abend als notausgang gewählt hatte. so im nachhinein muss ich mir schon die frage stellen, wie ich auf die idee verfallen konnte, rave-signale gleich nach dem hypnotischen shackleton-beginn loszulassen, aber andererseits (wenn ich das wieder ins positive drehen möchte) war es wenigstens ein risiko, das ich gegangen bin. sowas birgt immer die gefahr, dass es schiefgeht.
beim duo es.tereo und turrican gab es dann wieder drum&bass in der ersten und eher technoid-dubsteppiges in der zweiten hälfte, das funktionierte nun wiederum besser. kurz nach 6 war im mdf schluss, da deutete sich auch in der lobby schon an, dass es dort ebenfalls nicht bedeutend länger als 7 uhr gehen würde. dort war es bei meinen durchgängen den abend über zwar ganz nett, aber beileibe nicht mehr. trug jedenfalls zu meinem aktuellen meinungsbild bei, dass es schon reicht, nach dem allgemeinen konsens zu spielen, ohne dass dabei große ausflüge in andere bereiche unternommen werden müssen. zumindest den schuh muss ich mir nicht anziehen, sehr wohl aber den, es vom aufbau her falsch angepackt zu haben.

insofern: haken dahinter und es beim nächsten mal besser machen. noch was positives: einige kombinationen waren in der vorbereitung so vielversprechend, dass sich manche teile sehr gut in einem anbiederungs-set für ambitionierte booker wiederverwenden lassen, sofern die zeit es zulässt, das in angriff zu nehmen. informationen dazu gibt’s dann auf diesem kanal.

hürdenlauf

hürdenlauf


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erst die chiffrierte trackliste, dann die entstehungsgeschichte.

tracklist (wie immer die discogs-release-ids):
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und der titel ist bei der entstehung durchaus bewusst gewählt. der plan, mal wieder ein gründlicher geplantes set aufzunehmen, anstatt entweder auf live-mitschnitte oder deren überreste zurückzugreifen, war schon länger vorhanden. wie das aber nun mal mit den perfektionisten so ist, kam so einiges dazwischen:

1. eine phase im spätsommer / herbst 2013, in der ich schon an mir selbst zweifelte, ob der markt an neuigkeiten für mich tatsächlich nichts mehr hergibt. sollte ich mein alias tatsächlich in „statler“ ändern? wenn ja, müsste ich mir gedanken darüber machen, wer denn mein „waldorf“ wird. man stelle sich nur die sets mit hundertfach abgespielten platten vor, garniert von anekdoten aus dem tresor.
vielleicht habe ich nicht genügend zeit bei der suche nach brauchbaren tracks investiert, aber ich halte es für eher wahrscheinlich, dass sich das sommerloch tatsächlich etwas nach hinten ausgedehnt hat. ab oktober / november 2013 wurde es in allen bereichen deutlich besser. jedoch kam gleich die nächste hürde in den weg.

2. der zeitfaktor. mit einem anstrengenden und gleichzeitig doch irgendwie erfüllenden vollzeit-job, der stellenweise bis zu zehn stunden arbeit pro tag mit sich brachte, tendierte meine lust, die für klasse befundenen sachen beim feierabend einzukaufen / zu taggen / zu warpen, gegen null. auch die genauere auseinandersetzung mit den tracks kann so nur schwer stattfinden. den rückstand habe ich erst mitte januar 2014 zu einem großen teil bei boomkat abgearbeitet und seitdem für mich den modus gefunden, alle zwei, drei wochen regelmäßig dort zu kaufen, um die tracks danach mobil auf dem iphone unterwegs parat zu haben. auf die weise bekomme ich ganz gut mit, welche stellen relevant sind und welche nicht.
begonnen hatte ich mit der arbeit am set bereits im dezember. zwar bedeutete der großeinkauf einen guten fortschritt beim entwurf für das set, zwischendurch stellte sich noch eine technische hürde in den weg.

3. zumindest zwischen den zeilen zum schnellschuss 003 ist bekannt, dass ich von griid zu lemur / livecontrol2 gewechselt habe. mit der veröffentlichung von live 9.1 gab es jedoch probleme, nach denen lemur keine verbindung mehr zu live aufbauen konnte. liine war sich des problems bewusst, brauchte jedoch einen monat, bis das mit einem patch behoben werden konnte. in der zwischenzeit ging ich zu touchable 2 fremd, was zwar auf java basiert, aber in puncto nutzerfreundlichkeit gerade in der effektsektion sehr schnell überzeugen konnte. auf einem anderen blatt papier steht, dass ich bei diesem set diverse anläufe brauchte, die der fehlenden routine mit der app geschuldet waren. bei der aufnahme der hier hochgeladenen version fühlte ich mich jedoch bestätigt, die richtige entscheidung getroffen zu haben. das macbook musste ich nur für zwei dinge anfassen: a) wenn der bildschirm sich ausschaltete, weil ich lange keine bewegung mehr mit der maus gemacht hatte und b) beim anziehen des tempos, was aber auch über touchable geht. da muss ich nur noch etwas sicherer werden, um nicht über das ziel hinauszuschießen, weil’s mal eben zwei oder drei bpm zuviel oder zu wenig werden können. gab es nur noch die vierte hürde.

4. der schon oben erwähnte perfektionismus. techno? ja, sehr gerne. aber nicht nur. es sollten schon noch breakbeats drinnen sein. aber zu welchen anteilen? an welcher stelle? wie kriege ich es hin, dass die dramaturgie nicht von einem augenblick auf den anderen über den haufen geworfen wird? gehe ich lieber auf sicherheit und marschiere lieber schnurstracks von a nach b? und überhaupt – marschieren: ist das mit live nicht vorprogrammiert? kann nicht wieder etwas mehr vom analogen auflegen mit cuts und abrupt einsetzenden bässen als überraschungsmoment einzug halten anstatt das überblenden zu perfektionieren? und geht es auch mal mit weniger als vier parallel laufenden spuren?
zumindest zur letzten frage: ja, geht. die passagen mit vier gleichzeitig offenen spuren sind sehr knapp gehalten, ich hab mich gerade am ende darauf konzentriert, nur zwei tracks miteinander laufen zu lassen, wenn sie gut harmonierten. auch ist das set funktional, sogar über weite strecken. zumindest einen provozierten bruch gibt es, aber sonst hoffe ich, dass die mühe, die darin steckt, nicht angestrengt klingt, sondern gut abgestimmt und trotz funktionalität auch ein wenig anspruchsvoll.

lob, kritik, verrisse gerne hier oder per mail. ansonsten viel spaß beim hören, wo(bei) auch immer.