[berlin / 10.08.2018] berghain: ostgut ton nacht

normalerweise ist die oton-nacht am zweiten samstag im august. stimmt auch dieses jahr, dann auch mit dem fast-rundum-angebot (berghain, panorama bar, halle, garten), aber nachdem bereits zum csd am sonntagnachmittag eine ansehnliche masse vor der tür stand, wird es zu dem anlass sicher nicht besser. der fairness halber ist aber zu sagen, dass es drinnen zum csd stets auszuhalten war.
dieses mal wird der freitag und statt der panorama bar die säule mit einbezogen. wie das gemeinsam mit dem berghain funktioniert, war bereits bei phuture zu erleben (nämlich ziemlich gut, völlig unbegründete sorgen vor überlappungseffekten). im berghain ausschließlich live-acts auftreten zu lassen, von denen ich insgeheim auf mark als drum&bass-update sowie barker am meisten gespannt bin, und in der säule dann noch die residents aufzubieten, die für den stilistisch umfassenden blick stehen, ließ mich nicht lange überlegen.

ostgut ton nacht

berghain
00h00 atom tm & tobias. live
04h00 mark live
05h00 barker live
06h00 vatican shadow live

säule
00h00 answer code request
03h00 fiedel
06h00 martyn

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
toller abend, wieder einmal musikalisch in sechs stunden mehr erlebt als an manchem sonntag. kam mir wie das muntere warmlaufen auf sonntag / montag vor – alles so angenehm unaufgeregt.
es gab nur zwei negativpunkte. erstens (selbstverschuldet): mein vorschlafen, und damit answer code request verpasst zu haben. zweitens: beim licht war im berghain mehr potential. war mir gerade während des mark-sets etwas zu statisch.

sind aber beides haare in der suppe. spätestens, als fiedel den für mich immer noch besten jemals produzierten drum&bass-track spielte (photeks „ni ten ichi ryu“), war für mich klar, mit dem besuch auf dem freitag die richtige entscheidung getroffen zu haben. und wieder einmal habe ich dank shazam gelernt, dass ich nach dem katalog von moving shadow den von suburban base durcharbeiten muss. in dem fall war’s der noise of art & double d-remix von „johnny ’94“. etwas schade nur, dass fiedel zur drum&bass-phase des sets nicht wirklich mehr als zehn leute vor sich hatte. aber damit blieb mehr platz für diejenigen, die es zu schätzen wussten.

von mark hatte ich erhofft, dass er direkt im stil seiner unterton-ep spielt, aber drum&bass gab es „nur“ in den letzten zehn minuten. davor jedoch eine wirklich tolle mixtur aus breakbeats in uk-hardcore-tradition und eine gerade 4/4-kick durfte es auch gerne mal sein. für eine liveset-premiere mehr als nur ordentlich, sollte man auf dem zettel haben – also gerade das, was da an veröffentlichungen noch kommen könnte.
das weiß man bei barker ja schon länger, der im stile der „debiasing ep“ spielte. also zuweilen ohne richtige kickdrum, aber mit richtig gutem gespür für harmoniewechsel und trotz komplexität für diejenigen kompatibel, die sich sonst bei der klubnacht einfinden. wobei vatican shadow die bedürfnisse der sonntagsfraktion zum schluss am besten bedienen konnte.

bei martyn hat mir etwas der rote faden gefehlt, wobei er aber auch bis 8 uhr darunter litt, dass sich so gut wie alle noch eine etage höher herumtrieben. als dort dann feierabend war, wurde es in der säule auch voll. aber dennoch: zu beginn war’s mir zu trocken und manche tracks wollten gar nicht zueinander passen. wo future sound of london allerdings bisher weniger mein fall waren: „pulse state (831 am mix)“ ist ein track, der mich schon früher hätte vom gegenteil überzeugen sollen. daher danke für die nachhilfe und für „infinition“ von quadrant sowieso.

[berlin / 28.07.2018] berghain: csd klubnacht

und da ist er: der monatliche pflichtbesuch. überaus gewollt auf den tag gelegt, an dem man mit der publikumsmischung rechnen kann, die den charakter des ladens auszeichnet. bemerkenswert: die panorama bar bleibt durchgängig geöffnet und der garten wird parallel bespielt.

csd klubnacht

berghain
00h00 noncompliant
04h00 ben klock
08h00 dr. rubinstein b2b roi perez
13h00 somewhen
17h00 massimiliano pagliara
21h00 steffi
01h00 boris

panorama bar
00h00 discodromo
04h00 hard ton live
05h00 paramida
09h00 aaron clark b2b jason kendig
13h00 chris cruse
17h00 srvd live
18h00 dvs1
22h00 virginia
02h00 nd_baumecker

garten
12h00 tama sumo
16h00 gerd janson

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
war erst nachmittags gegen 15:30 uhr nach einer stunde wartezeit drin, bin aber dafür bis ca. 1:30 uhr geblieben. nach acts, weil am einfachsten.

massimiliano pagliara: sollte öfter unten spielen, dachte ich so bei mir. klar, auch ein wenig hittig (konstantin sibold – mutter), aber auch um waschechte neue techno-bretter nicht verlegen (fjaak – keep the funk).
gerd janson: ziemlich hittig. darunter die für mich durch answer code request ins spiel gebrachte 2 bad mice (gone too soon), worauf direkt „disco rout“ von legowelt folgte. später noch „kernkraft 400“ (ja, richtig, zombie nation), und „pick up“ von dj koze als abschlusstrack. konnte man machen.
steffi: gewohnt routiniert. „wisdom to the wise“ von dave clarke geht aber auch immer, „marauder“ von dj hmc wird an ort und stelle immer wieder gerne bemüht und „f.u.“ von f.u.s.e. ist auch mal was anderes als „substance abuse“. „lost vessel“ von drexciya gehört zu den tracks, die keinen staub ansetzen können und „string tanga“ von beroshima war mir seinerzeit entgangen.
virginia: da kann ich mich nur an „witch doctor“ von armand van helden erinnern.
boris: dank shazam notiert: „2502170258“ (den namen soll sich mal einer merken) von dirty basscore. gibt es scheinbar nur digital auf einem label, das alex bau gegründet hat: credo.

ergo: eine zwar von hits geprägte, aber nichtsdestotrotz stimmungstechnisch ziemlich gute csd-klubnacht. hat sich damit heimlich, still und leise zu einem der jährlichen berghain-pflichttermine gemausert – viel eher als die ostgut ton-nacht.

[berlin / 28.07.2018] about blank: staub

wenn es hält, wird das ganz schön hochsommerlich im garten. allerdings kann ich nur kurz und nehme vor der nachmittagshitze reißaus. wer möchte, kann gleich bis zur room 4 resistance pride im anschluss bleiben.

ablauf

garten
10h00 golden medusa
13h00 james dean brown
16h00 projekt gestalten
18h00 irakli
20h00 savas pascalidis

mdf
14h00 mcmlxxxv
17h00 olivia mendez
20h00 espen lauritzen & cressida

nachbetrachtung

die nachlese fällt leider sehr kurz aus, da ich hier ab ca. 13h30 nur zwischenstation gemacht habe und damit nicht mal zwei stunden da war. in der zeit war ich nicht mal auf dem mdf und bekam nur james dean brown mit.
bei ihm war ich schon überrascht, ihn auf dem line-up zu sehen, da er mir sonst eher im perlon-kontext geläufig ist. aber so überrascht ich war, so gut hat er das auch gemacht. lag aber auch an der schnittmenge mit meiner sammlung: „intro (version 2)“ von surgeon, „trance atlantic excess (part 3)“ von love inc. (ja, zugegeben, beides sogar übereinstimmungen mit dem staub-set meiner wenigkeit vor anderthalb jahren), „force“ von technasia oder „instrument of change“ von random noise generation. gerade die letzteren tracks zählen zu meinen ersten gehversuchen beim auflegen, daher rannte er damit bei mir offene türen ein.

sonst war es nachmittagstypisch übersichtlich und damit entspannt. die zu dem zeitpunkt noch vom himmel strahlende sonne (erwähnenswert, weil der garten abends wegen eines vermeintlich heranziehenden unwetters evakuiert wurde) tat noch ihr übriges, dass ich nicht ins dunkle wollte. dafür kommen herbst / winter früh genug.

[berlin / 06.07.2018] kit kat club: gegen sweat

nach einem halben jahr gehe ich wieder hin, dieses mal dürfte der pool für die allgemeinheit ganz interessant werden.

gegen sweat

gegen tanz floor
23h00 warbear
02h00 alienata
05h00 esther duijn
08h00 karina qanir

the snake pit
23h30 nekrobot
02h00 xik
03h00 zan lyons live a/v
04h00 phin
06h30 rory st john
kinomatik sot visuals

the house of gegen
23h00 eugenio
02h00 sprklbb
05h00 agyena

the bearcave
00h00 gloria viagra
03h30 tumulto

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
der pool war tatsächlich eher uninteressant, weil (welch ausnahme im 2018er-rekordsommer) die nacht eher kühl war.

im bearcave war ich nur kurz. wenn einem der sinn danach steht, eher von den menschenmassen bewegt zu werden als von sich selbst aus, findet man dort das individuelle glück. mein fall war’s nicht.

von den djs bzw. acts haben tatsächlich nur wenige eindruck bei mir hinterlassen. alienata natürlich, eher als esther duijn. eine tür weiter rory st john, nicht ganz so hart wie zur voitax in der säule. und dann noch quer durch den club am anderen ende agyena, der so einige dance mania von dj funk spielte, was (zugegeben) ein leichtes spiel bei mir ist, um mich zu überzeugen.

da die fusion noch etwas in den knochen steckte, habe ich es nicht allzu lang werden lassen und daher den schluss von karina qanir gar nicht mehr mitbekommen. und auch wenn es musikalisch nur stellenweise mitreißend war: in puncto stimmung und dem einfallsreichtum der gäste bezüglich fetisch-outfits hat die gegen meinen positiven ersteindruck bestätigt. an sonstigen terminen war ich nach wie vor nicht im kit kat, aber vielleicht brauche ich das bei solch veritablen techno-formaten auch nicht.

[berlin / 06.07.2018] so36: sick of it all

wer den eindruck gewinnt, dass ich mich noch zum konzertgänger entwickle, liegt nicht ganz falsch. ich arbeite derzeit helden aus teenagertagen ab. die kombination aus soia und so36 soll wohl eine ganz hervorragende sein und in dem laden bin ich seit dem wegfall des techno-montags eh viel zu selten.

sick of it all
iron reagan
cutthroat

einlass
20 uhr

tickets
25 euro an der abendkasse, im vorverkauf dürfte schon alles weg sein.

nachbetrachtung
cutthroat total verpasst und wenigstens noch die letzte viertelstunde von iron reagan mitbekommen. es scheint bei hardcore / metal wohl in mode zu kommen, headliner und vorbands quasi gleichberechtigt zu präsentieren. mangels richtiger erfahrung bei hardcore/punk-konzerten war ich erstmal über die direkte abfolge der songs überrascht. da werden ansagen nur dann gemacht, wenn die band selber mal verschnaufen muss. ansonsten geht das beinahe nahtlos durch.

iron reagan standen dabei den headlinern aus new york fast in nichts nach. für sick of it all sah das wiederum tatsächlich nach sowas wie einem zweiten heimspiel aus. lou koller wahnsinnig fit, sein bruder fegte auch nonstop über die bühne und alle vier hatten genau die mischung aus spaß und routine, die man von herren in ihrem alter kennt. drei titel von „scratch the surface“ („no cure“, das titelstück und „step down“), „built to last“ zum set-ende, „just look around“ ebenfalls (auch wenn der rest des albums leider unterrepräsentiert war), und sonst einiges andere aus der zeit, nach der ich ihre alben nicht mehr verfolgt habe.

kurzum: machte eine menge spaß. würde ohne zögern wieder hingehen.

[lärz / 28.06.-01.07.2018] fusion festival

ich bin dann ab donnerstag mal wieder weg. in den schlagworten die wichtigsten acts, die ich mir bereits vorgemerkt habe. übrigens sehr empfehlenswert, sich die timetable-seite auf dem schlauen mobilgerät als app zu hinterlegen. dann bleibt selbst bei updates die merkliste erhalten.

nachbetrachtung
(am 25. juni 2019, bevor es morgen zur nächsten ausgabe geht.)

das fazit vorweg: bei der 2018er-fusion hat sich endgültig so etwas wie routine eingestellt. es war das jahr, in dem ich mit ungefähr der gleichen haltung herangegangen bin wie bei einem berghain-besuch: die ersten male überwältigt es einen, aber irgendwann weiß man, was zu erwarten ist. an manchen stellen bekommt man die erwartungen im überfluss zurück, manchmal bleiben wünsche offen (bei der fusion gerne mal musikalisch – das ist aber auch nichts neues und wurde auch dieses mal wie eh und je auf einer anderen bühne ausgeglichen). und trotzdem fahre ich jedes jahr mit einem vorfreudigen gefühl im bauch hin, weil die fusion in ihrer grundausstattung mit der abwesenheit riesiger werbebanner, aber auch der unzähligen anzahl an licht- sowie kunstinstallationen (die arbeit mit workshops, diskussion, theater und dergleichen nicht zu vergessen) eine messlatte gelegt hat, die festivals mit größeren headlinern und ebensolchem marketing-budget nicht überspringen können. sprich: die seele der fusion stimmt einfach. das hat sich auch bei dieser ausgabe (natürlich) nicht geändert. es blieb also auch dieses mal für mich selbstverständlich, mir den termin für das nächste jahr dick im kalender anzustreichen.
aber wie das auch im clubleben so ist: auch das berghain liefert manchmal „nur“ guten standard (darunter geht’s aber nicht) und das about blank hat mal musikalisch und atmosphärisch die nase vorn. mal ist es umgekehrt, und mal überrascht einen ein völlig anderer ort.

lange vorrede: eine fusion nach gewohnt gutem standard, aber für 2018 hat monis rache die nase vorne.

also: was hat mir denn gefallen? wo ist luft nach oben? (ganz einfach mit + und – gekennzeichnet, und ich fange mit dem positiven an.)

+ die at.tension hat ihren stempel hinterlassen, so dass die landebahn bzw. das gelände für mehr performances genutzt worden ist. da wurden kurzerhand die besten der 2017er-at.tension einfach nochmal eingeladen (cirque pardi: rouge nord mit einem wahnsinnigen balanceakt auf der landebahn). fügt sich super in die fusion ein und bietet für mich nicht nur eine ergänzung zum musikalischen geschehen.
+ der zeitplan als web-app für schlaue mobilgeräte. entband wahrscheinlich nicht nur mich von der notwendigkeit, die gedruckte version dabei haben zu müssen.
+ ganz platt: das wetter. kein bisschen regen, etwas kühl in der nacht, dafür keine sengende hitze tagsüber. führte zwar auch dazu, dass ich mir das „willkommen bei der staub“ zur begrüßung nicht verkneifen konnte, aber all das ist besser als wolkenbrüche und matsch allerorten.
+ die triebwerke sind jetzt nicht mehr die hauptkonzertbühne. stattdessen hat man den vorplatz zwischen triebwerken und datscha umgestaltet, so dass es dort keine überfüllung mehr geben kann: die bühne an sich ist in den hangar gewandert, so dass dort immer noch konzerte oder auch sets stattfinden, aber da komprimiert sich die stimmung sehr gut. vor dem hangar steht eine tribüne, auf der man sich das alles von draußen ansehen kann. da blieb bspw. bei pisse auch nichts anderes übrig, weil so einige die (verständlicherweise) sehen wollten.
+ ersatz für die triebwerke als hauptbühne: palapa. ein neuer, riesiger bereich hinter dem konsum mit einer zeltspitze, die man beinahe vom weltraum… naja, eher mehrere hundert meter entfernt aus sieht. die feuerspeienden drachen von der turmbühne stehen jetzt da, auch hier eine empore im hinteren bereich, von der aus man alles sieht und überhaupt bietet das alles mehr platz und ein besseres gesamterlebnis als bei den triebwerken (ex-hangarbühne), wo man sich gut und gerne mal auf den datscha-hangar quetschen durfte, um überhaupt etwas sehen zu können. das geht beim palapa von ziemlich vielen stellen. dort machte insbesondere olli schulz am sonntag große freude. der war das erste mal überhaupt auf der fusion, kam aus dem schwärmen nicht mehr heraus, ging sofort in die offensive, dass er nicht so richtig weiß, ob und wie das mit ihm klappen wird. aber die leute waren tatsächlich extra wegen ihm da, so dass das für ihn (hoffentlich) eines der konzerte war, die er in seiner bestenliste für 2018 führt. von wegen lisbeth sollten auch lobend erwähnt werden, für sxtn war ich nicht in der stimmung bzw. habe youth man (der entdeckung von 2016) in den triebwerken den vorzug gegeben. acid pauli war am sonntagmorgen für eine halbe bis dreiviertelstunde auch schön anzuhören, aber für mich nicht der große wurf.
+ die bachstelzen (bzw. panne eichel) haben ein neues design in pseudo-betonoptik und nur jaber hat dort beim vorbeigehen samstag- auf sonntagnacht auch ordentlichst gebrettert. allerdings hat alex.do dort für mich samstags tagsüber das set der fusion gespielt, wohingegen das dystopian-oberhaupt rødhåd auf der turmbühne „nur“ abgeliefert hat. (das beste techno-set des wochenendes kam im übrigen relativ früh von aurora halal am donnerstagabend auf dem querfeld.) bei alex.do gab es soul, „praise you“ von fatboy slim, später noch „bad“ von michael jackson und die krönung dann mit dem bicep-edit von dominicas „gotta let you go“. so schön unverkrampft.
+ das kommt fast einem bekenntnis gleich: die fusion 2018 geht als der jahrgang ein, in dem ich so viel zeit auf dem trancefloor verbracht habe wie in den acht malen zuvor zusammengerechnet. das war eine gute stunde am sonntagmittag/nachmittag, wo alles zusammenpasste.
+ der rote platz war hort toller konzerte. eine bildungslücke konnte ich mit romano füllen, der nicht lange zum warmwerden brauchte (allerdings auch später anfing) und das publikum von der ersten minute an hatte. zugezogen maskulin hatten zwischendrin einen ordentlichen moshpit und bei „endlich wieder krieg“ die wasserpistolen mit sektflaschentank am start, sind für mich auf platte aber besser. und es scheint sich zum ritual zu entwickeln, die fusion dort sonntagnacht mit einem konzert ausklingen zu lassen. in dem fall hundreds, bei dem ich dem tontechniker auch jetzt noch um den hals fallen würde, weil das akustisch ein absoluter traum war.
+ seit ich zur fusion gehe, waren drumbule in der tubebox fest gesetzt. nun endlich erlebt, was auf dem vorschlag während edward von giegling auf der tanzwüste basierte, sich aufgrund der kälte unter freiem himmel mal irgendwo drinnen aufzuwärmen. daraus wurden dann gut zwei stunden abfahrt, wodurch wir zwar den lautstarken protest nebenan wegen konstantin verpasst haben. aber geschenkt – das war’s allemal wert. apropos tubebox: otto von schirach machte am vortag zwar laune wie immer (mit einem gefühlten dutzend weiterer fusionisten, die mit ihm auf dem pult herumsprangen), aber le crabe hat ihm zuvor ein bisschen die show gestohlen (unwiderstehliche gabba-coverversion von „boom, boom, boom, boom (i want you in my room)“.
+ der palast der republik mit nico semsrott sowie filastine & nova. ersteren kann man bei folgeausgaben eigentlich direkt auf dem roten platz unterbringen, weil der andrang so groß war, dass wir ihn nur von draußen mitbekamen. für filastine & nova jedoch genau richtig.
+ die turmbühne ist zwar immer noch als sammelbecken für das weniger kritische publikum verschrien, aber auch immer noch der ort, der mit die besten lichtinstallationen und auch tolle bilder mit den ganzen schildern, schirmen und allerlei anderer mitgebrachter deko bietet. war musikalisch sonntagnachmittag mit moonwalk auch angenehm und recondite hat für mich zwar nicht das jahrhundert-closing, wohl aber einen guten standard dafür geliefert.

– leider immer noch der klassiker: stehpisser abseits der rinnen. ist ja echt nicht so, dass es davon nicht genug gibt.
– es ist (siehe das dilemma um nico semsrott) eine zweite strategische ebene nötig, sofern man es darauf anlegt, bestimmte acts mit einer gewissen anziehungskraft auf das publikum zu sehen: neben der zeitlichen koordination (wenn act x fertig ist, muss ich danach zu y) kommt nun auch der gewisse andrang hinzu. wenn man also auch etwas sehen und nicht nur hören möchte, sollte man eine halbe stunde vorher dort sein. nimmt ein wenig was von der spontaneität, aber andererseits birgt das auch wieder die chance, abseits neues zu entdecken.
– „no shirt, no service.“ – absolut nichts gegen die absicht, auf maskuline privilegien aufmerksam zu machen, wonach die entblößung des oberkörpers bei den damen mit wesentlich mehr nebeneffekten (meist in form männlicher verhaltensweisen, was bei starren anfängt, bei bemerkungen weitergeht und für manche eine einladung zur übergriffigkeit darstellt) verbunden ist. mich stört nur, dass dies einem als botschaft an manchen bars (workshop-hangar oder haupttresen) einfach so vorgesetzt wurde. klar konnte man auch erklärende schilder finden, hier hat aber monis rache bereits im jahr zuvor bessere arbeit geleistet und das auf der webseite, im newsletter und im festivalplaner dargelegt. ja, ich habe geschaut: im fusion-pamphlet steht dazu nichts. so wirkte das auf mich als etwas indoktrinierende botschaft, die grundkenntnisse voraussetzt, wovon man bei 70.000 festivalteilnehmern beim besten willen nicht ausgehen kann.

[berlin / 23.06.2018] tresor: tresor.klubnacht

komme gerade von der staub, und die energie ist noch vorhanden, einen meiner lieblinge mitzunehmen.

tresor
00h00 lenson
03h00 objekt
06h00 pariah

globus
00h00 aleksa alaska
02h30 credit 00
03h30 david vunk
05h30 ron wilson

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
war eine recht kurze visite. zwar pünktlich zu credit 00 vor ort, der electro in einer art und weise spielte, wie sie deutlich von aux 88 inspiriert ist. nicht die schlechteste referenz.

um qualität brauchte man sich bei objekt auch an diesem abend keine sorgen zu machen. gestandene 1990er-bretter wie „dominator“ von human resource oder „substance abuse“ von f.u.s.e. gaben sich mit electro à la two lone swordsmen („sticky“), „ttransport craving“ von quirke, „if i could stop“ von hodge & randomer oder „buoyant slight“ von metasplice und dem villalobos/loderbauer-remix von den tshetsha boys auf honest jon’s die ehre. was ihn wieder einmal außergewöhnlich erscheinen ließ, war die steigerung auf drum&bass-tempo gegen 5 uhr, wo „red flag“ von amit, „deep sleep“ von paradox und „flow bit“ von martianman hervorstachen.
auch wenn nicht das komplette publikum diesen wechsel mitgetragen hat, kam die hälfte schon ganz gut damit zurecht. immerhin hatte er es also versucht, das wird auch nicht aufhören, bei mir mehr zu wiegen als das setzen auf sicherheit.

pariah brachte sich danach mit ortsüblichem techno in stellung. ich für meinen teil hatte aber musikalisch genug erlebt, dass es heimwärts ging.

[berlin / 22.06.2018] about blank: staub xxl

dankbarerweise eine woche vor der fusion. startet gleich freitagnacht und geht dann 22 stunden. tagsüber mit poly|motion-floor.

eintritt
10 euro

start
24h00

ablauf
lobby
00h00 john barera
03h00 zesknel
04h00 brachland
07h00 fadi mohem
poly|motion
10h00 hks97
13h00 ahu
17h00 kvrt

mdf
01h00 fr. jpla
03h00 elad magdasi
06h00 shredder
07h00 silva rymd
10h00 templeton
14h00 caleb esc
18h30 sebastian kökow
22h30 irakli / sebastian kökow

garten
08h00 i.nez
10h00 modschi & r. spinner
13h00 erik jäähalli live
14h30 emika
17h00 sven von thülen
20h00 irakli

nachbetrachtung
wo die mai-ausgabe musikalisch nicht meine baustelle war, hat dieses mal wieder so einiges gepasst – schön war’s. ein paar grad mehr hätte ich draußen ganz gut gefunden, aber damit wären wir wieder beim haar in der suppe suchen und es auf gedeih und verderb finden.
ganz klarer favorit: sven von thülen. housiger grundrhythmus, der aber auch ausflüge zu techno gestattete, wo er mich mit neil landstrumm („takks“) und erst recht tobias schmidt („easier“ – die „french revolution“ ist immer noch meine lieblingsplatte von ihm) so richtig abholen konnte. „pressure“ von gilb:r im garnier-remix passt jetzt auch nicht so schlecht in den garten und das schön zwischen chicago (relief) und brighton wildernde „gangbang’n“ von co-jack kannte ich bis zu dem set noch nicht. „kaotic harmony“ von derrick may hat das set zum schluss perfekt gemacht. (ich meine mich zu erinnern, dass savas pascalidis damit bei einer der letzten ausgaben auch schon den mdf geschlossen hat.)
emika hat aufgrund ihres zurückgenommenen breakbeat-lastigen sets auch überzeugt. darunter mit „call“ von lynx, „nucleus“ von orson & skratch, „junt“ von skee mask, „vicodin“ von instra:mental direkt danach, und da anthony shakir ja immer geht: „frictionalized“.
von irakli noch in erinnerung geblieben: „fear of music“ im chancellor-remix sowie die zugabe, wobei man mit prince bei mir eh immer offene türen einrennt – und erst recht, wenn es der „purple rain“-soundtrack ist. in dem fall „i would die 4 u“.
sebastian kökow treibend und auch mit schicker-tracks wie „horrormone“ im horrorist-remix, im original von dave tarrida, oder „riot control“ von rebekah. außerdem notiert: die b1 der rukma vimana sowie „go“ von robert hood (der ja gefühlt momentan monatlich etwas veröffentlicht, wovon beileibe nicht alles an die qualität aus den 1990ern herankommt, daher fällt so ein track schon mal durch das raster). zugabe zum schluss auf dem mdf: „raver“ von burial.
doch, es passte einiges. auch das warm-up-set von gigsta in der lobby zur anschließenden oscillate bot perlen wie „noontide“, geremixt von max loderbauer (findet man auf arjunamusic), „elephant’s easy moonwalk through the night“ von manos tsangaris und „talk louder“ von paleman (mit dank an gigsta und shazam gleichermaßen). auch simo cell ließ sich zur wiedereröffnung des mdf gut an, aber da war mir nach beinahe 12 stunden eher nach was essbarem und schlaf.

[hamburg / 16.06.2018] golden pudel club: warning

die warning gab es schon einmal im about blank, sie fiel nur auf die nachtdigital 2017. die nächste in berlin ist im september und die wirklich nächste morgen im golden pudel club der hansestadt. den habe ich eh noch nie gesehen und gerade nach den turbulenten letzten jahren kann ein wenig unterstützung nicht schaden.

nachbetrachtung
na, das war ein einstand. nach dem bummel durch vier, fünf plattenläden (unklar, slam, hanseplatte, smallville, otaku) beim gemeinsamen abendessen nahe reeperbahn sitzen, dabei erfahren, dass kaletta und piracy in berlin geblieben sind und man den club schon ab 20 uhr bespielen könne (vorher war ab 23 uhr geplant). dann gefragt worden, ob ich das nicht machen wolle. der laptop war zwar nicht weit weg, aber für vorbereitung keine zeit. meine sicherung auf sd-karte hatte ich auch nicht dabei, aber immerhin neun platten durch den einkauf (darunter einige giegling) in der tasche.

also rüber zum pudel (zu der zeit noch ohne dach). und damit gehört zum ersten, was ich im pudel gemacht habe, eine nadel auf eine der giegling-platten zu setzen (es war der ambient-track auf der „talk“ von leafar legov). ein glück läuft das im club so wie in alten discotheken: die residents haben ihre platten gleich da. hat gleich so einiges gerettet, weil die neun platten definitiv nicht für zwei stunden gereicht hätten. dabei die „makesnd cassette“ von snd entdeckt (die sich gut mit der frisch gekauften „blue pool“ von khan ergänzte), die „feelings on a screen“ von bochum welt stand auch herum sowie transmat-erstpressungen, das „great lengths“-album von martyn, neuere hessle audio, diverse „parts“ von herbert – damit ließ sich was anfangen. und dankenswerterweise sprang auch philipp otterbach ein, der nach einer dreiviertelstunde meinte, dass ihm langsam die ruhigen sachen ausgehen und ob ich nicht wieder übernehmen könne. habe ich auch gemacht, und da es langsam auf den zeitpunkt zur regulären öffnung zuging, kamen auch die ersten gäste. bis dahin haben philipp und meine wenigkeit (aus meiner sicht: ein glück) mehr oder weniger nur für die reisegruppe gespielt.

also eigentlich eine der gelegenheiten, auf die man als dj nicht allzu häufig trifft und die man eigentlich herbeisehnt. meine vorbereitung war in diesem fall zwar lausig, aber das doch irgendwie vorhandene improvisationstalent hat das aufgefangen.
yulika hat danach gekonnt übernommen und dabei viel electro / breakbeats gespielt (der discographie von jensen interceptor muss ich mich immer noch widmen), erik jäähalli in gewohnt lässiger acid-house-schule, philipp otterbach querbeet, inklusive „work it!“ von parris mitchell & rj hall auf dance mania.

zum beginn von rvds bin ich gegangen, weil ich noch etwas schlaf brauchte, damit ich den flixbus gen heimat rechtzeitig bekomme. aber der pudel hat aus dem stand den eindruck hinterlassen, dass ich schon viel früher hätte vorbeischauen sollen. der club ist für hamburg als stadt sehr repräsentativ: nordische gelassenheit und dabei unprätentiös, jedoch um seine qualitäten wissend. es tut gut zu wissen, dass neben den repräsentativen bereichen in der innenstadt auch platz für alternativkultur wie das gängeviertel, die schanze und eben den pudel an der hafenstraße ist. mit 200 leuten ist der club auch bereits überfüllt, was aber experimente begünstigt, für die der laden seinen ruf genießt. da wird weniger auf verwertbarkeit geschaut, sondern vielmehr auf das, was die eingeladenen gäste an vielfalt, wissen, courage zu bieten haben. in der hinsicht färben die residents mehr als positiv ab, die ihre gäste einfach mal machen lassen – am sonntag meiner heimfahrt beispielsweise mit batu, der den abend ganz für sich hatte. ergo eine weitere gelegenheit, sich in seiner künstlerischen freiheit maximal austoben zu können. das ist bei dem dj-pult mit dem rücken zu den fenstern in richtung hafen auch als arbeitsplatz eine schöne erfahrung.

prädikat: äußerst wertvoller club und ein toller hafen für die warning.