[berlin / 15.11.2024] berghain: reef

stammtermin numero zwei, letzte reef für dieses jahr. die termine für nächstes jahr sind noch nicht raus.

reef

berghain
00:00 esposito
03:00 mc yallah x debmaster
04:00 niño árbol
06:00 mala

panorama bar
22:00 nono gigsta
02:00 siu mata
05:00 dj earl
07:00 lena willikens b2b darwin

nachbetrachtung

rein: gegen 22:45 uhr.
raus: kurz nach 8:15 uhr.

eine ausgabe im echt guten durchschnitt, wobei ich vielleicht zu hohe erwartungen an mala hatte. nachdem er beim waking life seine unwiderstehliche mischung aus subtil-schiebenden tracks mit tiefgang plus gestandenen wobble-brettern spielte, war mir das samstagfrüh eindeutig zu ravig. oder mein verstand bereits übersättigt. sei es wie es sei – er hat mich leider nicht abholen können. macht jedoch nichts – das traf dafür auf ziemlich viele andere besucher*innen zu. ich habe das berghain zu dem zeitpunkt an einem samstagmorgen selten so voll erlebt. ungefähr vergleichbar mit einem gut besuchten sonntagnachmittag gegen 14 / 15 uhr mit einem sehr dankbaren publikum.
das ging leider sehr auf kosten von dj earl, der in seiner ersten stunde mit footwork (darunter sehr viel dj rashad) in der panorama bar die leute fest im griff hatte und für mich im vergleich zu niño árbol (raviger drum & bass) eindeutig die nase vorne hatte. obwohl es clever war, mala als headliner an den schluss zu setzen, weil seine übliche tiefe super zum abschluss gepasst hätte und er auch genügend publikumsmagnet ist, tat mir dj earl ganz schön leid. er spielte ab 6 uhr vor einer bestenfalls drittelvollen panorama bar, wo ich schon fast annahm, dass der slot von darwin und lena nach unten verlegt wird. aber nein: im berghain war um 8 uhr schluss und die beiden damen bestritten das von anfang an wie aus einem guss mit stellenweise rauhen breakbeats. damit gewannen sie auch kontinuierlich leute zurück. aber da leipzig bereits rief, ich bereits gut 24 stunden wach und somit nicht mehr wirklich aufnahmefähig war, beließ ich es um kurz nach 8 dabei – in der hoffnung, dass das irgendwann mal wiederholt wird.

ansonsten war ich bereits gegen 0:45 uhr im berghain leicht am grinsen. bereits zu dem zeitpunkt trat das bekannte freitagsphänomen auf, wonach ich nach gerade mal zwei stunden im club bereits eine musikalische bandbreite präsentiert bekommen hatte wie an manchen sonntagen nicht und zugleich offensichtlich wurde, dass nicht nur ich das ziemlich gut so fand.
das fing bei nono gigstas ziemlich jazziger electronica an, die sich später in reduzierte breakbeats à la livity sound oder well street entwickelte (shazam hat leider nichts erkannt, daher nur diese skizzenhafte beschreibung). wenn ich das haar in der suppe suchen wollte, wäre es schön, wenn sie beim nächsten mal die lautstärke im blick behalten könnte – das schwankte auch nach mitternacht stellenweise zwischen „laut genug“ und „ich kann die gespräche um mich herum hören“. passiert den besten.
esposito (mein klarer favorit dieser ausgabe) war maßgeblich für mein grinsen verantwortlich, auch wenn er für mich nach einer halben stunde etwas auf der suche wirkte, wo es im set hingehen soll. ab 0:45 uhr entschied er sich für drum & bass und blieb auch dabei, was dieser reef-ausgabe (zumindest im berghain) in kombination mit niño árbol einen deutlichen stilistischen stempel aufdrückte.
siu mata stellenweise housig, durchbrach die 4/4-kicks jedoch rechtzeitig. mc yallah x debmaster erinnerten mich als kombination ziemlich an miss red und the bug. für mich insgesamt musikalisch besser, weil weniger düster um der düsterheit willen – wenn auch nicht mein fall. aber sie hat eine wahnsinnig gute bühnenpräsenz bzw. mischt sich gleich unter das publikum. hatte also konzertcharakter zwischendrin und damit auch etwas neues.

notierte tracks

esposito
speedy j – fill 3
source direct – approach & identify (demdike stare remix)
special request – transmission
beastie respond – continuous
cause 4 concern – dead weight
indigo – volta
dbridge – dead peak
bredren – the sewers
dub phizix – never been (feat. fox)
jonny l – piper
mako – a break from ritual
loxy & resound – tyranny
dub phizix – narrow eyes (feat. fox & chimpo)
goldie – still life (photek remix)
ed rush & optical – compound

siu mata
10010 – mambo influenciado
fold – billa
sam binga & fracture – trippin‘
hassan abou alam – ma3rafsh

dj earl
dj rashad – shoot me
trg – broken heart (martyn’s dcm remix)
dj rashad – let it go
dj rashad – took it doggy style
dj rashad – trap bakk

mala
nomine – nomine’s ego
mala – anti war dub
mala – lean forward
joker – mad night (letzter track)

darwin b2b lena willikens
pearson sound – hornet
delta – la la

[crato / 19.-24.06.2024] waking life

wie angekündigt: kein fusion festival dieses jahr. stattdessen premiere: erstens das waking life an sich und zweitens ein festival im ausland. mehr dann hinterher.

nachbetrachtung

der text ist wieder mal länger und das fazit daher an den anfang gestellt. der rest folgt mit überschriften.

kurzform / fazit

die vorschusslorbeeren genießt das waking life absolut zurecht. vorbeischauen werde ich dort in jedem fall mal wieder.
da ich dinge ganz gerne formell einordne: für mich sind dort die pluspunkte aus fusion, nachtdigital und der nation of gondwana vereint. der hippieske anspruch der fusion, ohne politisch dabei zu dogmatisch zu sein, die musikalische kuration der nachtdigital und die besucher*innenanzahl der nation of gondwana, auch wenn die wege auf dem waking life im vergleich zu grünefeld länger und das gelände an sich wesentlich größer sind. die auf 10.000 leute beschränkte kapazität des publikums wird hoffentlich so belassen.

verbesserungswürdig

wildpinkeln ist auch international ein problem. natürlich laste ich dies in erster linie den herrschaften an, aber zum teil auch dem waking life. so gut die sanitäre situation auch sonst war (keine dixis, ausnahmslos ökotoiletten, an jeder station wenigstens desinfektionsmittel, meistens sogar waschbecken mit seifenspendern), ist die anzahl an pinkelrinnen ausbaufähig. deren vorhandensein fällt im dunkeln am rande der bühnen – denn das ist der einzige ort, an dem es sie gibt – eher nicht auf, da die ökotoiletten an sich schon beleuchtet sind. es gibt keine missoirs, ergo bleibt flinta*-personen keine andere möglichkeit als die kabinen. jedoch hielt sich die wartezeit dort stets sehr im rahmen, was für eine gute kalkulation beim publikumsaufkommen und damit einhergehender potentieller nutzung spricht.

das problem des wildpinkelns trat eher auf dem zeltplatz auf. dort gab es nur zwei zentrale punkte, an denen mensch sich in ökotoiletten erleichtern konnte. wenn mann (bewusst so gegendert) sich noch halbwegs schlaftrunken kurz mal erleichtern und anschließend weiterschlafen möchte, kann ich es sogar verstehen (ohne das sonderlich gut zu finden), einfach den busch am wegesrand zu nehmen als die 100 bis 200 meter bis zu den klos zu absolvieren.
ideal wären also pinkelrinnen für damen und herren an mehr punkten – sowohl auf dem festivalgelände als auch auf zelt- sowie campingplatz. dort können besucher*innen zwar die campereigenen toiletten benutzen, aber das ist evtl. auch taktisch manchmal nicht gewollt (bspw. wenn ein camper gemietet ist und die mieter*innen das klo nicht reinigen möchten).

so schön es ist, komplett um den see herumgehen zu können: nachts ist das abenteuerlich, weil ein viertel des weges vom outro lado aus gesehen hinter dem wald mit den baumhäusern bis zum labyrinth mit geheimfloor nicht beleuchtet ist. für besucher*innen heißt das: smartphones oder andere taschenlampen mitnehmen. ich nehme aber an, dass das bereits auf dem schirm ist und in den folgejahren weiter verfeinert wird.

der einsame essensstand rechts neben der bar beim outro lado war etwas unglücklich platziert und dem ansturm der leute bei dessen öffnung auch höchstens gerade so gewachsen. wenn mensch nicht wusste, dass es auch hinter der bar einen weg zu den installationen und damit um den see herum gibt, wurde das an der warteschlange an hungrigen vorbei ein ziemliches nadelöhr.
auch wenn das gelände hinter der bar für eine kleine essensmeile etwas zu hügelig ist und es potentiell probleme mit fluchtwegen oder genehmigungen gäbe, fände ich es ganz schön, wenn sich die organisator*innen für dort etwas einfallen ließen. im status quo müssen die leute fast einen halben kilometer auf sich nehmen, um zur hauptessensmeile neben dem cochilo zu gelangen. die wiederum ist an einer stelle gelegen, die ideale voraussetzungen bietet (fast ebenerdig, schattig bzw. genügend raum für überdachungsmöglichkeiten) und damit ein sehr guter treffpunkt. aber wenn schon neben der floresta als eine der großen bühnen eine weitere essensmeile existiert, wäre das bei der ähnlich dimensionierten outro lado ebenso schön.

fahrräder werden auch auf dem waking life genutzt. dafür muss mensch wegen der steigungen jedoch sportlich sein, wenn mensch vom campingplatz aus kommt. im wäldchen macht mensch sich (gerade im nachts unbeleuchteten teil) eher unbeliebt, aber ich hab da auch nur einmal jemanden mit rad gesehen, und derjenige hat es lieber geschoben.

mit dem hügeligen klang es bereits mehrfach an: wirklich barrierefrei ist das gesamte gelände nicht. das betrifft in erster linie den wald und praia als bühne. begleitpersonen für rollstuhlfahrer werden sehr viel kraft in den armen brauchen, andererseits auch auf ein sehr hilfsbereites publikum treffen.

der campingplatz für die camper- bzw. autofraktion hätte ein bis zwei zusätzliche beleuchtungsquellen ganz gut vertragen können. auch hier war mensch mit taschenlampe besser beraten, um den eigenen camper nachts wiederfinden zu können. wobei das auch kompromisse bedeutet: viele wollen nachts nicht von akustischen oder optischen quellen gestört werden und da ist ein scheinwerfer eher kontraproduktiv. solange das telefon noch genügend akku für die taschenlampe hat, passt das.

der zugang zum festivalgelände vom campingplatz aus war am mittwochabend ein ziemliches nadelöhr. dort wird das gepäck kontrolliert (keine glasflaschen, keine längeren messer oder ähnliche hieb- und stichwerkzeuge). und auch wenn drei, vier leute zugleich dort beschäftigt sind, ist das zu wenig, um den ansturm bewältigen zu können. der regen kam noch erschwerend hinzu.
da dieser ansturm nur einmalig stattfindet, würden zwei, drei zusätzliche stationen oder security-mitarbeiter*innen schon einen unterschied machen. vom campingplatz aus kommende durchlaufen das procedere jedes mal, wenn sie zum festivalgelände möchten. aber das ging an den folgetagen stets sehr zügig.

ein ans festival angebundenes security-team, das in eskalationsfällen zur stelle ist, wäre wünschenswert. es geht mir da in erster linie um die fraktion, die meint, auf dem campingplatz zum aufladen der camper-batterie mehrmals am tag den motor eine stunde laufen zu lassen. nicht nur eine umweltbelastung, sondern auch eine akustische. die security selbst sprach nur das nötigste an englisch, was zum zwecke der gepäckkontrolle auch in ordnung ist. aber sollte das waking life an popularität gewinnen und damit mehr internationale gäste anziehen, die bspw. bei der campingplatzetikette oder auch generell bei der awareness nachhilfe gebrauchen können, wären drei bis vier leute pro schicht ziemlich gut, um das mit hilfe der security durchzusetzen.
damit einhergehend: feste standorte auf dem zelt- sowie campingplatz, damit jede*r weiß, wohin er*sie sich bei klärungsbedarf wenden kann.

die web-app ist schon mal super, um das guthaben auf dem chip (auf dem waking life bezahlt mensch cashless in der eigenen währung „klingeling“, die 1:1 in euro umgerechnet wird) einsehen zu können. es wäre noch besser, den timetable und ggf. den lageplan dort einzupflegen. in der hinsicht ist mensch von der fusion-app sehr verwöhnt, daher ist das eher ein nice-to-have.

pluspunkte

so sehr es auch nervt, in autoschlangen zu warten, wo mensch doch nur seine endgültige park- oder zeltposition erreichen und die ortsbegehung starten möchte: das war angesichts der tatsache, dass sich vor der zufahrt zum waking life drei zufahrtsstraßen kreuzten, erstaunlich kurz (für uns gut anderthalb stunden). sobald mensch auf der festivalzufahrt in der warteschlange mit den autos stand, ging das alles ziemlich schnell. fußgänger*innen, die mit dem shuttle anreisten, mussten im schnitt länger warten.

auch wenn mein zuweilen nicht sonderlich logisch denkendes gehirn erst nicht ganz begriff, was unser parkplatzeinweiser mit uns vor hatte, als es um die position für unseren camper ging: er hatte einen plan. und dieser ging auf = eine reihe an campern mit motorhaube voraus am wegesrand entlang aufstellen lassen, diese reihe wiederum spiegeln, indem sich die camper mit ihrer rückseite parallel zur rückseite von denen am wegesrand aufstellen. konsequenz: so entstand eine weitere gasse, aus der jede*r bei bedarf das festivalgelände verlassen konnte. so ordentlich habe ich das in mehreren jahren auf der fusion nicht gesehen, wo selbst mittwochs auf der insel exzessiv autotetris gespielt worden ist, bis supporter*innen die mangelnden zufahrtsmöglichkeiten für die feuerwehr angemahnt haben. auf dem waking life ergab sich dies durch die gute einweisung von selbst.
wer mit dem gedanken spielt, das waking life mit dem eigenen oder (was ziemlich viele besucher*innen getan haben) gemieteten camper zu besuchen: achtet darauf, dass auffahrkeile mit an bord sind. gerade zum eingang bzw. zum zaun hin wird das gelände sehr uneben – wirklich plan ist es nirgends. zudem hat die camper-fraktion von allen besucher*innen den weitesten weg zum festivalgelände. aber der beträgt vielleicht einem kilometer und ist in zehn minuten erledigt. auf dem festivalgelände selbst sind die wege auch nicht die kürzesten, also sammelt auch die zeltfraktion schritte.
wenigstens 80% der camperfläche liegen in der sonne. ideale bedingungen für fahrzeuge mit solarpanel auf dem dach, nicht so ideale bedingungen, wenn mensch keine markise am fahrzeug hat. ggf. in ein tarp investieren.

schatten, bzw. der mangel daran, führt zu einem dicken pluspunkt für die organisator*innen: weite teile des zeltplatzes haben planen über der wiese. die sind zwar auch lichtdurchlässig, aber dunkeln soweit ab, dass es für eine halbe stunde mehr im zelt ausreichen könnte. ich habe mir sagen lassen, dass es die seit zwei jahren gibt, wo das waking life noch im (heißeren) august stattfand. es sind zwar bäume gepflanzt, aber bis die groß genug sind, um schatten spenden zu können, bin ich fast im rentenalter.
gut zwei drittel des zeltplatzes sind auf diese weise überdacht. wer später kommt, steht in der sonne. das war in diesem jahr spätestens sonntag ein problem, weil es dann mit den moderaten temperaturen vorbei war und es auch nachts nicht besonders abkühlte.

in puncto „schatten“ jedoch überraschend: ein wüstenartiges festivalgelände mit wenig bis gar keinem schatten erwartet, stattdessen erleichtert feststellen, dass jede der bühnen entweder gut sonnengeschützt ist (praia, cochilo) oder gleich unter bäumen liegt.

sowohl auf dem zelt- als auch dem campingplatz hört mensch vom festivalgelände ziemlich wenig. und erstaunlicherweise ist das publikum so diszipliniert, dass keine eigenen boomboxen angeschleppt werden, um die party einfach in die zeltplatzumgebung zu verlegen.

ich habe selten so ein sauberes festival gesehen. hängt auch damit zusammen, dass supporter*innen regelmäßig auch bei hochbetrieb über die bühnen gehen und müll einsammeln. sonst greift der via website kommunizierte codex schon sehr gut. dabei hilft es immens, mülleimer auf einer der tanzflächen stets in sichtweite zu haben – egal, wo mensch sich befindet. die trennung nach dosen und restmüll bekommt mensch in egal welchen zuständen gut hin. da sämtliche der getränke von den bars entweder in pfandbechern oder in dosen ausgegeben werden, kommt an dieser stelle keine komplexitätsstufe hinzu.
das setzt sich glücklicherweise auf dem zelt- sowie campingplatz fort. da die meisten eh aus dem ausland anreisen dürften, kommt kein sperrmüll wie ausgediente sofas und dergleichen auf das gelände. und auch der rest des gepäcks dürfte sich bei den zeltenden ziemlich in grenzen halten. jedoch zur transparenz: wir haben das gelände am frühen montagnachmittag (bei 36 grad) verlassen, während outro lado noch bespielt worden ist und den zeltplatz damit nicht komplett leer gesehen. es mag sich also später ein anderes bild geboten haben.

apropos bars: am längsten habe ich drei minuten warten müssen, meistens deutlich weniger. auch bei den essensständen hielt sich das zu stoßzeiten mit maximal 20 minuten im rahmen.

ausnahmen bestätigen die regel, aber die kuration zieht ein in weiten teilen fachkundiges publikum an. sicher wird das ausmaß an expertise unterschiedlich gewesen sein, aber meinem eindruck nach konnte sich die überwältigende mehrzahl (also musik-nerds sowie deren unter umständen weniger nerdige anhang) auf die regeln einigen.
will heißen: es gab kein ständiges fotografieren oder filmen auf den tanzflächen, nur mal sporadisch bzw. einen für mich etwas penetranten instagram-poser-trupp bei l.b. dub corp sonntagabend bei floresta. aber auch das fand eher am rande statt und war nach 20 minuten vorbei. das bringt mich selbst in die lage, die kamera nur selten mit auf das festivalgelände zu nehmen und dort auch eher nachts bzw. wenn tagsüber, dann bei installationen zu benutzen. das smartphone hatte ich vielmehr wegen des abfotografierten timetables und als taschenlampe dabei. da die mobilfunkinfrastruktur in dieser ländlichen gegend wegen des festivalandrangs chronisch überlastet war (ein problem, das mensch hier von der nation of gondwana oder vom nachtdigital her kennt), brachte mich das nicht in die verlegenheit, meiner gier nach informationen durch scrollen nachzugehen. und das war auch gut so. auf die weise blieb mensch viel eher auf die musik bzw. den moment fokussiert anstatt sich in szene setzen zu müssen.
ich hatte den eindruck, dass das waking life für die leute ab 25 interessant ist, die des tempo-trends der letzten jahre überdrüssig sind bzw. nie etwas damit anfangen konnten. klar zählt mensch ab 40 dort auch bereits zu den älteren, aber im median dürfte der altersdurchschnitt um die 30 gelegen haben. also bei der generation, in der die interessen zwar vielfältig sind, sich das verzichtbare jedoch bereits herauskristallisiert hat, und die komplette eskalation geschieht bestenfalls punktuell und nicht mehr ständig.
ergo ein eher gesetztes publikum, das meinem eindruck nach ziemlich genau auf das programm schaut und gute kuration mehr zu schätzen weiß als sich festivals mit den großen acts auszusuchen, die am dritten festival-gig des gleichen wochenendes einfach nur abliefern.

nicht nur für ottonormalbesucher*innen scheint das waking life durch dessen kuration eine gute wahl zu sein, sondern auch für diejenigen auf dem line-up. so spielte djrum bspw. zwei mal – einmal ein ambient-live-set beim cochilo, dann nochmal (leider verpasst) nach ben ufo samstag auf sonntag bei floresta. maayan nidam spielte in der nacht von mittwoch auf donnerstag auf floresta sowie freitagnacht auf dem geheimfloor hinten im labyrinth – und ich habe sie beide male leider nicht gehört. andere aus dem programm sah mensch über das wochenende verteilt im publikum, um den kolleg*innen zuzuhören. ich nehme es also als qualitätsmerkmal für das festival, dass manche ihren booking-agenturen bescheid geben, das wochenende für das waking life freizuhalten und damit auf weitere einnahmen durch weitere gigs zu verzichten.
die gründe sind nur zu verständlich. wenn sich selbst als ottonormalbesucher*in ein gefühl von kurzurlaub einstellt, ist das für manche acts mit anderen möglichkeiten zur unterbringung etc. auch eine willkommene abwechslung vom sonstigen wochenendtrubel.

abgesehen vom praia, wo zwischen dj und publikum eine distanz besteht, sind die bühnen so gestaltet, dass decksharking möglich ist. auf outro lado sowie floresta spielen die acts ebenerdig. sorgt also für eine augenhöhe zwischen acts und publikum, anstatt erstere unnötig zu inszenieren. gerade bei floresta erwiesen sich die installationen eher als hingucker als die bühne an sich.

musikalisches

gleich vorab: die absoluten „wow!“-momente blieben – zumindest, was tanzbare musik angeht – aus. jedoch: wenigstens gute sets, stets über mittelmaß, durchgängig hohes niveau.
was jedoch primär bei mir haftengeblieben und ein beleg dafür ist, dass das waking life keine partytouristen anziehen möchte: outro lado ist die einzige bühne, die durchgängig bespielt wird. ansonsten gibt es auf jeder der anderen eine mehrstündige pause von wenigstens vier stunden ab sonnenaufgang.
wenn mensch sich vom camper oder zelt aus mittags auf den weg macht, erwartet einen jedoch am outro lado erstmal ambient bis in den nachmittag hinein. und da sich die bühne (wie jede der anderen bis auf cochilo und – mit abstrichen – praia) direkt am see befindet, ist das ideal, um ganz gemütlich herumzuliegen und langsam in den tag zu starten oder um gleich im see zu schwimmen.
es mag meinem aktuellen bedürfnis nach ruhe oder der affinität zu nicht-tanzbarem geschuldet sein. aber die konsequenz, mit der dort an jedem einzelnen mittag / nachmittag andere musik gespielt worden ist, anstatt dem bedürfnis nach party rund um die uhr nachkommen oder es erst erschaffen zu wollen, bildet für mich mit einen der dicksten pluspunkte und damit einen der gründe, wiederkommen zu wollen. in meine erinnerung eingebrannt hat sich dort „allez!“ von salamanda, das strobocop in voller länge samstagmittag spielte.

bleibe ich mal bei den floors und beim outro lado, wo ich woody am donnerstagnachmittag/-abend auf outro lado hervorheben möchte – gestandene house-klassiker neben gut gealtertem dubtechno und chicago sowie detroit. hat die stimmung sowie uhrzeit perfekt aufgenommen und in ein echt sehr gutes set gegossen. gleiches gilt für konstantin am samstagabend – im besten sinne minimal mit ausflügen richtung house. landet für mich vor g-man, der direkt danach dran war. ihn hatte ich noch nie gehört, kann jetzt einen haken dahinter machen. heißt nicht, dass er schlecht war, aber nach einer stunde fand ich das set etwas statisch.
ulf eriksson – ein bis dato für mich unbeschriebenes blatt, jedoch stammgast auf dem waking life. hat am samstagnachmittag ab 14 uhr einen hervorragenden übergang vom strobocop-ambient zur schnittmenge zwischen house und techno geschaffen. drama (eine hälfte map.ache, die andere dj dustin) spielten freitagnachmittag zwischen ambient und indie.
shed war dort sonntagfrüh solide, richtiggehend funktional. montagmorgen/-mittag muss mensch wollen – da ist outro lado neben dem cochilo der noch einzig geöffnete floor, bespielt von barbara preisinger, xdb sowie zip. in den stunden unserer anwesenheit habe ich dort nur zip gesehen, der das gewohnt minimal-housig machte. aber dort sammeln sich nun mal alle, die sich noch etwas bewegen oder zumindest am rande kopfnicken wollen. betrifft auch das ufer – die entspannte atmosphäre der vortage weicht also einer sehr geschäftigen.

floresta vereinte für mich das beste aus dekoration und musikalischer finesse. die eröffnung von amulador am donnerstagnachmittag fand ich mit minimalem dubtechno sehr gelungen. huerco s vor arpanet ebenfalls, der überraschend housig spielte. arpanet selbst nicht ohne technische probleme, zog es aber durch. luke slater / l.b. dub corp danach in richtig guter form mit detroit und dubbigem house zum sonnenuntergang. rückblickend habe ich gerade auf floresta viel zu viel verpasst, was aber auch daran liegt, dass ich meinen schlafrhythmus auf festivals nicht mehr unterbreche. ich hab’s als tatsache akzeptiert, dass bei einem auf festivals herrschenden überangebot auch mal dinge auf der strecke bleiben.

praia ist für diejenigen, die es abseits der geraden kickdrum mögen. dank verzögerung im zeitplan am donnerstagnachmittag noch etwas von richard akingbehin sowie tikiman mitbekommen und entschieden, dass ich das mal gezielt wiederholen muss. nosedrip wurde mir vorab empfohlen und war mit mimi zusammen im anschluss ebenfalls ordentlich dubbig. mala räumte am gleichen abend mit erprobter formel einfach nur ab. μ-ziq war im anschluss für die nostalgiefraktion.
sonst war’s für mich der durchgangsfloor zum labyrinth dahinter. ausnahme: upsammy, die gewohnt klasse in der nacht von freitag auf samstag experimentieller, aber zu drum&bass kompatibel spielte.

notierte tracks

woody

joe smooth – promised land
dj sneak – spirit taker (original mix)
quadrant – q1.1/1 (direkt danach)
mood 2 swing – the slippery track (direkt danach)

mala

digital mystikz – ancient memories
coki – goblin
sir spyro – topper top

upsammy

mike parker – radioactive fire

strobocop

salamanda – allez!
janet jackson – got ´til it’s gone
tocotronic – jackpot (k.o. kompakt mix)

ulf eriksson

kenny larkin – plankton
the jak – from old days past

konstantin

the other people place – let me be me
losoul – 00000000
cheek – venus (sunshine people) (dj gregory remix)

g-man

g-man – sparticus
plastikman – spastik

[berlin / 14.07.2019] griessmühle: mother’s finest weekender

das läuft zwar schon seit freitag und ich habe kaliber wie surgeon, dj bone oder gesloten cirkel verpasst. aber das geht aus gründen einfach nicht früher und der große pate des dubstep ist eh mein hauptgrund, dort hinzugehen.

garten
10h00 ccl
14h00 titonton duvante
18h00 carista
22h00 ende

halle
14h00 mars leder
17h00 darwin
20h00 mala
23h00 ben ufo
03h00 batu
08h00 ende

silo
21h00 gigsta
01h00 miriam schulte
04h00 ende

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
(am 25. januar 2020)

ich war leider erst zur letzten platte von mars leder vor ort und konnte damit auch nur die letzte stunde von titonton duvante mitkriegen, in der er aber meinen eindruck von ihm ein paar monate zuvor im tresor bestätigte.

darwin hat sich dafür in der halle nachdrücklich empfohlen, bzw. mich mit der nase darauf gestoßen, dass es besser gewesen wäre, auch frühere ausgaben der reef mitzunehmen und nicht nur die letzte. sehr uk-orientiert, eher breakig, manchmal aber auch mit geraden rhythmen, aber zu mala hin immer mehr in den klassischen dubstep wechselnd.
bei ihm die große sorge, ob sowas zu der zeit an dem ort überhaupt auf resonanz stoßen wird. schließlich ist es immer noch ein stil, den man in einem sonst als solchen bekannten technoclub, darüber hinaus noch an einem sonntagabend eher weniger vermutet. drei stunden und diverse rewinds später war aber klar, dass er sie mal wieder alle auf seiner seite hatte. brauchte zwar seine stunde, ehe er wirklich drin war und die neueren, sehr melodischen, fast trap-artigen sachen sind nicht so mein fall. aber mit den tracks alter schule landete er einen treffer nach dem nächsten („skeng“ von the bug oder „topper top“ von sir spyro bspw.). randnotiz: auch er nutzt hin und wieder cdjs, setzt aber zu wenigstens drei vierteln immer noch auf vinyl oder dubplates.

steilvorlage für ben ufo also, bei dem es nochmal etwas voller wurde. da ließ ich den abend lieber draußen im garten ausklingen und trat kurz nach mitternacht den heimweg an. montag ist und bleibt immer noch arbeitstag. war aber toll zu sehen, dass dieses experiment gezündet hatte.

notierte tracks (allesamt shazam)
darwin:
instra:mental – voyeur
biome – trench foot
kaiju feat. flowdan – hunter
danny scrilla – riddim (letzter track)

mala:
mansur brown – mashita (erster track, er bleibt also seiner linie treu, mit dem ersten stück die stimmung nochmal zurückzusetzen)
egoless – empire of dirt
mala – lean forward
aardvarck – monkey see…
the bug feat. riko dan – iceman
ternion sound – parasite 6

mala im interview mit boiler room

ich möchte mich mal wieder auf die alten blogger-tugenden besinnen und einfach nur inhalte von anderswo verlinken, um sie anderen zu empfehlen. dahinter stehen jedoch zugegebenermaßen ganz eigennützige motive: als relativ frischgebackener neuling in diesem blau-weißen sozialen netzwerk mit relativ großer reichweite kommen mir tagtäglich so einige artikel unter, die ich einfach nicht sofort lesen kann. oder wenn ich sie lese, kommt irgendwas dazwischen und später vergesse ich, dass es da noch einen löwenanteil gibt, der noch abgearbeitet werden muss. oder ganz einfach: ich möchte den artikel gerne nochmal lesen.
klar gibt es dafür dieses „gefällt mir“, aber da sich das mit den anderen, privaten angaben munter mischt, findet man am ende nichts wirklich gezielt wieder. lesezeichen beim browser? das geht dort auch unter. da dies hier eh als analogie zum tagebuch gedacht ist, gibt es daher nun einfach links zu artikeln, die nicht zwangsläufig im musikalischen bereich beheimatet sein müssen. sozusagen eine erweiterung der lesezeichen, an der alle interessierten teilhaben können.

und irgendwie schön, dass dieses interview mit dem herrn den anfang macht, der seit gut einem jahrzehnt die dubstep-fahne hochhält. auch wenn der boiler room polarisiert, ist die episode aus london, in der er sich im halbdunkel sehr zurücknehmend in szene setzt, ein schönes beispiel, wie das als weniger personenzentrierte veranstaltung aussehen kann. da bald ein neues album von ihm auf brownswood erscheinen wird („mirrors„, das er mit musikern auf peru aufgenommen hat und damit als direkte nachfolge auf „mala in cuba“ zu sehen ist), haben sie ihn direkt noch interviewt. also: klick.