[berlin / 15.07.2023] about blank: staub

eine gute woche nach dem einen pflichttermin gleich weiter zum nächsten.

ablauf

garten
10:00 frau levi
13:00 nike.bordom + renken + irakli
16:00 manuel münster
18:00 harre
20:00 verboten

mdf
14:00 mu“he
17:00 erik jabari
20:00 fr. jpla + caleb esc

nachbetrachtung

kam wegen der wärme und dem finalisieren der fusion-nachlese erst um 17 uhr aus dem knick bzw. an und die erste stunde auch nicht weiter als zur live-act-bühne im garten. spricht mal wieder für das monatliche familientreffen, sich erstmal mit diversen (auch neuen potentiellen) mitglieder*innen festzuquatschen.

auch danach war ich meistens eher rastlos und kam erst so wirklich in fr. jplas / calebs letzter stunde auf dem mdf in stimmung. da hat für mich jedoch vieles gestimmt: sound, licht, füllgrad, wärme auch erträglich (das quasi-hanteltraining war dank mitgebrachtem pflanzenbestäuber mit anderthalb liter fassungsvermögen inklusive). kam mir auch von der intensität her so vor, als ob die beiden auf die stunde hingearbeitet haben, in der die leute von draußen kommend nochmal drinnen die reserven mobilisieren – dafür war der soundtrack jedenfalls passend.

generell aber wieder mal keine ausreißer nach unten. harre rannte mit tracks alter schule bei mir eh offene türen ein, verboten wavig/ravig und zum schluss hin etwas epischer – das passte alles, wenn auch manchmal mixtechnisch weniger, dafür atmosphärisch.

notierte tracks (*: shazam / decksharking)

erik jabari:
chlär – unknown velocity*

harre:
joey beltram – arena
neil landstrumm – takks
rue east – remove
und einer der besten tracks überhaupt zum schluss: underground resistance – amazon

verboten:
apparat – caronte (radio slave remix)*

fr. jpla / caleb esc:
pttrn – contempt / suggest 6*

[berlin / 08.07.2023] berghain: klubnacht

josh wink hätte im april schon spielen sollen, wegen krankheit sprang matrixxman ein. bin gespannt, wie er diesen slot für sich nutzt. und auf octo octa im garten, was leider parallel stattfindet.

klubnacht

berghain
00:00 nastia reigel
04:00 philipp gorbachev live
05:00 etapp kyle
09:00 amanda mussi
13:00 jamaica suk
17:00 josh wink
21:00 norman nodge
01:00 barker

panorama bar
00:00 marie montexier
04:00 barbara hoffmann
08:00 romain fx

19:30 mike grant
00:00 radio slave

garten
12:00 gabrielle kwarteng
16:00 octo octa

eintritt
25 euro

nachbetrachtung

ein- und ausstempeln plusminus zwischen 2 und 2 – also sonntagnachmittag bis -nacht. zwei dinge blieben von diesem sonntag hängen:
erstens geht es auch mit moderater fülle, zumindest bis 21 uhr. dann war’s mir für meine aktuellen befindlichkeiten unten auch etwas zu viel, aber immer noch entspannter als manche andere sonntagabende in post-pandemie-zeiten.
zweitens: es braucht keine schnellen tempi und wieder aufgewärmten rave-signale – das publikum geht auch so mit.
mit anderen worten: es war eine nach aktuell geltenden maßstäben unaufgeregte klubnacht bzw. ein entspannterer sonntagnachmittag/-abend als manche zuvor. schön, dass das noch geht.

jamaica suk toolig-perkussiv, lag damit zu der uhrzeit goldrichtig, hat beim publikum zurecht guten eindruck hinterlassen und ist hoffentlich bald wieder vor ort zu hören.
im garten liegt gabrielle kwarteng mit ihrem trockeneren, acid-lastigeren house für mich im vergleich zu octo octa vorne. aber: einzig meinem geschmack geschuldet, wonach vocal-house nur sehr begrenzten platz einnimmt. das publikum hatte sie sicher im bann und ich keine schwierigkeiten, mich eher für josh wink drinnen zu entscheiden.
der gab den tracks platz, traute sich auch mal, einfach fünf minuten lang ein break mit einem monolog zu spielen. ein griff in die trickkiste zum spannungsaufbau von vor 20, 25 jahren – funktioniert auch immer noch. reisegeschwindigkeit um die 135 bpm, was zwar immer noch sportlich, aber für heutige maßstäbe gemäßigt ist.
mike grant mit dem richtigen maß an tiefe und funktionalität, letzteres bei radio slave (erwartungsgemäß) prominenter. norman nodge wie immer zwischen trockenem techno und rave, barker treibend-melodisch.

trackauswahl (*: shazam)

jamaica suk:
mystics – act of faith*
nørbak – ponto de situação* (und dabei habe ich mord als label meistens eher als „nichts weltbewegendes“ abgehakt)

josh wink:
slam – beat control*

norman nodge:
alarico – collapse of the sibyl system*
rhyw – honey badger
dj shufflemaster – slip inside you*

[berlin / 17.06.2023] berghain: klubnacht

verfasst am 5. august 2023, auf das besuchsdatum zurückdatiert.

klubnacht

berghain
00:00 virginia
04:00 ectomorph
08:00 james ruskin
12:00 verraco
16:00 darwin b2b esposito
20:00 efdemin
00:00 volvox

panorama bar
00:00 violetta b2b lakkes
04:00 joe delon
08:00 bibi seck

19:30 couple looking for bananas

garten
12:00 budino
16:00 alinka

eintritt
25 euro

nachbetrachtung

dachte eigentlich, ich hätte shazam eher selten bemüht und wollte schon schreiben, dass die nachlese dadurch in aller kürze stattfindet. aber der verlauf zeigt bei darwin / esposito dann doch so einiges an, wonach sich der nachmittag gut rekonstruieren lässt. eine wirklich längere zeit habe ich weder im garten noch in der panorama bar verbracht, wobei ich gerade dort das konzept, den schluss einfach zwischen drei leuten mit hinreichend erfahrung aufzuteilen (hinter dem „couple“ verbirgt sich ein trio: massimiliano pagliara, luigi di venere und chris cruse), richtig gut finde.

während meiner anwesenheit (ca. 14 uhr bis 1 uhr) nach post-pandemie-standard erstaunlich entspannt. so gut wie keine schlange am sonntagnachmittag, die wuchs auch den rest des tages über nicht nennenswert an. und selbst während des (sehr guten) efdemin-sets ließ sich unten leicht ein platz finden. auch wenn ich bei mir dachte, dass ein vollerer sonntag mit volleren kassen eher im sinne der betreiber ist: aus kundensicht kann das gerne so bleiben – keine langen wartezeiten vor der tür, an den bars, drinnen war das durchkommen kein hindernislauf. also vielerlei gründe, einfach eine entspannte klubnacht bzw. einen berghain-sonntag zu genießen. wie ich als mitleser bei telegram sowie reddit mittlerweile (anfang august 2023) jedoch weiß, bleibt es bei diesem frommen wunsch.

musikalisch wenigstens gut (verraco, der einfach mal gegen 14:30 uhr dubstep spielte, und es funktionierte), überraschend technoid (darwin / esposito), eine sichere bank (efdemin). gerade das set der reef-protagonist*innen war ein schönes beispiel dafür, erwartungen (also meine) einfach mal umzudefinieren. bei deren vorarbeit an manchen freitagen wären breakbeats und massenhaft vor den kopf gestoßene leute eigentlich nicht überraschend gewesen. aber währenddessen und auch jetzt im nachhinein finde ich’s irgendwie erfrischend, dass sie ihre techno-ordner durchgegangen sind und einfach geradlinig mit einzelnen seitenhieben in dubstep-gefilde (zumindest waren die raps von „skeng“ zu hören) gespielt sowie dabei sichtlichen spaß zu haben. das wirkte in keiner weise anbiedernd, sondern als betonung einer facette eines breiten geschmacks. und für ein b2b sehr rund. überraschend auch, dass neuere tracks von cari lekebusch ziemlich gut sind.
da efdemin mit einem bein fest in den 1990ern stand, verwundert’s wahrscheinlich weniger, dass ich’s u.a. auch deswegen gut fand. das ganze auch ohne ein unnötig für sonntagabend angezogenes tempo.

trackauswahl (*: shazam)

verraco:
cesco & drone – el guapo*

darwin / esposito:
dxrvo – ahh*
rill – disruption*
tromp – blazing sun*
james ruskin – work (steve rachmad remix)
cari lekebusch – spagging*
albert zhirnov – wooden lessons*
vladimir dubyshkin – i decided to fly*
james ruskin & truncate – sketch 3*
klockworks – pulse
dietrich schoenemann – clicks*
rene wise – swamp dancer*
william arist – the time*
cari lekebusch – kappale*

efdemin:
regis – guiltless (lfo remix)*
the advent – it one jah (surgeon remix)
james ruskin – work (steve rachmad remix) (direkt danach)
fumiya tanaka – midnight
g-man – quo vadis
green velvet – i want to leave my body

[berlin / 10.06.2023] about blank: staub xxl

dieses mal 24 stunden lang, alle floors.

ablauf

garten
10:00 i.nez
13:00 charlie
16:00 rapha.
19:00 steffen bennemann & dj polo

mdf
visuals pixelflowers
14:00 frantz michael
17:00 3.14
20:00 hang aoki
23:00 caleb esc
02:00 sven von thülen
05:00 irakli b2b stanislav tolkachev
07:00 nadine talakovics b2b ryba

lobby
22:00 samo rane
00:00 olin
02:00 jaq attaque
04:00 shai sensi
07:00 modschi

hütte
00:00 ceo of novafuture
02:00 marc von der hocht
05:00 d.k. dent

nachbetrachtung

fazit vorangestellt: war wieder einmal richtig rund. stammpublikum eh beste, musikalisch wenigstens gut (olin, rapha., samo) bis hervorragend (3.14, sven von thülen).

nur am rande: ist für mich ein ganz guter modus, die reihenfolge für die (x)xl-ausgaben umzukehren: vorher herzhaft essen statt wie hinterher bei den „normalen“ ausgaben.
nebenwirkung: war dadurch erst später da, so ab 16 uhr. aber ab da gibt’s für die nächsten 12-13 stunden nichts zu meckern – außer dass ich die letzte stunde von sven von thülen lieber bewusst und tanzend als im halbschlaf mitbekommen hätte. lag nicht an ihm, bin wohl mittlerweile tatsächlich auf tagsüber konditioniert.

der mdf für mich durchgehend stabil bis richtig gut: 3.14 hat bei mir am frühen abend bleibenden eindruck hinterlassen, auch wenn das tageslichtentzug bedeutete. aber das war schön trockener, im besten sinne tooliger techno bei ausreichend platz – sowas muss ich mittlerweile ausnutzen. hätte gerne mehr davon gekannt (bzw. erkennen lassen), aber da er mit den tracks arbeitete und meistens nie einer alleine lief, konnte shazam nichts ausrichten.
visuals schmücken jede party. war auf dem mdf auch toll, sie kamen jedoch im seitenschiff nur zur geltung, sofern sich dort wenige (am besten keine) leute aufhielten. wenn mensch mal auf einer der bänke saß, leuchtete der beamer direkt ins gesicht. die beiden (oder waren’s drei?) fernseher am dj-pult jedoch richtig gut. evtl. wäre das auch etwas für’s seitenschiff – auf der bassbox und dem absorber richtung bar. oder die bänke auf die andere seite stellen und dabei die durchgänge freilassen, wenn das brandschutztechnisch klargeht.
und auch wenn es natürlich immer härter geht: den meisten wird’s hoffentlich genug techno im garten gewesen sein.

samo gefällt mir richtig gut, wenn er nicht so hart spielt und caleb nach wie vor, wenn er härter spielt. tanzflächentechnisch für mich anstrengender füllgrad zum finale im garten und gegen 2 uhr in der lobby. komischerweise war’s auf dem mdf stets gut auszuhalten. mögen manche wegen der wärme anders sehen, aber als tresor-sozialisierter ging das noch klar.

trackbeispiele (*: shazam / **: shazam, obwohl ich’s eigentlich wissen sollte, weil bereits in der sammlung)

rapha.
cem3340 – japanese computer*
robert armani – ambulance* (warum ich die noch nicht habe, ist mir ein rätsel)
unit moebius – penetrator**
tim taylor & dan zamani – planet of drums 01*

3.14
monrella – main whipping**

steffen bennemann & dj polo
robotman – doo da doo (plastikman’s acid house remix)
marco carola – compressed
dj deep – stressin (ich muss zugeben: ein viertel meiner konzentration war den rest der staub über damit beschäftigt, den zu identifizieren. ich kam letztendlich nur am tag später drauf, als ich meine excel-liste durchging, in die ich meine erstandenen werke – analog wie digital – eintrage.)
johannes heil – paranoid dancer (vorletzter track)
emmanuel top – acid phase (letzter track)

caleb esc
luca la rocca – wa*

olin
paranoid london – paris dub 3
speedy j – klave* (da hat der herr paap tatsächlich was auf rekids veröffentlicht. mensch lernt nie aus.)
justin cudmore – real shock*

jaq attaque
wishmountain – radio
d.h.s. – the house of god (surgeon remix)

sven von thülen
spokesman – acid creak (pierre’s reconstruction mix)
robert hood – range
solid state – sequencial*
dying & barakat – outline*
millsart – steps to enchantment (stringent)
fjaak – plan of escape*

[berlin / 17.05.2023] lab.oratory: revolting

wieder himmelfahrt, wieder ist die heimlich bessere panorama bar für alle geschlechter und orientierungen geöffnet.

ablauf

23:00 nd_baumecker
02:00 curses
05:00 wannadosomething?
08:00 woi$meing€ld

nachbetrachtung

vor ort war ich von kurz nach mitternacht bis kurz nach neun, und ab 1:30 uhr wurde es auch merklich voll. also so voll, dass wie üblich auf der tanzfläche und deren rändern nicht daran zu denken war, sich unter die leute zu mischen. aber zu sehen gibt’s ja abseits davon immer etwas und dank über die nebenräume verteilten anlagen hört mensch auch überall, was im auge des orkans geschieht.

so gut die öffnung des lab-gartens auch gemeint war, um den publikumsandrang etwas zu entzerren: bei einstelligen plusgraden konnte / kann ich mir nicht vorstellen, wie mensch sich dort körperlichen vergnügungen abseits des tanzens hingeben wollte, auch wenn die möglichkeiten dafür existierten. das war vor fünf jahren mit garten und offener säule besser gelöst und alleine vom andrang her hätte es der party wahrscheinlich nicht geschadet, die säule statt des gartens zu öffnen.

im nachhinein ist „hätte“ aber wiederum müßig. auch wenn riesen-andrang nicht mein fall ist, freute ich mich über den zuspruch. die stimmung war wie seit jeher eher rücksichtsvoll und jeder interpretierte den slot auf seine*ihre art und weise. davon „nur“ gut: woi$meing€ld mit dem, was ich unter normalem house inklusive sprach-samples einordnen würde. keine ahnung, wie sich das zum schluss hin noch entwickelt hat. der rest jedoch mindestens sehr gut, mal mit mehr pop (nd), mehr melodie (curses), mehr varianz (wannadosomething?). die revolting bleibt damit als termin auf meinem zettel, auch wenn das für mich weniger futter zum nachkaufen und vielmehr genießen der prickelnden stimmung in den verwinkelten räumlichkeiten ist (die jetzt unter anderem mit einem séparée inklusive riesen-spiegeln an zwei seiten aufwarten können, was die aussage des berghains als spiegelfreien raum hinfällig macht, auch wenn sinn und zweck hier klar sein sollten).

trackauswahl (stets dank shazam)

nd_baumecker:
röyksopp – unity feat. karen harding (baauer remix) (relativ zum schluss)

curses:
yello – lost again (extended)
ricardo baez – animarara

wannadosomething:
qalo-mota – don’t leave me (qm rmx)
o.n.o. – gran music (captain mustache remix)

[berlin / 13.05.2023] about blank: staub

und schon wieder ein monat rum.

ablauf

garten
10:00 ben kaczor
13:00 soela
16:00 lawrence
19:00 resom

mdf
14:00 ly sas
17:30 dj sodeyama
20:30 efdemin

nachbetrachtung

da ich den ://-geburtstag nur am sonntag mitgenommen habe, kam mir das wie ein bonus-track zur garteneröffnung vor. fast vollständiges familientreffen, dazu für mich wenigstens gute (soela, ly sas, resom, dj sodeyama) bis klasse sets (efdemin, lawrence). und trotz schlange mit der aussicht auf überfüllte tanzflächen nach gartenschließung (weil die lobby als pufferraum wegfiel) war’s mir nirgends zu nervig und die fast 12 stunden im nu vorbei.

ich hätte mir fast keinen besseren gartenauftakt für die staub wünschen können. „fast“, weil die aufziehende kälte und das regentröpfeln bei lawrence irgendwie nicht so in die meteorologischen aussichten eines durchgängig sonnengefluteten gartens passte. aber das ist auch eher mein problem.

ly sas bitte unbedingt wieder spielen lassen. das war in den kurzen momenten nachmittags auf dem mdf ein richtig gutes techno warm-up, was die marschrichtung auf dem mdf gut vorgab: dark, nicht zu schnell, viel raum für subbässe. nur deswegen bei „gut“ gelandet, weil ich wegen vitamin d lieber draußen als drinnen sein wollte, sie also eher das zu dem zeitpunkt noch strahlende wetter als gegner hatte.

soela zwischen house und dubtechno mit gutem geschmack, hat meinen (guten) eindruck von ihr im letzten november aus dem rso bestätigt.
an lawrence habe ich eh einen narren gefressen, weil er eher der mann für die leisen, subtilen töne ist. das mag an den bedürfnissen mancher gäste für die uhrzeit vorbeigegangen sein. aber in zeiten von sets, in denen es zu zählen scheint, möglichst viele tracks unterzubringen, ist es für mich eine wohltat, etwas zu hören, das aufmerksamkeit oder geduld notwendig macht, aber diejenigen mit interesse an sowas durch sorgfältig ausgesuchte tracks ködert. lawrence ließ viel raum für die einzelnen stücke und provozierte dabei keine harten brüche, sondern forderte vielmehr die leute dahingehend, all dem eine viertelstunde zeit zu lassen. wenn mensch abfahrt haben möchte, ist das nichts – das wurde imho auf dem mdf ganz gut bei dj sodeyama bedient. diejenigen, die es minimal und zuweilen sphärisch haben wollten, waren in besten händen.
efdemin war in puncto langfristiger aufbau grundsätzlich nicht anders. da dominierten tracks mit trippigen sequenzen, wo sich die elemente auch erst nach den übergängen addiert haben. das gefiel mir am mdf dieses mal sehr: statt tempo lieber auf lange sicht fahren, so dass die sets sich gegenseitig ergänzten, aber keine*r den wechsel zum anlass nahm, den vorherigen aufbau einzureißen. griff für mich alles gut ineinander und nahm die leute trotzdem mit.
resom in der ersten hälfte erstaulich technoid-melodisch, aber für mich eher hintergründiger soundtrack zum plaudern. soll die qualität nicht schmälern – die volle garten-tanzfläche spricht dafür, dass einige genau darauf gewartet haben.

trackbeispiele (*: shazam)

soela:
maurizio – domina
itamar sagi – series 1*
pepe bradock – deep burnt

dj sodeyama:
truncate – modify

lawrence:
monobox – realm
der zyklus – formenverwandler* (wobei shazam das als „die dämmerung von nanotech“ identifiziert. das ist jedoch falsch und liegt daran, dass der vertrieb die betitelung für die digitale wiederveröffentlichung der zwei gigolo-veröffentlichungen auf frustrated funk durcheinander gebracht hat. muss einem discogs-kommentator recht geben, dass man das genauso gut für the other people place halten könnte, was jetzt auch nicht das schlechteste ist und geographisch/inhaltlich ohnehin direkt daneben liegt.)

efdemin:
joris voorn – many reasons*
dj hell & richard bartz – take a shot
indio – phoenix* (letzter track)

[berlin / 06.05.2023] berghain: klubnacht

(teil der nachgereichten nachbetrachtungen, so dass das tagebuch möglichst vollständig ist und ich jahrzehnte später noch ggf. alibis vorweisen kann. das veröffentlichungsdatum habe ich auf den tag des besuchs zurückverlegt.)

klubnacht

berghain
00:00 valentino mora
04:00 answer code request
08:00 kwartz
12:00 justine perry
16:00 the lady machine
20:00 dasha rush
00:00 kangding ray

panorama bar
00:00 audrey danza
04:00 regularfantasy
08:00 gideön
12:00 gene on earth
16:00 heidi lawden b2b lovefingers
20:00 massimiliano pagliara
00:00 binh

nachbetrachtung

eingestempelt um 11 uhr früh, ausgestempelt gut 12 stunden später. und obwohl es ein für sonstige verhältnisse entspannterer sonntag war, wurde mir klarer, dass ich mir die sonntagabende unten eigentlich schenken kann und das gedränge eigentlich sogar bereits nachmittags startet. so habe ich weniger von the lady machines premiere betanzt als ich eigentlich wollte.
das lag nicht an ihr. vielleicht gibt’s meinerseits mehr bewusstsein über das, was mich an vollen tanzflächen und gruppendynamiken so nervt. eventuell bin ich auch noch sensibler geworden (wenn das überhaupt geht), aber ich kann sets nicht genießen, wenn meine antennen ständig das umfeld fokussieren, um zu antizipieren, welcher fuß auf oder unter meinem landen kann oder wer von wo als nächstes die tanzfläche durchpflügt. von den kandidat*innen, die sich wie selbstverständlich in eine kleine lücke drängen und dann erwarten, dass die anderen gäste schon platz für sie machen werden, fange ich lieber nicht an.
es sind halt solche dinge, die weiterhin zum strategischen denken beitragen. also nicht nur kurzfristig, wie ich vor ort von a nach b komme, ohne körperkontakt zu anderen gästen zu haben (wobei ich das mittlerweile als herausforderung für mich sehe, wie das mit dem durchschlängeln auch weniger invasiv geht), sondern auch nach den uhrzeiten zu gehen, was schon seit jahren thema ist. es ist zumindest unten für mich seit geraumer zeit nicht mehr selbstverständlich, dass ich mich wirklich auf sets einlassen kann. wenn es klappt, ist es super. aber das funktioniert nur zu den randzeiten (opening / closing – beides aus rücksicht auf die biologische uhr keine dauerlösung) oder eben sonntagfrüh zum schichtwechsel bis zum frühen nachmittag.

oder halt oben, wozu ich abgesehen von massimiliano pagliara nicht mal viel sagen kann. in jedem fall abwechslungsreich genug, wenn ich mal da war, aber er spielte für meine begriffe trockener, mehr acid-lastiger als sonst. und das steht ihm ziemlich.
kwartz war für mich unten die eigentliche überraschung bzw. wäre bei einer wiederholung ein grund, für ihn hinzugehen. gerne auch für die gleiche uhrzeit, dann schäle ich mich früher aus den federn. das war in der letzten stunde richtig gut nuancierter dunklerer, trippiger, leicht angedubbter techno (kommt nicht von ungefähr, dass er auf polegroup veröffentlicht), bei dem die spannung durch den mix der tracks entstand. justine perry der uhrzeit völlig angemessen eher trippig. the lady machine immer noch komplett mit vinyl, wird auch hoffentlich nochmal eingeladen. dasha rush zog (auch sonntagabend-typisch) das tempo deutlich an, verfiel dabei aber nicht in das gängige rave-geballer, das ich (um aller negativität zum trotze auch mal was positives zum sonntagsgeschehen zu sagen) seit geraumer zeit nicht mehr im berghain gehört habe, was nicht heißt, dass das dort nicht mehr stattfindet.

unter’m strich eine solide angelegenheit. ich kann aber nicht verhehlen, dass die reef-freitage mir durchaus mehr geben, weil sich dort mehr musikalisches risiko mit weniger füllgrad vereint.

trackbeispiele (*: shazam)

the lady machine:
dj boss – medziposchodny*
decka – subversion*
richard bartz – subway (a1)
suburban knight – infra red spectrum
dave clarke – wisdom to the wise

dasha rush:
regal & alien rain – acid affair pt. 1*

[berlin / 28.04.2023] berghain: reef

ich dachte eigentlich, dass ich wenigstens den platzhaltereintrag mit dem ablauf schon veröffentlicht hätte und nur noch die nachlese aussteht. stattdessen war da: nichts. also: gepostet am 5. august 2023, rückdatiert auf das besuchsdatum.

reef

berghain
00:00 laksa
03:00 kampire
04:30 kode9
06:00 esposito

panorama bar
22:00 peverelist b2b a made up sound
03:00 mi-el
05:00 re:ni
07:00 darwin

nachbetrachtung

eine weitere ausgabe, welche die entscheidung für das dauerkarten-abo gefestigt hat. berlin-typisch bildet sich die schlange erst nach mitternacht, dann auch gleich richtig. jedoch blieb es drinnen stets beim angenehmen füllgrad ohne durchzwängen, was fast schon mit zum markenzeichen der reef gehört.

ich war kurz nach mitternacht da, kann also zur vorherigen dynamik in der panorama bar nichts sagen. allerdings sehr erstaunlich, dass viele leute kurz nach mitternacht bereits unten zu finden waren, was wahrscheinlich zu lasten der oberen etage ging. aber auch das war bis 2 uhr längst wieder ausgeglichen.
laksa zu beginn mit downbeat, zog das tempo jedoch schnell an. bei peverelist / a made up sound habe ich gelernt, dass sich „walking on the moon“ von the police mühelos mit (post-)dubstep vereinbaren lässt (keine ahnung, wer von beiden es gespielt hat). kampire mit techno-kompatiblem tempo, für die stilbeschreibungen bitte einfach auf den link klicken, der den berghain-promotext beinhaltet und das alles einzuordnen weiß. mi-el dafür zur gleichen zeit oben mit drum & bass. ergo auf den kopf gestellte dramaturgie, was die berechenbarkeit rausnahm. sehr gut, das.
kode9 hat mich richtig positiv überrascht. so sehr ich seine arbeit mit hyperdub auch schätze, kaufe ich die veröffentlichungen darauf leider zu selten. geht einfach an meinem geschmack vorbei, was auch leider für seine produktionen gilt. aber sein set war eine reine footwork-offensive und einfach nur dick. und wenn esposito unten den schluss macht (da kommt die berechenbarkeit zurück), ist drum & bass gesetzt.
darwin brachte das ganze oben mit gewohnter ruhe zum schluss. jedenfalls deutete sich das an, durchgehalten habe ich bis dahin nicht.

trackbeispiele (*: shazam)

laksa:
villaelvin – etiquette stomp*
amit – cold blood*
greg & king doudou – dembow tronico (simo cell rhythm & clicks remix)*

peverelist / a made up sound:
shed – warped mind
the police – walking on the moon
arkajo – truth*
rebound x – rhythm and gash*

kampire:
spacepose – gear 6*

kode9:
eq why – jukelicious*
dj rashad – drums please*

esposito:
alix perez – blueprint (feat. metropolis)*
alix perez & fracture – archetype*

darwin:
dj fulltono – melt in to the floor

[berlin / 29.04.-01.05.2023] about blank: warning

garten
samstag, 29.04.2023
14:00 bufiman
17:00 borusiade
19:00 niklas wandt
21:00 fantastic twins live
sonntag, 30.04.2023
15:00 juba
18:00 oko dj
21:00 perera elsewhere live a/v & band
montag, 01.05.2023
12:00 eris
15:00 carista
18:00 sansibar b2b rey colino
21:00 volodymyr gnatenko live

lobby
samstag, 29.04.2023
22:00 oliv
01:00 overland
03:30 viikatory
06:00 gigi fm
sonntag, 30.04.2023
22:00 uta
montag, 01.05.2023
01:00 p/kstr
03:00 acidfinky
05:00 triqi

mdf
samstag, 29.04.2023
00:30 lobsta b
02:30 europa live
03:15 legit girl dj b2b vendredear
sonntag, 30.04.2023
23:00 ensure
montag, 01.05.2023
01:00 dj normal 4 live
02:00 desirée falessi
04:00 space drum meditation live
05:00 moisk
08:00 astral vip

zelt
samstag, 29.04.2023
22:00 d.b.d.d.h.k.p.
01:00 chewchew
04:00 felde
sonntag, 30.04.2023
22:00 special guest dj b2b ben bondy
montag, 01.05.2023
06:00 dorryz

nachbetrachtung

die nachlese erfolgt aus zwei perspektiven, weil ich zwei male dort war:
erstens als künstler*innenbetreuung, samstag auf sonntag nacht, 19 bis 3 uhr.
zweitens als gast zum ausklingenlassen des wochenendes, montagnachmittag um 14 uhr bis zum ende.

musikalisch gibt’s bei beiden „schichten“ nichts zu beanstanden. da kam nichts von der stange bzw. wäre dem zuzuordnen gewesen, was an den sonstigen stammdaten im about blank geschieht. das ist auch ziel der warning – bzw. bewusste kontrapunkte zu setzen, wie in diesem fall mit der entscheidung, den mdf von samstag auf sonntag als rave- bzw. happy-hardcore-spielwiese zu nutzen. das ging jedoch super auf, auch wenn purist*innen dort sicherlich mehr als genug anlass zum krausziehen der stirn gefunden hätten. aber für die ist die warning auch eine einladung, sich in der hinsicht locker zu machen. erst recht, weil auf der lobby samstag auf sonntag für mich durchgängig richtig gutes musikalisches programm geboten wurde, bei dem es mir schwer fällt, im nachhinein eine favoritin zu benennen. gigi fm vielleicht, die früh gegen 7:30 uhr einfach mal anfing, das tempo in drum&bass-bereiche zu bringen und dabei den immer noch atemberaubend guten donato-dozzy-remix von „svalsat“ (ursprünglich von homemade weapons) zu spielen, den ich damit das erste mal im club gehört habe.

die künstler*innen in meinem zuständigkeitsbereich allesamt pflegeleicht, da lief alles von selbst. einzig der gleichzeitige start der lobby und des zeltes verlief etwas stressig, weil das equipment im zelt eine viertelstunde vor beginn noch nicht aufgebaut war und das mit gleichzeitiger koordinierung des soundchecks auf der lobby und der technik zum scharfschalten der aufnahme bei gleichzeitiger organisation der sd-karten zusammenfiel. so starteten d.b.d.d.h.k.p. ca. zehn minuten später, womit sie aber auch fein waren.
bei lobsta b stand zunächst eine verspätung des fliegers im raum, weshalb die öffnung des mdf auf 0:30 uhr verlegt wurde. der flieger war auch zu spät, aber dank einsatz des fahrers war er dennoch um 23:30 uhr im club. es hätte also gereicht, aber die entscheidung stand und wurde auch so umgesetzt. war zum spannungsaufbau im dienste der party auch ok, hätte aber auch keine minute später sein dürfen, weil’s zu der zeit auf der lobby schon unangenehm voll wurde. hatte aber auch den vorteil, dass lobsta b gleich von anfang an in die vollen gehen konnte.

schichtende war dann sogar dank pünktlicher ablösung vorzeitig um 2:45 uhr, so dass ich dann als gast herumstromern bzw. auf der lobby den irgendwo verbliebenen platz nutzen konnte. das wurde ab gigi fm jedoch auch wesentlich besser.

der montag war dann glücklicherweise sehr entspannt, was mir nach dem verlauf des restlichen wochenendes aber auch sehr gelegen kam. recht übersichtliche anzahl an gästen bei ankunft am nachmittag, was aber ab carista parallel zum verlauf ihres sets deutlich anzog. dazu die fast schon warning-typische mischung an acid- sowie trance-elementen, die gut in den garten und unter die frühlingshafte sonne passte. bei volodymyr gnatenko war es bis eine halbe stunde vor set-beginn nicht klar, ob er auftaucht. aber auch er schaffte den aufbau rechtzeitig und bot mit (tja, wie soll ich’s nennen?) zeitgenössischem trance einen für mich sehr stimmigen abschluss des wochenendes.

trackauswahl (*: shazam)

viikatory:
wheez-ie – stolen moments*

overland:
joey beltram – floaters
sleeparchive – acd-voice

gigi fm:
homemade weapons – svalsat (donato dozzy remix)

carista:
shaman – sound of science*
todd edwards – love machine*
dyoll – twerk, body*
freakenstein – fffffreakaaay*

sansibar b2b rey colino:
sage introspekt – what target (2003 mix)*

[berlin / 15.04.2023] about blank: golosa

zweiter (zunächst ungeplanter) besuch im about blank für das wochenende. war gar nicht auf meinem radar, bis die aus ostgut- und clash-of-the-titans-tagen bekannte protagonistin mich darauf hinwies. die entscheidung, nach der staub nochmal hinzugehen, war daraufhin nicht mal mehr formsache.

eintritt
bis 1 uhr: 18 euro
ab 1 uhr: 20 euro
trans, blpoc, menschen mit fluchtgeschichte: spendenbasis

ablauf

lobby: unicorn rave & housy floor
00:00 mashyno
02:00 sky deep
05:00 cora s.
08:00 2faro

mdf: comet techno floor
01:00 amperia b2b dirty daddy don
04:00 deepneue
07:00 kikimike
10:00 kh38

tent: peakcock garden floor
02:00 performance 1 – rtalin
02:25 performance 2 – shanabazi-verse
02:35 performance 3 – lana del rabies
03:00 background music from the lobby
10:00 mvhy
13:00 kirill shapovalov
16:00 séxstasy
19:00 aérea negrot

nachbetrachtung

bevor ich in die nachlese einsteige, erstmal ein paar autobiographische zeilen zur transparenz, weil’s – soviel schon mal vorweg – für mich ein ziemlicher spagat wird.

cora hat bei mir in zweierlei hinsicht einen riesen-fußabdruck hinterlassen.
musikalisch gehört sie zur top 5 der djs, die mich am meisten beeinflusst haben. fing bei den ersten sets an, die ich von ihr im tresor (ab 1999) sowie ostgut (ab 2000) mitbekam, die noch stark von den usa (detroit und chicago) geprägt waren. dieser einfluss wuchs ab 2001, als die jungs aus der no-future-ecke – cristian vogel, neil landstrumm, tobias schmidt – nur ihr ausgangspunkt für mehr radikalität waren. im vergleich zur inhaltlich direkt nebenan liegenden und gleichsam beim publikum aneckenden eva cazal, die technisch versiert beats sezierte, abstrahierte und damit am rande der tanzbarkeit entlangnavigierte, blieb cora in der rhythmussektion meist konkreter und verstörte auch bei ihren endgegnerinnen-sets im ostgut durch tracks mit fies verzerrten klängen*. ich hab’s geliebt, zumal das ende am sonntagmittag stets versöhnlich war. ein jahr nach der ostgut-schließung trat sie im februar 2004 zum stelldichein des no-future-boards im tresor mit einem breakcore-set auf den plan und blieb in den folgejahren auch dabei.

zu der zeit hatte sich neben dem musikalischen auch der menschliche fußabdruck gesellt. war ich zuvor noch zu schüchtern, das gespräch zu suchen, änderte sich das ab 2003 durch ihren „angry plastic“-plattenladen, welcher das schaufenster zu ihrem „possible music“-vertrieb war. je mehr ich sie kennenlernte, desto klarer wurde mir auch eine deckungsgleichheit beim anspruch an musik, wonach neben dem unterhaltungswert auch die stetige herausforderung stehen sollte. bis heute zeigt sich ziemlich häufig: wenn mich leute wiederholt mit ihren sets abholen können und sich die gelegenheit bietet, sie kennenzulernen, zeigen sich auch überlappungen bei den charakterlichen merkmalen.
ob es coras fiese techno- oder die ohne umwege auf die 12 gehenden breakcore-sets waren: sie setzte für mich in puncto kompromisslosigkeit bis heute gültige maßstäbe, lieferte den passenden soundtrack für meine damalige lebensphase und war damit gewissermaßen therapeutisch.

kurzum: ich verdanke ihr einiges. mir ist’s also nicht möglich, die als chronist vielleicht gebotene neutralität zu wahren. das wiederum führt zum besagten spagat: wichtigtuerei in grenzen halten, indiskretion bestenfalls vermeiden, die stellvertretende verteidigung jedoch auch und bei alldem ehrlich, realistisch und dennoch fair bleiben.

ende des prologs, nun zum sonntagmorgen.

„ich bin so sauer auf mich selbst.“ ließ cora mich vom lobby-pult nach ca. anderthalb stunden wissen. ziel ihres ärgers war ihr mixing. und in der tat: ginge es nach schulnoten, wäre es die berühmte „gnaden-4“. wenn es gesessen hat, dann richtig. jedoch traf das auf ca. ein drittel der übergänge zu.
ihr konzept war ein querschnitt von 30 jahren auflegen, was sie nach wie vor mit vinyl macht. dabei chronologisch von 1987 an vorgehen. tat sie auch – und zwar mit einer nummer zu beginn, bei der ich grinsen musste, weil ich sie angesichts ihrer vergangenen sets niemals in ihrer sammlung vermutet hätte: „your love“ von frankie knuckles.
aber wie es mit der vorfreude bei solch mit biographischer note vorbereiteten sets und entsprechend aufgeladenen erwartungen daran manchmal halt ist (und da musste ich auch selbst schon diverse male durch): mensch kann sich zuhause noch so vorbereiten und an zuversicht gewinnen – alles hinfällig, wenn es im club bei mehreren übergängen nicht so läuft, wie mensch es eigentlich von sich oder den daheim geprobten übergängen kennt. und dann kommt eines zum anderen: die eh schon vorhandene aufregung liefert sich ein gedankliches wettrennen mit dem inneren kritiker. beides schaukelt sich gegenseitig hoch und legt sich über alles – vorrangig selbstvertrauen und konzentration. wenn dann wie sonntagmorgen noch tracks unerwartet an ihr ende kommen oder sich dann noch die technik mit (berechtigten) hinweisen wegen zu lautem gain meldet, bricht gefühlt alles über einen herein. in solch einer situation zurück zum rationalen, klaren denken zu finden ist hierbei viel leichter gesagt als getan und die suche nach ursachen im nachhinein müßig. wenig clubroutine in den vergangenen jahren? vielleicht. nervosität ganz bestimmt.

ich hätt’s cora von herzen gegönnt, wenn alles – oder wenigstens das meiste – wie selbstverständlich ineinandergelaufen wäre und hoffe, dass sie dahinter schnell einen haken machen kann. zwar liegt das technische auch für mich als schatten über dem set – jedoch (und damit endlich mal was positives) bei weitem nicht komplett.
erstens ist ihre geschmackssicherheit nach wie vor eine bank. für mich war kein einziger schwacher track dabei. zweitens war auch die reihenfolge so schlüssig, dass sich ihre oben skizzierte entwicklung (zumindest bis 2002, dann waren die drei stunden vorbei) ablesen ließ. drittens war es das erste techno-set, das ich von ihr seit fast 20 jahren gehört habe. erstaunlich viel detroit, davon sehr viel underground resistance, ein paar hits („something for your mind“), viel acid (wovon ich wenig kannte), no future und artverwandtes in der letzten halben stunde. und gerade letztgenannter sound polarisiert immer noch. jedenfalls gab’s zum schluss das bereits aus ostgut-zeiten bekannte bild der vielleicht drittelvollen tanzfläche, die sich bei 2faro auf stilistisch ganz anderer baustelle (melodischem house) wieder füllte.
es spricht jedoch für das meinem eindruck nach sehr offene und umsichtige golosa-publikum, die ersten zwei stunden gut mitgemacht zu haben.

zu den anderen kann ich nicht vieles sagen. sky deep gefiel mir mit ihrer mischung aus breakigen acid-stücken, auch mvhy waren im zelt gemütlich-housig unterwegs. kh38 bot mittags auf dem mdf den aktuellen ravigen techno-trend, der (richtig geraten, weil springende platte) nicht mein fall wird.

trackauswahl von cora**:
frankie knuckles – your love
suburban knight – the art of stalking
underground resistance w/ yolanda – living for the night (brainstorm live mix)
like a tim – bagpipe
speedy j – something for your mind
x-103 – 10,000 chariots
h&m – suspense
suburban knight – infra red spectrum
drexciya – black sea
woody mcbride – rattlesnake
vainqueur – lyot (maurizio mix)
underground resistance – cyberwolf
andre holland – inversions
traktor – traktor v12
robert hood – museum
phoenecia – odd job (rhythm box)
tobias schmidt – easier
justin berkovi – razor blade / bucket of water
marcin czubala – driving you mad
neil landstrumm – scandinavia sessions (adam x remix)
cristian vogel – sarcastically tempered powers
tobias schmidt – wronged (wobei tresor bei der betitelung verwirrung stiftet, weil der track auf der vinyl-version anders heißt. gemeint ist jedenfalls der hier.)
fugo – diseased (letzter track)

*: beispielhaft hierfür ihr set zur ostgut-schließung im januar 2003, welches zeigte, woher sie kam, wo sie sich zu dem zeitpunkt befand und auch andeutete, wo es hingehen sollte (spielzeit war damals 2-4 uhr, wenn ich mich richtig erinnere).
**: gedächtnisprotokoll, daher ohne anspruch auf richtige reihenfolge. die ersten drei tracks sowie die letzten vier kamen hintereinander.