[berlin / 15.06.2019] berghain: klubnacht

das wird der juni-termin. der juli ist aller voraussicht nach dem csd vorbehalten. in anbetracht des restpensums an diesem wochenende werde ich so gegen sonntagvormittag erscheinen, aber dafür länger bleiben können.

berghain
00h00 norman nodge
04h00 voiski live
05h30 efdemin
09h30 pangaea
14h00 peter van hoesen & atom tm present sync.
18h30 courtesy
22h30 nina kraviz
02h30 marcel dettmann

panorama bar
00h00 virginia
04h00 cormac
08h00 kosme
13h00 pause
19h00 roi perez
00h00 muallem

garten
12h00 justin van der volgen
16h00 gerd janson

eintritt
18 euro

nachbetrachtung
klappt ja doch noch mit techno und meiner wenigkeit. war zwar leider erst gegen 13:30 uhr da (und konnte damit immerhin noch den guten rest von pangaea mitnehmen, der eine viertelstunde länger spielte, weil seine beiden nachfolger noch zeit zum einrichten brauchten), aber in den 16 darauf folgenden stunden zwei im garten, nicht mal eine in der panorama bar (insofern kein wort zu den dortigen djs), allerdings auch geraume zeit in der säule, wo man aber das geschehen im berghain sehr gut mitbekommt.
fülle und schlange bis zu ninas set nur moderat, was am parallelen whole-festival in gräfenhainichen gelegen haben dürfte. selbst kurz vor ihrem set-beginn reichte die stempel/gästelistenschlange bis zur ecke mit den toiletten und die normale schlange bis zum beginn der gitter. allerdings: es waren seit dem mittag / nachmittag einige geblieben, so dass das bis mitternacht nicht wirklich angenehm war. bei den letzten malen schon gelernt: vor den darkrooms links ist irgendwie immer platz. da komme ich bei kompletter fülle auch besser hin als zu meinem sonstigen stammplatz zwischen den beiden rechten boxentürmen. wird die nächsten male noch weiter getestet.

zur musik:

pangaea in der halben bis dreiviertelstunde sehr technoid. dabei mit aktuellen sachen, die mich jedoch ein paar mal zu shazam greifen ließen:
jerome sydenham & fatima njai – the red dragon
slam – stepback im oscar mulero remix, der das original zwar nicht in den schatten stellt, aber mir neben seinem sehr guten „perfect peace“-album letztes jahr vor augen führt, wie ich ihn als produzent unterschätzt habe.

bei sync. (ich bleibe der einfachheit halber dabei) dann meine skepsis: kann das mit einem vier-stunden-live-act was werden, wenn dem publikum keine bekannten schnipsel oder tracks vorgespielt werden, um sie bei laune zu halten?
zu meiner beruhigung: war nicht nötig. es schien anhand der live-bildschirme bei beiden zwar so, dass sie auch komplette tracks ins set eingewoben haben. aber erkannt habe ich davon nichts. klar war das set auch keine neuerfindung des rades, aber dafür ein sehr gutes beispiel für ab- und aufbau von dynamik. tat der stimmung jedenfalls keinen abbruch.

ich war zwischendurch aber trotzdem mal draußen, wo justin van der volgen u.a. italo-/disco spielte. bei gerd janson ist mir „acperience 1“ von hardfloor in erinnerung, wobei sich der rest des sets eher im (vocal-)house-bereich abspielte. dennoch der erwartet sichere treffer im garten.

bei courtesy (soviel sei vorweggenommen) gab es das rave-inferno. für techno-puristen eher nichts, weil sie keine scheu hat, trance und acid von mitte der 1990er neben neuartigen tracks beider genres und wiederum amtlichen techno-nummern zu verweben. aber das gibt dem ganzen neben der art, wie sie das alles präsentiert, eine lockere naivität zurück, die gerade im berghain so manchen abgeht.
auswahl:
zeigen



danach nina kraviz, die in ihren vier stunden für mich wesentlich schlüssiger / kohärenter spielte als beim letzten mal an ort und stelle. hat in ihren vier stunden neben ihrem dance mania-katalog jedenfalls gezeigt, dass sie eine weit gefächerte techno-sozialisierung mitbringt und den club gerade in ihrer letzten stunde nach allen regeln der kunst zerlegt.
auswahl:
zeigen
sie hat dann dankenswerterweise noch einen ambient-track als outro gespielt, der quasi als reset diente, bevor marcel sein set aufbauen konnte.

das machte er auch mit gewohnter klasse. als überehrgeiziges ziel hatte ich mir vorgenommen, bis zum ende zu bleiben, wobei die zugfahrt nach prag über allem stand und die kondition um 5 uhr früh mir deutlich zu verstehen gab, dass es jetzt langt. nichtsdestoweniger auch er mit geschichtsbewusster trackauswahl, u.a.:
zeigen

doch, ein überdurchschnittlich guter berghain-sonntag. da war ich mir am späten nachmittag bei sync. sicher, aber das hat sich mit fortschreitender stunde umso mehr verfestigt.

[berlin / 29.05.2019] lab.oratory: revolting

wie jedes jahr vor himmelfahrt lädt die heimlich bessere panorama bar auch damen, heteros und jede*n, der*die*das sich irgendwo zwischen lgbtq verortet, in die räumlichkeiten ein.

revolting
00h00 nd_baumecker
03h00 the emperor machine live
04h00 mystery affair
07h00 cormac

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
(am 25. januar 2020)

im gegensatz zum letzten jahr war der außenbereich nicht offen, aber dafür war’s auch etwas zu frisch. die säule hat das alles gut abgefedert.

nd in seiner letzten stunde (war erst ab 2 da und bekam nicht mehr mit) düsterer als gewohnt. die weiteren nach ihm orientierten sich an der rezeptur, die an ort und stelle erfolgreich erprobt ist: acid house, disco, house mit viel synth-einsatz. dabei hat mir insbesondere cormac bestätigt, warum er für die panorama bar mittlerweile eine feste größe ist – unter anderem mit dem seinerzeit frisch erschienenen „(vi-vi) vicious games“ von paranoid london.

insgesamt auch mehr licht als zu silvester mit zwei led-strobos an den seiten, allerdings war es meinem eindruck nach zu himmelfahrt 2018 etwas ausgelassener. ist allerdings auch jammern auf echt hohem niveau.

[berlin / 11.05.2019] berghain: klubnacht

aufmerksame leser*innen haben sicher bemerkt, dass der april-eintrag fehlt und können damit annehmen, dass ich den gesamten monat über nicht da war. stimmt auch nur fast – anfang april gab es eine gemeinsame hörprobe für das (sehr gute) neue sunn o)))-album in der säule, aber das war mir keinen eigenen eintrag wert.
nun also wieder richtig nach gut zwei monaten. plan: anfang bis wenigstens shackleton. herrn kerridge werde ich leider sehr wahrscheinlich verpassen und mich abends in der panorama bar von mir bisher unbekannten namen (ausgenommen roi perez, aber zu der zeit wäre ich schon gerne zuhause) überraschen lassen.

berghain
00h00 don williams
04h00 shackleton live
05h15 blawan
09h00 samuel kerridge
13h00 rrose
17h00 len faki
21h00 etapp kyle
01h00 oliver deutschmann

panorama bar
00h00 sybil jason
04h00 zombies in miami live
05h00 omer
09h00 or:la
13h00 radio slave
16h00 kevin saunderson
19h00 urulu
22h00 chida
02h00 roi perez

eintritt
18 euro

nachbetrachtung
zwei schichten: 1 bis 8 und 20 bis 1 uhr. war beide male besuchertechnisch auch ziemlich entspannt, was insbesondere sonntagabend keine selbstverständlichkeit ist. das ganze kombiniert mit musikalischen qualitätsgaranten (don williams, shackleton) sowie überraschungen (etapp kyle) ließ die klubnacht aus meinem „soliden berghain-durchschnitt“ definitiv hervorstechen.

bei der ersten schicht bekam ich oben nicht so viel mit: sybil jason sehr fahrig, was wahrscheinlich der nervosität geschuldet war. u.a. neuen track reinmixen und erst dann pitchen, noch dazu um 2 uhr technoider als mr. mojuba unten („the storm“ von dave clarke bspw.). bei omer war es halbvoll, als ich ging.
don williams für mich klar nach punkten vorn, der als wunderbare überleitung den t++-remix von shackletons „death is not final“ spielte, was dem touri-publikum rhythmisch zum teil zu komplex war.
shackleton folgt dicht dahinter, war hypnotisch-mystisch wie immer, allerdings geradliniger als gewohnt und löste seine tracks in sich soweit auf, dass zumindest ich nur „asha in the tabernacle“ erkannt habe. kam aber nicht an den monolith von einem set vor vier jahren heran.

in der zweiten schicht hat sich etapp kyle bei mir mal eben nachdrücklich für erneute besuche empfohlen. bislang lief er für mich eher so am rande mit, aber das war wirklich große klasse, wie er zwischen 4/4-kick und electro bzw. sogar dubstep-artigen tracks hin und her sprang. shazam hat mir bei ihm auch verdeutlicht, dass ich reeko wirklich unterschätzt habe, und einen ausflug nach detroit gab es mit „human nt“ von random noise generation auch noch. hab ihn jedenfalls gegenüber chida vorgezogen, der eine etage weiter oben einen kontrast zum sonstigen sonntagabendprogramm geboten hat. heißt: anfangs unter 120 bpm und auch sonst nicht mit blick auf erfüllung der erwartungen nach bedingungsloser abfahrt gespielt. dafür deep(housig) und auch mit ausflügen nach uk, wovon „analogue bubblebath“ von afx hervorstach. fand ich angenehm anders, so wie es ohnehin für mich etwas überraschend kam, dass es auch abends draußen keine schlange gab und man drinnen selbst im berghain ohne wirkliches gedrängel platz zum tanzen hatte.
dort bot oliver deutschmann solide funktionalität, nicht mehr und nicht weniger.

notierte tracks (°: shazam)
don williams:
sonate – living on a star°
vril – omniverse
love inc – r.e.s.p.e.c.t.
trus’me – somebody° (nicht zum ersten mal in shazam identifiziert)
roberto & jamie anderson feat. robert owens – broken (instrumental)°
shackleton – death is not final (t++ remix)

sybil jason:
mikeq & dj sliink feat. miss jay – the bitch°
polarius – choochoo track°
dave clarke – the storm

etapp kyle:
surgeon – transparent radiation
reeko – the gravedigger and his bitch°
reeko – the funeral°
random noise generation – human nt
skee mask – cylo

chida:
afx – analogue bubblebath

[berlin / 14.03.2019] säule: säule xxv

ich bin bei diesen namen und der aussicht auf den komprimierteren rahmen der säule doch nochmal schwach geworden

ablauf
22h00 gian
00h00 traxman
02h00 christopher joseph (der für den krankheitsbedingt fehlenden textasy einspringt)

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
schön unaufgeregte angelegenheit, das alles. hingehen, nirgends warten, sich ungestört bewegen können, dabei den jährlichen status in puncto footwork / ghettotech / booty (oder wie auch immer das mittlerweile genannt wird) mitbekommen und dabei feststellen, dass da alles beim alten ist. nichtsdestotrotz war diese leichtigkeit, mit der traxman die tricks aus dem arm schüttelte, beneidenswert. spielte mit serato und benötigte nur einen technics, was der trainierten seite entgegenkam.
gians warm-up mit schön kuratiertem und präsentiertem electro sollte auch lobend erwähnt werden, christopher joseph war in meinen ohren ziemlicher standard-techno, wobei „infra red spectrum“ von suburban knight positiv herausstach. führte andererseits auch dazu, dass ich relativ zeitig wieder daheim war.

notierte tracks:
zeigen

[berlin / 07.03.2019] halle am berghain: modeselektor live tour 2019

zwar hat mich „who else?“ noch nicht gänzlich überzeugt, was aber vielleicht an meinem überzogenen anspruch liegt. von der spiellänge sind manche eps genauso lang. „who“ ist jedoch richtig gut, und alleine aus gründen der kompletten discographie und unterstützung für die beiden mit dem herz am richtigen fleck wird das noch in meiner sammlung landen.
das konzert ist eigentlich ausverkauft, es gab aber montag nochmal ein restkontingent. man kann sein glück auch noch über ticketswap probieren, aber zahlt dann bitte nicht mehr als 35 euro.

support
catnapp
pfadfinderei visuals

start
18 uhr

nachbetrachtung
war gegen 18h30 da, der eingang war an der seite des bierhofs, wie auch bei den ausstellungen in der halle. die bar, die man von neujahr kennt, ist geblieben, aber zwei treppen nach oben, was das ganze gut entzerrt. die garderobe rechts vom eingang ist ok, wenn die leute immer schubweise ankommen. nach konzertende staut es sich da etwas. da ich mir etwas zeit ließ, ging das aber noch.
interessant auch: die berghain-toiletten waren geöffnet, nicht die vom lab. so gab es mal eine andere perspektive auf den club: der weg zur tanzfläche abgesperrt, man musste über die von den scannern im hellen weiß angestrahlte brücke. und leise war’s.

es hat sich ansonsten positiv bemerkbar gemacht, dass das konzert alles andere als überfüllt war. keine ahnung, ob viele ihr ticket haben verfallen lassen, restkontingent gab es jedenfalls schon später am montag nicht mehr. was ich für eher wahrscheinlich halte: lieber weniger tickets in den vorverkauf geben und den leuten somit eine angenehme erfahrung bereiten. das führte zu einem sehr gut besuchten konzert, bei dem es sich beim haupt-act aber immer noch vorzüglich tanzen ließ.

aber erstmal catnapp, die sich mit ihrem warm-up für weitere besuche empfohlen hat und (auch wenn der vergleich vorne und hinten hinkt) eine wesentlich bessere figur als og keemo bei dendemann eine woche zuvor. mag aber auch an den gehaltvolleren texten gelegen haben.

als zwischenprogramm lief die „tri repetae“ von autechre, was einmal mehr unterstrich, dass die beiden herren aus dem berliner umland in den vergangenen fast 30 jahren eine mehr als ordentliche grundausbildung in elektronischer musik genossen haben.
sie ließen auch sonst nichts anbrennen, spielten (sofern ich mich nicht irre) das gesamte neue album, hits wie „evil twin“ nur an oder gar nicht („kill bill“), dafür andere („the black block“) oder unerwartetes („blue clouds“) komplett. ungewöhnlich wenig interaktion mit dem publikum, und wenn, dann war es szary, der das publikum mit minimalgesten animierte.
berührender moment das „no good“-intermezzo mit „thank you keith flint“-projektion, wobei auch erneut die pfadfinderei für die gesamtleistung gelobt werden muss.

zwei zugaben gab es, mit „hasir“ zum schluss nach brutto gut 100 minuten, netto waren’s um die 90. zwar wollte das publikum mehr, aber als billie holiday über die (übrigens überraschend gut auf die räumlichen verhältnisse eingestellte) anlage erklang, war klar, dass hier nichts weiter passiert.
ein definitiv mehr als nur solides heimspiel. und das neue album machte live um einiges mehr spaß als beim fragmentarischen hören über kopfhörer

[berlin / 02.03.2019] berghain: klubnacht

der letzte akt bis april. von den bisherigen war aber tatsächlich jeder auf seine weise anders und gut. bei diesem ist der primäre grund leon vynehall, der mit „nothing is still“ eines der besten alben des letzten jahres und gleich nebenbei auch eine stilübergreifende, zugleich nicht zerfasernde dj-kicks veröffentlicht hat. auch eine sternstunde der reihe. ist schon jahre her, dass ich ihn an ort und stelle gehört habe, da passt das mit dem restlichen angebot sehr gut.

klubnacht

berghain
00h00 marcel dettmann
04h00 mathew jonson live
05h00 anetha
09h00 juho kusti
13h00 joel mull
17h00 kangding ray
21h00 blawan
01h00 dasha rush

panorama bar
00h00 richard zepezauer
04h00 davis
07h00 dinky
11h00 l.b. dub corp
14h00 leon vynehall
18h00 gonno
22h00 oracy
02h00 nick höppner

eintritt
18 euro

nachbetrachtung und nachruf
diese klubnacht stand ab samstagabend unter ganz schlechten vorzeichen und dies wird sich erst im laufe der zeit umkehren. unter objektiven gesichtspunkten war der sonntag eine woche zuvor aber einen tick besser, glaube ich. aber der reihe nach.

m. lernte ich aus restrealen zusammenhängen vor ein paar jahren in der panorama bar kennen, nachdem man sich im forumzusammenhang gegenseitig bereits gelesen hatte. er war glühender anhänger von house sowie disco und bei klubnächten nur im berghain zu sehen, um eine etage höher zu gelangen – so seine eigenaussage. ein mann mit scharfsinn, praktisch veranlagt obendrein und stets seine einladung zum gemeinsamen essen oder grillen erneuernd, was aber nie geklappt hat. im gegenzug war er ein paar male zu besuch, als wir wg-technisch zum stelldichein geladen hatten.
konsequent in seiner wahl der t-shirts mit wolfgang petry, baywatch oder alf als motiv. meistens in der panorama bar vorne auf der tanzfläche beim dj-pult durchgeschwitzt mit einer flasche wasser in der hand zu sehen, die er bereitwilligst teilte. kein nerd in puncto trackanalysen (das prädikat behielt er leuten wie meiner wenigkeit vor), aber geschmackssicher. immer auf der matte, wenn gerd janson spielte, auf ihn gehen die tipps mit rahaan und josh cheon zurück.
privates deutete er lediglich an, ließ aber keine zweifel daran, dass party und wochenende für ihn mit abstand vom alltags- und sonstigen stress nun priorität haben. ich beneidete ihn ein wenig für seine unkomplizierte art, mit leuten ins gespräch zu kommen.

am samstagabend erfuhr ich nun in diesen restrealen zusammenhängen, dass er nicht mehr unter uns weilt. bevor ich am sonntag losging, bestätigte sich das, was ich bereits bei den letzten malen vermutete, wo wir uns gesehen hatten.
er hinterlässt eine tochter. und bei mir den vorsatz, bei dem es mir umso mehr ein bedürfnis ist, ihn weiterzugeben: wenn euch anzeichen von depressionen bei leuten in eurem umfeld auffallen (egal, wie nahe man sich steht), fragt lieber ein-, besser zweimal zuviel nach. bietet an, gegebenenfalls da zu sein. definiert zugleich auch grenzen. zeigt möglichkeiten auf und übt sanften druck auf die betroffenen aus, dass diesen auch nachgegangen wird.
all das habe ich in seinem fall nicht getan. zu stark war der eindruck desjenigen, der alles im griff hat. dabei hätte ich wahrscheinlich nur einmal so scharfsinnig nachhaken sollen wie er es beim auseinandernehmen politischer argumentationen tat. es ist umso trauriger (aber zugegeben auch für mich beruhigender) zu wissen, dass selbst leute, die ihm näher standen als ich, in diesem fall auch nichts verhindern konnten.
was eine eventuelle lücke in den vorderen reihen beim dj-pult in der panorama bar angeht: um die wird man sich wegen des standard-füllgrades am sonntag keine sorgen machen müssen. aber das wissen, dass die discofaust aus einer dieser lücken von nun an nicht nur mal nicht da ist, sondern permanent fehlen wird, hat mir zum zweiten mal in meinem clubleben die tränen in die augen getrieben (zum ersten mal bei der tresor-schließung anno 2005). es war bei oracy, der letztes jahr mit das für ihn beste set in der panorama bar gespielt hatte und dieses mal mit romanthonys „wanderer“ als erstem track für mich intuitiv goldrichtig lag. habe mich in dem augenblick einfach für’s loslassen entschieden und war auch erleichtert, dass ich es zulassen konnte. die discofaust reckte ich später stellvertretend in die luft. werde ich auch zukünftig, ist für mich ein schönes gedenken.

r.i.p. m.

und sonst so?
leon vynehall war nicht so wagemutig wie auf seiner dj-kicks, dennoch stilübergreifend aktiv, gerne auf breakbeats zurückgreifend und für die spielzeit sehr angemessen.
trackauswahl:
zeigen



gleiches (also was das angemessene betrifft) gilt auch für joel mull eine etage tiefer. nur so richtig die letzte halbe stunde mitbekommen, zuvor blieb „the myth“ von jay denham positiv in erinnerung.
sonst trieb ich mich im berghain kaum herum. kangding ray war zwar aus einem guss wie immer, aber mir war irgendwie nicht danach. und bei blawan stellte sich die für das berghain übliche sonntagabendfülle ein. hab’s zwar kurz versucht, dann aber aufgegeben. oben war das weniger ein problem.

gonnos letzter track eines ziemlich discohouse-lastigen sets war „believing“ von portable. oracy begann nach ihm ganz schön fordernd, schloss mit pianolastigem vocalhouse. die kombination aus „controversy“ von prince mit „da funk“ von daft punk muss ich mir mal merken.
restliche trackauswahl:
zeigen

[berlin / 23.02.2019] berghain: klubnacht

teil 3 von 4.

berghain
00h00 scuba
04h00 mark live
05h00 prequel tapes
08h00 barker
12h00 stenny
15h00 alex.do
18h00 zenker brothers
22h00 fiedel
02h00 dr. rubinstein

panorama bar
00h00 margaret dygas
04h00 ryan elliott
08h00 r.o.s.h.
12h00 âme
16h00 kittin
20h00 laurent garnier
00h00 jennifer cardini

eintritt
18 euro

nachbetrachtung
überdurchschnittlich gute klubnacht, was kittin, monsieur garnier, aber auch fiedel zu verdanken ist. letzterer hat in seiner letzten stunde einfach mal das tempo bis 148 bpm angezogen, so dass alte jeff mills-tracks wie „phase 4“ im original-tempo liefen. war unerwartet und deswegen herrlich.

ansonsten fand die klubnacht für mich tatsächlich in zwei schichten statt, da ich doch noch zum warm-up ankommen und somit scuba und mark hören konnte. ersterer kann noch breakbeats und war insgesamt geschlossener als margaret dygas – jedenfalls in dem, was ich die letzte gute halbe stunde mitbekommen habe.
mark zeigte sich zu zwei dritteln kompromissbereit, also mit 4/4-kick. der rest bestand aus breakbeats, drum&bass gab es in den letzten zehn minuten. versteht das publikum immer noch zum großteil nicht. tolles sounddesign jedoch.

zurück war ich zu kittin, die dort oben auch sehr technoid und auch zuweilen hittig spielte, jedoch zugleich zeigte, dass sie ihre qualitäten, verschiedene stile mühelos zu verweben, nach 20 jahren immer noch ausspielt. sie war für mich damit interessanter als alex, der sehr melodiös, beinahe trancig spielte. dort aber positiv aufgefallen: claro intelecto – tone.

laurent garnier fing fast eine halbe stunde früher an, spielte eine gute halbe stunde mit kittin gemeinsam, dann alleine weiter und hing beinahe eine dreiviertelstunde hinten dran. auch bei ihm ist alles beim alten: der mann ist und bleibt eine urgewalt hinter den decks. ich ging zwar nicht mit jeder kombination konform (donna summers „i feel love“ und sein „man with the red face“ passen harmonisch einfach nicht, aber da hat er sich wohl vom moment mitreißen lassen), trotzdem sieht und spürt man, dass der mann musik atmet, lebt, fühlt und das auflegen für ihn nicht nur ventil, sondern auch mission zugleich ist. er konnte also mit dem publikum gerade ab der zweiten hälfte seines sets machen, was er wollte, so dass auch samba funktionierte.

hatte auch komischerweise wenig probleme mit der fülle. die ist sonntagabend mittlerweile so zum standard geworden, dass es mir auch vollkommen ausgereicht hat, herrn garnier von der galerie aus zu hören bzw. zuzuschauen. und fiedel hat alleine mit dem tempo die spreu vom weizen getrennt.

trackauswahl:
zeigen

[berlin / 15.02.2019] berghain: mannequin records nacht x / whities

da jetzt auch das line-up für den märz draußen ist, kann ich es ja sagen: es werden vier aufeinanderfolgende wochen. allerdings jeweils nur ein tag. überkompensation ist noch nicht nötig.

berghain: mannequin records nacht x
00h00 techno bert
01h30 tobias bernstrup live
02h30 an-i live
03h00 black merlin live
04h00 jasss b2b cem
06h30 alessandro adriani

panorama bar: whities
00h00 tasker
04h00 overmono live
05h00 bambounou
08h00 upsammy

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
(am 21. januar 2020)
notiz an mich: es hilft immens, einen auf dem schlauen telefon gestellten wecker auch einzuschalten. das ehrgeizige ziel, die live-acts und auch techno bert noch mitzunehmen, habe ich damit verpasst. andererseits stand ich dadurch recht fit gegen 5:45 uhr im club.

jass und cem solide technoid, bambounou spielte mir oben insgesamt mit zu wenig drive bzw. zu statisch.
alessandro adriani hat zum schluss für einen der momente gesorgt, den ich mir für den ort (und die uhrzeit) schon länger gewünscht hatte: „temptation“ von new order zu hören, und zwar in der (einzig wahren) alten version. zwar leider nicht ausgespielt, aber durch „no tears“ von tuxedomoon abgelöst.

für einen weiteren, länger andauernden moment sorgte upsammy oben. normalerweise gehe ich freitags nur nochmal kurz oben schauen, wenn im berghain feierabend ist, entscheide dann meistens, dass das musikalische angebot meiner kondition keine weiteren schübe verleihen kann und gehe dann.
hier kamen mehrere faktoren zusammen: erstens war ich ja sowas wie ausgeschlafen. zweitens spielte sie drum&bass oder electronica, das aber – drittens – konsequent, viertens super geschmackssicher. das war ab kurz vor 9 so unerwartet und so gut, dass das für mich rückblickend eines der sets anno 2019 war. richtig voll war es zu dem zeitpunkt zwar nicht mehr, aber die verbliebenen gingen mit und das war einfach nur ein genuss.
sie ist resident in de school, dem trouw-nachfolger in amsterdam, den ich schon länger mal in augenschein nehmen wollte. ein guter grund, da hinzufahren, aber bis es soweit ist, habe ich sie mir für hiesige gastspiele gemerkt.

also: nur die vorletzten meter mitbekommen, aber die haben nachhaltigen eindruck hinterlassen.

notierte tracks (°: shazam)
bambounou:
jensen interceptor & assembler code – abstract model

upsammy:
nucleus & paradox – planet r°
holy similaun – ghawdex°
skeptical & alix perez – killa°
urban tribe – diffraction pattern°
aleksi perälä – ni-l56-18-07380°
desired state – invasion° (weitere notiz an mich, als ob der zettel nicht schon lang genug wäre: ram records durchhören, auch wenn das heißt, zum ungeliebten platzhirsch namens „beatport“ gehen zu müssen.)
sully – epoch°
mark – integrier dich du yuppie
struktur – i (a1)
aphex twin – mt1 t29r2°

[berlin / 08.02.2019] panorama bar: finest friday

normalerweise gehe ich ja nur in ausnahmen hin, wenn nur die panorama bar offen ist. aber woody hat erstens seine premiere und zweitens doch einen gewissen einfluss auf mich gehabt (was genreübergreifende sets angeht, die vom rhythmus und funk zusammengehalten werden), das möchte ich mir gerne anhören.
hinter loyoto verbergen sich eva be und clé, womit das in eine halbe e-werk-versammlung ausarten könnte. die werde ich aber aller voraussicht nach verpassen.

finest friday
00h00 loyoto
03h00 kiki
06h00 steve bug
09h00 woody

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
war erst zum deutlichen morgengrauen dort, habe damit aber endlich wieder nach gefühlten ewigkeiten steve bug gehört, der absolut nichts von seinen qualitäten eingebüßt hat und (wenn ich ehrlich bin) für mich auch deutlich vor woody lag. letzterer konnte sich auf eine stammanhängerschaft verlassen, die zum teil bereits im sternradio oder polar.tv (oder sogar noch früher) anzutreffen war. aber im großen und ganzen wirkte es so, als ob er seinen standard abliefern würde. teilweise auch disharmonische übergänge, seinen kissogram-remix spielt er immer noch und „the man with the red face“ von herrn garnier kann man immer als sicheren treffer bringen. solide kost, aber beim besten willen auch nicht mehr. ich habe ihn definitiv schon mitreißender erlebt.
steve bug hingegen mit schönem bogen und wahnsinnig sichtbarer energie, für mich lief da mehr zusammen. schön auch das ausreichende platzangebot bis zum schluss, wobei ein paar leute mehr wahrscheinlich beim club und auch woody motivationssteigernder gewirkt hätten. aber so ist das nun mal mit dem schwierigen freitag.

notierte tracks (°: shazam)
steve bug:
eskuche – concentrate° (erstaunlich, dass auf relief noch oder wieder so zeitgemäße tracks erscheinen)
rod – rspct° (auf mdr übersehen, muss ich nachholen)
kink – teo techno (radio slave disco dub)° (direkt danach, passt perfekt)
contactless – robot wreckin‘ krew (auf unknown to the unknown, deren katalog ich auch endlich mal durchhören müsste)

woody:
riley reinhold & steve barnes – mondrian°
boe & zak – looking for love° (traumhaft schöner house-track)
jamie lidell – when i come back round (live version – matthew herbert long night dub)
kissogram – if i had known this before (woody’s fumakilla xtc express mix)
laurent garnier – the man with the red face
scan 7 – system work
silverlining – two nuts short of a wrongan°

[berlin / 01.01.2019] berghain: silvester klubnacht

das zitat ist zwar leicht zeitverzögert aus dem zusammenhang gerissen, aber passt so schön: alle jahre wieder…
der orientierung halber ergänze ich die wochentage. wer sich wundert, dass ein paar namen in den schlagworten fehlen: der lohnerwerb ruft am 2. januar. dadurch werde ich ein paar favoriten verpassen (nd, mark ernestus und rabih beaini beispielsweise).

silvester klubnacht

berghain
dienstag, 01.01.2019:
01h00 answer code request
05h00 dr. rubinstein
08h00 rødhåd
11h00 terence fixmer
13h00 norman nodge
16h00 steffi
19h00 volvox
22h00 phase fatale
mittwoch, 02.01.2019:
01h00 fiedel
04h00 somewhen
07h00 kobosil
10h00 efdemin
13h00 function
16h00 luke slater
19h00 marcel dettmann
22h00 boris

panorama bar
dienstag, 01.01.2019:
01h00 massimiliano pagliara
05h00 cormac
09h00 nemo b2b castro
13h00 virginia
17h00 ryan elliott
21h00 nick höppner
mittwoch, 02.01.2019:
01h00 tama sumo
05h00 dominic carter
09h00 nd_baumecker
13h00 honey dijon
17h00 tornado wallace
21h00 gerd janson
donnerstag, 03.01.2019:
01h00 roi perez

lab.oratory
dienstag, 01.01.2019:
05h00 luigi di venere
09h00 chris cruse
13h00 soundstream
17h00 heidi lawden b2b lovefingers
21h00 i-f
mittwoch, 02.01.2019:
00h00 dan beaumont
04h00 paramida
08h00 prins thomas
12h00 discodromo

halle
dienstag, 01.01.2019:
12h00 pom pom
15h00 lotus eater live
16h30 rachel lyn
20h30 tricky
22h30 vladimir ivkovic
mittwoch, 02.01.2019:
02h30 etapp kyle
06h30 mxwhd
09h30 rabih beaini
12h30 mark ernestus
15h00 barker
19h00 felix k
22h30 pom pom

eintritt
ist noch nicht kommuniziert. aber von wenigstens 20 euro ist auszugehen.
38 euro

nachbetrachtung
(gut ein jahr später am 14. januar 2020)

das gleiche wie jedes jahr (auch bei der wortwahl): der termin ist und bleibt einfach eine sichere bank. auch die zwangspause zwischendrin erwies sich nicht als dämpfer, wobei das arbeiten von daheim aus hier seine qualitäten ausspielen konnte.

keine ausreißer nach unten, füllgrad zumindest in lab und halle stets erträglich und ein angenehm hoher anteil an stammpublikum (heißt: schwulen).
virginia machte oben in der panorama bar eigentlich das, was sie die letzten male zu silvester im lab auch getan hat: poppig-hittig spielen. bspw. „rhythm of the night“ von corona, direkt gefolgt von bizarre inc. „playing with knives“.
steffi eine etage tiefer einmal mehr als qualitätslieferantin („phylyps trak“, „armageden“ von the advent oder – shazamt – „scythe“ von phobia), nur die anlage etwas überreizend.
rachel lyn in der halle mit einem stück vom „electronic recordings from maui jungle vol. 1“ von anthony child, dessen namen ich damals nicht wusste und mir daher nicht notiert habe. nun fällt mir der track an sich auch nicht mehr ein.
tricky hat dort sehr wild gespielt, bzw. spielen lassen. hatte einen assistenten bei sich, der das technische übernahm, er kümmerte sich lediglich um die auswahl. war sicher tanzbar für diejenigen, die sich darauf einlassen konnten, hat aber auch polarisiert, was für mich immer noch die bessere möglichkeit als die sicheren treffer ist.
über i-f als eben diesen treffer braucht man sich keine gedanken zu machen. der passt immer und überall, hat (wie erwartet / erhofft) im lab eher (italo-)discoid und poppig gespielt und damit abgeräumt.
fiedel ist für mich der gewinner der ersten schicht, weil schön divers, fordernd und damit ein guter grund, den aufbruch richtung bett hinauszuzögern.

zwar reichte die stempel-/listenschlange bei der rückkehr gegen 17 uhr bis zu beginn des gartens, aber das ging schnell genug, um noch weite teile von barker mitzubekommen, der sein gespür für harmonien einmal mehr bewiesen hat und meistens von sequenzen ohne deutliche rythmussektion geprägte tracks ineinandermischte.
tornado wallace war härter / fordernder als die letzten male, was aber sowohl ihm als auch der panorama bar gut stand.
marcel dettmann mit gewohnt trockener klasse, aber auch zu erwartender fülle, so dass das lab wieder für mich interessanter wurde. die halle habe ich komischerweise ab barker komplett vernachlässigt.
jedenfalls lieferten discodromo einen weiteren beleg für die „hier muss man sich keine sorgen machen“-sparte und hielten das lab insgesamt 16 stunden sicher in schach. danach hatte ich nach insgesamt gut 25 stunden definitiv genug und ging wieder einmal ohne den zweifel nach hause, neujahr im berghain weiterhin als pflichttermin auf der agenda zu behalten.

trackauswahl (°: shazam)

tricky:
kool keith – livin‘ astro°
tricky – brand new you’re retro (alex reece remix)°
pharoahe monch – simon says°
public enemy – timebomb°
blue boy – remember me

i-f:
two tons of fun – i got the feeling°
midnight star – freak-a-zoid°
spencer davis group – i’m a man°
frankie goes to hollywood – relax (new york mix)°
supercharge – i think i’m gonna fall (in love)

fiedel:
truncate – terminal 5
percy x – maintain (mark henning’s 90s mix)°
rommwick – zunt°
fabrice torricella – coven°
fjaak – 3xl°
clouds – overflow ya°
eeoo – workout°

marcel dettmann:
trackhead steve – gone madd (war schon vor zehn jahren regelmäßig in seinen sets zu hören und wird einfach nicht langweilig.)
steve bicknell – lost recordings #1 (c1)

tornado wallace:
tony hughes & jrj – give her the d°
dj deeon – da bomb

discodromo:
blake baxter – acid warp time travel°
trans x – living on video
nitzer ebb – let your body learn
massive attack – unfinished sympathy (letzter track im putzlicht)